Gefahr im Stall: Das Reizgas Ammoniak macht Pferde krank

Besser als ihr Ruf – die Mistmatratze

Stinkig, ätzend und gefährlich: Das Reizgas Ammoniak lässt Pferde husten und zerfrisst das Hufhorn. Sorgt eine Mistmatratze im Stall für gute Luft? CAVALLO machte den Test.

Das A und O der Ammoniakbekämpfung ist gutes Mist-Management. Mistmatratzen genießen dabei nicht den besten Ruf. Zu Unrecht, wie aktuelle Untersuchungen von Professor Van den Weghe ergaben. „Voraussetzung ist, dass die Matratze gut gepflegt wird“, betont er. Anlage und Pflege des Schichtbetts, das der Professor empfiehlt, sind einfach: Weder Pferdeäpfel noch nasse Stellen werden entfernt. Sie werden aber mindestens einmal täglich mit einer zehn Zentimeter dicken Schicht frischer Streu abgedeckt. So wächst eine Matratze, die erst nach sechs bis acht Wochen ausgetauscht werden muss. In dieser Zeit werden die unteren Schichten zu Humus. Wärme entsteht, die das Mikrobenwachstum ankurbelt.

Spezialisierte Mikroorganismen schließen das Ammoniak in weitere Bestandteile wie Nitrit auf. Sie gehen nicht in die Luft über und sind ungefährlich fürs Pferd. Diesen Nitrifikation genannten Prozess kann man durch die Art der Einstreu fördern. „Je feiner das Material aufgelöst ist, desto besser“, erklärt Van den Weghe. Am schlechtesten eigne sich Langstroh, am besten Strohpellets. Die kurzen, gepressten Strohhäcksel haben im Vergleich zu Stroh eine größere Oberfläche, bieten Mikroorganismen viel Platz, um sich anzusiedeln. Das beschleunigt die Nitrifikation, die Reizgaskonzentration sinkt.

Zudem binden Strohpellets Feuchtigkeit und Urin sehr gut. Auch das verringert den Ammoniakanteil in der Luft. Zwar steigt bei einer neuen Mistmatratze zunächst die Ammoniakkonzentration im Stall für ein paar Tage. „Bei guter Matratzenpflege sinkt sie aber auf ein sehr niedriges Niveau“, betont Professor Van den Weghe. Unten bleiben die Ammoniakwerte auch, wenn morgens die komplette Box ausgemistet wird und abends noch mal Pferdebollen und nasse Stellen entfernt werden. Danach ist jeweils gründliches Einstreuen Pflicht. Wer hingegen an Einstreu spart oder nur alle zwei bis drei Tage mistet, riskiert die Gesundheit des Pferds. In solchen Ställen steigt der Ammoniakgehalt in der Luft auf bis zu 17 ppm. Das Misten selbst erhöht auch die Konzentration von Ammoniak, weil es beim Aufschütteln der Einstreu freigesetzt wird.

Am besten mistet man, wenn keine Pferde im Stall sind. „Wenn ich zudem abends um 18 Uhr und morgens um 6.30 Uhr miste, stehen und liegen die Pferde stundenlang in den Ausdünstungen ihrer Exkremente“, sagt Dr. Margit Zeitler-Feicht. Besonders übel: Die Ammoniakkonzentration steigt nachts um mehr als das Doppelte. Besser ist es, entweder abends später und/ oder morgens früher zu misten.

Warum es auch in Offenställen mieft

In Offenställen sind Pferde viel an der frischen Luft – aber nicht sicher vor Reizgasen. Getrennte Funktionsbereiche sollen für Hygiene im Liegebereich sorgen. Der ist oft mit Gummimatten ausgelegt und wird mitunter nur wenig eingestreut. Pinkeln Pferde auf die Matte, wird Urin kaum aufgesaugt und verteilt sich gro߈ ächig. So mieft‘s in manchem Offenstall. Gründliches Misten, reichlich Einstreu oder eine ordentliche Matratze sorgen auch hier dafür, dass es keinem Pferd stinkt.

17.05.2013
Autor: Redaktion CAVALLO / JP Mikisch
© CAVALLO
Ausgabe 02/2013