In welchem Stall fühlt sich mein Pferd wohl?

4-Punkte-Check für zufriedene Pferde

Foto: Lisa Rädlein
Verhalten und Fütterung auf dem Prüfstand: Muss sich etwas verändern – oder ist das noch okay fürs Pferd?

Pferdemimik deuten

Wie es Pferden geht, lässt sich an der Mimik ablesen. „Ein Pferd kann ruhig in der Box stehen und trotzdem angespannt sein“, weiß Verhaltensforscherin Dr. Vivian Gabor.

Folgende Punkte im Gesicht deuten auf Stress: Falten über den Nüstern, Lippen und Kiefer pressen aufeinander, das Augenlid ist nach oben gezogen, die Kiefermuskeln zeichnen sich deutlich ab. Steckt dahinter kein vorübergehendes gesundheitliches Problem und das Pferd zeigt oft ein solches Stressgesicht, sollten Sie die Haltung überdenken.

Wie viel Streit beim Füttern darf sein?

Kleine Auseinandersetzungen unter Pferden sind normal. „Wir haben auf der Stalltour öfter beobachtet, dass ranghohe Tiere sich mit Drohgebärden Platz am Futter verschaffen“, erzählt die Wissenschaftlerin. „Das ist kein Grund zur Sorge, sofern der Unterlegene genug Platz zum Ausweichen hat.“ Geraten die Pferde jedoch in Engpässe, kann der Streit eskalieren. Achten Sie bei Futterstreit darauf, ob der Verscheuchte sich einen anderen Platz zum Fressen sucht – und diesen auch findet. In einem Wohlfühlstall mit Gruppenhaltung gibt es immer mehr Fressplätze als Pferde.

Immer der Nase nach bei der Fütterung

Hören Sie sich mal unter Reitern um. Einer der häufigsten Gründe für einen Stallwechsel ist mangelnde Heuqualität. Deshalb: Prüfen Sie das Futter mit den Sinnen. Das Heu sollte frisch nach Wiese duften und nicht muffig sein. Es fühlt sich weder feucht an noch trockenhart. Checken Sie es auf Steine, Schädlinge und Giftpflanzen. „Wenn Sie einen Mangel entdecken, prüfen Sie, ob ein Ballen oder mehrere betroffen sind“, rät Dr. Vivian Gabor. Sprechen Sie in jedem Fall den Stallbetreiber darauf an. „Beim Futter sollten Sie keine Kompromisse eingehen. Gutes Heu ist die Basis für ein gesundes Pferd“, erklärt die Expertin.

Kauen ist gesund und macht Pferde zufrieden

Fragen Sie bei einem Pensionsbetrieb danach, wann und wie oft die Pferde gefüttert werden. Fresspausen sollten möglichst nicht länger als sechs Stunden sein. Dr. Vivian Gabor wurde zur Beratung bei einem Problempferd hinzugezogen. Sie fand heraus, dass das Pferd seine Heuration am Abend bereits um 21 Uhr aufgefuttert hatte. Die nächste Portion gab es am nächsten Morgen. „Eine viel zu lange Fresspause“, so die Pferdewissenschaftlerin. Sie riet den Besitzern, zusätzlich ein Heunetz in die Box zu hängen. Dem Pferd geht es jetzt besser. „Schauen Sie immer, was Sie selbst tun können, um die Situation zu verbessern, und besprechen Sie es mit dem Stallchef“, rät sie.

Unsere Meinung

Den perfekten Stall gibt es für Reiter so wenig wie für Betriebsleiter den perfekten Kunden. Oft beschweren sich die einen hinterm Rücken über die anderen. Bleiben Sie lieber im offenen Austausch – auch mit anderen Reitern und Hofchefs. Haben Sie ähnliche Probleme? Gibt es clevere Lösungen? Inspiration ist erlaubt und dient letztlich dem Wohl des Pferds!

14.05.2019
Autor: Natalie Steinmann und Nadine Szymanski
© CAVALLO
Ausgabe 4/2019