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Check: Was lässt sich aus Pferdehufen ablesen?

Der große CAVALLO-Huf-Check Aus Hufen lesen

Hufexperte Burkhard Rau erkennt an beschlagenen und unbeschlagenen Hufen, wie das Pferd geritten wird und wo Trainingsdefizite liegen. Wie klappt das? Und worauf achtet der Experte?

Pferde mit Problemhufen tragen ihre vier Handicaps oft ihr Leben lang mit sich herum. Für uns Pferdebesitzer ist es schwierig, nach den Ursachen zu forschen. So viele Faktoren beeinflussen den Huf: die Haltung, der Boden – und selbstverständlich der Schmied oder Hufbearbeiter.

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Hufe-Check Was kann der Experte aus Pferdehufen alles herauslesen?
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Oder sind die Gene schuld? Manchen Rassen sagt man ja nach, dass sie schlechte Hufe haben. Vielleicht läuft das Pferd aber einfach komisch? Da kommen wir der Sache schon näher. "Welche Qualität die Hufe haben und wie sie geformt sind, hängt davon ab, wie sich das Pferd bewegt", meint Burkhard Rau, der seit über 40 Jahren als Hufschmied arbeitet und selbst ausbildet.

Welche Spuren lassen sich in den Hufen lesen?

"Die Hufe sind für mich ein Zeigeorgan", sagt Burkhard Rau. In ihnen liest er nicht nur die Spuren individueller Bewegungsmuster oder Schonhaltungen, sondern auch des Trainings unter dem Sattel.

Doch manchmal bedingt das eine das andere: "Als Hufbearbeiter muss ich über den Kronrand hinausblicken", sagt Rau. Und dafür muss das Pferd ganzheitlich betrachtet werden. Vielleicht deshalb hat er sich in vielen Bereichen weitergebildet: Er ist unter anderem Physio- und Osteotherapeut für Pferde, Emmett-Instructor, Trainer für Dualaktivierung und Equikinetik und schulte sich als Sattelcoach, in der Tierhomöopathie und der Hufbearbeitungsmethode F-Balance.

Welche Zusammenhänge kann er zwischen dem Reiter und den Hufen erkennen? Vier Reiter mit ihren Pferden stellen sich dem Huf-Check. Was entdeckt Burkhard Rau dabei?

Wie erkennen Reiter, was schief läuft?

Oft fällt es uns im Sattel schwer zu fühlen, ob und warum sich das Pferd ungleichmäßig bewegt. Liegt es am Pferd oder am Reiter oder ist es ein Zusammenspiel aller "Baustellen", die unter dem Sattel und im Sattel ihre Heimat haben?

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Wichtiges Diagnose-Tool: Im Schritt und Trab an der Hand erkennt der Hufschmied Unregelmäßigkeiten im Bewegungsablauf.

Burkhard Rau rät, am Boden zu bleiben: "Checken Sie Ihr Pferd von oben bis unten ab. Wo entdecken Sie Unregelmäßigkeiten, was ist asymmetrisch?"

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Ist alles symmetrisch? Wenn die Hufe schief sind, ist auch die Muskulatur ungleichmäßig.

Vergleichen Sie die Symmetrie der Hufstrukturen mit der Muskulatur und die Gliedmaßen beider Körperhälften. Bald haben Sie mehrere Punkte entdeckt, die Sie zu einem passenden Ganzen zusammenfügen und mit einem oder mehreren Fachleuten besprechen können. "Geben Sie die Verantwortung für Ihr Pferd und seine Hufe nicht komplett an einen Experten ab", rät der Hufexperte. "Sie selbst sind der beste Experte für Ihr Pferd!"

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Der Schwerpunkt soll in der Mitte des Hufs liegen. Sind die Wände außen zu lang, stimmt die Hufbalance nicht mehr, erklärt Burkhard Rau.

Huf-Checkliste für Pferdebesitzer

Hufe von vorne anschauen:

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Hufe von vorne anschauen.


• Verlaufen die Hufwände innen und außen gerade nach unten?
• Sind die Wände innen und außen gleich hoch?

Hufe von der Seite anschauen:

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Hufe von der Seite anschauen.


• Ziehen Sie gedanklich am Kronrand von der Stelle aus, die über der Strahlspitze liegt, eine Linie nach unten. Sind die Hufhälften gleich groß?
• Bilden Huf und Fessel eine Linie?
• Ist die Hufwand vorne gerade oder erkennen Sie einen Knick?
• Verlaufen die Zehen- und die Trachtenlinie parallel?

Hufe von unten anschauen:

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Hufe von unten anschauen.


• Sind die Flächen rechts und links des Strahls gleich groß?
• Ist die Wand gleichmäßig rund bzw. oval oder erkennen Sie Beulen nach innen oder außen?

Pferde-Typ 1 im Huf-Check: Der Klemmige

Amanecer, 9 Jahre, Hispano-Lusitano, Barhuf

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Burkhard Rau schaut nicht nur auf die Hufe. Bei genauem Hinschauen und Abtasten entdeckt er viele Zusammenhänge.

Ausgangssituation: Amanecer wird nur von seiner Besitzerin Elke Wedig geritten, die den neunjährigen Wallach vor zwei Jahren aus Spanien geholt hat. Der Hispano-Lusitano-Mix wird fünf bis sechs Mal in der Woche bewegt: Neben dem Reiten gehören Freispringen, Doppellonge und Gelände zu seinem Wochenprogramm. Amanecers Barhufe werden alle sieben bis acht Wochen bearbeitet.

Das sieht der Huf-Experte: "Die Hufe sind von der Fläche her viel zu groß", bemerkt Burkhard Rau schon beim ersten Blick. Vor allem an den vorderen Hufen driften die Hufwände bereits direkt unterhalb des Kronrands nach außen weg. "Eigentlich soll die Last in der Mitte des Hufs landen. So wirken die Kräfte nach außen und rauben dem Pferd beim Bewegen Energie."

Rau vermutet, dass Amanecer sich zurückhaltend und klemmig bewegt. Die Besitzerin nickt: "Vor allem am Anfang einer Trainingseinheit verhält er sich sehr. Es ist allerdings schon besser geworden, seitdem er bei mir ist. Im ersten Vierteljahr konnte ich ihn kaum antraben. Stattdessen ist er gestiegen".

Der Hufschmied forscht weiter und entdeckt Spalten im Horn, die vom Tragrand in der Mitte der Vorderhufe nach oben laufen. "Diese Tragrandspalten resultieren daraus, dass die Wände nach außen hebeln", stellt er fest. Die Zehe könnte noch besser an den Winkel der Fesselung angepasst werden: Von der Seite betrachtet sollen Huf und Fessel eine Linie bilden. Insgesamt sind die Hufe zu lang, urteilt der Experte. Dadurch stimme die Lastverteilung nicht mehr. "Darf ich mal Ihren Notizblock haben?", fragt Rau die CAVALLO-Redakteurin.

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Burkhard Raus Zeichnung zeigt, wie vordere und hintere Hufhälfte aus der Balance geraten, je länger die Hufe sind.

Was schwierig zu erklären ist, zeichnet der Experte lieber auf. Es geht um den Hufmechanismus und die Balance im Huf: Beim Auffußen liegt die Last im hinteren Teil des Hufes, im Bereich der Trachten.

Während der Stützbeinphase hat der komplette Huf Bodenkontakt. Dann liegt die Hauptlast kurz hinter der Strahlspitze – von der Seite betrachtet etwa in der Mitte des unteren Hufrands. Burkhard Rau zeichnet die Stelle ein und zieht eine Linie von unten durch den Huf nach oben: Die vordere und hintere Hufhälfte sind gleich groß.

Rau greift wieder zum Stift: Er verlängert den Huf nach unten und zeichnet die teilende Linie durch den Huf nach untenweiter. Das Ergebnis: Der vordere Teil des Hufes wird größer und der hintere Teil kleiner. "Da stimmen die Kraftverhältnisse nicht mehr", erklärt Rau. "Liegt die Hauptlast im hinteren Bereich, werden Strahl und Strahlpolster gequetscht und nicht mehr richtig durchblutet."

Ein weiteres Problem des zu langen bzw. zu spitzen Hufs: Fußt das Pferd nach der Stützbeinphase ab, muss es über die Zehe abrollen. Ist diese zu lang, verzögert sich der Abrollpunkt über den Zehentragrand, wodurch der Zug auf die tiefe Beugesehne verstärkt wird.

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Bereits direkt unter dem Kronrand verlaufen die Hufwände schräg nach außen. Die Tragrandspalten in der Mitte der Hufe sind entstanden, weil die Wände nach außen hebeln. Das Pferd braucht so zum Laufen viel Energie, weil der Huf nicht in Balance ist.

Auch an den Hinterhufen entdeckt der Experte Tragrandspalten, jedoch an den Innenseiten. Das liegt daran, dass die inneren Hufwände länger sind als die äußeren. So entsteht Druck auf die innere Wand.

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Amanecers Zehen sind zu lang. Hier ist gut zu erkennen, dass die Fessel viel steiler steht als der Huf.

Raus Blick wandert von den Hufen nach oben. Er schaut von hinten auf den Rücken des Wallachs. "Die Hufe sind niemals symmetrisch, wenn das Pferd oben schief ist", sagt er und stellt fest: Die unterschiedlich hohen Trachten der Vorderhufe korrespondieren mit den unterschiedlichen Höhen der beiden Schulterblattspitzen: Rechts liegt die Schulterblattspitze höher, rechts außen ist die Trachte höher.

Wie ungleich Amanecers linke und rechte Körperhälfte sind, zeigt auch das Abtasten: Rechts sind die Faszien beim Darüberstreichen fester. Auch der Kiefer ist nach rechts kaum beweglich, obwohl keine Zahnhaken im Weg stehen. Wie wirkt sich das auf die Bewegungen aus?

Der Experte bittet die Reiterin, ihr Pferd im Schritt geradeaus zu führen. "Das passt zu dem, was uns aufgefallen ist", bemerkt Burkhard Rau. Der Schweif pendelt nach rechts, das Pferd macht sich rechts hohl. "Hören Sie mal hin", sagt er. "Alle vier Füße müssen im gleichen Takt und mit der gleichen Stärke auftreten." Hinten rechts tritt Amanecer fester auf.

"Das Pferd ist schief", stellt Rau fest. Muss die Reiterin mehr an der Geraderichtung arbeiten? Unter dem Sattel zeigt sich ein möglicher Grund für Amanecers Schiefe: Die Reiterin sitzt nach links und knickt in der rechten Hüfte ein. Auch der Sattel rutscht nach links.

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Amanecer spiegelt die Schiefe seiner Reiterin. Sie sitzt nach links und knickt in der rechten Hüfte ein.

Das rät der Experte: Sie sollte zunächst an ihrer eigenen Schiefe arbeiten. Vorerst kann sie den Schwerpunkt des Trainings auf die Boden- bzw. Handarbeit legen. Beim Reiten soll sie darauf achten, alle Übungen auf beiden Händen gleich intensiv zu trainieren.

Bei den Hufen gibt es Korrekturbedarf. "Der Zeitraum zwischen den Hufbearbeitungen sollte nicht länger als sechs Wochen sein", so der Hufexperte. Am Anfang sei es besser, alle vier Wochen kleine Korrekturen vorzunehmen. Ihm ist es wichtig, dass die Pferdebesitzer Geduld haben.

"Hufe entwickeln sich ganz langsam in die schlechte Richtung. Der Rückweg dauert genauso lange." Amanecers Hufbearbeiter soll darauf achten, dass die Hufe den gleichen Zehenwinkel haben. Momentan hat der Wallach vorne einen flacheren und einen spitzeren Huf. Außerdem sei es nötig, die Zehe zu kürzen sowie die nach außen driftenden Wände zu begradigen und auf gleiche Höhe zu bringen.

Pferde-Typ 2 im Huf-Check: Der Spannige

Gigolo, 18 Jahre, Hannoveraner, vierfach beschlagen

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Der Hufschmied erklärt, dass Pferde beim Laufen auf den Trachten auffußen.

Ausgangssituation: Der große Hannoveraner-Wallach Gigolo ist 18 Jahre alt und wird von seiner Besitzerin Anja Wendel, die ihn seit 12 Jahren hat, sechsmal wöchentlich geritten. "Ich habe zweimal in der Woche Dressurunterricht und reite sonst viel im Gelände", berichtet sie. "Das Bergauf und Bergab draußen tut ihm gut, weil es ihm oft schwerfällt loszulassen." Gigolo hat an allen vier Hufen Eisen und vorne einen orthopädischen Beschlag (Eiereisen mit Kunststoffpolstern).

Das sieht der Huf-Experte: Burkhard Rau fragt zunächst nach dem, was gleich ins Auge sticht: dem orthopädischen Beschlag an den Vorderhufen. "Das sind ja ganz schön dicke Dinger", stellt er skeptisch fest.

Anja Wendel erklärt, dass bei ihrem Pferd vor sechs Jahren vorne poröse Strahlbeine und schlecht durchblutete Beugesehnen diagnostiziert wurden. Aufgrund dessen empfahlen Tierarzt und Schmied, den Wallach im Trachtenbereich höher zu stellen, um die Sehne zu entlasten und die Durchblutung anzuregen.

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Gigolos Eiereisen mit Kunststoffpolstern wurden von Tierarzt und Schmied empfohlen. Doch der Druck auf die Ballen durch die Polster und die hohen Trachten ist enorm.

Der Hufexperte jedoch ist verwundert: "Die Eisen bewirken doch genau das Gegenteil: Sie verhindern die Blutzirkulation." Er nimmt einen der Vorderhufe des Pferds hoch und zeigt auf die aufgestauchten Ballen über den Kunststoffpolstern. "Die dicken Polster unter den viel zu langen Trachten quetschen das Gewebe zusätzlich, vor allem im Bereich des Hufknorpels."

Außerdem sei ein Therapiebeschlag nicht für einen längeren Zeitraum gedacht. "Ein therapeutisches Eisen unterstützt Genesungsprozesse und sollte nicht zur Dauereinrichtung werden", meint der Hufexperte.

Die Eiereisen hält Burkhard Rau zudem für viel zu schwer. "Es gibt Eisen, die sechs, acht und zehn Millimeter dick sind. Die hier sind zehn Millimeter dick. Das muss nicht sein."

Anja Wendel ist erstaunt und wirkt etwas ratlos. Wie sie berichtet, hatte sie damals von mehreren Experten gehört, dass diese Art des Beschlags für ihr Pferd alternativlos sei.

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Gigolos Besitzerin kann fühlen, wie fest und unbeweglich die Faszien sind.

Doch Burkhard Rau fällt noch ein weiteres Detail auf: Der Hannoveraner habe eine "erworbene Rückständigkeit", sagt er. Von der Seite betrachtet befindet sich das Buggelenk vor der Zehenspitze. Der Experte erklärt, warum: Durch die Kunststoffpolster wird das Pferd in eine trachtenentlastende Stellung gebracht.

"Rein optisch steht er auf den Zehenspitzen, obwohl auf den Trachten sehr viel Druck ist", so Rau. "Diese Stellung versetzt den Wallach in einen hohen Muskeltonus." Eine Ursache für die fehlende Losgelassenheit beim Reiten?

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Die innere Hufwand darf nicht höher als die äußere Hufwand sein.

Vorher noch ein Blick auf die Hinterhufe. "Die inneren Wände sind zu lang", stellt Rau fest. Gleichzeitig sind die Hufwände außen konvex (nach außen gewölbt) und innen konkav (nach innen gewölbt). Dadurch werden die Kapillaren, das sind die kleinen röhrchenförmigen Blutgefäße im Horn, gedrückt und nur noch schlecht durchblutet. "Wären die inneren Wände kürzer, würde es dem Pferd leichter fallen, sich zu stabilisieren", erklärt Burkhard Rau.

Etwas instabil wirkt der Wallach beim Vorführen tatsächlich. Der hintere linke Huf dreht beim Auffußen nach außen weg und das Sprunggelenk hinten rechts wackelt bei jedem Tritt. Unter dem Sattel fällt auf, dass er hinten im Fesselbereich streicht und dazu neigt,den Schritt passartig zu verschieben.

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Ihr Pferd hat einen hohen Muskeltonus. Der aktuelle Beschlag könnte das begünstigen, meint der Hufexperte.

Der Wallach wirkt etwas angespannt, doch auch seine Reiterin könnte lockerer sein und treibt recht aktiv mit den Schenkeln. "Für meinen Geschmack macht sie unbewusst zu viel Druck", so Rau. "Wenn man die Stellung der Hinterfüße ändern würde, hätte das Pferd mehr Spaß an der Bewegung", urteilt der Hufschmied.

Der Rat des Hufexperten: Hinten die inneren Wände kürzen. "Und vorne die Polster weg, die Eiereisen weg und stattdessen dünnere Eisen aufnageln", empfiehlt Burkhard Rau. Dann hat Gigolo eine Chance, sich künftig locker und ohne Spannung zu bewegen.

Pferd-Typ 3 im Huf-Check: Der Zackelige

Xalando, 18 Jahre, Lusitano, Barhuf

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Burkhard Rau vermutet, dass Xalando eine schwache Hinterhand hat. Die x-beinige Stellung seiner Hinterhand weist darauf hin.

Ausgangssituation: Der Lusitano-Wallach Xalando kam vor eineinhalb Jahren zu seiner Besitzerin Ulrike Störzbach – hoch ausgebildet, aber nicht reell. "Er war krumm und schief und ich musste wieder mit der Grundausbildung anfangen, um ihn geradezurichten", erzählt sie. Mittlerweile kann er auch schwere Lektionen an der Hand, am langen Zügel und unter dem Sattel. Xalando wird auch im Schulunterricht eingesetzt.

Das sieht der Huf-Experte: Xalandos Schwachstelle ist für den Experten offensichtlich: Die "X-Beine" hintenfallen ihm sofort auf. "Das deutet darauf hin, dass sein Problem in der Hinterhand liegt", erklärt Burkhard Rau und zeigt auf die Hinterhufe: "Die schnabeln richtig nach außen weg."

Bei allen vier Huffen fällt auf, dass die Zehen zu lang sind. Allerdings sei die letzte Hufbearbeitung auch schon ein paar Wochen her, räumt die Pferdebesitzerin ein.

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Die untergeschobenen Trachten in Kombination mit zu langen Zehen ermöglichen es ihm kaum, weiter nach vorne zu fußen.

Xalandos Trachten dagegen sind deutlich untergeschoben. Das ist daran zu erkennen, dass die Hufwände von der Seite betrachtet unterschiedlich gewinkelt sind – hinten flacher und vorne steiler. So sind die Hufe nicht in Balance.

Burkhard Rau schaut sich die Hufe von unten an und entdeckt, dass sie stellenweise nach außen ausbeulen.

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Seine Hufe machen es Xalando nicht leicht, wie die stellenweise ausgebeulten Wände.

Der Experte berührt den Wallach an der Hinterhand. Xalando weicht sofort aus. "Schauen Sie mal hier", sagt Rau und zeigt auf die Hinterhand. Das Fell über der Muskulatur schlägt auffällige Falten, die zeigen, wie angespannt Xalando in diesem Bereich ist.

"Der Wallach wirkt etwas überbaut", stellt Burkhard Rau fest und versucht den Lusitano zu animieren, seinen Brustkorb etwas anzuheben. "Doch nicht", korrigiert sich der Schmied schmunzelnd.

Tatsächlich sieht die Rückenlinie des Pferds für einen Moment optisch gerader aus und das Pferd wirkt vorne höher als vorher. "Xalando lässt sich vorne ein bisschen hängen", meint Rau, "ist aber im Brust- und Schulterbereich locker – im Gegensatz zu hinten."

Ein paar Momente später fällt der Wallach wieder in seine bequeme Haltung zurück. "Der Effekt hält am Anfang nicht lange an", erklärt Rau. "Denn sich besser zu tragen, kostet das Pferd ein bisschen Kraft."

Beim Führen ist zu sehen, dass Xalando hinten sehr kurz tritt. Auch unter dem Sattel neigt Xalando dazu, im Schritt zu zackeln – sicherlich sind das auch noch Spätfolgen der Ausbildung im Ausland.

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Im Schritt an der Hand tritt der Wallach tatsächlich hinten recht kurz.

Burkhard Rau bittet die Reiterin anzutraben. Etwas zu früh. Nach dem Ritt erfahren wir, dass sie ihr Pferd üblicherweise länger löst als heute, um die Hinterhand mehr zu aktivieren. Im Trab gerät der Wallach in Wendungen etwas aus dem Takt – "weil er hinten keine Last aufnimmt", so Rau. "Die Vorderbeine eilen den Hinterbeinen voraus", beobachtet er weiter.

"Das Pferd läuft momentan noch zu sehr auf der Vorhand. Es sollte aktiver mit der Hinterhand sein, damit es mehr Last vom Schulterbereich nach hinten verlagern kann."

Wie kann die Reiterin Xalando helfen? Zunächst, indem sie den Hufbearbeiter bittet, ein paar Dinge zu korrigieren: Aufgrund der untergeschobenen Trachten fällt es dem Wallach schwer, hinten Last aufzunehmen. Damit Xalando hinten leichter abrollen, weiter nach vorne fußen und sich besser tragen kann, gehören die Zehen gekürzt und die ausgebeulten Ecken entfernt.

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Im Trab gerät der Wallach in Wendungen aus dem Takt, weil er hinten schlecht Last aufnehmen kann.

In der Hinterhand könnte der Lusitano noch beweglicher werden, meint der Experte. "Je mehr er die Hinterbeine anwinkeln kann, desto besser kann er mit ihnen vorfußen."

Und wie wird Xalandos Hinterhand mobiler? Der Experte hat einige Ideen: Die Arbeit am Langzügel, die der Wallach bereits kennt, sowie Equikinetic am Boden seien ein gutes Training für die schwache Hinterhand.

Pferde-Typ 4 im Huf-Check: Der Gemütliche

Bob, 21 Jahre, Hannoveraner, vierfach beschlagen

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Im Gurtbereich hat der Wallach Verspannungen, die Burkhard Rau hier mit einem Griff aus der Emmet-Therapie löst.

Hannoveraner-Wallach Bob ist der letzte Kandidat unseres Hufchecks.

Ausgangssituation: Der 21-jährige Fuchs gehört seit sieben Jahren John Patrick Mikisch und seiner Frau. Er wird fast jeden Tag bewegt: Dressur, Stangenarbeit, Freiarbeit und Gelände gehören zu seinem Programm. Beschlagen wird er an allen vier Hufen alle fünf Wochen.

Das sieht der Hufexperte: Bob und sein Besitzer laufen kaum drei Schritte, bis der Hufexperte grinst. "Da ist mindestens ein Eisen locker", vermutet Burkhard Rau. John Mikisch staunt, der Experte hat Recht.

Der Fuchs hat laut Besitzer Problemhufe. Das Horn wachse sehr langsam, deshalb sei Bob an allen Hufen beschlagen, um sie vor Abrieb zu schützen. "Wir sind viel im Gelände unterwegs", erzählt John-Patrick Mikisch, "und müssen uns dort überwiegend auf geschotterten Wegen bewegen."

Burkhard Rau schaut genauer hin – und erschrickt. "Die sind eine Katastrophe", entfährt es ihm beim Anblick der stark eingerollten Trachten. Mit dem Beschlag ist der Hufschmied nicht glücklich: Die Zehen sind zu lang und die Eisen sitzen zu weit vorne und sind zu eng. "So stimmt erstens der Abrollpunkt nicht", kommentiert Rau, "und zweitens werden die eingeengten Hufe nicht richtig durchblutet", ergänzt er. "Fürs Hufwachstum ist das kontraproduktiv."

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Die Schenkel der Hufeisen engen Bobs Hufe ein.

Im Schritt ohne Reiter schwenkt Bob den Kopf bei jedem Tritt nach rechts. Burkhard Rau massiert den Wallach auf beiden Seiten am Bauch hinter dem Ellenbogen – danach läuft Bob, ohne den Kopf zur Seite zu bewegen.

Was war das? Rau schmunzelt. Er erklärt, dass die Verspannung in diesem Bereich an einer blockierten Schulter liegen kann. "Das war aber nicht der Fall. Wahrscheinlich hat Bob ein Problem mit dem Sattelgurt", mutmaßt der Schmied.

Ein drückender Gurt könne das Pferd in eine Schonhaltung zwingen, die es einnimmt, um sich die Bewegung den Umständen entsprechend bequem zu machen.

"Dass Bob in diesem Bereich verspannt war, beweist die Wirkung der Therapiegriffe", so Rau. Die verblüffend effektive Massage, die der Experte gerade bei Bob angewendet hat, stammt aus der Emmett-Therapie (www.emmett-therapy.com).

"Den Sattelgurt sehen wir uns später genauer an", verspricht Burkhard Rau. Gerade nimmt John-Patrick Mikisch Anlauf, um seinem Bob an der Hand vorzutraben.

Der Hufexperte ist überrascht, wie gut sich das Pferd bewegt. "Die Hinterhand ist zwar etwas wacklig, aber Bob hat wohl gelernt, mit seinen körperlichen Handicaps umzugehen", meint Rau. "Das ist die beste Voraussetzung, um alt zu werden", lobt er. Ob der 21-jährige Wallach sich unter dem Sattel auch so positiv zeigt?

Beim Reiten werden die Schwächen des älteren Wallachs deutlicher sichtbar. Die Kopfbewegung nimmt wieder zu. "Hier sehen wir, dass die Behandlung funktioniert, aber nicht nachhaltig sein konnte", bemerkt der Hufexperte. "Bleibt die Ursache für die Schonhaltung bestehen, nutzen sich die Hufe entsprechend der Schonhaltung ab."

Therapie beginne immer damit, die Ursachen zu erkennen und zu beseitigen, betont Rau und wird nachdenklich: "Ich habe den Eindruck, dass in den Ställen viele Pferde-Osteopathen und -Physiotherapeuten behandeln, die diesen Grundsatz missachten."

Von hinten betrachtet fällt auf, dass Bobs Sprunggelenke an den Hinterbeinen instabil sind. Sie knicken bei jedem Schritt weg. "Dass liegt daran, dass die Sehnen in den Sehnenscheiden nicht gut durchgleiten", erklärt der Experte.

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Deutlich zu lang sind die Zehen. Dadurch liegt viel Druck auf den Trachten und Bob kann nicht so gut abrollen.

Es ist deutlich zu sehen, wie die Sehnen nach jedem Auffußen hängen bleiben und sich dann plötzlich wieder lösen und durchgleiten. "Das ist wohl Bobs Alter geschuldet. Aber dem Pferd fehlt es auch an Kraft und Muskulatur", stellt Burkhard Rau fest.

Der Experte rät deshalb zu viel Geländetraining im strammen Schritt. "Etwas über dem Wohlfühltempo zu reiten, spricht die aktive Muskulatur an", weiß Rau. Im Trab dagegen wäre es besser, etwas unter dem Wohlfühltempo zu bleiben. Um das Pferd nicht zu überlasten, sollte der Reiter im Gelände bergauf im Schritt reiten und bergab lieber absteigen.

Und der Sattelgurt? Der sitzt eher zu locker als zu stramm und die Schnallen, die häufig Verspannungen auslösen, sitzen korrekt oberhalb des Ellenbogens. Doch der übergestülpte Lammfellschoner schlägt Falten, weil er sich durch die Bewegung verzieht. "Bei diesem Sattelgurt kann man den Schoner weglassen", meint Rau. Denn Bob trägt einen Schnurengurt, der sich den Bewegungen des Pferds gut anpasst.

Auch für den Beschlag hat Rau noch einen Tipp: Bob braucht leichtere, runde Eisen, die weiter zurückgesetzt sind. "Da darf ruhig die Hornwand vorne überstehen", so Rau. "Mit einer deutlich kürzeren Zehe hätte Bob es viel bequemer", ergänzt er.

Kommentar

Ich bin ehrlich: Das Thema Hufe ist für mich ein rotes Tuch. Da ich kein Hufbearbeiter bin, suche ich mir einfach einen guten Fachmann für die Hufe meines Pferds. Soweit die Theorie.

Doch die Praxis zeigt, wie schwierig es ist, den zu finden. Wie gut der Experte seinen Job macht, zeigt sich manchmal erst nach Monaten. Und wenn er schlecht war, kann ich leider nicht schnell eine "Reset"-Taste drücken. Da hilft nur, sich selbst viel Wissen rund um Hufe anzueignen, um falsche Entwicklungen rechtzeitig zu erkennen.

Nadine Szymanski, CAVALLO-Redakteurin

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Lisa Rädlein
Nadine Szymanski, CAVALLO-Redakteurin

Klar, den perfekten Huf gibt es nicht. Und selbstverständlich kann der Huf-Experte oft nur korrigieren, was schiefläuft. Meistens ist es das Pferd. Nicht immer schaffen wir Reiter es, das selbst zu korrigieren. Deshalb brauchen wir Experten, die das Pferd ganzheitlich betrachten. Mein Wunsch: Sattler, Schmied und Physio in einem. Oder miteinander vernetzt. Das wäre eine große Hilfe.

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