Teil des
CAV 04_2010_Reiten im Gelaende_02 (jpg) cavallo
CAV Geländelektionen Bild 1
CAV Geländelektionen 01 Wald
CAV Geländelektionen Bild 3
CAV Geländelektionen Schritt bergab
CAV Geländelektionen Bild 4 14 Bilder

Rittigkeit im Gelände: So fasst Ihr Pferd Vertrauen

Sicher Reiten: Profi-Tipps fürs Gelände

Durchgehen, Drängeln oder Zackeln sind Eigenschaften, die den Spaß am Ausritt verderben: Sie schüren Angst und nerven. Um sie abzustellen, müssen Sie sich nicht in Gefahr, sondern schlicht in die Reitbahn begeben.

Reiten, so weit die Hufe tragen – das zählt zu den schönsten Erlebnissen im Sattel. Dumm nur, wenn das Pferd im Gelände heiß auf jeden Galopp ist, hochdreht, zackelt und sich schließlich kaum noch kontrollieren lässt. Wer auf so einer Bombe sitzt, verzichtet spätestens nach dem zweiten Ausritt auf die Natur und dreht fortan in der sicheren Halle seine Kringel.

Kompletten Artikel kaufen
CAV Sonderheft Gelände 2013
CAVALLO Spezial "Mehr Lust auf Gelände" - Ratgeber als pdf
Sie erhalten den kompletten Artikel (inkl. PDF, 124 Seiten)
6,50 €
Jetzt kaufen
CAV 04_2010_Reiten im Gelaende_10 (jpg)
Slawik
Eine typische Situation: Das Pferd will rennen, während seine Reiterin eisern um ihre Kontrolle kämpft.

Kann er das Tier dort zu einem sicheren Geländepferd ausbilden? Für in Bad Hersfeld/Hessen, gibt es zwei Bedingungen für einen Ausritt, die erfüllt sein müssen.

„Ein Pferd, das im Gelände geritten wird, muss die Skala der Ausbildung, also Takt, Losgelassenheit und Anlehnung, beherrschen“, sagt Göbel. „Sie müssen einen ausbalancierten Sitz haben und sichere Hilfen in allen Gangarten geben können.“

Der Knackpunkt für viele Pferd-Reiter-Paare ist dabei die Kontrolle des Tempos im Galopp – gerade in der Gruppe. Das können Sie in der Bahn trainieren: „Üben Sie dort das Reiten in der Gruppe. Probieren Sie wechselnde Formationen. Pro Runde soll ein anderes Pferd die Tete übernehmen“, rät , Ausbilderin aus dem schwäbischen Murrhardt. „Stürmt ein Pferd los, wenden Sie ab, parieren durch und galoppieren erneut an.“ Ein weiteres Problem sind Pferde, die jede Galoppstrecke im Gelände kennen und auf ihr automatisch losrasen. Wer das Pferd dann mit aller Kraft zurückhalten will, wird oft abgebockt, weil die Tiere in ihrer Erregung ärgerlich werden. Vielseitigkeitsreiterin Inken Johannsen konditioniert solche Pferde um, indem sie Neues fordert und so das alte Galoppmuster durchbricht. „Ich reite Dressurlektionen, trabe um einen Baum oder lege auf der Galoppstrecke Volten an, um das Pferd zu beschäftigen.“

Damit das funktioniert, muss auch der Reiter umdenken und auf bequeme Automatismen wie „Hier ist die Galoppstrecke“ oder „Hier traben wir“ verzichten – und sei der Weg noch so verlockend weich, federnd und gerade. Ein Problem ist auch Erschrecken mit anschließendem Durchgehen. Das ­passiert oft schneller, als der Reiter denken kann. Nur wer hierbei die Balance behält, hat eine Chance, das Pferd wieder anzuhalten. Oberstes Ziel ist dabei, auf dem Pferd zu bleiben. „Auf keinen Fall steif ­machen“, warnt Anke Recktenwald, Pferdewirtschaftsmeisterin (FN) und Trainerin der .

3 Profi-Tipps: So bestimmen Sie das Tempo:

1. Ihr Pferd soll in einem gleichmäßigen Tempo galoppieren, das nicht immer freier werden darf.

2. Prüfen Sie die Rittigkeit des Pferds mit Gangart-Wechseln und Tempounterschieden.

3. Im Notfall einen Daumen auf den Mähnenkamm drücken; mit der freien Hand Paraden geben.

Tipps für den Notfall

„Das blockiert den Fluchtreflex, und das Pferd konzentriert sich wieder auf den Reiter“, sagt Anke Recktenwald. Für Pferde, die bei Ausritten zum Rasen ­neigen oder ständig pullen, empfiehlt sie einen Balancezügel – also einen Halsring –, der ergänzend zur Trense über Brust und Pferdehals gelegt wird. „Der Balancezügel unterbricht den Kreislauf von Druck und Gegendruck am Gebiss. Das Pferd lässt sich damit leichter bremsen“, so Recktenwald.

CAV 04_2010_Reiten im Gelaende_14 (jpg)
Rädlein
Nervöse Pferde, die dauernd zackeln, sollten lange Schrittstrecken im Gelände gehen. Das entspannt Pferd und Reiter.

Reiter, die ihre Pferde gut kennen, spüren schnell, wenn sich das Tier unwohl fühlt und plant, auf dem Absatz kehrt zu machen. Für diesen Fall gilt: In brenzligen Situationen sollten Sie lieber führen statt reiten. Falscher Stolz ist fehl am Platz. „Man muss nicht an einer Kuhweide entlangreiten, wenn klar ist, dass Komplikationen folgen“, warnt Westernausbilderin Ute Holm aus Stuttgart. „Führen Sie Ihr Pferd lieber vorbei, und ­steigen Sie dann wieder auf.“

Auch Radfahrer oder Traktoren lösen bei Pferd und Reiter Stress aus. Dabei gibt es einige Tricks, mit denen Reiter ihrem Pferd auch in scheinbar bedrohlichen Situationen schnell Vertrauen vermitteln können. Grundsätzlich gilt: „Jedes als Gefahr regis­trierte Objekt erschreckt das Tier mehr, wenn es sich frontal nähert“, erklärt Ausbilder Peter Kreinberg. „Darum ist es sinnvoll, Pferde seitwärts daran vorbeizureiten.“

Das geht nur, wenn das Pferd rittig ist – wenn Sie es also so ausgebildet haben, dass es Zügel- und Schenkelhilfen kennt und ­zuverlässig befolgt. Nur dann können Sie im leichten Schulterherein an einer Gefahrenquelle vorbeireiten. „Rollt ein Traktor auf uns zu, stelle ich mein Pferd seitwärts dazu ein. Das hat den Vorteil, dass mein Pferd das Gefährt sehen kann, ich ihm so aber auch einen Fluchtweg eröffne. Allein diese Option vermittelt ihm Sicherheit“, sagt Kreinberg.

„Hat das Pferd gelernt, dass in einer Stress-Situation mit wenig Druck agiert und seine Angst respektiert wird, wächst das Vertrauen zum Reiter, und das Pferd wird sich schweren Auf­gaben lieber stellen“, erklärt Tellington-Trainerin Anke Recktenwald. Außerdem müssen Reiter lernen, dass ihr Pferd beim Reiten Führung braucht. „Ihre Sinne müssen dafür immer wach sein“, sagt Working-­Equitation-Reiter Rolf Janzen. „Wenn mich mein Pferd im Gelände fragt: ‚Hast du den Radfahrer gesehen?‘, muss ich reagieren.“ Die Frage kann in einem leichten Heben des Kopfs oder gespitzten Ohren in Richtung Radfahrer bestehen.

Die Antwort des Reiters, „Ja, habe ich“, kann ein leichter Schenkeldruck, eine halbe Parade oder ein kurzes Zupfen an einem Zügel sein. „Dann weiß mein Pferd, dass ich mich um das Problem kümmere und es sich keine Sorgen zu machen braucht“, so Rolf Janzen. „Wenn ich seine Frage nicht bemerke, auf sie nicht reagiere oder vielleicht sogar den Radfahrer verschlafen habe, kümmert sich mein Pferd selbst um das Problem.“ Das kann Erschrecken, Stehenbleiben oder Durchgehen bedeuten.

3 Profi-Tipps: So gewinnt Ihr Pferd Vertrauen

1. Füllen Sie die Chef-Rolle aus: Mut machen, Entscheidungen treffen, alles im Blick und im Griff haben.

2. Arbeiten Sie mit Ihrem Pferd am Boden, um Respekt und Durchsetzungsvermögen zu lernen.

3. Geduld und Finesse: Machen Sie Ihr Pferd in gewohntem Umfeld mit neuen Dingen bekannt.

Platzangst in der Gruppe?

„Manchen Pferden ist es einfach zu eng in der Gruppe“, weiß Regina Johannsen, FN-Ausbilderin der klassischen Dressur. Oft hilft es, einfach mit mehreren Pferdelängen Abstand hintereinander zu reiten, statt dem Vordermann auf dem Schweif zu hängen. „Als Übung bietet sich auch an, den Drängler immer wieder ruhig stehen und von der Gruppe weg-, dann wieder zu ihr hingehen zu lassen. Klappt das, können Sie dem Pferd auch vom Sattel aus Futter als Lob geben“, sagt Peter Kreinberg.

CAV 04_2010_Reiten im Gelaende_13 (jpg)
Rädlein
Ein Pferd, das draußen drängelt, muss das hinten einreihen lernen.

Bei nervösen, aber rittigen Pferden bietet es sich an, die ersten Male nicht alleine ­auszureiten. „Mit einem Kumpel fällt es leichter“, sagt Regina Johannsen. Ein ruhiger oder gar fauler Ausreitpartner drosselt den Bewegungsdrang und beruhigt die Nerven des Hibbels. Sorgen Sie außerdem dafür, dass spritzige Pferde vor dem Ausritt ausreichend Bewegung haben.

„Pferde, die den ganzen Winter in der Box stehen und nur in der Halle geritten werden, müssen sich austoben“, erklärt Western-Profi Ute Holm. „Natürlich drehen die auf, wenn sie raus dürfen.“ Oft bauen Pferde Druck ab, wenn sie ein paar Runden im Roundpen oder in der Halle galoppieren und buckeln dürfen. Ist und bleibt ein Pferd im Gelände ein notorischer Zackler, ist wieder der Reiter gefragt – und muss sich ein paar ­unangenehme Fragen stellen. „Oft stehen diese Pferde, egal ob drinnen oder draußen, nicht an den Hilfen. Es handelt sich um ­gravierende Ausbildungsmängel“, urteilt Uwe Göbel, Trainer B/Breitensport.

Manche Pferde haben es erst auf dem Heimweg eilig. „Das können Sie ändern“, tröstet Peter Kreinberg. „Wenn Sie mit solchen Pferden am Hof ankommen, dürfen Sie die Tiere nicht gleich in den Stall, auf den Paddock oder die Weide entlassen. Reiten Sie davor noch einige Minuten auf dem Platz“, erklärt er. Das Pferd lernt so, dass die Arbeit nicht mit der Ankunft am Stall endet. Parallel dazu müssen Sie zackelnde, hek­tische Pferde in der Bahn fortbilden. „Dabei helfen Schritt-Trab-Übergäng ebenso wie unterschiedliche Tempi in allen Gangarten“, sagt Trainer Peter Kreinberg (zu Übergängen CAVALLO 3/2010). Zackeligkeit kann durch den Reiter noch verstärkt werden, wenn er den Ärger über oder die Anspannung wegen des Zackelns aufs Pferd überträgt. Manche Menschen sind auch von Natur aus nervös und stecken ihre Pferde damit an.

„Kommt Spannung auf, müssen Sie ruhig und tief atmen“, erklärt Mental-Coach Antje Heimsoeth. Denn Pferde können allein ­anhand der Körperspannung des Reiters die Bilder deuten, die durch seinen Kopf spuken. Wer positiv denkt, statt seiner ­Nervosität freien Lauf zu lassen, signalisiert das dem Pferd auch per Körpersprache.

Hat Ihr Pferd Angst vor Wasser?

Auch routinierte Pferde helfen – und werden in der modernen Ausbildung viel zu selten eingesetzt. Ein erfahrenes Wander­reitpferd oder ein abgeklärter Ausritt-Profi können jungen, ängstlichen oder aufgeregten Pferden mit gutem Beispiel vorangehen. Sie zeigen durch ihre Gelassenheit, dass die Situation – Wasser, Holzstapel – nicht gefärhlich ist; der Herdentrieb sorgt dafür, dass der Gelände-Azubi ihnen folgt. Das Prinzip wird von allen Pferden verstanden, denn es funktioniert wie die Stuten-Fohlen-Gefolgschaft.

CAV 04_2010_Reiten im Gelaende_11 (jpg)
Slawik
Auch bei kleinen Sprüngen gilt: Das Pferd muss ohne wenn und aber rüber.

Geringer Druck, einfache Übung und positive Verstärkung – oder ein Führpferd – funktionieren auch, wenn Sie sich an erste Sprünge im Gelände herantasten. „Ich reite plötzlich auftauchende Hindernisse, und sei es nur ein umgeknickter Baumstamm, immer zuerst aus dem Trab an“, sagt Vielseitigkeits-Profi Inken Johannsen. „So kann sich das Pferd den Sprung in Ruhe ansehen, und ich kann die Bodenverhältnisse prüfen.“

Wenn der Mut Ihr Pferd vor einem kleinen Sprung verlässt, müssen Sie konsequent bleiben und sich durchsetzen. „In diesem Moment sollten Sie dem Pferd klarmachen: Es gibt nur einen Weg, und zwar den nach vorne“, sagt Hans Melzer, Bundestrainer der deutschen Vielseitigkeits-Equipe. „Das Pferd muss Zutrauen lernen. Steuern Sie das Pferd auf ein Hindernis zu, muss es wissen: Da schaffe ich es drüber“, so Melzer. Wenn der Schenkeldruck nicht reicht, hilft oft ein Klaps mit der Gerte. Auch hier müssen Sie schnell denken und schnell handeln – schließlich soll das Pferd auf keinen Fall lernen, dass es vor dem Sprung seitlich ausbrechen oder stehenbleiben kann, weil das später beim Springen in der Gruppe vielleicht zu Kollisionen führt.

Damit Sie und Ihr Pferd von der grünen Saison profitieren, lohnt eine Bestandsaufnahme der Kondition – auch bei Ihnen. Sie sollten so fit sein, dass Sie bis zu 15 Minuten im leichten Sitz galoppieren können, ohne dass Kreuz und Oberschenkel brennen, Sie nach Luft schnappen und erschöpft jede Körperspannung verlieren.

Bei der Pferde-Fitness spielt die Art der Haltung eine wichtige Rolle: Wer in einem großen Auslauf lebt oder im Winter täglich geritten wurde, hat mehr Kondition als ein Pferd, das nur herumstand. Ging es im Winter nur in der weichen, ebenen Halle, müssen sich seine Bänder, Sehnen und Gelenke an Unebenheiten im Gelände gewöhnen. Deshalb sollten Sie – ungeachtet der tatsächlichen Kondition des Pferds – zu Beginn ausgedehnte Schrittrunden reiten. Die Ausdauer fördern Sie durch langsam zu steigernde Strecken im Trab und Galopp. „Dabei dürfen Sie Ihr Pferd nicht überlasten. Kommt Müdigkeit auf, sollten Sie abbrechen“, sagt Uwe Göbel. Er empfiehlt eine alte Kavallerie-Regel: Nach einer Stunde reiten zehn Minuten führen. Dann kann sich der Pferderücken entspannen. „Ich halte mich da an die alten Meister“, sagt Anke Recktenwald. „Das Pferd soll am Ende des Ritts immer noch frisch sein.“

3 Profi-Tipps: So reiten Sie Ihr Pferd fit:

1. Beginnen Sie mit längeren Schritt-Touren, damit sich Sehnen und Gelenke an den Boden gewöhnen.

2. Lassen Sie Ihr Pferd klettern. Das fordert die Geschicklichkeit und fördert die Kondition des Pferds.

3. Steigern Sie entweder Tempo oder Distanz, aber nie beides zugleich. Sonst riskieren Sie Lahmheiten.

Intervall-Training ist nur was für Könner

Wer mehrmals in der Woche einen abwechslungsreichen, rund einstündigen Ritt mit seinem Pferd unternimmt, kann auch eine mehrstündige Tour einplanen. Sind Sie und Ihr Pferd routinierte Geländegänger, können Sie Muskeln und Kondition durch Intervalltraining aufbauen.

CAV 04_2010_Reiten im Gelaende_12 (jpg)
Rädlein
Beim bergauf- und bergabreiten schulen Pferd und Reiter ihre Balance. Dabei werden auch Sehnen und Gelenke gestärkt.

Vielseitigkeitsreiter Dr. Matthias Baumann, der ein Trainings- und Rehazentrum für Pferde in Reichertsheim/Bayern leitet, sagt: „Wer die Leistung seines Pferds sicher einschätzen kann, lässt es im Trab oder Galopp bis an die Belastungsgrenze gehen, baut dann eine Pause ein und wiederholt das Ganze.“

Info: Reiten ist nicht überall erlaubt

Da es für das Geländereiten keine generellen Vorschriften gibt, sondern die Bundesländer jeweils eigene Bestimmungen erlassen, müssen Sie sich die jeweils geltende Gesetzgebung informieren.

Damit Sie einen schnellen Überblick bekommen, hat die Rechtsanwältin Anke Schiller-Mönch exklusiv für CAVALLO die jeweiligen Landes-Richtlinien recherchiert. Die Juristin aus Weimar ist auf Sport- und Pferderecht spezialisiert.

Die aktuelle Übersicht der Regelungen fürs Geländereiten finden Sie unter www.cavallo.de/gesetze

CAV Wanderritt Wanderreiten Ausritt Gelände
Tour Konzept Nordschwarzwald
Auch im Gelände gilt es, Regeln zu beachten.

Es wird zu viel galoppiert

CAV 04_2010_Reiten im Gelaende_07 (jpg)
privat
Wanderreitführer Uwe Göbel

CAVALLO: Wie werden aufgeregte Pferde im Gelände ruhiger?
Göbel: Nervöses Zackeln hat seine Gründe meist in der Unsicherheit des Reiters. Oft werden Ausritte falsch aufgebaut: Es wird zu früh und zu viel galoppiert. Bei einem Ausritt sollte so lange im Schritt geritten werden, bis jedes Pferd ruhig und gelassen schreitet. Bei Pferden, die selbst nach langen Schrittstrecken nicht ruhig zu reiten sind, mangelt es grundlegend an der Ausbildung.

Wie können Reiter das Drängeln ihrer Pferde stoppen?
Sie müssen das Pferd so lange am Vorbeidrängeln hindern, bis es gelernt hat, dass es an seinem Platz bleiben muss. Sie sollten darauf achten, ein verträgliches Pferd vor sich zu haben.

Was kann man tun, wenn Pferde im Gelände unerwartet scheuen?
Sie müssen ruhig bleiben. Das erfordert Erfahrung im Umgang mit solchen Situationen. Für unerfahrene Reiter eignen sich daher nur erfahrene Pferde. Manche Dinge kann man in der Halle oder auf dem Platz üben. Die gleiche Situation wie draußen ist es aber nie.

Wie lassen sich Rittigkeit und Vertrauen fürs Gelände trainieren?
Durch Dressurarbeit wie Seitengänge, Schulterherein und Übergänge. Aber auch Bodenarbeit fördert die Harmonie zwischen Pferd und Reiter, welche die Basis sicheren Reitens im Gelände ist.

Das Pferd geht trotzdem durch. Ihr Tipp für diesen Notfall?
Durchgänger gehören in die Hände von erfahrenen Ausbildern und sollten nicht im Selbstversuch korrigiert werden. Wenn ein Pferd durchgeht, können Sie nur versuchen, das Pferd auf immer kleiner werdenden Volten wieder zum Durchparieren zu bewegen.

Nicht halbherzig agieren

CAV 04_2010_Reiten im Gelaende_09 (jpg)
privat
Vielseitigkeitsreiterin Inken Johannsen

CAVALLO: Was ist bei einem Ritt im Gelände entscheidend?
Johannsen: Wer sicher im Gelände reiten will, muss an seinem Sitz arbeiten. Nur wer ausbalanciert sitzt, kann sich auch im Sattel halten, wenn das Pferd mal einen Satz zur Seite macht. Wer sich dann nur am Zügel festhält oder dem Pferd gleich in den Rücken fällt, verursacht Panik und ist nicht in der Lage, dem Tier seine Angst zu nehmen oder ihm in schwierigen Situationen Mut zu machen.

Wie bekommen Pferde Kondition?
Auf die Geländesaison muss man sich gesondert vorbereiten. Sie können nicht da anfangen, wo Sie im Herbst aufgehört haben. Sehnen und Gelenke der Pferde müssen sich nach Monaten der Hallenarbeit erst an die unebenen Strecken gewöhnen. Starten Sie mit ausgiebigen Schritt-Touren und steigern Sie das Trab- und Galopptempo langsam.

Was tun, wenn ein Pferd pullt?
Es hilft, nicht immer an derselben Stelle zu galoppieren. Die geliebte Galoppstrecke kann auch mal im Schritt zurückgelegt oder zur Abwechslung mit Dressurlektionen geritten werden.

Wie lässt sich das Tempo regeln?
Wenn ein Pferd im Gelände gerne schnell wird, dürfen Sie nicht halbherzig agieren. Damit ist nicht gemeint, dass Sie Ihr Pferd scharf am Zügel bremsen oder ständig kontrollieren sollen. Gestehen Sie Ihrem Pferd ruhig einmal zu, dass es laufen darf, aber drosseln Sie das Tempo danach sofort mit konsequenten Hilfen.

Ihr Tipp zur Sicherheit?
Bei Geländeritten müssen Sie einen Helm tragen. Ebenso vernünftige Chaps oder Stiefel, die Halt geben. Sie müssen auf alles vorbereitet sein. Ich würde auch eine Sicherheitsweste empfehlen.

Reiten Sie immer vorwärts!

Mit einem Knotenhalfter in der Hand gehen wir zur Koppel. „Da fangen meine Kurse an“, sagt Uwe Göbel, Leiter und Inhaber der FN-Reitschule „Die Glockenreiter“. „Hier zeigt sich, mit wem ich es zu tun habe.“ Ich schnappe mir den Fuchs Napoleon, der Paul genannt wird. „Die Pferde stehen von April bis November draußen“, sagt Göbel. Der geprüfte Wanderreitführer hat Pferdeverstand: Sein Stall ist modern und gepflegt. Mein Fuchs trägt einen hochwertigen Wanderreitsattel.

CAV 04_2010_Reiten im Gelaende_03 (jpg)
Maier
Wer im Gelände auf einem gut ausgebildten Pferd sitzt, hat mehr Spaß an der Natur. Das zeigte mein Ausritt auf Napoleon.

Das ist für unseren Ausritt das Richtige. Für den Notfall steckt in der Satteltasche ein Hufpflege-Set. Damit könnte man sogar ein lockeres Eisen entfernen. Als die Pferde geputzt und gesattelt sind, führen wir sie vom Hof. Erst nach einem kurzen Fußmarsch klettern wir in den Sattel.

Ein Stein dient als Aufstiegshilfe. „So schonen wir den Rücken“, erklärt Uwe Göbel. Die erste Klippe: eine Betonbrücke mit steilem Anstieg. Sie führt uns über einen Fluss. Beim Anblick wird mir mulmig.

Die Pferde kennen das Ungetüm und trotten friedlich weiter. Weiter geht es über eine Wiese und eine Böschung hinauf. „Anlehnung halten, Po aus dem Sattel.“ Gesagt, getan. Paul kommt als erster oben an. „Gut gemacht. Fürs Gelände gilt: immer vorwärts. Ein Pferd, das umdreht, sprengt die Gruppe“, erklärt Göbel. Eine klare Regel, die ich mir merke. Im Wald traben wir an. Ich reite hinten. Kommen Spaziergänger, hebt Uwe Göbel die Hand und pariert durch. Auf einem Pfad durchs Unterholz zeigt sich Paul trittsicher. „Reiten Sie mal von uns weg“, fordert Göbel. Paul zögert, macht aber mit. Ein prima Kerl. Dann der erste Galopp: Paul quietscht, buckelt kurz und reiht sich dann brav hinter Göbel ein. „Wie einst Napoleon“, scherzt Göbel. „Klein, aber oho.“ Nach mehr als zwei Stunden sind wir wieder am Hof. Es war ein toller Ritt – und ein prima Lehrpferd.

Weitere Artikel zum Thema „Sicher reiten im Gelände“:

CAV Reitjagd Herrenchiemsee 08 (jpg)
Gelände
CAV Geländelektionen Bild 5
Gelände
Zur Startseite
Training Gelände CAV Gewitter Unwetter Blitz Colourbox Was tun bei Gewitter? Reiten bei Gewitter - so verhalten Sie sich richtig

Manchmal kann es beim Ausritt ganz schnell gehen und von jetzt auf gleich...

Mehr zum Thema Ausreiten: Sicher reiten im Gelände - Rittigkeit, Reitwege, Ausrüstung
CAV Konik Koniks Wildpferde
Pferdehaltung
CAV Silvery Moon vor Marbacher Tor Aufmacher
Pferdehaltung
CAV Wolfsauge Wolf Auge
Pferdehaltung
cav-0518-zufrieden-am-zuegel-lir8448-mit-teaser (jpg)
Dressur