Test: Wie beweglich ist mein Pferd?

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Foto: Rädlein Test: Wie beweglich ist mein Pferd?

Übung 1: Mobiler Hals

So geht's: Mit der Karottenübung stellen Sie fest, wie mobil der Hals Ihres Pferds ist. Stellen Sie Ihr Pferd seitlich an eine Wand oder an die Bande. Dann führen Sie den Kopf im Bogen mit der Karotte langsam bis zum Bauch (siehe Foto). Sie können vorsichtig ins Halfter greifen, um Ihr Pferd dabei zu unterstützen. Wichtig: keine Kraft einsetzen. Sie dürfen Ihr Pferd keinesfalls zwingen, den Kopf weiter zu wenden, als es von sich aus will. Testen Sie dies auf beiden Seiten. Gesunde Pferde sind links wie rechts nahezu gleich beweglich.

Mögliche Probleme: Manche Pferde gehen rückwärts, anstatt Kopf und Hals zu wenden. Andere schaffen es nicht, den Bauch mit der Nase zu berühren. Die Ursache für diese eingeschränkte Mobilität können blockierte Gelenke sein, etwa im Bereich der Halswirbelsäule.
Auch Arthrose oder Gelenkmäuse (Chips) können hier zu Problemen führen. Sind die Gelenke in Ordnung? Dann können möglicherweise verkürzte Muskeln Ihr Pferd blockieren. Dazu zählen oft etwa der Arm-Kopf-Muskel, der von der Vorhand über den Unterhals zieht, oder der Trapezmuskel, der vom Rücken bis zum Oberhals verläuft.

Übung 2: Elastische Lende

So geht's: Lassen Sie Ihr Pferd rückwärts treten. Dabei sollte es den Lendenbereich aufwölben. Das erkennen Sie daran, dass es die Hinterbeine weit unter den Bauch schiebt und das Becken nach unten abkippt.

Mögliche Probleme: Falls Ihr Pferd nur schief, schleppend oder nicht diagonal rückwärts tritt, kann dies viele Ursachen haben: etwa eine Blockade im Kreuzdarmbeingelenk oder im Übergang der Lendenwirbelsäule zum Kreuzbein. Auch Arthrosen in Knie oder Hüfte sowie Muskelprobleme im Rücken können die Lende steif machen. Kranke Pferde mit Shivering (neuromuskuläre Erkrankung) oder Ataxie treten ebenfalls nur ungern rückwärts.

Übung 3: Lockere Hüfte

So geht's: Um die Beweglichkeit der Hüfte zu testen, lassen Sie Ihr Pferd um sich herumtreten. Dabei soll es zwei Runden lang mit dem inneren Hinterbein vor dem äußeren Hinterbein kreuzen. Wichtig: Testen Sie beide Seiten.

Mögliche Probleme: Mogelt Ihr Pferd und kreuzt nicht korrekt? Dahinter können ein blockiertes Kreuzdarmbeingelenk oder Hüftprobleme (Arthrose) stecken. Auch eine verspannte seitliche Oberschenkelmuskulatur macht die Hüfte unbeweglich.

Übung 4: Agile Hinterhand

So geht's: Um die Beweglichkeit der Hinterhand zu testen, führen Sie Ihr Pferd fünf Minuten im Schritt ganze Bahn. Achten Sie darauf, wie weit es mit den Hinterhufen übertritt. Es sollte in die Spur der Vorderbeine treten oder etwa eine Hufbreite drüber. Pferde mit kürzerem Rücken treten meist weiter über als Tiere mit langem Rücken.

Mögliche Probleme: Macht Ihr Pferd anfangs kurze und später längere Schritte? Das kann ein Zeichen sein, dass sich die Hinterhandmuskeln entspannen. Pferde mit Arthrose brauchen generell etwas Einlaufzeit. Tritt das Pferd jedoch auch nach dieser Zeit kurz, fehlt die Beweglichkeit in Hüfte, Knie und Sprunggelenk. Dahinter können steife Gelenke stecken, Blockaden der Lendenwirbelsäule, verspannte Oberschenkelmuskeln oder Ataxie. Ein weiteres Zeichen für fehlende Beweglichkeit: stark abgelaufene Zehen der Hinterhufe. Bei älteren Pferden mit Spat lässt sich das meist nicht vermeiden; bei jungen Pferden sollten Sie beobachten, ob sich das durch gutes Training verbessert.

Übung 5: Dehnbarer Oberschenkel

So geht's: Heben Sie einen Hinterhuf etwa 10 Zentimeter hoch. Dann ziehen Sie diesen vorsichtig in Richtung des gegenüberliegenden Vorderbeins. Wichtig: Winkeln Sie das Hinterbein nicht zu stark. Das ist vielen Pferden unangenehm, besonders Tieren mit Spat (Arthrose im Sprunggelenk).

Mögliche Probleme: Die Übung sollte auf beiden Seiten gut und gleichmäßig klappen. Falls nicht, könnten die hinteren Rücken- und Oberschenkelmuskeln verspannt oder verkürzt sein.

Übung 6: Bewegliche Wirbelsäule

So geht's: Streichen Sie mit der flachen Hand von der Gurtlage etwa 30 Zentimeter nach hinten. Das wiederholen Sie mit mittlerem Druck und Ihren Fingernägeln. Dabei sollte das Pferd den Rücken anheben und einen Katzenbuckel machen.

Mögliche Probleme: Kommt der Rücken nicht hoch? Dann kann die Wirbelsäule steif sein. Ursache sind oft blockierte Gelenke der Lenden- oder Brustwirbelsäule. Auch Probleme an Bändern oder Kreuzdarmbeingelenk, Entzündungen oder Arthrosen an der Wirbelsäule sowie Verspannungen an Rücken-, Brust- oder Trapezmuskel machen den Rücken fest. Tipp: Prüfen Sie die Sattelpassform. Wichtig: Ist das Pferd bei allen anderen Tests unauffällig, muss es keine Probleme haben. Es gibt auch gesunde Pferde, die den Rücken bei diesem Test nicht aufwölben.

Übung 7: Geschmeidiger Hals

So geht's: Der Arm-Kopf-Muskel bewegt die Vorhand und stabilisiert die Halswirbelsäule. Um zu testen, wie beweglich er ist, suchen Sie den Stresspunkt am Hals. Dieser liegt etwa eine Handbreit vor dem Schulterblatt (siehe Foto). Dort drücken Sie eine halbe Minute lang mit vier Fingern. Ihr Pferd sollte gelassen bleiben, ggf. den Druck sogar genießen.

Mögliche Probleme: Wehrt sich Ihr Pferd dagegen? Und geht es unterm Sattel gegen die Hand oder lässt sich ungern stellen? Dann könnte sein Arm-Kopf-Muskel verkürzt oder verspannt sein. Besonders Pferde mit weit ausgreifenden Vorhand-Bewegungen leiden darunter. Auch eine zu harte Reiterhand kann die Halswirbelsäule blockieren und so zu Verspannungen im Arm-Kopf-Muskel führen.
Mehr zu dieser Fotostrecke: So testen Sie Muskeln und Gelenke Ihres Pferdes auf Beweglichkeit