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Koppel-Saison: Pferde richtig anweiden

Die Wahrheit über Eiweiß im Futter

Die Weidezeit steht vor der Tür – und damit die Debatte um das Eiweiß im jungen Gras. Schadet es Pferden? Wie viel Eiweiß ist gesund?

Die meisten Pferdebesitzer glauben, dass eiweißreiches Futter mehr schadet als nutzt. Sie fürchten, dass durch zu viel Eiweiß Hufrehe und Koliken ausgelöst werden. Das ist zwar nur die halbe Wahrheit. Trotzdem meiden viele Reiter die eiweißreichen Wiesen im Frühjahr und füttern auch sonst lieber eiweißreduziertes Pferdemüsli. Obwohl Wissenschaftler schon vor Jahren herausfanden, dass Hufrehe nicht allein durch Eiweiß verursacht wird, hält sich der Eiweiß-Irrglaube hartnäckig. Dabei sind bestimmte Kohlenhydrate (vor allem Stärke im Getreide oder Fruktane im Gras) die deutlich gefährlicheren Rehe-Auslöser.

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Lisa Rädlein
Fit und munter auf der Weide.

Hohe Eiweißmengen – insofern ist die Furcht vor Eiweiß zum Teil begründet – können aber das Absenken des Hufbeins fördern. Die Fütterung von zu viel Eiweiß stört außerdem die Verdauung des Pferds, weil es die Darmflora aus dem Gleichgewicht bringt: Das Pferd bekommt Durchfall. Weil zu viel Eiweiß auch Koliken auslösen kann, sollte man Pferde behutsam ans Gras gewöhnen und die Weidezeiten von Minuten über Stunden bis zum halben oder ganzen Tag steigern.

Hier gibt es den CAVALLO-Anweide-Plan zum Download

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Muskulatur braucht Proteine

Vor allem Fohlen brauchen viel Eiweiß (lat. Proteine) zum Wachsen, Stuten zur Milchproduktion und Sportpferde zum Muskelaufbau. Ohne Eiweiß baut der Körper rasch Muskeln und Gewebe ab und würde im Extremfall zerfallen.
Doch Eiweiß ist nicht gleich Eiweiß.Der Unterschied besteht in der Zusammensetzung: Proteine sind Ketten aus Aminosäuren. Insgesamt sind 20 verschiedene Aminosäuren bekannt, ein Teil davon wird als essentielle (Lysin, Methionin), der andere als nicht-essentielle Aminosäuren (Asparagin, Serin) bezeichnet. Eiweiße aus essentiellen Aminosäuren muss das Pferd übers Futter fressen. Sie stecken in fast allen Futtermitteln – nur nicht im Öl. Sojaextraktionsschrot und Leinsaat enthalten sehr viel Eiweiß, Hafer weniger. Nicht-essentielle Aminosäuren kann der Körper selbst herstellen. Dafür braucht er jedoch genügend essentielle Aminosäuren, sonst stoppt die Eigenproduktion. Der Bedarf an essentiellen Aminosäuren ist bei Pferden sehr unterschiedlich.

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Gras tut Pferden gut.

Gesunde Pferde vertragen viel Eiweiß

"In Heu und Hafer stecken ausreichend Eiweiße, um den Bedarf in den meisten Fällen zu decken", sagt Tierärztin Dr. Ingrid Vervuert, Assistentin am Institut für Tierernährung der Veterinärmedizinischen Universität Leipzig. Sie betont ausdrücklich, dass gesunde Pferde problemlos große Mengen an Eiweißen vertragen können, ohne dass ihnen dies schadet. Hochträchtige und säugende Stuten brauchen hingegen sehr viel Eiweiß, nämlich drei- bis viermal so viel wie ein Reitpferd. Die übliche Ration aus Heu und Hafer reicht ihnen bei weitem nicht aus. Zudem brauchen sie viele essentielle Aminosäuren. Für Stuten, die trächtig sind oder ein Fohlen haben, bietet sich deshalb ein Spezialmüsli an. Das ist entbehrlich, wenn die Stute im Frühjahr auf einer eiweißreichen Weide steht. "Zusätzlich zum Hafer kann man übrigens auch preiswertes Sojaextraktionsschrot füttern", so Expertin Vervuert. Sie empfiehlt, im Zweifel den Tierarzt zu fragen.

Eiweißhaltiges Futter für Fohlen

Fürs Wachstum brauchen sie vor allem essentielle Aminosäuren. Der Züchter sollte daher zum Spezialmüsli greifen oder eben Sojaextraktionsschrot unter den Hafer mischen.

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Fohlen brauchen eiweißhaltiges Futter.

Leber- und nierenkranke Pferde dürfen nur kleinste Mengen Eiweiß fressen. Die Dosis muss auf ein Zehntel des Reitpferdebedarfs heruntergeschraubt werden, denn jedes Gramm Eiweiß schädigt die kranken Organe und kann zu Leber- oder Nierenversagen führen. Das liegt an den Bestandteilen der Eiweiße: Der darin enthaltene Stickstoff ist stets Gift für den Körper. Er muss abgebaut und ausgeschieden werden. Diese Aufgabe haben Leber und Nieren, die das problemlos schaffen, wenn sie gesund sind. Sind die Organe aber geschädigt, beispielsweise durch belastende Medikamente, können sie den Stickstoff nicht mehr filtern. Er schädigt die Organe mehr und mehr, bis sie schließlich versagen. Um den Zustand der kranken Pferde nicht zu verschlimmern, sollte man nicht nur das Eiweiß drastisch senken, sondern ausschließlich Eiweiße mit möglichst vielen essentiellen Aminosäuren füttern, am besten Sojaextraktionsschrot. Auf Hafer sollte man bei Leber- und Nierenkranken verzichten. Viele Futterhersteller bieten eiweißreduzierte Spezialmüslis an, die jedoch oft immer noch zu viel Eiweiß für organgeschädigte Pferde enthalten. Besprechen Sie die Fütterung in solchen Fällen immer mit dem Tierarzt.

Top 5: Eiweißreiches und -armes Futter

Top 5 der eiweißreichsten Futtermittel (essentielle Aminosäuren in g/kg ursprüngliche Substanz):
1 Sojaextraktionsschrot 180,5
2 Leinsaat 84
3 Luzerneheu 55,8
4 Hafer 47
5 Heu 37,1

CAV 12_2010 Hafer Futter 01
Rädlein
Der Hafer-Glas-Test zeigt die Qualität des Futters an.

Top 5 der eiweißärmsten Futtermittel essentielle Aminosäuren in g/kg ursprüngliche Substanz):
1 Pflanzenöl 0
2 Gras 12,7
3 Zuckerrübenschnitzel 26,9
4 Mais 34,2
5 Gerste 36,9

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