Medizin Kompendium Melanome Lisa Rädlein

Melanome bei Pferden - was hilft?

Medizin-Kompendium: Hauttumore beim Pferd Melanome bei Pferden – was hilft?

Eine Genmutation gilt als Auslöser für die schwarzen Hauttumore. Sie wachen häufig bei Schimmeln. Zwei Therapiemethoden dagegen werden derzeit intensiv erforscht.

Walnussgroß und unter der Haut gelegen: Bei dem elfjährigen Schimmel war an der linken Halsseite auf einmal eine Umfangsvermehrung aufgetreten. Dazu kamen mehrere kleine Knubbel unter dem Schweif. Und auch in der Parotisregion (etwa zwischen Ohren und Kehlkopf, am Übergang vom Kopf zum Hals) hatte der Warmblut-Wallach eine massive Verdickung auf der einen Seite stärker als auf der anderen.

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Das Pferd wurde an der Ludwig-Maximilians-Universität München mit einem Magnetresonanz-Tomographen (MRT) untersucht: Es litt an Melanomen, den am häufigsten auftretenden Hauttumoren bei Pferden.

Was verursacht die Krankheit?

Melanome entstehen in den Melanozyten (Pigmentzellen, siehe Grafik). Diese Zellen produzieren den Farbstoff Melanin, der die Pferdehaut schwarz färbt. Gesunde Melanozyten teilen sich, wachsen und sterben. Ist dieser Regelkreis durchbrochen, entstehen Tumore: Der Pferdekörper produziert Melanozyten im Übermaß, die teils entarten.

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Die oberste Zellschicht der Haut wird Epidermis genannt (A). Die Pigmentzellen (Melanozyten, B) liegen an der Grenze zur Dermis (Lederhaut) und produzieren den Farbstoff Melanin. Dieser färbt die Pferdehaut schwarz. Produziert der Körper jedoch zuviele Pigmentzellen, können diese entarten und Melanome verursachen (C).

Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Gene hier eine wichtige Rolle spielen. "Für die Entstehung von Melanomen sind die gleichen Gene verantwortlich, die auch das Ergrauen von Schimmeln auslösen", erklärt Professor Jessika Cavalleri von der Veterinärmedizinischen Universität Wien. Bekommen Schimmel graues Haar, läuft das ähnlich ab wie das Ergrauen beim Menschen – nur eben im Zeitraffer.

Warum? Forscher aus Schweden fanden heraus: Auslöser ist eine einzige Genmutation, "Grau-Mutation" genannt. Sie regt einerseits die Hautpigmentierung an, andererseits führt sie zum Verlust der Haarfarbe. Das Pferd ergraut und hat ein erhöhtes Risiko für Hautkrebs. Die Genmutation ist der Grund, warum sich Melanome hauptsächlich bei Schimmeln bilden. Laut Studie geht die Mutation auf einen gemeinsamen Vorfahren aller Schimmel zurück.

Melanome metastasieren über den Blutkreislauf und das Lymphsystem. Unzählige kleine Knoten siedeln sich entlang der Lymphbahnen an, von denen aus wiederum Krebszellen in die inneren Organe geschwemmt werden können. Von Metastasen befallen sind am häufigsten Leber, Lunge, Milz sowie Schleimhäute und Lymphknoten.

Manche Tumore (anaplastische, maligne Melanome) sind von Anfang an bösartig. Sie befallen öfter ältere, nichtschimmelfarbene Pferde. Dieser Typ bildet früh Metastasen und ist aggressiver.

Wie macht sich die Krankheit bemerkbar?

Melanome entwickeln sich sehr unterschiedlich. Nur in seltenen Fällen führen sie zum Tod. Anfangs sind es meist erbsengroße, einzelne Knoten. Im Laufe der Zeit können sie aber bis auf die Größe einer Orange wachsen und sich vermehren. Metastasen (Tochtergeschwulst, wandernde Krebszellen) entstehen meist in der direkten Nachbarschaft des ersten Knoten. Es kann eine richtige Ansammlung von Knoten an einer oder mehreren Hautstellen geben.

Bei Schimmeln wachsen Melanome oft langsam. Meist bleiben sie jahrelang gutartig. Ob Melanome störend wirken, hängt von ihrer Größe und der betroffenen Stelle ab. Als Beschwerden können Koliken, übermäßiges Schwitzen, neurologische Störungen, Gewichtsverlust, Lahmheiten sowie Probleme beim Atmen, Schlucken und Äpfeln auftreten.

Melanome können zudem nach mehrjährigem Ruhezustand entarten. Reizen etwa scheuernde Schweifriemen oder Kopfstücke ständig die betroffene Haut, kann das ebenso zum Streuen der Tumore beitragen wie Chemikalien, schlechte Wundheilung und Sekundärinfektionen.

Wie stellt der Tierarzt die Diagnose?

"Entdecken Tierärzte bei Schimmeln schwarze Knoten an klassischen Stellen wie unter der Schweifrübe, können sie auch ohne Biopsie meist erkennen, ob es sich um Melanome handelt", sagt Professor Jessika Cavalleri.

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Melanome treten vor allem unterhalb der Schweifrübe, am After- und Genital-Bereich auf.

Eine Biopsie sichert die Diagnose im Zweifel ab. Dafür entnehmen Tierärzte den gesamten Tumor oder einzelne Zellen und schicken das Gewebe zur Untersuchung ins Labor. Mit Ultraschall und Endoskopie lassen sich Tumore im Körper aufspüren.

Ob der Tumor gut- oder bösartig ist, lässt sich bei Pferden schwer erkennen. "Selbst wenn das Gewebe unter dem Mikroskop gutartig aussieht, können im ganzen Körper Metastasen sein."

So behandeln Tierärzte Melanome

Operation, Immun-Impfung oder Medikamentengabe: Welche Behandlung fürs Pferd passt, hängt von Größe, Anzahl und Art des Tumors ab.

Strittig ist, wie wirksam Operationen sind. Einige Tierärzte plädieren dafür, kleine Tumore sofort zu entfernen. Andere befürchten, dass diese dadurch stärker streuen oder nachwachsen. Die besten Erfolgschancen gibt es bei kleinen Melanomen, die sich gegen umliegendes Gewebe abgrenzen.

Bei großen, mit dem umliegenden Gewebe verwachsenen Geschwülsten ist eine Operationzwecklos. Straffes Gewebe an Schweifrübe, Genitalien und After erschwert einen Eingriff: Es ist fast unmöglich, diese Stellen sauber zu halten. Beim Äpfeln können Bakterien in die Wunde gelangen und eine Sekundärinfektion verursachen.

Seit einigen Jahren wird die Immuntherapie als Behandlung erforscht. Die Therapie setzt auf die Stärkung der körpereigenen Abwehrkräfte von betroffenen Pferden. Erkrankte Tiere bekommen einen Impfstoff (Oncept melanoma) in die Brustmuskulatur. Dieses Vakzin enthält DNA-Teile, die für die Bildung des menschlichen Proteins Tyrosinase verantwortlich sind.

Das Immunsystem des Pferds erkennt dies als körperfremd und bildet Abwehrkräfte dagegen. Der Gedanke dahinter: Ein ähnliches Protein wird auch von Melanom-Zellen verstärkt gebildet. Die Immunreaktion auf das menschliche Protein soll so gegen die equinen Melanomzellen wirksam sein.

In den USA ist dieses Vakzin für Hunde zugelassen. Die Tierärztliche Hochschule Hannover untersucht seit Juli 2015 die Wirkung an Pferden. Erste Ergebnisse waren damals vielversprechend: Nach 120 Tagen schrumpften die Tumore um bis zu 28,5 Prozent. Die Wirksamkeit der Vakzine wurde seither über einen Zeitraum von 3,5 Jahren an insgesamt 25 Tieren untersucht.

Fazit der Forscher: Die Melanome der behandelten Schimmel wiesen "kein signifikantes Tumorwachstum" auf. Wer an der Studie teilnehmen möchte, kann sich an die TiHo Hannover wenden (www.tiho-hannover.de); die Kosten belaufen sich auf rund 2.000 Euro pro Behandlungszyklus.

Geforscht wird zudem am Einsatz von Betulinsäure. Dieser sekundäre Pflanzenstoff wirkt gegen Krebszellen. Erste Versuche von Forschern der Universität Halle zeigten, dass Betulinsäure-Derivate Zellarten des Melanoms zerstören können. Die Forschung steckt jedoch noch in den Kinderschuhen.

Melanome werden auch chemotherapeutisch behandelt. Pferde bekommen meist das Mittel Cimetidin. Sie nehmen es über Wochen oder Monate alle acht Stunden. Weiterhin gibt es Chemotherapien etwa mit 5-Fluorouracil oderMitomycin C.

Risikopatienten

Anfällige weiße Weste: Forscher vermuten, dass das "Grau-Gen", das Schimmel in sich tragen, Ursache für Melanome sein kann. Daher sind besonders häufig Schimmel von der Krankheit betroffen, unabhängig von der Rasse. Tierärzte gehen davon aus, dass 60 bis 80 Prozent der Schimmel über 15 Jahre Melanome haben. Junge Pferde leiden seltener daran. Auch farbige Pferde können Melanome bekommen; sie leiden dann jedoch unter einem anderen, gefährlicheren Melanom-Typ. Weil die Ursache für Melanome genetisch bedingt ist, kann man nicht vorbeugen.

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