CAV Schluss mit Pfusch 4 Lisa Rädlein

So schützen Sie Ihr Pferd vor Kurpfuschern

Achtung vor Scharlatanen!

Seriöse von unseriösen Therapeuten zu unterscheiden, ist oft gar nicht so einfach. Diese Tipps helfen Ihnen.

Qualifikation

Viele Reiter wissen gar nicht, welche Qualifikation ihr Pferdetherapeut eigentlich hat. „Später sagen Klienten dann oft: Ja hätte ich mal gefragt“, weiß Rechtsanwältin Iris Müller-Klein. Sie rät: Erkundigen Sie sich bereits im Vorfeld nach der Ausbildung desjenigen, den Sie an Ihr Pferd lassen! Das hilft, sich ein genaueres Bild über die Fähigkeiten des Behandelnden zu machen.

Und was, wenn der Therapeut keine Auskunft zu seiner Ausbildung geben will? Keiner kann ihn dazu zwingen. Schließlich besteht lediglich ein Dienstleistungsverhältnis zwischen Kunde und Therapeut. Aber: „Wenn der Therapeut Auskunft gibt, dann muss diese wahrheitsgemäß sein“, betont die Rechtsexpertin.

Ein Dilemma bleibt allerdings immer: Nicht jeder, der etwas gelernt hat, ist automatisch gut. Und nicht jeder Ungelernte ist automatisch schlecht. Eine Ausbildung ist nur ein Puzzleteil, um zu erkennen, ob ein Therapeut etwas kann – oder nicht.

Aussagen wie „das hat mich das Leben gelehrt“ oder „ die Fähigkeit wurde mir in die Wiege gelegt“ sind jedoch ein Warnhinweis. Wer eine ungelernte Person trotzdem engagieren möchte, sollte umso genauer hinschauen bei der Behandlung.

Fragen & Beobachten

Fragen Sie den Therapeuten, warum er was gerade am Pferd macht und beobachten Sie die Reaktion Ihres Tiers. Fachkundige Heiler können ihre Handgriffe und Therapieansätze erklären und begründen. Sie informieren den Pferdebesitzer zudem über Risiken und Möglichkeiten einer Therapie.

Welche Behandlung ein Reiter am Ende wählt, bleibt seine freie Entscheidung. Wenn Sie sich bedrängt fühlen, ziehen Sie die Notbremse!

Gute Arbeit erkennen

Sie sind unsicher, ob Ihr Osteopath kompetent ist? Auch hier hilft genaue Beobachtung. Blicken Sie zunächst mal auf die Uhr. Eine gründliche Untersuchung von Kopf bis Huf dauert rund eineinhalb Stunden. Versprechen, ein Pferd innerhalb von zehn Minuten mit einem Handgriff zu heilen, sind unseriös.

„Gute Osteopathie sieht niemals aus wie ein Zweikampf“, sagt Beatrix Schulte Wien, Leiterin des Deutschen Instituts für Pferde-Osteopathie (DIPO) in Dülmen/Nordrhein-Westfalen. Pferde können auch mal Abwehrreaktionen zeigen. Diese sollten aber im Laufe der Behandlung weniger werden, da das Tier sich mehr und mehr entspannt.

„Viele Pferde arbeiten bei der Osteopathie regelrecht mit und drücken mir etwa die Hinterbacke entgegen“, erzählt die Expertin. Sowas können auch Reiter wahrnehmen – wenn sie darauf achten. Neben der Körpersprache verrät der Gesichtsausdruck, wie das Pferd sich während der Behandlung fühlt.

Grobe Handgriffe sind laut Beatrix Schulte Wien in der Osteopathie ein No-Go. „Reißen am Pferdebein ist keine Behandlung“, betont sie. Zerrt ein Therapeut am Tier, ist das mehr Effekt-Hascherei als Hilfe und sollte für den Pferdebesitzer ein Alarmsignal sein.

Trügerisch ist die Vorstellung, dass nur ein großer starker Mann Pferde einrenken kann. Tatsächlich ist sie gleich doppelt falsch: Erstens ist für Osteopathie das Feingefühl entscheidend, nicht Kraft. Zweitens können Wirbel nicht ausrenken, sondern maximal falsch stehen. Lassen Sie sich also keine Märchen vom Einrenken erzählen.

Wie kommt man an einen guten Osteopathen? Fachkräfte haben an einer renommierten Schule gelernt und bilden sich regelmäßig fort. Einen Therapeuten in Ihrer Nähe finden Sie etwa unter folgenden Adressen im Internet:

Zweifel am Tierarzt?

Spritzen, therapieren, operieren – und das alles ohne je Tiermedizin studiert zu haben: Zugegeben, solche Fälle sind selten, aber es gibt sie. Wer als Reiter aufgrund kurioser Erfahrungen Zweifel hegt, ob sein Tierarzt wirklich ein solcher ist, kann das prüfen.

„Jeder Tierarzt, der sich niederlässt oder angestellt in einer Praxis arbeitet, muss bei der Tierärztekammer gemeldet sein“, erklärt Dr. Peter Witzmann. Die Tierärztekammern überprüfen, ob der Tierarzt sein Staatsexamen abgelegt hat und über eine Approbationsurkunde verfügt. Nur dann darf er seinen Beruf ausüben und im Falle einer Niederlassung eine tierärztliche Hausapotheke führen.

Reiter haben das Recht, sich bei der jeweiligen Tierärztekammer zu erkundigen, ob ihr Tierarzt dort gemeldet ist: als Anfrage reicht laut Dr. Witzmann eine einfache E-Mail.

Eigenes Urteil prüfen

Sie sind verwirrt und wissen gar nicht mehr, was Sie von einem Therapeuten halten sollen? Laut Psychologin Dr. Kathrin Schütz kann folgende Strategie helfen, die Lage objektiv zu betrachten: Stellen Sie sich bildhaft neben sich und schauen sich von der Seite an. Wie würde ein Außenstehender die Situation wahrnehmen?

Betrachten Sie Kritik von anderen an Ihrem Therapeuten oder auch Lobgesänge auf denjenigen möglichst ohne zu bewerten. Stellen Sie sich die Frage: Was ist da wirklich dran? Kombinieren Sie diese Erkenntnisse aus der rationalen Sicht mit Ihrem Bauchgefühl. „Eine Mischung aus Kopf und Bauch ist am hilfreichsten für das Finden von guten Entscheidungen“, sagt die Psychologin.

Beweise sichern

Am Ende bleibt die Frage: Was kann ich tun, wenn ich ahne, dass ein Kurpfuscher bei meinem Pferd am Werk war? „Sichern Sie so schnell wie möglich Beweise“, rät Rechtsanwältin Iris Müller-Klein.

Das bedeutet: Lassen Sie das Pferd von einem Fachmann wie dem Tierarzt anschauen. Machen Sie Fotos und Videos vom Pferd, die den entstandenen Schaden dokumentieren. „Manchmal kann es auch sinnvoll sein, die Behandlung direkt zu filmen“, so die Anwältin. Wer nichts zu verbergen hat, den dürfte das in der Regel auch nicht stören.

Achtung, Alarmsignale!

Treffen auf den Pferdetherapeuten Punkte aus der Checkliste zu? Dann sollten Sie skeptisch werden.

  • Erklärungsnot: Wer nicht begründen kann, warum er beispielsweise einen bestimmten Handgriff ausübt oder eine Therapie anordnet, weiß es vielleicht auch gar nicht.
  • Laut werden, fluchen und ständig gegen Kollegen wettern – wer gute Arbeit leistet, hat das nicht nötig.
  • Das Pferd nur kurz anschauen und dann direkt sagen, dass beispielsweise fünf Folgetermine nötig sind.
  • Vorwürfe an den Pferdebesitzer sind unprofessionell. Scharlatane bauen so oft Druck auf.
  • Eigenmächtiges Handeln: Der Therapeut gibt ohne Absprache mit dem Pferdebesitzer Laboranalysen oder ähnliches in Auftrag.
  • Der Hammer: Kein seriöser Osteopath haut Pferden mit einem Gummihammer aufs Kreuz.
  • Undurchsichtige Kosten und teure Überraschungen auf der Rechnung
  • Großartige Heilversprechen: Wenn Ihnen jemand erzählt, er kuriere das Pferd jetzt in zehn Minuten mit einem Handgriff und damit wäre alles gut, sollten Sie skeptisch sein.
  • Abwehrreaktionen vom Pferd können vorkommen. Verschärfen sich diese während der Behandlung aber massiv, ist das ein Grund zur Vorsicht.
  • Striktes Verweigern der Zusammenarbeit mit Fachleuten wie Tierärzten, Sattlern und Hufbearbeitern.
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