Clevere Stallbau-Konzepte Lisa Rädlein

Sozialbox & Co.: 6 clevere Stallbaukonzepte

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Entspannt mit Artgenossen zusammen sein oder sich zurückziehen: Clevere Stallbau-Konzepte ermöglichen beides.

Sozialboxen fürs Miteinander

Sich beknabbern und sich jederzeit zurückziehen: Das ermöglichen Sozialboxen. Dafür wird ein Teil der Boxentrennwand herausgenommen und durch senkrechte Stäbe ersetzt, die an der Decke von einer Vertikalstange zusammengehalten werden. Die Stäbe haben etwa 30 Zentimeter Abstand. So können die Pferde Kopf und Hals hindurchstrecken. Erfunden wurde das System von Pferdestallplaner Andreas Kurtz, der es im Winterquartier des Circus Knie testete.

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Das Schweizer Nationalgestüt Avenches bezog die Boxen 2013 in eine Studie mit 16 Freibergerhengsten ein. Untersucht wurde das Sozialverhalten der Tiere – und die Sozialboxen waren hier eindeutig im Vorteil: In diesen zeigten die Hengste durchschnittlich 51 Minuten Sozialverhalten (normale Box 5 Minuten), davon 37 Minuten positive Interaktionen (Box: 4 Minuten). Einziges Manko: Die Tiere verletzten sich gelegentlich am Kopf, weil sie sich an der Vertikalstange stießen. Das lässt sich vermeiden, indem diese abgepolstert wird.

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Gemeinsames Spielen wird noch schöner, wenn sich die Paddocks vergrößern lassen.

Mit den Sozialboxen hat auch der Weierhof (www.weierhof.net) im schweizerischen Wängi gute Erfahrungen gemacht. Die Pferde seien zufriedener als zuvor, Verletzungen habe es in den vergangenen Jahren keine gegeben, sagt Betreiberin Nathalie Neuenschwander-Spörri. Sie hat all ihre Paddockboxen zu Sozialboxen umgerüstet – und eine lange Warteliste dafür.

Boxenwände offener gestalten

Offen, halbhoch, geschlossen, vergittert, unvergittert: Die Gestaltungsmöglichkeiten bei Boxenwänden sind enorm vielfältig. Je offener die Trennwand zwischen zwei Boxen gestaltet ist, umso mehr Sozialkontakt ist möglich.

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Boxenwände offener gestalten.

Wichtig ist jedoch, dass die Boxen bei offenen Mittelwänden ausreichend groß sind: Sucht ein Pferd Kontakt zum anderen, will das jedoch seine Ruhe haben, muss es ausweichen können. Ausreichend Rückzugsmöglichkeiten müssen Stallbetreiber daher bei Planung oder Umbau des Stalls einplanen.

Auch Freundschaften von Pferden sollte der Stallbetreiber bei der Boxenvergabe berücksichtigen. Idealerweise wohnen vierbeinige Kumpels direkt nebeneinander.

Gemeinsam leben in Doppelboxen

Ein Laufstall ist fürs Pferd zu groß und zu unruhig, eine Box bietet aber zu wenig Sozialkontakt? In diesem Fall könnte eine Doppelbox die passende Lösung für den Vierbeiner sein.

Pferde müssen sich wirklich mögen: Das ist unabdingbar, um zwei Vierbeiner in einer Box zu halten. Ist das nicht der Fall, kann das rangniedrigere Pferd dem ranghöheren Tier nicht ausweichen und gerät in Stress. Daher müssen Stallbetreiber bei der Zusammenstellung der Paare penibelst darauf achten, dass die Pferde eng befreundet sind.

Ausreichend Platz: Das A und O für eine Doppelbox ist genug Platz. Die Maße einer solchen Box sollten mindestens das Doppelte einer Einzelbox betragen, also: (2 x Widerristhöhe)2 pro Pferd – besser mehr. Je mehr Platz die Pferde zur Verfügung haben, desto weniger Stress haben sie.

Weil sich auch beste Freunde mal nicht vertragen können, brauchen sie Ausweichmöglichkeiten, um sich aus dem Weg zu gehen. Ideal ist es dann, wenn sie einen großzügigen Paddock zur Verfügung haben. Gut Heinrichshof bei Dresden bietet solche Doppelboxen an: Zur Liegefläche von rund 24 Quadratmetern kommt noch ein Paddock mit rund 95 Quadratmetern.

Steht etwa im Winter kein weiterer Auslauf zur Verfügung, sollte der Paddock noch größer sein: Die "Leitlinien zur Beurteilung von Pferdehaltungen" sehen für zwei Pferde mindestens 150 Quadratmeter Fläche vor.

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Doch Platz ist nicht alles. Auch in einem großen Stall kann Unruhe herrschen, wenn dieser nichtgestaltet ist.

Stressfrei fressen: Mehrere Hersteller wie beispielsweise Laake oder Röwer & Rüb haben Doppelboxen im Angebot. Sie gestalten diese mit zwei separaten Futterbereichen: Die Tröge befinden sich etwa in zwei unterschiedlichen Ecken. So haben die Pferde beim Fressen mehr Abstand voneinander; das verringert Futterneid.

Verstellbare Paddocks

Im Paddock vor der Box kann das Pferd das Stalltreiben beobachten und die Sonne genießen. Noch besser, wenn Pferde das zu zweit oder mehreren tun können.

Mit Trenngittern wie von Stallausstatter Texas Trading (www.texas-trading.de) können Stallbetreiber die Fläche individuell vergrößern. Und wenn Betreiber das täglich neu entscheiden wollen? Auch dafür gibt es Lösungen: Boxenbauer Röwer & Rüb (www.roewer-rueb.de) bietet etwa ein flexibles Paddock-System an. Damit lässt sich schnell ein einzelner Paddock zu einem für mehrere Tiere verwandeln.

Die Abtrennungen der Paddocks sind dabei an Pfosten mit Drehpunkten und doppeltem Verschluss angebracht. So lassen sich die Abtrennungen wie große Tore einfach öffnen und die Größe des Außenbereichs flexibel erweitern.

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Je höher das Platzangebot ist, umso eher können sich Pferde aus dem Weg gehen und Ruhe finden.

Die Platzfrage spielt auch hier eine Rolle – zumal die Boxentüren aus Sicherheitsgründen geschlossen werden sollten, wenn alle Pferde auf einer gemeinsamen Auslauffläche sind. Sonst entstehen hier Sackgassen und Engpässe. Für den Auslauf gelten auch hier 150 Quadratmeter für zwei Pferde als Mindestanforderung. Pro weiterem Pferd kommen 40 Quadratmeter hinzu.

Ruhe finden in der Chill Out Box

Entspannt ausruhen ist für Pferde in sogenannten "Chill Out Boxen" (von Stallbauer Schauer, www.schauer-agrotonic.com) möglich. Dahinter verbirgt sich ein separater Bereich im Offenstall. Ein Pferd kann diesen durch eine Schleuse betreten. Das Computersystem erkennt am Chip des Tiers, dass die Chill Out Box belegt ist, und schließt den Eingang für weitere Tiere.

Das Funktionsprinzipist also genau gleich wie in Fütterungsautomaten. Das Pferd kann sich nun solange in die "Chill Out Box" zurückziehen, wie es möchte. Es verlässt den Bereich durch ein Ausgangstor. Das registriert wiederum der Computer und öffnet das Eingangstor, sodass ein anderes Pferd die Box nutzen kann.

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In die „Chill Out Box“ checkt das Pferd durch eine Schleuse ein – und bleibt so lange im Rückzugsbereich, wie es mag.

Die Box kann individuell gesaltet werden, etwa als Liegefläche, separater Fütterungsbereich oder als Schleuse. Sofern der Platz vorhanden ist, kann jeder Stall damit nachgerüstet werden. Von Vorteil ist es, wenn bereits die entsprechende Computertechnik verwendet wird.

Die Erfahrungen der Stallbetreiber, so Hersteller Schauer, seien bislang gut: Pferde würden die Möglichkeit, sich selbst eine Zeitlang aus der Herde herauszunehmen, gut annehmen. Vor allem Pferde, die vom Boxen- in einen Aktivstall wechseln, bräuchten in der Anfangszeit häufiger ihre Ruhe – und finden sie in der "Chill Out Box".

Artgerechte Schlafmöglichkeiten

Fühlen sich Pferde in Offenställen nicht sicher genug, um sich hinzulegen und zu schlafen, kann das zu Schlafmangel führen – und der wiederum kann physische und psychische Probleme nach sich ziehen. Stallbetreiber können jedoch mit guter Planung für Rückzugsmöglichkeiten sorgen.

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Entspannt ruhen: Dafür sorgt die richtige Planung.

Genug Platz: Die Liegeflächen in Offenställen müssen so groß geplant werden, dass sich theoretisch alle Pferde gleichzeitig hinlegen könnten – auch wenn das in der Praxis eher selten vorkommt. Die Leitlinien für Pferdehaltung empfehlen pro Pferd 3 x Widerristhöhe2. Haltungsexperten wie Dr. Margit Zeitler-Feicht halten das für zu wenig: "Besser ist Boxengröße", also: (2 x Widerristhöhe)2. Das klingt nach keinem großen Unterschied, kann jedoch rund zwei Quadratmeter pro Pferd ausmachen.

Mehrere Liegebereiche anbieten: Die Liegehalle ist halb leer, trotzdem will sich ein Pferd nicht hinlegen. Das kann daran liegen, dass mitten im Liegebereich ein Tier steht, vor dem das andere Pferd weichen muss. Ideal ist es daher, wenn es gerade in größeren Herden mehrere Liegebereiche gibt. So können Pferde jederzeit eine freie Fläche finden.

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Unterschiedliche Bereiche in einem Offenstall – zum Spielen, Fressen und Ruhen – sorgen für Entspannung unter den Tieren.

Besser schmal als breit: Der ideale Liegebereich ist langgezogen mit wenigen Metern Raumtiefe; etwa so, als würde man bei einem 20 Meter langen Boxenstall eine der langen Außenwände entfernen und den Großteil der Boxentrennwände herausnehmen. Übrig bliebe dann ein Dreiseitenstall mit 20 Meter offener Front und nur wenigen Metern Raumtiefe. In so einem Bereich legen sich Pferde Verhaltensforschern zufolge gerne hin. Sie können hier nebeneinander ruhen und haben gleichzeitig ihre Umgebung im Blick.

Schlafbereich untergliedern: Einen solchen Ruhebereich sollte man mit Trennwänden unterteilen. Das schafft kleinere Ruheinseln für die Pferde.

Pferdegerecht planen

Wie gut ein Offenstall ist, hängt im Wesentlichen von zwei Faktoren ab: ausreichend Platz und einer pferdegerechten Planung.

Je höher das Platzangebot, umso eher können sich Pferde aus dem Weg gehen und Ruhe finden. Pro Pferd sollten mindestens 80 bis 150 Quadratmeter zur Verfügung stehen. Je mehr, umso besser, fanden die beiden Forscherinnen Konstanze Krüger und Birgit Flauger heraus: Ihrer Studie zufolge geht die Aggression in einer Herde gegen Null, wenn jedes Pferd mehr als 331 Quadratmeter Platz hat.

Doch Platz ist nicht alles: Auch in einem großen Stall kann Unruhe herrschen, wenn dieser nicht gestaltet ist. Sichtschutzinseln sorgen etwa für Rückzugsmöglichkeiten, hinter denen sich Pferde "verstecken" können. Auch die Aufgliederung in verschiedene Funktionsbereiche (etwa Fress-, Spiel-und Ruhemöglichkeiten) sorgt für Entspannung.

Zweisame Heuraufen für den Boxenstall

Jedes Pferd frisst in seiner Box allein? Das muss heute nicht mehr sein: Stallbauer haben mittlerweile einige Lösungen, damit Pferde auch in Boxenhaltung gemeinsam futtern können.

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Gemeinsam futtern – und die Stallgasse ist dabei auch im Blick.

Eine große Heuraufe, die an der Mittelwand zweier Boxen ansetzt, hat etwa der Stallbauer Hörmann (www.hoermann-info.com) entworfen. Mit dieser Lösung können zwei benachbarte Pferde zusammen am Heu mümmeln. Die Stallgasse muss aber ausreichend breit sein (mindestens drei Meter bei Großpferden), sonst kommt es zu Engstellen.

Für den Stallbetreiber hat diese Lösung ebenfalls Vorteile: Er kann die Heuraufe schnell und einfach von der Stallgasse aus befüllen, ohne erst etwa umständlich die Boxentüren öffnen zu müssen.

Eine zeitgesteuerte Variante der gemeinsamen Heuraufe bietet Stallhersteller Schauer an: Boxen lassen sich mit dem zeitgesteuerten Raufutterschieber nachrüsten. Die Steuerung der Raufe läuft über eine zentrale Bedieneinheit und erfordert einen Stromanschluss.

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Schauer bietet eine zeitgesteuerte Raufe an.

Gemeinsam futtern auf dem Paddock

Unsere Pferde lieben es, in Gesellschaft zu futtern. Das liegt ihnen in den Genen: Pferde haben ein synchrones Futterverhalten, fressen also am liebsten zusammen mit Artgenossen. Ein gemeinsames Raufutterangebot auf dem Einzelpaddock kommt diesem Verhalten entgegen.

Am Ende der Paddock-Trennwand können Stallbetreiber eine gemeinsame Heuraufe für zwei benachbarte Pferde anbringen. Der Stallbauer Hörmann hat so eine für Rundballen im Angebot. Ein Heunetz verhindert, dass die Pferde zuviel Raufutter herausziehen und auf dem Paddock verteilen. Ein Dach auf der Heustation bewahrt das Raufutter vor Witterungseinflüssen. Die Raufe muss laut Hersteller nur alle zwei bis drei Wochen neu befüllt werden.

Eine ähnliche Variante bietet auch Stallbauer Schauer (www.schauer-agrotronic.com) an: Die zeitgesteuerte Raufutterstation "Paddock" bietet ebenfalls zwei benachbarten Pferden auf dem Auslauf eine gemeinsame Fressmöglichkeit. Damit lässt sich das Heu-Angebot regeln oder Fresspausen in der Nacht vermeiden. Für diese Variante ist allerdings ein Stromanschluss auf dem Paddock nötig.

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Heuraufen auf dem Paddock – zeitgesteuert oder zur freien Verfügung – ermöglichen Nachbarn gemeinsames Fressen.

Ganz gleich, ob mit Technik oder ohne: Die Pferde müssen sich in jedem Fall so gut verstehen, dass nicht das eine Tier das andere vom Fressen abhält. Die gemeinsame Raufe ist zudem nicht geeignet, wenn ein Pferd nur rationiert Raufutter erhalten soll.

Kein Futterneid zwischen Boxennachbarn

Der Nachbar bekommt was zu futtern, während man selbst leer ausgeht: Das kann bei Pferden schnell zu Fress-Neid und Unmut führen. Sind Raufen und Tröge in der Box aber geschickt platziert, lässt sich der Unmut verringern.

Aus den Augen, aus dem Sinn: Nach diesem Prinzip funktionieren etwa Trennwände zwischen den Boxen, die im Bereich der Futtertröge oben geschlossen sind. Statt Gitterstäben oder einem offenen Bereich, in dem ein (neidischer) Blick zum Nachbarn möglich ist, sind diese Trennwände hier mit Holz verkleidet. Die Pferde sehen also nicht direkt, ob der Nachbar gerade etwas zu fressen bekommt. Das sorgt für mehr Ruhe während der Kraftfutter-Fresszeiten.

Um zusätzlichen Stress zu reduzieren, können Stallbetreiber darauf achten, wo sie in Boxen Heuraufen und Futtertröge positionieren. Im Idealfall grenzt nicht Trog an Trog; sonst haben die Pferde beim Fressen nur die Mittelwand zwischen sich, und das kann manchem Pferd zu wenig sein. Besser ist es, die Tröge versetzt voneinander zu montieren, sodass die Breite der Box zwischen ihnen liegt. In die andere Ecke der Boxenwand, die an die Stallgasse grenzt, könnte dann die Heuraufe platziert werden. So haben die Pferde auch bei der Raufuttermahlzeit genug Raum zwischen sich – sofern sie sich nicht so gut verstehen, dass sie sich eine Raufe teilen können.

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