GHP: Die 10 besten Übungen zur Geführten Gelassenheitsprüfung

Der Ball aus dem Busch

Die Geführte GHP besteht jeweils aus einer Folge von 10 Aufgaben, die sich aus sechs Pflicht- und vier variablen Aufgaben zusammensetzt. Jede GHP beginnt mit der Aufgabe „Vorstellen“. Die variablen Aufgaben werden vom Veranstalter frei aus dem unten angegebenen Aufgaben-Pool von 10 Aufgaben gewählt. Haben Sie Ihrem Pferd je Vorwürfe gemacht? Wenn nicht, ist es dazu höchste Zeit.
Foto: Wolschendorf Schreck! Bälle rollen aus einer Heckenlücke

Bälle rollen aus einer Heckenlücke.

Spiele wie Pferdefußball beweisen, daß Pferde Spaß an rollenden Dingern haben. Was sie nicht mögen, ist eine plötzliche Ball-Konfrontation allein auf weiter Flur. Das entspricht ungefähr der Angst des Torwarts vorm Elfmeter. Wenn Sie Ihr Pferd auf die fünfte Station der Gelassenheitsprüfung vorbereiten – Bälle rollen aus einer Heckenlücke – passen Sie das Training der Pferdepsyche an. Lassen Sie Ihren Mitarbeiter nicht im Stich, und beginnen Sie das Training statt mit einer scharfen Steilflanke mit behutsamen Vorwürfen.

„Schrecktraining bedeutet nicht, daß sich das Pferd möglichst heftig erschrecken soll“, warnt Barbara Heilmeyer, Chiron-Trainerin aus dem badischen Waldbronn. Im Gegenteil: Je ruhiger Sie den Ball ins Spiel bringen, desto eher faßt das Pferd zu ihm und Ihnen Vertrauen.

Die Ausrüstung ist schlicht: ein gutsitzendes Halfter (besonders gut taugt ein Knotenhalfter, weil es präzise und deutliche Signale ermöglicht), ein mindestens zwei Meter langer Führstrick oder eine Führkette. Damit aus einem unbedachten Hopser keine Blutgrätsche wird, tragen Sie unbedingt solide Schuhe und Handschuhe.

Zuerst zeigen Sie dem Pferd den Ball nur, spielen ein wenig damit, legen ihn auf den Boden. Barbara Heilmeyer achtet darauf, daß das Pferd den Ball mit tiefem Kopf betrachtet und beschnuppert. „Wenn ein Pferd den Kopf tiefnimmt, ist es entspannt“, erklärt sie. Außerdem muß sich das Pferd mit dem Ball beschäftigen, statt panisch vor ihm wegzurennen. Um diesen Effekt im Training zu nutzen, bringt Heilmeyer ihren Pferden bei, auf leichtes Zupfen am Halfter und das Stimmkommando „Tief“ den Kopf zu senken. „Das erleichtert auch das Vorwärts-Abwärtsreiten junger Pferde.“

Ein derart entspanntes Pferd kann sie überall parken; sowie es nervös wird, kann sie es über die Aufforderung zum Kopfsenken wieder entspannen. Hat sich Ihr Pferd an den Ball gewöhnt, rollen Sie den Ball unter seinem Bauch durch. Gönnen Sie Ihrem Pferd den Ballbesitz, und lassen Sie es mitspielen. Berühren Sie mit dem Ball Hals, Nase, Schulter und schließlich die Hinterbeine des Pferds. Das geht am besten mit einem Helfer.

„Am meisten Gelassenheit beweist das Pferd, wenn es bei Berührungen an der Hinterhand ruhigbleibt. Ein weiterer Prüfstein für Gelassenheit ist ein Pferd, das ruhigbleibt, obwohl der Ball plötzlich von hinten in sein Gesichtsfeld rollt“, weiß Heilmeyer.
Verzichten Sie auf Strafe, wenn das Pferd erschrickt. Harte Rucke am Halfter sind eine unangenehme Erfahrung, die das Pferdehirn im schlimmsten Fall mit den Bällen verknüpft. Sie bringen ihm dann bei, daß ein Ball Strafe bedeutet – und haben ruckzuck statt eines gelassenen ein panisches Pferd. Nutzen Sie statt dessen im Training eine Gerte (in der Prüfung ist sie nicht erlaubt) als Schranke, und üben Sie zuvor das Anhalten auf Stimmkommando.

Wenn Ihr Pferd Bälle zwischen den Beinen und Steilpässe von hinten gelassen erträgt, stört es das Geballer in der GHP auch nicht mehr. Das Rückwärtsrichten an der Hand, die nächste Station der GHP, ist eine Gehorsamsübung, die zeigt, wie gut das Pferd erzogen ist. Es soll auf Ihr Kommando (Zupfen am Halfter, kurzer Impuls zurück) flüssig, willig und gerade zurücktreten. Der größte Fehler ist dabei Büffelei: Müssen Sie Ihr Pferd an der Brust rückwärtsschieben oder am Strick zurückziehen, haben Sie falsch trainiert.

Erste Voraussetzung für richtiges Zurück ist ein Pferd, das auf Kommandos achtet. Wenn Sie es zum Führen und Halten richtig vorbereitet haben, wird es sich nicht trauen, gemütlich in der Gegend herumzugucken. Wählen Sie einen Platz, an dem ein Zaun das Pferd begrenzt. Sie stehen vor dem Pferd. Mit einer Gerte, mit der Sie bis an die Hinterbeine kommen, begrenzen Sie das Pferd auf der anderen Seite. Damit sind ihm alle Auswege bis auf einen versperrt. Jetzt gibt es verschiedene Methoden: Sie können leicht bis energisch am Halfter zupfen oder mit der Gerte an die Pferdebrust klapsen. Gleichzeitig geben Sie ein Kommando, etwa „Zuuurück“.

Ausbilder Peter Pfister aus Eschenburg in Hessen nutzt Druckpunkte auf der Nase des Pferds. Er stellt sich vor den Kopf, hält Führstrick und Gerte in der rechten Hand und drückt mit Daumen und Zeigefinger der linken Hand kurz und kräftig auf das Nasenbein des Pferds. Barbara Heilmeyer drückt einen der beiden Reflexpunkte an der Pferdebrust (je eine Handbreit links oder rechts vom Brustbein Richtung Schulter). Egal welche Methode Sie wählen: Sobald das Pferd einen Rückschritt zeigt, loben Sie es für diesen Fortschritt. Der Druck auf Halfter, Brust, Nase läßt sofort nach. Gönnen Sie dem Pferd ein Päuschen. „Geben Sie dem Pferd die Chance, auf feine Hilfen zu reagieren. Erzeugen Sie soviel Druck wie nötig, aber so wenig wie möglich“, rät Pfister.

Klappt ein einzelner Schritt zurück flüssig, erhöhen Sie die Schrittzahl. Weicht das Pferd mit dem Hinterbein zur Seite, schickt die Gerte das Bein mit einem leichten Klaps wieder auf den richtigen Weg. „Ein Pferd kann nur gerade rück-wärts gehen, wenn es im Hals gerade ist“, erklärt Barbara Heilmeyer. Da das direkt vor dem Pferd oft schwer zu erkennen ist, rät sie, zur Kontrolle mit einem Helfer zu arbeiten. Funktioniert Rückwärtsrichten mit Begrenzung, üben Sie mit zwei Stangen (2 Meter Abstand). Führen Sie das Pferd hindurch, halten es an und schicken es zurück. Die Stangen bilden eine Begrenzung und signalisieren dem Pferd beim Drauftreten, daß es einen Fehler gemacht hat. Ziel ist ein Pferd, das auf ein leichtes Signal rückwärtstritt. Ziehen Sie das Pferd rückwärts, macht es ein Hohlkreuz – jeder Zug ist daher Feind des Rückwärtsrichtens.

29.12.2008
Autor: Redaktion CAVALLO
© CAVALLO
Ausgabe 10/2003