5 Übungen für das perfekte Muskeltraining

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Foto: Rädlein So geht's: 8 Dehnübungen für Ihr Pferd

Dehnen: Super-einfach, super-effektiv

Übung ist geeignet für:
- Schwächling
- Halbes Hemd

Zwei Dehnungsübungen für untrainierte und verspannte Pferde. Für Vorderbeine, Schulter und Rumpf und Hinterbeine.
Pferde, die steif und verspannt sind, müssen erst locker werden, bevor sie Muskeln aufbauen können. Dehnübungen helfen ihnen deshalb gut, sagt Pferdetrainerin Nicole Künzel (www.evipo.de). Wichtig ist, dass das Pferd schon leicht aufgewärmt ist. Am besten führen Sie es vorher mindestens zehn Minuten im Schritt.
Mit der folgenden Übung dehnen Sie die zurückführenden Muskeln an Vorderbeinen, Schultern und Rumpf:

- Sie stehen mit leicht gebeugten Knien frontal vor dem Pferd. Nehmen Sie das Vorderbein auf, greifen Sie das Karpalgelenk und ziehen Sie das Bein langsam ganz gerade nach vorne heraus. Röhrbein und Fesselgelenk hängen locker herab.
- Richten Sie sich aus den Knien heraus auf und dehnen Sie dabei das Pferdebein etwas nach vorne und oben, bis Sie einen leichten Widerstand fühlen.
- Halten Sie diese Position für zehn bis 30 Sekunden. Wenn sich der Widerstand in der Muskulatur verringert, setzen Sie das Pferdebein langsam wieder ab.

Sie können unter anderem die Oberschenkelmuskulatur dehnen, indem Sie die einzelnen Hinterbeine nach vorne führen. „Der Effekt: Ihr Pferd kann mit seiner Hinterhand weiter untertreten. Das ist die Voraussetzung für eine raumgreifende, physiologisch gesunde Bewegung“, erklärt Künzel.

- Nehmen Sie ein Hinterbein auf.
- Umfassen Sie das Fesselgelenk und ziehen Sie das Bein nahe dem Boden behutsam in Richtung Vorderbein.
- Halten Sie die Dehnung für zehn bis 30 Sekunden, bevor Sie das Bein wieder langsam absetzen.

Achtung: Zieht das Pferd ein Bein wiederholt weg, sollten Sie weniger Dehnung fordern oder es schneller wieder aus der Dehnung entlassen.

Fragen Sie Ihren Tierarzt oder Pferdetherapeuten, welche Dehnungsübungen speziell für Ihr Pferd sinnvoll sind.

Longentraining mit Spezialeffekt

Diese Übung ist geeignet für:
- Schwächling
- nicht nur für Jungpferde. Alle Pferde können beim Longieren Muskeln aufbauen

Pferdeosteopathin Barbara Welter-Böller (www.welter-boeller.de) erklärt, wie Ihr Pferd mit Kappzaum und Longe richtig fit wird: In den ersten drei Wochen führen Sie Ihr Pferd langsam an die Belastung heran.

Beginnen Sie das Training immer mit 15 Minuten Schritt. Dann können Sie Ihr Pferd traben lassen. Achten Sie auf ein ruhiges Tempo. Nach spätestens drei Minuten ist eine Schrittpause von mindestens einer Minute angesagt. Dann lassen Sie Ihr Pferd auf der anderen Hand traben und machen wieder eine Pause und einen Handwechsel. Danach nehmen Sie den Galopp dazu. Am Anfang reicht es, das Pferd auf jeder Hand einmal galoppieren zu lassen. Longieren Sie insgesamt nicht mehr als 20 Minuten und achten Sie darauf, dass Ihr Pferd nicht müde wird.

Am dritten Tag setzen Sie am Schluss des Trainings den ersten wichtigen Reiz für den Muskelaufbau: Entweder Sie erhöhen das Tempo in einer Gangart oder Sie lassen Ihr Pferd etwas länger traben oder galoppieren als bisher. Wenn Ihr Pferd verstärkt atmet, zu schwitzen beginnt, müde wird oder sich nicht mehr so gut koordinieren kann, haben Sie einen Auslöser fürs Muskelwachstum gesetzt: den überschwelligen Reiz. Nun fordern Sie nur noch ein wenig ruhigen Trab und beenden das Training.

In den nächsten drei Tagen dürfen Sie Ihr Pferd nur leicht bewegen. In dieser Zeit wächst neues Muskelgewebe.

Das weitere Training in den ersten beiden Wochen: Alle drei Tage einen überschwelligen Reiz setzen, dazwischen keine Belastungen.

Nach drei Wochen bekommt Ihr Pferd eine Woche Pause: Erlaubt ist leichte Bewegung im Schritt und Trab. „Das Pferd braucht diese Zeit, um sich zu koordinieren und neue Bewegungsmuster abzuspeichern“, erklärt Welter-Böller.

Nach der Pause trainieren Sie wieder wie beschrieben. Es wird nun schon etwas länger dauern, bis der überschwellige Reiz erreicht ist. „Denn nach vier Wochen hat sich das Pferd auf die erhöhte Belastung eingestellt“, sagt Welter-Böller. Sie haben nun den optimalen Trainingszustand erreicht.

Starke Kombis im Seitwärts

Diese Übung ist geeignet für:
- Schwächling
- Halbes Hemd
- Muskelprotz


Vom Schenkelweichen für untrainierte Pferde übers Übertreten für Pferde in mittlerer Verfassung bis zum anspruchsvollen Travers.

„Mit Seitengängen lassen sich Muskeln prima trainieren. Vor allem, wenn die Seitengänge kombiniert werden“, sagt Dressurtrainerin Daniela Schinko. Wichtig: In der Ausbildung werden die Seitengänge in einer bestimmten Reihenfolge trainiert. Denn je schwieriger der Seitengang, desto höher die Anforderungen an die Muskulatur.

Das Schenkelweichen ist die Basis und noch kein echter Seitengang. Denn hierbei wird eine Stellung im Genick verlangt, aber keine Biegung: Die Muskeln werden gelockert, aber nur bedingt gekräftigt. Beim Übertreten , das Sie gut an der Hand üben können, ist das Pferd gestellt und gebogen. „Es kräftigt die Bauchmuskulatur und löst die Rückenmuskeln“, so Schinko. Das Schulterherein löst und kräftigt verschiedene Muskeln.

Starke Kombis im Seitwärts

Im Travers, Renvers und den Traversalen muss das Pferd sein inneres Hinterbein mehr beugen und damit unter den Schwerpunkt treten. Das dehnt besonders die äußeren Muskeln und fördert die Tragkraft.

Für Pferd und Reiter mittleren Levels empfiehlt sie folgende Übungen:
- Wechsel aus Schulterherein und Übertreten lassen.
- Übergänge aus Schulterherein, Anhalten, Schulterherein.
- Wechsel aus Schulterherein und Konterschulterherein.
Ist ein Pferd schon so weit ausgebildet, dass es alle Seitengänge beherrscht, gibt es unglaublich viele Variationen, sagt Schinko. Hier ein Übungs-Tipp für Fortgeschrittene:
- Um ein Hütchen in der Ecke der Bahn in einer Volte übertreten lassen.
- Nachdem Sie das Hütchen umrundet haben, wechseln Sie an der langen Seite zwischen Schulterherein, Travers, Schulterherein.
- Im Schulterherin durch die Ecke.
- Am Bahnpunkt A ändert sich die Bewegungsrichtung zum Travers.
- In der Traversale zurück zum Hufschlag ergibt sich der Handwechsel.
- Am Hufschlag wird das Pferd aus dem Seitengang entlassen und darf sich dehnen.
- Aus der Dehnungshaltung ein Schulterherein entwickeln. Im besten Fall nimmt das Pferd die Last mit der Hinterhand auf und versammelt sich dabei von selbst.
- Im Schulterherein linke Hand durch die nächste Ecke.
- An der langen Seite Wechsel zwischen Konterschulterherein und Travers.
- Im Travers durch die Ecke und eine Traversale einleiten.

Der Extra-Kick fürs Genick

Diese Übung ist geeignet für:
- Schwächling
- Halbes Hemd


Für Pferde mit Verspannungen im Genickbereich. Praktisch: Für diese Übung brauchen Sie kaum Zeit.

Abkauübungen kennen Reiter vor allem als Hilfsmittel, um Stellung und Biegung zu erarbeiten. Doch Nicole Künzel hat entdeckt, dass sie Pferden, die Probleme mit der Muskulatur im Genickbereich haben, sehr gut helfen können.

„Die Abkauübungen lockern verspannte oder verkürzte Kopf-Hals-Muskeln“, sagt Künzel. Diese Problemzonen entwickeln sich vor allem bei Pferden, die mit der Hand zu stark beigezäumt wurden. Durch die Überzäumung entwickeln sich im Genickbereich zu starke, verhärtete Muskeln, die den Tieren Schmerzen bereiten.

„Wenn sie richtig ausgeführt werden, sind Abkauübungen sehr effektiv und kosten wenig Zeit“, erklärt Nicole Künzel. So gehen Sie vor:
- Sie stehen vor dem Pferd. Ihr Daumen liegt unten auf dem Gebiss, Zeige- und Mittelfinger ruhen darauf.
- Geben Sie mit dem Daumen, dem Maulwinkel des Pferds folgend, einen Impuls nach oben. Warten Sie, bis das Pferd kaut. Dann senken Sie den Daumen wieder ab. Das Pferd sollte auf einen leichten Impuls hin mit dem Kauen beginnen. Reagiert es nicht, erhöhen Sie den Druck leicht und warten auf eine „Antwort“ Ihres Pferds.
- Nun gehen Sie zu einer Seite und stellen das Pferd vorsichtig. Achten Sie darauf, dass das Pferd sich nicht verwirft. Die Ohren sollen auf einer Höhe bleiben. Weniger ist mehr – eine leichte Stellung reicht aus. Das Pferd darf jederzeit mit der Hinterhand ausweichen. Arbeiten Sie nie über Widerstände hinweg.

Geniales Schlangen-Workout

Diese Übung ist geeignet für:
- Schwächling
- Halbes Hemd
- Muskelprotz

Der Schwierigkeitsgrad muss an den Trainingszustand angepasst werden. Alle Muskelpartien werden angesprochen.

Für die Arbeit unter dem Sattel nutzt Ausbilderin Nina Schmitz (www.pferdvertraut.de) gerne eine Kombination aus Schlangenlinien und Volten. „Diese Übung hilft den Pferden beim Kraftaufbau und auf dem Weg zur Versammlung“ erklärt sie. „Kraftaufbau findet ja vor allem dort statt, wo sich das Pferd zurücknehmen und setzen muss, also zum Beispiel in Biegungen und Übergängen“, ergänzt die Trainerin.

Diese Übung bietet viele Variationsmöglichkeiten. Sie können die Übung entweder mehrmals wiederholen oder den Trainingseffekt von Stufe zu Stufe steigern. Es gibt drei Stufen mit je drei Schwierigkeitsgraden.

Mehr auf dem nächsten Bild...

Geniales Schlangen-Workout

Stufe 1: Schlangenlinien durch die ganze Bahn, drei Bögen, mit Übergang bei Überquerung der Mittellinie (A)
- Schwierigkeitsgrad „leicht“: Schlangenlinien im Trab, Übergang über Schritt oder Halten.
- Schwierigkeitsgrad „mittel“: Schlangenlinien im Galopp, Übergang über Trab oder Schritt.
- Schwierigkeitsgrad „schwer“: Schlangenlinien im Galopp, Übergang über Halten.

Stufe 2: Schlangenlinien durch die ganze Bahn, drei Bögen, mit Übergang bei Überquerung der Mittellinie und Volten in den Bögen (B)
- Schwierigkeitsgrad „leicht“: Schlangenlinien im Trab, Übergang über Schritt oder Halten.
- Schwierigkeitsgrad „mittel“: Schlangenlinien im Galopp, Übergang über Trab oder Schritt.
- Schwierigkeitsgrad „schwer“: Schlangenlinien im Galopp, Übergang über Halten.

Stufe 3: Schlangenlinien durch die ganze Bahn, drei Bögen, mit Übergang und Volten bei Überquerung der Mittellinie und Volten in den Bögen (C)
- Schwierigkeitsgrad „leicht“: Schlangenlinien im Trab, Übergang über Schritt oder Halten.
- Schwierigkeitsgrad „mittel“: Schlangenlinien im Galopp, Übergang über Trab oder Schritt.
- Schwierigkeitsgrad „schwer“: Schlangenlinien im Galopp, Übergang über Halten.

Wichtig für diese Übung: Gönnen Sie Ihrem Pferd nach zwei bis drei Durchläufen eine Pause. Reiten Sie mindestens eine Runde ganze Bahn im Schritt am langen Zügel.
Der Wechsel zwischen Anspannung und Entspannung ist wichtig für den Trainingseffekt. Die Muskulatur braucht nicht nur nach dem Training, sondern auch während des Trainings Zeit, um sich erholen zu können.

Kraftmarsch im Schritt

Mit dieser Übung können Sie ein untrainiertes Pferd besonders schonend kräftigen.

Nina Schmitz legt im Training ein besonderes Augenmerk auf den Schritt. „Schritt ist die am schwersten sauber zu erarbeitende Gangart, da sie den wenigsten eigenen Schwung mitbringt“, sagt die Trainerin. Doch viele Reiter hätten vergessen, wie wichtig diese Gangart ist, bedauert die Ausbilderin.

Für das Schritt-Training brauchen Sie gar nicht viel: keinen Sattel, keine Trense, nicht mal einen Reitplatz. Es genügt ein Halfter mit Strick und für die gemütlicheren Kandidaten eine Gerte. Aber Sie brauchen zugegebenermaßen ein bisschen Puste.

Denn effektives Schritt-Training ist kein Spaziergang. „Ich gehe mit meinen Pferden richtig marschieren. Unsere Runden liegen zwischen drei und sechs Kilometern.“ Ihr Job: Sie laufen immer am Maximum des Schritt-Tempos, das Ihrem Pferd möglich ist.

Es kann durchaus sein, dass Ihr Pferd zwischendurch antraben möchte. Denn ein langsamer Trab ist weit weniger anstrengend als ein strammer Schritt. Sollte das passieren, bestrafen Sie Ihr Pferd nicht, sondern parieren Sie es konsequent jedes Mal wieder durch, um gleich darauf wieder so weit wie möglich an die Grenze seines Schritttempos zu gehen.

Schmitz: „Das stramme Marschieren ist ein wunderbares Training für die Hinterhandmuskulatur. Das weite Unterfußen, das nur möglich ist, wenn das Pferd energisch aus der Hinterhand abdrückt, weil kein eigener dynamischer Schwung vorhanden ist, veranlasst die Muskulatur dazu, effektiv und stetig zu arbeiten.“ Nach einigen flotten Märschen werden Sie merken: Ihr Pferd schreitet energischer und schwungvoller. Das liegt daran, dass es den Kraftimpuls aus der Hinterhand viel besser nutzen kann.

Gegenüber fragenden Blicken von Spaziergängern und Stallkollegen müssen Sie sich jedoch ein dickes Fell zulegen. Nina Schmitz hat einen Tipp für Sie: „Wenn Sie jemand fragt, ob Ihr Pferd krank ist, weil Sie nebenher laufen, antworten Sie einfach: Nein, wir trainieren gerade!“
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