11 Übungen gegen die Angst vor dem Ausritt

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Foto: Rädlein 11 Übungen gegen die Angst vor dem Ausritt

Tempo kontrollieren - Entspannt parieren

Um das Tempo zu drosseln, sollten Sie cool sein. Dazu die Zügel in eine Hand nehmen, die andere hoch strecken, dann ruhig zur Seite absenken.

Auf diese Geste reagiert jedes Pferd, indem es langsamer wird, weil der Reiter automatisch ausatmet und sich entspannt.

Wichtig: Nicht nach vorne kippen oder mit der Stimme bremsen. Laute Rufe wie „Brr!“ klingen in Pferdeohren wie Alarmsignale. Wie Sie in Balance bleiben, lesen Sie unter Hügel balanciert aussitzen.

Tempo kontrollieren - Der Pullgriff

Sollte das Pferd in einer Notsituation davongaloppieren, stützen Sie eine Hand am Widerrist ab. So haben Sie Halt. Die andere führen Sie so weit zur Seite, bis das Pferd den Kopf wendet. Das unterbindet seinen Fluchtreflex, da der lange Hals als Balancierstange fehlt.

Wichtig: Immer wieder nachgeben, bis das Tier bremst. Nur nicht starr am Zügel ziehen!

Tipp: Üben Sie den Notgriff vorab im Halten, damit Sie im Falle eines Falles sicher durchgreifen können.

Tempo kontrollieren - Die Zügelbrücke

Legen Sie die Zügel am Ende doppelt übereinander, bis zwischen Ihren Daumen eine Art Brücke entsteht. So haben Sie die Zügel jederzeit stabil und ruhig im Griff.

Hügel balanciert aussitzen - Stabile Haltung

Selbst kleine Hügel wirken auf unsichere Reiter beängstigend: Das Pferd könnte stolpern oder ausrutschen.

Keine Bange: Ein gut trainiertes Pferd bewältigt steileres Gelände mühelos. Erst recht, wenn Sie es im stabilen Entlastungsitz mit leicht nach vorne gebeugtem Oberkörper unterstützen.

Wie wichtig das ist? Wer beim Bergaufreiten zu weit nach vorne kippt, überlastet die Vorhand, das Pferd kommt aus dem Gleichgewicht. Wer sich bergab zu weit nach hinten lehnt, blockiert die Hinterhand. Sollte das Pferd straucheln, geraten Sie zudem leichter unter das Tier, als wenn Sie im Notfall nach vorne abrutschen.

So bewältigen Sie mühelos jeden Berg: Ein Halsring in Kombi mit der Zügelbrücke hilft Ihnen, eine stabile Mittelpositur für den Entlastungsitz zu finden. So laufen Sie nicht Gefahr, sich beim Bergaufund Bergabreiten sowie über Hindernissen oder im Galopp am Zügel festzuziehen.

Dazu einfach mit der Zügelbrücke in den Halsring greifen, so wie es die Reiterin auf dem Bild ein Bergaufreiten demonstriert. Zusätzlich stabilisieren kurze Bügel Ihren Sitz.

Tipp: Ein bis zwei Loch kürzer als sonst schnallen.

Hügel balanciert aussitzen - Halt am Führseil

Besonders ängstliche Reiter nimmt Dina Seipp vor einer neuen Herausforderung ans Führseil – und lässt sie je nach Platz hinter oder neben sich herreiten.

Auf diese Weise kann der Reitschüler Sitz und Hilfengebung der Reitlehrerin parallel nachmachen und bleibt samt Pferd im Fluss. Denn jegliches Zögern überträgt sich aufs Pferd. Es stoppt, fällt in der Gruppe zurück.

Bemerken Pferde, dass sie den Anschluss verlieren, hüpfen viele unkontrolliert los, achten nicht mehr auf den Weg. Am Hang kann es so zu schweren Stürzen kommen.

Auch ohne Führseil gilt daher unbedingt: Halten Sie gleichmäßige Abstände ein!

Mut für kleine Hindernisse - Im Gänsemarsch...

Hindernisse gibt es überall, und sei es nur ein kleiner Ast. Um nicht vor lauter Furcht einen Umweg reiten zu müssen, sollten Sie lernen, wie es sich anfühlt, wenn das Pferd die Beine höher hebt.

Versprochen: Pferde überwinden Hindernisse im Gelände besonders willig.

So geht’s: Reiten Sie zunächst im Gänsemarsch und Schritt über kleine Äste oder Stämme. Achten Sie auf gleichmäßige Abstände, damit Sie und Ihr Pferd den Anschluss behalten.

Begeben Sie sich in den Entlastungssitz, stabilisieren Sie Ihr Gleichgewicht mit Hilfe von Zügelbrücke und Halsring. Lassen Sie sich nun einfach vom Führpferd mitziehen.

Sie werden sehen: Ihr Pferd spaziert brav hinterher.

Mut für kleine Hindernisse - Im Trab und Galopp

Danach das Gleiche in Trab und Galopp üben.

Wichtig: Suchen Sie sich anfangs seitlich begrenzte Hindernisse – zum Beispiel einen engeren Weg oder wie hier einen alten Vielseitigkeitssprung. Die Abgrenzungen helfen Reitern, sicher die Mitte zu treffen und verhindern, dass das Pferd seitlich ausbricht.

Mut für kleine Hindernisse - Stufen hinab

Auch Absätze, etwa zwischen zwei Stoppelfeldern, begegnen Reitern draußen.

Reiten Sie gerade darauf zu, greifen Sie zu Zügelbrücke und Halsring. Den Blick richten Sie geradeaus. Den Rest macht Ihr Pferd.

Wichtig: Lassen Sie es zur Stufe hinschauen. Niemals den Pferdekopf nach oben ziehen oder sich zurücklehnen. Sturzgefahr!

Entspannt alleine reiten - Die Gruppe verlassen

Für diesen Lernprozess brauchen ängstliche Reiter viel Vertrauen, da sie fürchten, ihr Pferd alleine nicht mehr kontrollieren zu können.

Üben Sie auf einem ebenen, seitlich begrenzten Weg. Das verleiht Sicherheit und hält Pferde besser in der Spur. Nehmen Sie die Zügel etwas kürzer und eine positive Körperspannung auf, indem Sie sich stolz aufrichten.

Ihre Mitreiter bleiben ruhig an einer Stelle stehen.

Fokussieren Sie nun ein zirka 100 bis 200 Meter entferntes Ziel, einen Baum etwa. Motivieren Sie Ihr Pferd und sich mit einem flotten Stimmkommando wie „Auf geht’s!“.

Tipp: Im Trab wegreiten. Diese Gangart ist dynamisch und gut kontrollierbar. Im Schritt kann das Pferd zu viel nachdenken und verweigern, sollte sich Ihre Unsicherheit übertragen.

Entspannt alleine reiten - Zurück zur Gruppe

Am Ziel angekommen, tief ausatmen, ruhig wenden und stets im Schritt auf die anderen zureiten.

Der Rückweg darf niemals hektisch werden! Stellen Sie sich vor, Sie und Ihr Pferd würden schlendern. Das beruhigt. Kurz vor der Gruppe machen Sie die Entspannungsgeste (siehe auch "Das Tempo kontrollieren") und halten Ihr Pferd an.

Vertrauen im Wasser - Ab in die Mitte

Pfützen oder größere Gewässer tauchen beim Ausreiten immer mal wieder auf.

Besorgte Reiter wissen: Weil Pferde nicht sehen können, wie tief eine Pfütze oder das Gewässer ist, zögern sie. Erst recht, wenn der Reiter Bammel hat.

In der Gruppe überwinden zwei- und vierbeinige Angsthasen ihre Scheu am einfachsten, indem sie von wasserfesten Kameraden eingerahmt werden, die ruhig voran oder nebenher durchs Wasser schreiten.

Vertrauen im Wasser - Nase ins Nass

Nehmen Sie die Zügel als Brücke und halten sich am Halsring fest. Der Sitz an sich ist egal.

Wichtig ist, dass das Pferd den Hals strecken, sich ausbalancieren und das Wasser genau angucken kann. Nur keinen Druck ausüben, das tut weder seinen noch Ihren eigenen Nerven gut!

Möchte das Pferd mit der Nase ins kühle Nass eintauchen oder gar damit spielen, lassen Sie das zu. Je intensiver sich Ihr Pferd mit dem Element Wasser beschäftigt, um so williger nimmt es künftig alle Pfützen und größere Gewässer in Angriff. Was ein Spaß!
Mehr zu dieser Fotostrecke: So besiegen Sie die Angst vor dem Ausreiten