GHP: Die 10 besten Übungen zur Geführten Gelassenheitsprüfung

Der Plan für die Plane

Die Geführte GHP besteht jeweils aus einer Folge von 10 Aufgaben, die sich aus sechs Pflicht- und vier variablen Aufgaben zusammensetzt. Jede GHP beginnt mit der Aufgabe „Vorstellen“. Die variablen Aufgaben werden vom Veranstalter frei aus dem unten angegebenen Aufgaben-Pool von 10 Aufgaben gewählt. Geht Ihr Pferd lieber in die Luft als über eine Plane? Bringen Sie ihm doch bei, auf dem Boden zu bleiben.
Foto: Wolschendorf Plane als Hinderniss in der GHP

Ein wechselnder Bodenbelag sorgt für Spannung.

Meinen Huf setze ich nicht auf dieses Ding“, scheint die siebenjährige Trakehnerstute Carina zu denken. Mit fest in den Boden gerammten Beinen demonstriert sie Entschlossenheit. Zupfen, Ziehen und Zerren am Führstrick beantwortet sie mit energischem Gegendruck. Der Plan der bestandenen GHP scheitert an der Plane .

Die Überquerung einer etwa vier mal vier Meter großen Plastikplane wird dem Pferd in der achten Station der Gelassenheitsprüfung (GHP) abverlangt – eine der schwierigsten GHP-Übungen, weil viele Pferde von Natur aus bodenscheu sind. Das heißt: Sowie sich der Untergrund verändert, bleiben sie stehen. Manche regen sich dabei auf. Die Anlässe sind für Menschen nichtig; Pferde werten sie als bedrohlich. So erschrecken viele, wenn in der Halle auf dem Boden plötzlich ein Sonnenstrahl leuchtet. Der Schatten eines Baums auf der Straße, eine Bodenfuge, ein Gullideckel oder eine Pfütze können zur Endstation eines Ausritts werden, weil das Pferd keinen Schritt mehr vorwärts geht.

Auch wechselnder Bodenbelag, etwa der Übergang von Wiese auf Teer, läßt Pferde mißtrauisch nach unten äugen und sicherheitshalber stoppen. Durch das Training fürs Planen-Hindernis lernen Pferde, dem Menschen zu vertrauen: Sie können ihm über die raschelnde, glänzende Fläche folgen, ohne daß ihnen etwas geschieht. Ist dieses Vertrauen erst einmal da, ist es völlig egal, ob das Pferd über eine Plane, durch eine Pfütze oder über eine Bodenfuge geführt wird.

Auch fürs Planentraining gibt es verschiedene Methoden. Der Ausbilder Peter Pfister aus dem hessischen Eschenburg setzt auf Desensibilisierung und Gewöhnung. Das Pferd trägt dazu ein dünnes Knotenhalfter (präzise, notfalls scharfe Einwirkung, schont das Maul) und einen zwei Meter langen Führstrick. Gerade beim Planentraining sollte der Führstrick auf keinen Fall wesentlich kürzer sein. Denn viele Pferde weigern sich erst einmal hartnäkkig, einen Huf auf die Plane zu setzen. Irgendwann überwinden sie sich und stürmen los. Die einen rennen, die anderen springen über oder auf die Plane. Dabei kann der Pferdeführer leicht mitgeschleift oder heftig angerempelt werden. Nur ein langer Strick gewährleistet den notwendigen Spielraum und Sicherheitsabstand.

Mit der rechten Hand führt Pfister das Pferd, mit der linken schleift er eine Plastikplane hinter sich her. Sowie das Pferd ihm folgt, bewegt sich auch die Plane. „Beim Führen immer ruhig bleiben“, rät Pfister. „Gerade wenn sich das Pferd aufregt, dürfen Sie auf keinen Fall beruhigend auf es einreden, es gar tätscheln oder streicheln. Das ist falsch, obwohl die meisten Leute immer noch glauben, daß es das Pferd beruhigt. Es beruhigt aber nicht, sondern belohnt das Pferd für sein falsches Verhalten. Mit Lob bekommen Sie ein aufgeregtes Pferd nicht ruhig.“

Nicht alle Pferde kommen auf Anhieb mit der Plane klar, die als ständiger Begleiter raschelnd und knisternd neben ihnen herzuckelt. Manche legen einen kleinen Sprint ein und rennen an Pfister vorbei; andere bremsen abrupt und schlagen Wurzeln. Beides – Abhauen oder Erstarren – sind typische Pferde-Strategien, um mit Unbekanntem fertigzuwerden. Pfister durchkreuzt sie, indem er die Richtung wechselt. Hat ein Pferd ihn überholt, schlägt er einen kleinen Haken, schon sind Pferd und Plane wieder hinter ihm. Auf diese Weise zwingt er das Pferd, sich mit der Plane auseinanderzusetzen. „Wenn ihnen Aufregung und Ausbruchsversuche nichts nützen, beginnen die Pferde, sich für die Plane zu interessieren“, hat Pfister beobachtet. Sie senken den Kopf, schnuppern in Richtung Plane und beäugen sie aus sicherer Entfernung.

Schrittweise rückt Pfister beim Führen mit der Plane immer näher ans Pferd. Schließlich läßt er das Geraschel beiläufig fallen und führt das Pferd mehrmals an der Plane vorbei, wobei der Abstand immer geringer wird. Schließlich führt er über einen Zipfel der Plane und nach und nach über immer größere Abschnitte. Hat das Pferd auf diese Weise gelernt, daß die Plane harmlos ist, läßt es sich am langen Führstrick darüberschicken oder -longieren.

Bei Pferden, die partout nichts von der Plane wissen wollen, greift Pfister zum Trichter-Trick. Er nimmt die Bande oder die Einzäunung des Reitplatzes zu Hilfe und legt die Plane schräg dazu, so daß das Pferd wie durch einen Trichter läuft: Anfangs ist die Plane sehr weit weg; je unerschrockener das Pferd wird, desto näher rückt Pfister sie.

Jeden Schritt des mißtrauischen Pferds Richtung Plane belohnt Pfister mit einer Pause. Das Tier soll merken: Die Plane ist gut, denn da gibt es eine Pause. Damit diese Verknüpfung im Pferdehirn entstehen kann, warnt Peter Pfister davor, ein Pferd, das im Trichter stockt, mit Geruckel am Strick oder mit Gertenklapsen zu nerven. „Streß an der falschen Stelle verstärkt das Unbehagen des Pferds vor der Plane, weil es dann den Streß und nicht die
Pause damit in Zusammenhang bringt.“ Irgendwann ist das Pferd mutig genug, über die Plane zu stapfen.

Eine andere Methode nutzt Streß gezielt. Parkt das Pferd vor der Plane, baut der Pferdeführer über Führstrick und Halfter allmählich Druck auf, bis das Pferd einen Schritt vorwärts tritt. Der nachlassende Druck und lobende Worte belohnen das Pferd dafür. Sobald das Planentreten funktioniert, härtet Pfister das Pferd weiter ab. Mit einem Stück zusammengeknülltem Plastik reibt Pfister über Hals, Bauch und Rücken des Pferds. „Das ist wie Putzen. Ich stärke den Sozialkontakt zu meinem Pferd und lehre es, das Geraschel zu akzeptieren. Schließlich soll es alles vertrauensvoll akzeptieren, was ich als Ausbilder von ihm verlange.“

Pfister arbeitet mit langsamen, ruhigen Bewegungen. Daß es sich erschreckt, will er auf jeden Fall vermeiden. Ein sehr ängstliches Pferd belohnt er beispielsweise, indem er ihm frei gibt, sowie es das Plastik ohne Schnaufen, Augenrollen oder Nüsternblähen auf der Haut duldet. Ganz allmählich beginnt Pfister dann, einzelne Körperpartien des Pferds mit der Plane zu bedecken, bis es sich komplett verpacken läßt.

29.12.2008
Autor: Redaktion CAVALLO
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Ausgabe 12/2003