Heubedampfer Haygain: Volldampf gegen Keime im Rauhfutter

Nährstoffen schadet Hitze nicht

Staubfrei, sauber, lecker: So soll Heu nach dem Gebrauch des Haygain für Pferde sein. CAVALLO testete, ob der Heubedampfer wirklich Pilze und Bakterien vernichtet. Service für Pferdebesitzer: Plus Selbstbau-Anleitung für so ein Gerät!

Sauber ist das Heu also. Aber was passiert mit den Nährstoffen im Raufutter, das bei 100 Grad gegart wurde? Gar nichts.

Die Ergebnisse der Nährstoffanalyse zeigen, dass die Behandlung keine Auswirkungen auf die Nährwerte hat (der Vitamingehalt wurde nicht untersucht).

"Die verdauliche Energie des Heus liegt auch nach dem Bedampfen noch im gängigen Bereich von 7,4 Megajoule. Die Rohnährstoffe sind also von der Hitze nicht betroffen", erklärt Dr. Anja Töpper.

Scheinbar reicht die Hitze nicht aus, um die Rohnährstoffe zu zerstören. Auch die Zeit, die das Heu im Dampf verbringt, ist wohl zu kurz. "Beim Pelletieren von Pferdefutter wird ja ebenfalls mit höheren Temperaturen gearbeitet, ohne dass die Nährstoffe zerstört werden", vergleicht Dr. Anja Töpper.

Doch welches Gerät reinigt nun besser und schonender? Egal, ob Nährwerte oder Keime, einer hat im Test ganz klar die Nase vorn: Der Heubedampfer HG-600• von Propress Equine befreit das Raufutter deutlich besser von Staub und Keimen als das Modell der Marke Eigenbau – auch wenn dessen Ergebnis durchaus zufriedenstellend war.

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Den Rohnährstoffen im Futter schadet Hitze nicht

Warum das teure Gerät besser abschneidet, wird schnell klar. Durch die Bodenplatte mit den kräftigen Verteilerdüsen dringt der heiße Dampf tiefer ins Heu, das außerdem flacher verteilt werden kann. Der Haygain hat also mehr Power.

Zudem ist der Behälter doppelwandig und schließt fest. So dringen nur wenig Wärme und Dampf nach außen. Der Deckel des Eigenbaus schließt dagegen nur bedingt (eine Mülltonne muss ja auch nicht extrem dicht sein), Dampf sammelt sich unterm Heu und sucht sich seinen Weg ohne Düsenkraft nach oben. Außerdem ist das Raufutter in der engen Tonne hoch aufgetürmt.

Warum aber machen Bakterien, Hefen und Pilze unter Dampf so schnell schlapp? Das liegt eindeutig an der Hitze, die mit Hilfe des Dampfes bis zum letzten Heuhalm dringen kann. "Liegt die Temperatur für ein paar Minuten bei 70 Grad Celsius, sterben viele Keime schon ab", erklärt Dr. Anja Töpper. "Wirkt die Temperatur eine Stunde oder länger ein, reichen auch 50 Grad."

Doch Vorsicht: Gefährliche Pilzsporen, die zu schweren Stoffwechselstörungen mit Leber- und Nierenschäden, allergischem Husten und Kolik führen können, sind bei niedrigen Temperaturen nicht kleinzukriegen. "Sporen beseitigen Sie in der Regel erst ab 121 Grad Celsius", sagt Dr. Anja Töpper.

Da selbst 70 Grad schon ganz schön heiß ist, sollten Sie ein paar Minuten warten, ehe Sie das Heu nach dem Bedampfen anfassen. Sonst verbrennen Sie sich die Finger. Mit einer Mistgabel können Sie es jedoch auflockern und den Dampf ein wenig ablassen.

Lange lagern sollten Sie bedampftes Heu allerdings nicht. Das zeigt ein weiterer Laborversuch: "Wir haben nach der Behandlung zwei Proben aufgehoben und nach drei Tagen auf ihren Keimgehalt hin untersucht", sagt Dr. Anja Töpper.

Video: Heubedampfer "Haygain"

Staubfrei, sauber, einfach lecker. So soll Heu nach einem heißen Bad im Pferdemagen landen. Hier können Sie ein Video zu einem solchen Gerät - dem "Haygain". Produkt-Infos: Der Haygain „HG-600“ von Propress Equine fasst etwa 10 bis 12 Kilo Heu (160 Liter). Das Gerät verbraucht rund 3,5 Liter Wasser pro Vorgang. Es gibt auch noch andere Größen. Die Preise liegen zwischen 900 und 2300 Euro.

Nähere Infos unter www.haygain.com




31.08.2012
Autor: Kristina Glaser
© CAVALLO
Ausgabe 10/2011