Fressbremse: Welche Maulkörbe sind pferdefreundlich?

Maulkorb blockiert Kommunikation

Ein Maulkorb allein sorgt nicht für eine gesunde Diät: Die Pferde nehmen das Maul zwar weniger voll, aber trotzdem sollten Besitzer nur pferdefreundliche Maulkörbe nutzen.
Foto: Tier-Sportfotografie.de CAVALLO Wiehern

Ein Maulkorb schränkt die Mimik des Pferds ein.

Fressbremsen können auch bei Pferden Sinn machen, die zu Hufrehe neigen und auf der Koppel sonst zu viel Gras futtern würden. Die Alternative wäre, auf den Weidegang zu verzichten. Tatsächlich schränken Fressbremsen die Futteraufnahme so ein, dass die Pferde zwar Grashalme erwischen, jedoch längst nicht die sonst üblichen Mengen. Das bestätigt die Masterarbeit von Tracey Hammond aus Großbritannien. Sie kam in ihrer Studie zu dem Schluss, dass sich die Grasaufnahme um 75 bis 86 Prozent verringerte, die Pferde das Gras nicht so tief abbissen und auch nur kleine Happen nahmen.

Manche Reiter schnallen ihrem Pferd einen Maulkorb um, damit es abspeckt. Davor warnen Experten wie Dr. Margit Zeitler-Feicht, Dozentin für Pferdeverhalten und Verhaltenstherapie am Wissenschaftszentrum Weihenstephan. Sie hält Maulkörbe zu diätetischen Zwecken für nicht tiergerecht. „Wird ein Pferd zu dick, sollte nicht als erstes ein Maulkorb umgeschnallt werden“, sagt sie. Reiten Sie Ihr Pferd mehr, und kontrollieren Sie die Fütterung. Bekommt es zu viel Kraftfutter? Auch Dr. Andreas Franzky empfiehlt, grundsätzlich erst einmal nach pferdegerechteren Lösungen zu suchen. „Pferde, die auf der Weide schnell dick werden, könnten etwa auf die Nachweide gestellt werden.“

Maulkörbe und Fressbremsen behindern Pferde stärker, als mancher Reiter denkt. Im Rahmen von Rangordnungsanalysen beobachteten Studenten aus dem Team von Dr. Margit Zeitler-Feicht, dass sie das optische Ausdrucksverhalten deutlich einschränken. „Die Mimik des Pferds in der Maul- und Nüsternpartie ist für die anderen kaum oder gar nicht mehr zu erkennen“, sagt sie. „Das kann zu Problemen bei der gegenseitigen Verständigung führen und sogar Folgen für die Rangordnung dieses Pferds haben.“ Auch Drohgebärden wie Beißen sind für Pferde mit einer Fressbremse nicht mehr möglich. Lediglich ihr Ohrenspiel ist noch erkennbar – ohne die Mimik der Nüstern und des Mauls allerdings für die restlichen Weidekumpel nutzlos. „Die Pferde können mit einer Fressbremse nicht mehr richtig kommunizieren“, folgert Dr. Zeitler-Feicht.

Ob sich Pferde am Maulkorb stören, untersuchte Linda Malek in ihrer Studienarbeit, die Dr. Iris Bachmann, Ethologin und Verantwortliche der Forschungsgruppe EquiTeach am Schweizerischen Nationalgestüt in Avenches, betreute. Nachdem zuerst Fressbremsen im Einsatz waren, diese aber in kürzester Zeit kaputt gingen, setzten die Forscher Maulkörbe ein. Testkandidaten waren zwölf Freiberger Hengste, die auf der Weide leben. „Die Pferde reagierten sehr individuell“, sagt Dr. Iris Bachmann.

Während manche alles versuchten, um den Maulkorb loszuwerden, resignierten andere schnell. „Da sie mit Maulkorb nicht mehr fressen konnten, liefen sie wesentlich mehr im Schritt umher als ohne Maulkorb“, so die Ethologin. Anhand von Verhaltensbeobachtungen wie Kopfschütteln, Scharren, Schnauben und Wälzen kamen die Wissenschaftler zu dem Schluss, dass sich Pferde mit Maulkorb nicht wohlfühlen. „Es ist aber weit entfernt, eine sehr große Belastung zu sein“, sagt Dr. Iris Bachmann. „Die Hengste resignierten nach kurzer Zeit und dösten vor sich hin.“

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04.11.2011
Autor: Kristina Glaser
© CAVALLO
Ausgabe 05/2011