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Hufrehe: So deuten Sie Alarmsignale am Pferd richtig

Was passiert bei Hufrehe?

Obwohl Hufrehe keine seltene Krankheit ist, ist sie nicht vollständig erforscht. Diskutiert wird noch über die konkreten Auslöser und erfolgreiche Therapien. Hufrehe-Patienten brauchen meist sofort Hilfe. CAVALLO gibt es die besten Tipps für den Notfall.

In der Anfangsphase einer akuten Hufrehe merkt man dem Pferd häufig äußerlich nichts an. Doch die Krankheit entwickelt sich rapide. Binnen weniger Stunden kann sich das Hufbein senken oder rotieren. Dem Pferd geht es schlagartig schlechter und Veränderungen am Huf fallen auf. Die Grafik aus der TV-Sendung „Neues aus der Medizin“ zeigt die Zerstörung  im Inneren des Hufs, die sich auch äußerlich niederschlägt.

Achten Sie unbedingt auch auf folgende Alarmsignale: Das Pferd zittert und schwitzt. Puls (normal: 28 bis 40 Schläge pro Minute) und Atmung (normal: 8 bis 12 Züge pro Minute) sind erhöht. Zudem spüren Sie eine starke, klopfende Pulsation am Fesselkopf. Im Stand entlastet das Pferd die schmerzenden Zehen, indem es die Vorderbeine weit nach vorne verlagert und die Hinterbeine unter den Körper schiebt (Rehe-Stellung). Oft liegen die Tiere viel.

Typisch ist auch die ständige Gewichtsverlagerung von einem Vorderbein aufs andere. Beim Laufen tritt das Pferd zuerst mit Ballen und Trachten auf, erst danach klappt der vordere Teil des Hufs auf den Boden. Die Schritte sind flach und kurz. Bei einem chronischen Krankheitsverlauf bekommt das Pferd mehrmals in seinem Leben einen Reheschub. Anzeichen sind Wendeschmerz und Fühligkeit; der Huf wird knollig, Reheringe bilden sich.

Soforthilfe für Hufrehe-Patienten

Hufrehe ist ein Notfall. Bis der Tierarzt eintrifft, sollte das Pferd auf sehr weichem Boden stehen und das betroffene Bein gekühlt werden. Dazu eignet sich eiskaltes Wasser (Foto unten rechts) oder ein Eimer mit gestoßenen Eiswürfeln. Die eiskalte Soforthilfe hat zwei enorme Vorteile: Kälte lindert den Schmerz und die Gefäße schwellen ab. „Die Hufrehe wird angehalten“, sagt Dr. Marc Koene, Leiter der Tierärztlichen Klinik für Pferde in Lüsche/Niedersachsen. Nur die Venolen, die das Blut aus dem Huf pumpen, bleiben leitungsschwach. Um einen Blutstau im Huf zu verhindern und die Gift- sowie Entzündungsstoffe abzutransportieren, verabreicht der Tierarzt Gerinnungshemmer. Zusätzlich ist ein Aderlass sinnvoll. Dabei werden dem Pferd mehrere Liter Blut abgezapft und durch die gleiche Menge Kochsalzlösung ersetzt. „Das verringert die Anzahl der roten Blutkörperchen“, sagt Dr. Hermann Josef Genn, Leiter der Pferdeklinik Mühlen in Niedersachsen. „Die restlichen Blutkörperchen rutschen so besser durch die Gefäße.“ Danach bekommt das Pferd einen dicken Polsterverband (linkes Bild) oder orthopädischen Hufbeschlag. Diese Maßnahmen sollen die weitere Senkung oder Rotation des Hufbeins verhindern

Alarmierende Hufrehe-Sympthome

Was sind mögliche Ursachen für eine Hufrehe-Erkrankung? Zu viele leicht verdauliche Kohlenhydrate aus Gras oder Getreide, giftige Pflanzen, Kortisonpräparate, Stoffwechsel-störungen oder eine Kolik können einen gefürchteten Reheschub auslösen. Oft binnen weniger Stunden

Alarmsignale richtig deuten:

+Wärme:+ Fühlen Sie, ob Kronsaum oder Hufwand warm sind.

+Schmerz:+ In leichteren Rehe-Fällen ist das Pferd fühlig. Es kann Schritt laufen, möchte aber nicht traben. Hochgradig erkrankte Tiere sträuben sich gegen jede Bewegung. Ein weiterer Hinweis: Bei der Zangenprobe zieht das Pferd das Bein weg.

+Verfärbung:+ Fortgeschrittenes Rehe-Stadium: Die weiße Linie (Blättchenschicht) ist verbreitert und aufgefasert. Oft ist sie auch gelblich oder rötlich verfärbt.

+Rotation:+ Die tiefe Beugesehne zieht am hinteren Teil des Hufbeins. Die Spitze des Knochens kippt nach unten. Sohlendurchbruch droht!

+Das Hufbein löst sich:+ Bei Hufrehe wird die Aufhängung des Hufbeins in der Hornkapsel zerstört. Dieser Hufbeinträger besteht aus der Blättchenschicht von Hornwand und Huflederhaut, die über Lamellen eng verzahnt sind. Bei Hufrehe lassen Giftstoffe im Blut die Gefäßwände des Aufhängeapparats anschwellen. Das verringert die Durchblutung. Gleichzeitig werden die Gefäße durchlässiger. Flüssigkeit tritt aus und schädigt den Hufbeinträger. Die Lamellen greifen nicht mehr fest ineinander. Daraufhin löst sich das Hufbein, sackt ab oder rotiert!

Sonografie: Ultraschall-Untersuchung am Pferd

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