Pferderücken Rädlein

Muskelaufbau beim Pferd - mit 10 Übungen für einen starken Rücken

Muskelaufbau beim Pferd 10 Übungen für einen starken Pferderücken

Wir zeigen, was für den Muskelaufbau beim Pferd wichtig ist. Mit zehn Übungen für einen fitten Pferderücken am Boden und im Sattel.

Unser Pferd soll uns gesund und entspannt tragen können. Dazu braucht es die richtigen Muskeln. Wie sie die richtigen Muskelpartien stärken, was für den Muskelaufbau wichtig ist und welche 10 Übungen top sind, lesen Sie hier.

Wie baut man bei einem Pferd Rückenmuskulatur auf?

Beim Reiten konzentrieren sich viele Trainer auf den Rücken: Wölbt das Pferd die Oberlinie korrekt auf? Schließlich kann das Pferd nur dann den Reiter optimal tragen. Ob das gelingt, hängt eng mit einer Muskelgruppe zusammen, die ein Stockwerk tiefer agiert: die Bauchmuskeln. Sie verhindern, dass der Pferderücken absinkt und verspannt, wenn sich der Reiter in den Sattel setzt.

Zu Beginn seiner Karriere als Reitpferd fehlen dem Jungspund noch ausgeprägte Bauchmuskeln. Trotzdem kann er einen Reiter tragen. Grund ist das ventrale Längsband, es spannt sich unter der Wirbelsäule von einem Dornfortsatz zum anderen und ist sozusagen ihr doppelter Boden. Das Band besteht aus Fasziengewebe und wird im Bewegungsablauf abwechselnd gedehnt, wenn der Rücken beim Abfußen hochkommt, und hängt durch, wenn der Rücken beim Auftreten absinkt.

Entwickelt das Pferd mit der Zeit mehr Bauchmuskeln, unterstützen diese das ventrale Längsband beim Tragen. Der gerade Bauchmuskel und die seitlichen, schrägen Bauchmuskeln arbeiten dabei zusammen. Das verändert die gesamte Bewegung des Pferds: Der gerade Bauchmuskel zieht das Schambein nach vorne, das Becken wird dadurch etwas gekippt. Das Pferd tritt mehr unter, beugt die Hanken und entwickelt mehr Schubkraft und Tragkraft.

Auch eine gut trainierte Kruppenmuskulatur fördert einen gesunden Pferderücken. Mit gezielten Übungen können Sie die Rückenmuskeln außerdem lockern und dehnen. Mehr dazu lesen Sie in unseren zehn Übungen für einen fitten Pferderücken weiter unten.

Wie funktioniert Muskelaufbau vom Boden bei Pferden?

Für effektives Muskeltraining müssen Reiter nicht unbedingt in den Sattel steigen. Auch vom Boden aus lässt sich prima trainieren. Ein Programm für einen straffen Pferde-Body ist Equikinetic. Das Intervall-Training an der Longe entwickelten Michael Geitner und Alexandra Schmid. Es eignet sich auch für Reha-Pferde und Tiere, die noch nicht genug Muskeln haben, um ihre Reiter gesund zu tragen. Die Pferde bewegen sich in einer Quadratvolte aus blauen und gelben Schaumstoffgassen. Der Reiter longiert sein Pferd in Stellung nach einem festen Zeitschema.

Pferde können auch im Sprung zu mehr Kraft kommen – etwa mit der Parelli-Hügel-Therapie. Dabei werden sie am Hang mit zehn Prozent Steigung longiert oder über kleine Sprünge (50 cm), die sich auf der Zirkellinie gegenüberliegen. Das Grundschema: Fünf Minuten auf einer Hand longieren, zwei Minuten Pause und fünf Minuten auf der anderen Hand longieren. Beginnen Sie bei guter Kondition des Pferds im Trab, bei schlechter im Schritt. Steigern Sie Gangart und Trainingszeit in den folgenden Wochen. Ab der dritten Woche können Sie die Zeiten auf bis zu zehn Minuten pro Hand ausdehnen.

Vorsicht ist bei Handarbeit mit hohen Lektionen geboten: Häufig wird dem Pferd zu früh Kraftarbeit abverlangt. Manche Reiter erarbeiten viele Übungen an der Hand, um ihr Pferd zu schonen. Doch untrainierte Pferde sind mit versammelnden Lektionen überfordert. Diese eher statische Arbeit in gesetztem Tempo ermüdet die Muskulatur sehr schnell. Deshalb ist es wichtig, das Pferd zunächst mit reinem Bewegungstraining aufzubauen, zum Beispiel an der Longe.

Dieses Zubehör brauchen Sie zum Muskeltraining vom Boden aus:

Wie lange dauert es bis ein Pferd Muskeln aufbaut?

Erwarten Sie nicht, dass Ihr Pferd in wenigen Wochen zum Muskelpaket wird. Es dauert zwar nur wenige Wochen, bis sich die Muskeln an eine höhere Belastung gewöhnt haben, aber andere Strukturen im Pferdekörper, die mit der Muskulatur zusammenhängen, sind deutlich unflexibler. Die Sehnen und Knochen brauchen dafür mehrere Monate bis Jahre. "Sehnen brauchen zum Beispiel zwei Jahre, um sich anzupassen", betont Barbara Welter-Böller. Trainiert der Reiter sein Pferd zu schnell auf, ziehen die starken Muskeln an Sehnen, Bändern und Gelenken. Vor allem bei jungen Pferden, die schnell Leistung zeigen sollen, hat das oft gesundheitliche Folgen. Durchtrittigkeit oder Sehnenprobleme könnten entstehen.

Wie oft sollte man ein Pferd trainieren?

Schaffen Sie zuerst eine gute Basis. Eine solide Grundfitness lässt sich mit zwei- bis drei Trainingseinheiten pro Woche erzielen. An freien Tagen gönnen Sie Ihrem Pferd Ruhe (spazieren gehen, Weidegang, locker bewegen). Nur wenn sich Muskeln erholen, können sie wachsen.

Wie merke ich, ob mein Pferd Muskelkater hat?

Bei jedem Training kann Muskelkater entstehen. Nach größeren Anstrengungen sollten Sie Ihr Pferd deshalb genau beobachten: Ist der Rücken druckempfindlich, wirkt der Gang steif und das Pferd weniger motiviert als sonst? Dann sollten Sie Ihrem Pferd eine Pause mit leichter Bewegung ohne Reiter gönnen.

Wie soll man Pferde für Muskelaufbau füttern? Welche Nährstoffe braucht ein Pferd für effektiven Muskelaufbau?

Damit ein Pferd Muskeln aufbauen kann, muss es genügend von den Bausteinen der Muskeln futtern: Das sind Eiweiße, auch Proteine genannt. "Der wichtigste Eiweißlieferant fürs Pferd ist Heu", sagt Futterexpertin Dr. Dorothe Meyer von der Firma Iwest aus Hohenpeißenberg in Bayern. Der Eiweißgehalt im Heu variiert zwischen rund 120 und 60 Gramm. Vor der Blüte enthält Gras mehr Protein als in der Blüte oder danach. Für Pferde im Training eignet sich der erste Schnitt Heu, der bei mittlerer bis Ende Blüte gemäht wurde. Er enthält bei Futter von durchschnittlicher Qualität 98 Gramm Eiweiß, davon sind 56 Gramm verdaulich.

Der verdauliche Anteil ist wichtig für die Rationsberechnung, denn nur er wird vom Körper verarbeitet. Der verdauliche Eiweißanteil macht 70 bis 75 Prozent vom Gesamteiweiß aus. Wieviel Eiweiß das eigene Heu enthält, können Pferdehalter bei jeder Lufa (landwirtschaftliche Untersuchungs- und Forschungsanstalt) testen lassen.

Kann Heu den Eiweißbedarf bei Pferden decken?

Der Mindestbedarf an verdaulichem Rohprotein beläuft sich beim Sportpferd auf etwa 0,8 bis 1 Gramm pro Kilo Körpergewicht. "Wenn das Pferd zwei Prozent der eigenen Körpermasse an Heu bekommt, ist es meist gut versorgt", sagt Dr. Dorothee Meyer. "Vorausgesetzt, die Heuqualität stimmt." Beispiel: Frisst ein 580-Kilo-Pferd elf bis zwölf Kilo gutes Heu am Tag, nimmt es 650 Gramm verdauliches Eiweiß zu sich und ist gut versorgt. Bei überständigem, grobstängeligem Heu bekommt es jedoch nur etwa 360 Gramm. Das ist zu wenig Eiweiß.

Was passiert bei einer Unterversorgung? Bei der Verdauung spaltet der Körper das Eiweiß aus dem Heu in seine Bestandteile, die Aminosäuren. Diese Aminosäuren werden genutzt, um Muskeln zu bilden. Es gibt neun essentielle Aminosäuren, also lebenswichtige Aminosäuren. Der Körper kann essentielle Aminosäuren nicht bilden, sondern muss sie mit dem Futter aufnehmen. Die anderen Aminosäuren bildet das Pferd, wenn es Eiweiß verdaut.

Das Tückische: Fehlt eine Aminosäure, findet keine Eiweißsynthese statt. In dem Fall zieht sich der Körper Eiweiß aus den Muskeln – die dann schrumpfen. "Daher ist eine ausgewogene Versorgung mit Aminosäuren so wichtig für die Muskeln", sagt Meyer. Schließlich sollen sie wachsen und nicht schrumpfen. Erhält das Pferd laut Rationsberechnung zu wenig Eiweiß, muss neben Heu noch anderes Futter gegeben werden.

Die eiweißreichsten Futtermittel:
1. Sojaextrationsschrot (180,5 Gramm) Hier bei Amazon bestellen
2. Leinsaat (84 Gramm) (z.B. Sonnenlein von Marstall)
3. Luzernheu (55,8 Gramm) (auch als Cobs, z.B. von Agrobs)
4. Hafer (47 Gramm) (z.B. Französischer Schwarzhafer)
5. Heu (37,1 Gramm)

Welche Muskelaufbauübungen gibt es für Pferde?

Übung 1: Alle paar Minuten lang machen

Halten Sie mal eine volle Wasserflasche am ausgestreckten Arm – wetten, dass nach kurzer Zeit Ihre Muskeln anfangen zu zittern? So fühlt sich ein Pferd, wenn seine Muskeln überanstrengt werden. Daher ist das A und O für alle Pferde und Rücken-Patienten im Speziellen: lang machen.

Warum dehnen gut tut: Lassen Sie Ihr Pferd regelmäßig vorwärtsabwärts dehnen. Das Nacken- und Rückenbandsystem sorgt in dieser Haltung dafür, dass sich der Rücken aufwölbt. Verkürzte, angespannte Muskelfasern verlängern sich so, werden wieder beweglich und optimal vom Stoffwechsel versorgt. Dann spannen sich die Muskeln locker an und ab, und das Pferd kann sich korrekt bewegen.

So geht's: Hals tief, und fertig ist die Dehnung? Ganz so einfach ist es nicht. Gehen Sie bei gleichmäßiger Zügelverbindung mit den Händen vor. So kann Ihr Pferd die Nase vor nehmen und das Genick öffnen. Daraus kann es den Hals fallen lassen und sich dehnen.

Das Maul sollte auf Höhe des Buggelenks sein; je tiefer es kommt, umso aktiver müssen die Hinterbeine vorschwingen und umso balancierter muss das Pferd sein. Weitere Merkmale einer korrekten Dehnung: Takt und Tempo sind gleichmäßig, der Schweif pendelt, das Pferd schnaubt ab.

Und wie oft sollte der Vierbeiner dehnen? Experten empfehlen: Junge Pferde alle drei bis fünf Minuten, ältere Pferde spätestens nach acht bis zehn Minuten. Diese Regeln gelten für gesunde Pferde. Hat Ihr Pferd Rückenprobleme, sollten Sie es häufiger dehnen lassen, damit es erst gar nicht verspannt – etwa alle zwei bis drei Minuten.

Übung 2: Kraft durch Übergänge auf der Acht

Ohne Übergänge geht beim Reiten nichts. Häufige Wechsel zwischen den Gangarten gymnastizieren das Pferd, lösen es und kräftigen.

Gangartwechsel für den Rücken: Übergänge zwischen Trab und Galopp sind gleich dreifach gut für den Pferderücken. Der erste Grund: Sie lösen Muskeln. Denn in Trab und Galopp belastet das Pferd die Rückenmuskulatur unterschiedlich: Im Trab spannen sich die Muskeln der rechten und linken Rückenhälfte abwechselnd an. Im Galopp findet die Kontraktion fast gleichzeitig statt. Die unterschiedliche Beanspruchung der Muskulatur zwingt das Pferd im Übergang dazu, einmal im Rücken loszulassen.

Übergänge lösen aber nicht nur, sondern formen auch die Muskeln: Denn beim Angaloppieren sind Bauch- und Kruppenmuskeln gefordert. Nur wenn sie stark genug sind, kann das Pferd den Rücken rund machen und so den Reiter gesund tragen. Und der dritte Vorteil: Korrekt gerittene Übergänge verbessern das Gleichgewicht. Das Pferd lernt, mit der Hinterhand Last aufzunehmen; das beugt Senkrücken vor. Also wechseln Sie los – am besten mit Trab-Galopp-Übergängen auf der Zirkel-Acht.

So geht's: Reiten Sie auf der rechten Hand auf dem Zirkel, und galoppieren Sie bei A an. Haben Sie im Galopp ein gutes Gefühl, parieren Sie an einer beliebigen Stelle zwischen Zirkelpunkt und A zum Trab durch. Wechseln Sie im Trab bei X aus dem Zirkel. Galoppieren Sie zwischen dem Zirkelpunkt und C erneut an und reiten auf dem Zirkel weiter. Parieren Sie zwischen Zirkelpunkt und C durch. Wechseln Sie erneut aus dem Zirkel. Die Übung können Sie mehrmals wiederholen; legen Sie nach spätestens drei bis vier Handwechseln eine Schritt- und Dehn-Pause ein.

Extra-Tipp: Ihre Übergänge sollen noch geschmeidiger werden? Stellen Sie sich dabei vor, eine neue Gangart zu beginnen, und nicht, die gerittene Gangart zu beenden.

Übung 3: Rück- und Seitwärts klettern

Das ideale Trainingsgelände für den Pferderücken liegt vor der Stalltür – denn Wald, Wiesen, Berge und Täler locken mit unterschiedlichen Böden. Das aktiviert die Tiefenmuskulatur des Pferds und schult zugleich seine Körperwahrnehmung. Es nimmt so besser wahr, wohin es tritt. Das wiederum verbessert die Balance des Tiers – eine Grundvoraussetzung, damit es sich gesund bewegen kann. Lange Schrittausritte entspannen und stärken die Muskeln zugleich; längere Galopptouren kräftigen Bauch- und Kruppenmuskeln. Besonders effektiv für einen gesunden Pferderücken sind jedoch Hügel, Wälle oder Berge.

Krafttraining am Berg: Am Hang sind die Pferdemuskeln ordentlich gefordert. Geht’s bergauf, müssen Hinterhand- und Bauchmuskeln mehr arbeiten. Ein weiterer Pluspunkt: Das Pferd muss den Rücken aufwölben; selbst verspannte Tiere lösen sich dabei. Bergab beugen Pferde ihre Hanken stärker; das kräftigt ebenfalls die Muskeln und macht den Rücken rund. Klettern am Hang an sich ist also schon ein ideales Aufbautraining für einen starken Rücken. Noch besser wird’s allerdings, wenn Sie am Hang auch rückwärts und seitwärts reiten.

Beim Rückwärtsrichten beugt das Pferd die Hanken und kippt im Becken ab. In der Halle oder auf dem Platz ist das schon eine gute Lektion, um den Pferderücken zu lockern und Muskeln zu kräftigen. Am Hang verstärkt sich dieser positive Effekt noch: Denn hier steht die Hinterhand mal höher, mal niedriger als die Vorhand. Tritt das Pferd beispielsweise mit dem Po voran den Berg hinauf, muss es die Hanken noch stärker beugen und den Rücken noch mehr aufwölben. Das gilt auch fürs Seitwärts. Kreuzt das Pferd die Beine, dehnt das die Kruppen- und Rückenmuskeln. Dieselbe Lektion am Hang verstärkt den Effekt. Lassen Sie Ihr Pferd also ab und zu ruhig mal seit- und rückwärts klettern.

So geht's:
Rückwärts am Hang: Halten Sie an einem Hang; dabei steht die Vorhand höher als die Hinterhand. Richten Sie Ihr Pferd einige Tritte rückwärts. Klappt das gut, drehen Sie die Lektion um. Also: wieder am Hang halten, diesmal steht die Hinterhand höher. Das verlangt vom Pferd hohe Körperbeherrschung. Lassen Sie es zwei, drei Tritte zurücktreten. Gelingt das, können Sie die Anzahl der Rückwärtstritte nach und nach auf sechs bis acht steigern – nicht zu viel verlangen, die Lektion ist anstrengend.

Seitwärts am Hang: Bergauf können Sie in beliebiger Weise die Pferdebeine kreuzen lassen. Beginnen Sie mit Schenkelweichen. Klappt das, probieren Sie es im Schulterherein oder Travers. Fallen Reitwege sanft ab, können Sie zudem Schenkelweichen bergab reiten. Reiten Sie am Anfang betont langsam, damit das Pferd nicht auf die Vorhand fällt und den Rücken wegdrückt.

Fürs Seitwärts und Rückwärts gilt: Wählen Sie zunächst nur leichte Steigungen. Denn je steiler der Weg ist, umso anstrengender wird es fürs Pferd. Es muss trotz Kletterei immer flüssig rückwärts oder vorwärts-seitwärts treten können.

Extra-Tipp: Die Schaukel ist auf gerader Ebene bereits anspruchsvoll. Bei dieser Lektion tritt das Pferd aus dem Halten eine Pferdelänge rückwärts, direkt ein paar Schritte vor und anschließend wieder zurück. Beherrscht Ihr Pferd diese Lektion in der Reitbahn und tritt es am Hang sicher rückwärts, können Sie die Lektion auch am Berg reiten.

Übung 4: Den Rücken mobil machen – 2 Dehnübungen

Verspannte Muskeln tun weh. Und nicht nur das: Sie verhindern, dass sich ein Pferd gesund bewegt. Massagegriffe wie TTouch oder Faszientraining lösen Verspannungen. Ideal fürs Pferd ist es, wenn Sie Dehnübungen regelmäßig nutzen.

Das macht beweglich: Damit das Pferd beim Reiten seinen Rücken aufwölben kann, muss die Wirbelsäule beweglich sein. Zwei Dehnübungen von Tierärztin Dr. Hilary Clayton sorgen genau dafür: Sie mobilisieren den Pferderücken.

So geht's:
Erste Dehnübung: Sie stellen sich mit Blick nach vorn neben die Pferdeschulter. Führen Sie eine Möhre langsam in Richtung Sprunggelenk. Das Pferd soll der Möhre mit dem Kopf folgen. Wichtig: das Genick sollte dabei gerade bleiben. Klappt das, stellen Sie sich etwas weiter nach hinten, etwa einen Meter neben die Kruppe. Halten Sie die Möhre etwa 60 Zentimeter neben die Fessel und locken Sie die Pferdenase – ebenfalls bei geradem Genick – nach hinten-unten. Das mobilisiert den Rücken seitlich und aktiviert die Bauchmuskeln.

Zweite Dehnübung: Sie stehen auf Gurthöhe neben dem Pferd. Beugen Sie sich vor und locken Sie die Pferdenase mit einer Möhre zwischen die Fesselgelenke. Das macht den Rücken horizontal mobil. Wiederholen Sie jede Übung drei- bis fünfmal.

Führen Sie Ihr Pferd zuvor warm und zwingen Sie es nicht in die gewünschte Form. Fragen Sie zu Anfang kleine Bewegungen ab. Hält das Pferd die Dehnung ein paar Sekunden, erhöht das den Effekt.

Übung 5: Seitwärts und Biegung genial kombiniert

Wer den Rücken seines Pferds stärken möchte, sollte weniger geradeaus reiten. Stattdessen sind Seitwärts und Biegung angesagt.

Warum das gut tut: Wer Seitwärts und Biegung kombiniert, dehnt und kräftigt sein Pferd von Schulter bis zum Po. Kreuzt das Pferd die Beine, profitiert der ganze Körper. Denn Seitwärtsschritte machen die Schultermuskeln geschmeidig; das fördert die Schulterfreiheit. Lockere, kräftige Schultermuskeln wiederum können den Widerrist besser anheben – das verhindert, dass der Rücken durchhängt.

Auch weiter hinten machen sich die Vorteile der Seitwärtstritte bemerkbar, nämlich an der Kruppe. Hier setzt der große Kruppenmuskel an, an einem Fortsatz des Oberschenkelknochens oberhalb der Hüfte (Trochanter major). Bewegt sich der Oberschenkel vorwärts-seitwärts unter den Rumpf, rotiert der Trochanter major nach hinten-außen. Das dehnt den Kruppenmuskel; weil dieser über die Rückenfaszie mit den Rückenmuskeln verbunden ist, dehnen sich diese gleich mit. Je stärker ein Pferd die Beine kreuzt, desto stärker dehnt es sich. Mit einer Einschränkung: Das gilt nur bei langsamen, gelassenen Bewegungen. Strampelt das Pferd, bleibt der Rücken verspannt.

Und wie sieht’s mit Biegung aus? Dabei dehnt das Pferd seine Außenseite. Die Bauchmuskeln müssen in Wendungen stärker arbeiten, das Pferd muss sein inneres Hinterbein stärker beugen. Das aktiviert die Hinterhand. Und nur wenn die Hinterhand stark und aktiv ist, kann das Pferd korrekt untertreten und so den Rücken aufwölben.

Kombinieren Sie also los, am besten mit einer Lieblingslektion von Ausbilder Eberhard Weiß: Er verbindet Schenkelweichen mit einer Volte.

So geht's: Für die Lektion sollte Ihr Pferd bereits sicher dem Schenkel weichen. Dafür liegt der äußere Schenkel etwas verwahrend hinter dem Gurt, der innere Schenkel treibt vorwärts-seitwärts. Mit dem inneren Zügel stellen Sie das Pferd gegen die Bewegungsrichtung, mit dem äußeren fangen Sie die Schulter ab.

Beginnen Sie im Schritt auf der linken Hand. Reiten Sie Ihr Pferd korrekt gestellt und gebogen durch die erste Ecke der langen Seite. Führen Sie die Vorhand in die Bahn wie für eine Volte. Lassen Sie dann das Pferd drei bis fünf Tritte dem inneren Schenkel weichen. Aus dem Schenkelweichen wenden Sie im Schritt, Trab oder Galopp in eine Volte ab (je höher die Gangart, umso schwieriger wird die Übung). Am Ende der Volte parieren Sie ggf. zum Schritt und wiederholen die Kombi Schenkelweichen/Volte bis zum Ende der langen Seite. Schrittund Dehnpause, danach das Gleiche auf der rechten Hand reiten.

Extra-Tipp: Bei Pferden, die sich noch nicht so gut biegen lassen, können Sie statt in die Volte auch auf einen Zirkel abwenden. Verkleinern Sie diesen nach und nach.

Übung 6: Tuning für den Po

Eine aktive Hinterhand ist unverzichtbar für einen gesunden Rücken. Nur wenn die Hinterbeine fleißig vorschwingen, kann das Pferd rund über den Rücken gehen. Deshalb müssen die Hinterbeine kräftig und beweglich sein.

Das stärkt den Pferde-Po: Beim Hinterhand-Training von Cornelia Greifenberg-Gruns lernt das Pferd, aufs Gertensignal die Hinterhufe zu heben. Das mobilisiert und kräftigt.

So geht's: Sie brauchen eine lange Gerte oder Peitsche. Damit müssen Sie die hinteren Röhrbeine erreichen, wenn Sie neben dem Kopf stehen. Kappzaum oder Trense eignen sich als Zäumung.

Wärmen Sie Ihr Pferd im Schritt auf, dann starten Sie an der langen Seite der Reithalle in den Kriechgang: Dabei setzt das Pferd im Schritt seine Hinterhufe deutlich hinter die Abdrücke der Vorderhufe. So hat es genug Zeit, in Ruhe die Hinterbeine zu heben. Sie führen Ihr Pferd rückwärts und gehen vor dem Pferdekopf. Die Hand am Zaum hält die Longe, die andere die Gerte. Gehen Sie langsam rückwärts los, fordern Sie Ihr Pferd durch Touchieren an Flanke oder Oberschenkel zum Antreten auf. Sobald es folgt, senken Sie die Gerte und gehen gleichmäßig weiter. Schiebt das Pferd, bremsen Sie sanft am Zaum oder vor der Brust.

Üben Sie das, bis Ihr Pferd das Tempo hält, sich weich stoppen und antreten lässt. Dann wechseln Sie die Position, stellen sich neben den Kopf und wiederholen den Kriechgang.

Aus dieser Position bringen Sie dem Pferd auch bei, ein Hinterbein auf Gertensignal anzuheben. Berühren Sie Röhrbein oder Fessel des inneren Hinterbeins mit der Gerte. Reagiert Ihr Pferd nicht, steigern Sie die Hilfe so: reiben, sanft rhythmisch klopfen, bei gleichem Rhythmus fester klopfen, bei gleicher Intensität schneller klopfen, die Intensität steigern. Jede Stufe dauert einige Sekunden. Hebt Ihr Pferd das Bein, sofort Hilfe beenden.

Klappt das auf beiden Seiten, kombinieren Sie das mit dem Kriechgang. Touchieren Sie dafür das Bein kurz vor dem Abfußen, wenn das Röhrbein senkrecht steht. Sobald Ihr Pferd das Bein hebt, halten Sie und loben. Gelingt das zuverlässig, gehen Sie weiter, wenn es das Bein hebt. Die Übung sitzt, wenn Sie gezielt einen gehobenen Schritt fordern können. Dann steigern Sie die Zahl der hohen Schritte, bis Ihr Pferd fünf hintereinander schafft. Vergessen Sie nicht, regelmäßig Pausen einzulegen und Ihr Pferd zu loben.

Übung 7: In-Out-Hüpfer auf der Zirkellinie

Hoch das Bein! Sobald Stangen oder Cavaletti auf dem Hallenboden liegen, zeigen Pferde deutlich mehr Beinarbeit. Deshalb hat die Stangengymnastik echte Bodybuilding-Qualitäten.

Das stärkt von Kopf bis Fuß: Über Stangen und Bodenricks müssen die Pferde ihre Beine höher heben. Das beansprucht die Muskeln an Hinterhand, Schultern und Bauch. Letztere sind der Gegenspieler zur Rückenmuskulatur. Nur wenn der Bauch stark ist, kann das Pferd den Rücken anheben und den Reiter gesund tragen.

Ein weiterer Vorteil der Stangenarbeit: Bei kleinen Hüpfern übers Cavaletti wölbt das Pferd seinen Rücken mehr auf. Das löst Verspannungen. Nutzen Sie daher Stangen- und Cavaletti-Arbeit regelmäßig im Training. Die Stangen können Sie von Trabstangen über einzelne Cavaletti bis hin zu Galopp-Varianten kombinieren.

Besonders effektiv für den Rücken sind In-Out-Sprünge auf der Zirkellinie, weil die Hüpfer direkt aufeinander folgen. Durch die Biegung auf der Zirkellinie dehnt das Pferd zudem die Muskeln auf der Außenseite.

So geht's: Für die Übung sollte Ihr Pferd schon die Stangenarbeit kennen. Kann es im Schritt und im Trab sicher und entspannt über vier Cavaletti gehen? Prima, dann nehmen Sie die Galopp-Arbeit hinzu. Stellen Sie zunächst ein einzelnes Cavaletti auf. Reiten Sie dieses ruhig und gerade an. Bleibt Ihr Pferd gelassen und überwindet das Bodenrick problemlos, ohne höher zu springen als nötig? Dann können Sie eine Reihe auf gerader Linie aufbauen.

Stellen Sie dafür zunächst ein In-Out aus zwei Bodenricks mit etwa drei Metern Abstand auf. Bewältigt Ihr Pferd das Hindernis gut, können Sie ein drittes und später ein viertes Bodenrick im selben Abstand aufstellen. Gelingt Ihrem Pferd das alles problemlos, bauen Sie diese Kombination auf der Zirkellinie auf (siehe Grafik). Beginnen Sie ebenfalls erst mit zwei Cavaletti und steigern die Anzahl dann auf vier.

Tipp: Wechseln Sie dabei die Linienführung, also reiten Sie die Cavaletti-Reihe mal auf der weiteren Außen-, mal auf der engeren Innenlinie an. Die unterschiedlichen Abstände fordern den Pferderücken; auf der Außenlinie muss sich das Pferd mehr strecken, auf der Innenlinie im Galopp mehr zusammenschieben.

Wichtig: Lassen Sie Ihr Pferd nach ein paar versammelten Galopprunden im Arbeitsgalopp am langen Zügel dehnen. Sonst beginnt Ihr Vierbeiner, sich womöglich im Rücken festzuhalten und verspannt.

Extra-Tipp: Cavaletti-Arbeit ist anstrengend, gerade für Pferde, denen Rücken- und Bauchmuskeln fehlen. Beginnen Sie daher mit wenigen Minuten und steigern Sie die Trainingszeit langsam.

Übung 8: Seitwärts an der Hand

Handarbeits-Basics bereiten die Pferdemuskeln fürs Training vor. Abkauübungen etwa entspannen den Kiefer. Ist der locker, sind es auch Genick, Hals und Rücken, weil die Muskeln miteinander verbunden sind.

Das stärkt den Rücken: Tritt das Pferd seitwärts, dehnt das die Kruppenmuskeln. Weil diese mit den Rückenmuskeln verbunden sind, lösen sich diese auch. Übertreten an der Hand bereitet daher den Rücken fürs Reittraining vor.

So geht's: Sie brauchen eine lange Gerte und eine Trense. Gehen Sie seitlich auf Schulterhöhe neben dem Pferd mit. Den inneren Zügel fassen Sie knapp unter dem Gebissring; Ihr Arm ist leicht angewinkelt. Die andere Hand hält Gerte und äußeren Zügel auf Schulterhöhe.

Gehen Sie so im Schritt auf den Zirkel. Stellen Sie das Pferd mit leichten Zügelimpulsen nach innen – ohne dabei den Pferdehals krumm zu ziehen.

Das Übertreten leiten Sie ein, indem Sie sich gegen die Bewegungsrichtung zum Pferd drehen. Bleiben Sie auf Höhe des Kopfs, und halten Sie eine Armlänge Abstand zum Pferd. Die Gerte halten Sie waagerecht Richtung Hinterbein.

Wenn Ihr Pferd abfußt, touchieren Sie es in diesem Moment oberhalb des Knies. Testen Sie, wie viel Druck nötig ist, bis das Pferd zur Seite weicht. Wenn es mit den Beinen kreuzt, loben Sie es und machen eine kurze Pause (dabei Gerte senken). Die Übung drei- bis viermal wiederholen; anschließend die Hand wechseln.

Übung 9: 12 Minuten Universal-Training

Fehlen Rückenmuskeln, sollten Reiter erstmal nicht in den Sattel steigen. Das ist aber kein Problem, denn Muskeln kann man perfekt von unten aufbauen – mit Hilfe von gezielter Longenarbeit.

Wie der Rücken stark wird: Ein cleverer Mix aus Longieren in Stellung und Intervalltraining – bei dieser Mischung stabilisiert sich der Pferderücken fast von alleine. Weil kein Muskel länger als anderthalb Minuten arbeitet, wird das Pferd schonend aufgebaut. Acht Dualgassen helfen dem Pferd dabei, während der Arbeitsphasen Stellung und Biegung beizubehalten. Die blau-gelben Gassen verbessern zudem Koordination und Körpergefühl. Das Trainingsprogramm "Equikinetic" von Dual-Aktivierungs-Erfinder Michael Geitner ist daher die optimale Lösung für Rücken-Patienten.

So geht's: Sie brauchen acht Dualgassen, einen Kappzaum, eine Longier- oder Bogenpeitsche sowie einen Timer. Nach einem festen Zeitschema arbeiten Sie Ihr Pferd nun im Schritt oder im Trab. Ihr Pferd geht beispielsweise eine Minute lang auf der linken Hand gebogen durch die Gassen, dann gibt’s dreißig Sekunden Pause im Halten; anschließend Handwechsel und eine Minute Arbeit auf der rechten Hand. Mit nur acht Einheiten und damit zwölf Minuten erreichen Sie schon viel. Die komplette Trainingsanweisung finden Sie unter www.cavallo.de/equikinetic.

Übung 10: Ein lockeres Reiterbecken schont das Pferd

Was machen Sie, wenn Ihnen jemand plötzlich in den Rücken pikst? Vermutlich spannen Sie die Muskeln an und drücken den Rücken durch. So reagieren auch Pferde, wenn ihnen ein Reiter ins Kreuz plumpst. Klemmt der Reiter, klemmt früher der später auch der Pferderücken – deshalb ist ein weicher, geschmeidiger Sitz so wichtig. Feilen Sie daher mit Übungen an der Longe an Ihrem Sitz, und lassen Sie Fehler von einem guten Ausbilder korrigieren. Für ein lockeres Becken sorgen Sie mit regelmäßigen Dehnübungen – das geht ganz nebenbei beim Putzen.

So hilft es dem Rücken: Biomechaniker Dr. Josef Kastner hat mehrere Dehnübungen für Reiter entwickelt. Mit einer davon wärmen Sie die sogenannten Antiklemmer auf. Diese Muskelpartie befindet sich ungefähr an der Außenseite des Beines. Beim Reiten bringen sie den Oberschenkel an den Sattel, ohne das Becken zu blockieren. So können Sie locker im Becken mitschwingen – und Ihr Pferd im Rücken ebenfalls.

So geht's: Sie stehen an einer Wand oder einem Stuhl; die Anbindestange am Putzplatz geht auch. Daran stützen Sie sich mit einer Hand ab. Die andere Hand legen Sie auf Ihre Hüfte. Das gleichseitige Bein winkeln Sie so an, als würden Sie mit gebeugtem Knie und Fuß in Steigbügelhaltung im Sattel sitzen. Jetzt schwingen Sie das Bein aus der Hüfte heraus vor dem Standbein nach innen und nach außen. Achten Sie darauf, dass Ihre Füße parallel sind. Wichtig ist, dass die Pendel-Bewegung aus der Hüfte kommt. Jedes Bein 20-mal hin- und herpendeln.

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