16 wilde Mustangs in 90 Tagen trainieren

Mustang Makeover: Das Wildfang-Experiment

Foto: Elke Vogelsang In Bildern: Mustangs zähmen in 90 Tagen

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16 wilde Mustangs aus den USA, 90 Tage Training, am Ende eine Show. Was steckt hinter dem Event – und wie läuft die Ausbildung?

Für das Event „Mustang Makeover“ trainieren 16 bekannte Trainer jeweils einen wild geborenen Mustang, der bisher kaum Kontakt zum Menschen hatte. Nach drei Monaten messen sich die Teilnehmer bei einer Show und präsentieren in Prüfungen, was ihr Schützling gelernt hat. Anschließend können Kaufinteressenten die Mustangs bei einer Auktion ersteigern.

Wilde Mustangs anreiten und verkaufen - ein umstrittenes Konzept

Kann so ein Wettbewerb pferdegerecht ablaufen – oder überfordert er Tier und Trainer? Immerhin sind die Mustangs schätzungsweise erst vier Jahre alt und haben eine anstrengende Reise aus den USA hinter sich. Und die Ausbilder sind mit einer ungewohnten Situation konfrontiert – sie sollen ein wildes Pferd unter Öffentlichkeitsdruck zähmen. Wie sinnvoll ist das? Wir berichten über die Hintergründe des Events und auch über die kritischen Stimmen dazu.

Um uns selbst ein Bild zu machen, beobachteten wir drei der Trainer bei der Arbeit mit den Wildfängen.

Hintergrund: So lebten die Mustangs bisher

Die Mustangs wurden im Westen der USA in freier Wildbahn geboren, lebten aber seit November 2015 in einer Auffangstation in Oregon. Das Bureau of Landmanagement (BLM) der US-Regierung hat die Aufgabe, den Bestand der Mustangs zu kontrollieren. Die Anzahl der Pferde ist laut Berechnungen zu groß für die Weideflächen. Viele Mustangs sind gerade in den Wintermonaten deutlich zu dünn. Das BLM fängt Tiere ein und bringt sie in Auffangstationen unter. Eigentlich sollen die Pferde von dort aus vermittelt werden. Doch die Nachfrage ist zu gering.

Rund 47.000 Pferde leben in den Stationen und werden mit Heu versorgt. Das geschieht ohne Menschenkontakt. Es gibt kaum tierärztliche Versorgung. Kaum Schmiedebesuche.

Die Situation hat sich verschärft, seit Donald Trump regiert. Er plant, 20 Prozent des Budgets für die Mustangs zu streichen und die Adoptionsrichtlinien abzuschaffen. „Damit ermöglicht er es, die Pferde in Schlachthäuser außerhalb der USA zu bringen“, sagt Event-Veranstalter Michael Strussione. Das bedeutet: Die Tiere sind von Transport-Tortur und Tod bedroht.

Mustang Makeover soll auf die Gefahr für die Pferde aufmerksam machen

Die Veranstalter des Mustang Makeover wollen zeigen, dass Mustangs anpassungsfähig und lernbereit sind und bei guter Ausbildung zu verlässlichen Reitpferden werden können. Dadurch erhoffen sie sich, dass mehr Leute einen Mustang adoptieren.

Für dieses Vorhaben ließen Michael und Silke Strussione im Mai 16 Mustangs von Amerika nach Frankfurt einfliegen. Eine Pferdetrainerin bereitete die Tiere auf die Reise vor. Sie knüpfte den ersten Kontakt zu den rohen Mustangs, machte sie halfterführig und schrieb für die Trainer in Deutschland kurze Steckbriefe zu den Pferden: etwa, ob sie sich berühren lassen oder ob sie beißen. Am Flughafen in Frankfurt trafen sich dann alle teilnehmenden Ausbilder, darunter

  • Bernd Hackl,
  • Birger Gieseke,
  • Silke Vallentin und
  • Andrea Bethge.

Das Los entschied, wer welchen Mustang mit nach Hause nehmen durfte. Dann startete der Wettbewerb: Die Trainer haben 90 Tage Zeit, die Wildfänge zu Reitpferden auszubilden. Ein Honorar bekommen sie nicht. Dafür aber jede Menge Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit.

Ausbilder veröffentlichen Videos

Bei Facebook sieht jeder, der den Wettbewerb verfolgt, wie weit ein Trainer mit seinem Mustang in der Ausbildung bereits ist. Stachelt das zu falschem Ehrgeiz auf Kosten der Pferde an? Möglich. Möglicherweise hilft es aber auch, faire Ausbildungsmethoden bekannter zu machen.

Beim amerikanischen Vorbild des Mustang Makeover zeigen die Pferde bei der Finalshow teils zweifelhaft spektakuläre Lektionen. Die Veranstalter hierzulande betonen, dass ihnen Harmonie beim Wettbewerb wichtiger sei als Leistung. Das Motto lautet „from wild to mild“. Das soll Druck von den Trainern nehmen. Dennoch: am Ende stehen Prüfungen.

Keine unangekündigten Trainingskontrollen und Tierarzt-Checks

Das wäre sicher ein lobenswerter Ansatz – allerdings nicht nur bei der Show, sondern in jeder Pferdeausbildung. Bisher ist das jedoch eher Wunschdenken als Realität: sowohl im Freizeitbereich als auch bei Sportpferden. Und letztere werden ebenfalls auf Wettbewerbe vorbereitet.

Was ist das Besondere an der Arbeit mit Mustangs?

CAVALLO machte sich selbst ein Bild und besuchte die Ausbilder Maja Hegge, Andrea Bethge und Dr. Vivian Gabor: zu Beginn des Trainings mit den Wildfängen und einige Wochen später. Auf den folgenden Seiten erfahren Sie, welche Herausforderungen und Höhenflu?ge die Trainer mit den Mustangs erlebten – und wie sie ein vertrauensvolles Verhältnis zu den Tieren aufbauten. Ob Dressur-Crack, Pferdewissenschaftlerin oder Nachwuchstalent – jeder hat seinen ganz eigenen Weg.

06.09.2017
Autor: Alena Brandt
© CAVALLO
Ausgabe 08/2017