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Kräuter als Pferdefutter: Welche Mischung hält Pferde fit und gesund?

Welche Kräuter dürfen Pferde fressen?

Kräuter im Pferdetrog sollen bei vielen Pferdekrankheiten helfen. Doch welche Mischungen sind sinnvoll – und wann wird das wilde Mixen für Pferde gefährlich?

Wenn es im Pferdetrog riecht wie in der italienischen Küche, läuft Futterexperten das Wasser im Mund zusammen: Sie schwärmen von Kräutern für Pferde, die das Futter perfekt würzen. Thymian, Rosmarin oder Koriander stärken die Lunge, beruhigen die Nerven und regen den Appetit an.

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Doch natürlich ist nicht gleich gesund. Was müssen Sie bei der Kräuterfütterung beachten? Den Kräutergarten plündern Naturheilkundler seit Urzeiten.

Heute schwören auch Ernährungsforscher und Tierärzte auf Blätter und Blüten. Allerdings eher aus dem Bauch heraus: Die meisten Aussagen zur heilenden Wirkung von Kräutern beruhen auf Erfahrungswerten beim Menschen, die seit Jahrtausenden gesammelt wurden.

Diese übertrugen sie einfach auf Pferde. So sollen die ätherischen Öle des Thymians die Atemwege befreien, Sonnenhut oder Hagebutte das Immunsystem schlecht genährter Tiere wieder in Schwung bringen.

Kräuterwirkung kaum untersucht

Wie Kräuter bei Pferden tatsächlich wirken, ist wissenschaftlich kaum untersucht. Einige Hinweise gibt es allerdings, dass das Grünzeug tatsächlich Flower Power bringt – etwa für hustende und humpelnde Pferde.

Kanadische Forscher vermuten, dass eine Mischung aus Knoblauch, Fenchel, Andorn, Wasserhanf, Anissamen, Süßholz, Thymian und Ysop positiv für Pferde mit wiederkehrender Atemwegsobstruktion (RAO, Recurrent Airway Obstruction) ist.

In einer Pilotstudie fütterten sie sechs dämpfige Pferde mit der Mixtur: Die Patienten atmeten ruhiger als nach einer Placebo-Mischung. Für Pferde mit Gelenkproblemen attestieren dänisch-norwegische Forscher der Hagebutte entzündungshemmende Wirkung.

Und in einer Studie aus Frankreich konnten sich lahmende Pferde mit Osteoarthritis nach einer Behandlung mit Teufelskralle deutlich besser bewegen. Das ist eine eher magere Ausbeute. „Die Wissenschaft ist leider in Sachen Kräuterfütterung bei Pferden immer noch hinterher“, sagt Dr. Susanne Weyrauch-Wiegand.

Die Ernährungswissenschaftlerin aus Rheinland-Pfalz war 15 Jahre in der Pharma- und Futtermittelbranche tätig und bietet seit rund eineinhalb Jahren Kräutermischungen für Pferd und Mensch an. „Es ist nicht einmal erforscht, welche Spurenelemente Kräuter genau enthalten“, sagt sie.

Dass in Kräutern sogenannte sekundäre Pflanzenstoffe stecken, ist dagegen seit 1996 bekannt. Diese Stoffe wirken sehr speziell: Sie schützen vor Zellverfall (antioxidativ), Viren (antiviral) und Bakterien (antibakteriell). „

Diese Mikronährstoffe wie Karotinoide, Flavonoide, Bitter- und Gerbstoffe sind die Schlüssel, um den Stoffwechsel in Gang zu bringen“, sagt Ernährungsexpertin Weyrauch-Wiegand. „Deswegen gehören Kräuter für mich in eine bedarfsgerechte Fütterung.“

Ihre Top 10 aus dem bunten Kräutergarten: Brennnessel, Rosmarin, Weißdorn, Koriander, Tausendgüldenkraut, Löwenzahn, Wacholder, Melisse, Birke und Thymian.

Kräuter auf Weiden sind selten

Doch warum ist es überhaupt nötig, die Ration des Pferds mit Kraut und Knolle aufzupeppen? Denn als Pflanzenfresser sollte das Pferd in freier Natur ständig Kräuter schlemmen. Pustekuchen. Die wenigsten Weiden sind heute so kräuterreich, dass sie den Bedarf des Pferds decken.

„Schafgarbe zum Beispiel ist eigentlich normaler Bestandteil des Futters – wenn sie denn auf Koppeln wächst“, sagt Dr. Jürgen Bartz, Tierarzt und Fütterungsexperte aus Kaltenkirchen in Schleswig-Holstein. „Auch ein gutes Kräuter-Heu sollte zum täglichen Futter gehören“, so Bartz.

Tatsächlich können viele Reiter froh sein, wenn ihr Pferd Raufutter bekommt, das weder staubt noch schimmelt. Was nicht auf der Weide wächst, muss also im Trog landen – meist getrocknet. Dabei dürfen Reiter aus dem Vollen schöpfen. „Es ist sinnvoller, dem Pferd Kräutermischungen zu geben, als Einzelkräuter zu verfüttern“, sagt Weyrauch-Wiegand.

„Grund ist der synergistische Effekt: Die Wirkung verstärkt sich.“ Bei Einzelkräutern rät die Ernährungsexpertin zur Vorsicht. Hier kommt es auf die Dosis an. „Ingwer etwa ist ein Gewürz, das wegen seiner Inhaltsstoffe nur in Maßen verwendet werden sollte“, betont Dr. Susanne Weyrauch-Wiegand.

Die Knolle wirkt blutverdünnend und entzündungshemmend, was zum Beispiel bei Rehepatienten oder Pferden mit Arthrose nützlich ist. Zu viel könnte jedoch zu Magen-Darm-Beschwerden führen.

Oder das Beruhigungsmittel Baldrian. Dieser enthält neben ätherischen Ölen auch geringe Mengen Alkaloide. Diese giftigen Pflanzenstoffe sollten nur in geringer Dosierung eingesetzt werden.

Kräuter grammweise dosieren

Die Dosierung von Kräutern für Pferde wird meist in Gramm angegeben. Bedarfsgerecht sind Mengen von etwa 5 bis 10 Gramm pro Pferd und Tag. „Oft reichen schon 10 Gramm, um bei einem 600 Kilo schweren Pferd eine Wirkung zu erzielen“, sagt Weyrauch-Wiegand.

Wer Kräuter nur ein- oder zweimal pro Woche füttert, wird kaum an eine kritische Grenze geraten. „Zumal die meisten Pferde Kräuter in zu hoher Dosierung gar nicht fressen, wie etwa Weihrauch oder Wacholder“, so Dr. Susanne Weyrauch-Wiegand.

Was die Dauer der Anwendung betrifft, gibt es unterschiedliche Ansätze. Kräuter können für eine spezielle Wirkung über einen Zeitraum von sechs Wochen bis hin zu drei Monaten gefüttert werden – wie eine Kur.

Damit sich der Körper nicht an den Wirkstoff gewöhnt, sind Pausen nötig. Zu kurz darf die Kräuterkur aber nicht sein, da manches Kraut erst nach längerer Zeit wirkt.

Klebkraut erleichtert Fellwechsel

Die Kur kann auch zu einer bestimmten Zeit sinnvoll sein. Im Frühjahr und Herbst etwa erleichtert die Fütterung von Goldrute, Brennnesseln oder Klebkraut über ein paar Wochen Pferden den Fellwechsel.

Flower Power hilft Pferden ebenso tagtäglich. „Zum Beispiel zur Leberentgiftung“, sagt Weyrauch-Wiegand. Die Leber der meisten Pferde werde über Jahre durch schimmeliges Heu und Stroh stark belastet. Mit Bitterstoffen könne man das Organ unterstützen und den Gallenfluss anregen. Brotgewürze wie Anis, Fenchel, Kümmel und Koriandersamen könnten Reiter ihren Pferden ebenfalls bedenkenlos auf Dauer füttern.

„Sie tun der Verdauung der Tiere sehr gut“, betont die Fütterungsexpertin. Ob Kräuter ihre volle Kraft entfalten, ist allerdings eine Frage der Qualität. „Wer nur Stängel und Stiele in seiner Mischung hat, wird keine große Wirkung erzielen“, sagt Weyrauch-Wiegand.

„Das ist dann lediglich Rohfaser.“ Eine blattreiche Mischung allein ist aber auch noch keine Garantie für gute Qualität. Reiter sollten darauf achten, wie die Produkte ausgezeichnet sind. „Besonders gute Qualitäten mit hohem Anteil an Inhaltsstoffen werden als Apothekerqualität bezeichnet“, erläutert Weyrauch-Wiegand.

„Kräuter in Lebensmittelqualität sind vor allem hygienisch einwandfrei.“ Doch selbst aufs hochwertigste Kraut sollten Reiter nicht bedingungslos vertrauen. Der heilenden Wirkung natürlicher Stoffe beim Pferd sind Grenzen gesetzt.

Manche Kräuter stehen auf der Dopingliste

Das betonen selbst überzeugte Kräuterheiler, die seriös sind. „Bei akuten Erkrankungen wie einer schweren Kolik muss ein Tierarzt das Pferd behandeln“, sagt Dr. Jürgen Bartz. Wer sich hier aufs Brotgewürz verlässt, ist nicht bei Verstand.

Ein Irrglaube, der ebenfalls durch die Köpfe mancher Kräuter-Gläubigen geistert: Scharfe Gewürze befreien den Pferdedarm von Schmarotzern. „Kräutergaben können keine Wurmkur ersetzen“, unterstreichen Experten wie Dr. Susanne Weyrauch-Wiegand.

Mit der Natur machen Reiter manches verkehrt

Übertriebene Erwartungen an die Krankenschwestern der Natur sind nicht die einzigen Risiken. „Viele denken, Kräuter sind natürlich und deswegen kann man nichts verkehrt machen“, sagt Dr. Jürgen Bartz. „Das stimmt nicht. Denn einige Kräuter wirken beim Pferd anders als beim Menschen.“

Das den Menschen beruhigende Johanniskraut zum Beispiel kann bei Pferden zu üblen Photoallergien führen. Die Tiere reagieren überempfindlich auf UV-Strahlung und bekommen leicht einen Sonnenbrand. Deswegen wird Johanniskraut bei Pferden nur äußerlich bei Insektenstichen oder schlecht heilenden Wunden angewendet.

Vorsicht ist auch bei Kräutern geboten, die zwar in extrem verdünnter Form in der Homöopathie als Tropfen eingesetzt werden, aber nicht grammweise übers Kraftfutter geschüttet werden dürfen. Das gilt etwa für den Eisenhut, der giftige Stoffe wie das Alkaloid Acotinin enthält.

Nebenwirkungen sind bei Kräutern dagegen kaum nachgewiesen, doch auszuschließen sind sie nicht – vor allem, wenn die grüne Medizin dauerhaft verfüttert wird. Huflattich sollte zum Beispiel nicht über längere Zeit im Pferdetrog landen, weil er kleine Mengen Pyrrolizidinalkaloide enthält. Diese Stoffe sind krebserregend.

„Deswegen rate ich davon ab, wahllos Kräuter zu verfüttern oder womöglich selbst zusammenzumischen; das kann nach hinten losgehen“, sagt Dr. Susanne Weyrauch-Wiegand. Welche gefährliche Mischung dabei herauskommen kann, zeigt die CAVALLO-Bestellung bei einem Online-Shop.

Scheinbar harmlose Schmankerl wie Matetee sind tatsächlich fürs Pferd toxisch. Wer sicher sein will, dass er seinem Pferd die richtigen, gesunden Kräuterlinge füttert, sollte vorab mit seinem Tierarzt oder einem Fütterungsexperten über die Mixturen sprechen.

In jedem Fall sollten Reiter beim Kauf von Kräutermischungen darauf achten, dass auf der Packung zumindest die Inhaltsstoffe, die genaue Dosierung und etwaige Gegenanzeigen vermerkt sind.

Die Kräuterpolizei steht auf der Dopingliste

Pflicht ist der Blick auf die Verpackung auch für jeden Reiter, der mit seinem Pferd bei Turnieren startet. Denn die Kräuterpolizei steht womöglich auf der Dopingliste. Arnika, Eukalyptus, Ingwer, Spitzwegerich, Süßholz, Teufelskralle, Thymian und Weihrauch sind mit einer Karenzzeit von bis zu zwei Tagen auf der Liste.

Diese Kräuter helfen etwa bei Atemwegserkrankungen oder werden bei lahmen Pferden eingesetzt. Erlaubt sind Nelkenöl und Lavendel sowie Rosmarinöl – das allerdings nur zur äußeren Behandlung der Hufe.

Schmecken Sie also die Kräuterküche fürs Pferd sorgfältig ab, und mixen Sie nicht wahllos selbst. Dann landet eine ordentliche Prise Gesundheit im Trog.

Kräuter für Pferde online mischen?

Ein neuer Trend: Kräutermischungen online selbst zusammenmixen. Wie gesund ist das fürs Pferd? CAVALLO bestellte inkognito. Vor rund drei Jahren vergab CAVALLO die Mistgabel an einen Internet-Shop, in dem sich jeder die abenteuerlichsten Futtermischungen für sein Pferd zusammenstellen konnte.

Seit einiger Zeit gibt es auch einen Online-Shop für Kräutermischungen für Pferde: www.vierbein-kraeuter.de. Angeboten werden neben fertigen Mischungen auch Kräuter zum Selbermixen.

CAVALLO bestellte eine Mischung aus 400 Gramm Eichenrinde, 400 Gramm Buchweizenkraut, 100 Gramm Matetee und 100 Gramm Zimtrinde. Die Lieferung kam prompt – ohne jeden Fütterungshinweis. Eine potenziell gefährliche Mixtur. 300 Gramm Eichenrinde können für ein Großpferd tödlich sein.

Buchweizenkraut führt zu erhöhter Photosensibilität. Den Matetee kann Dr. Jacqueline Kupper vom Institut für Veterinärpharmakologie und -toxikologie der Vetsuisse-Fakultät der Universität Zürich nicht empfehlen: „Die toxischen Inhaltsstoffe sind Koffein, Theobromin, Gerbstoffe und teilweise Spuren von Pyrrolizidinalkaloiden. Letztere sind leberschädigend.“

Schon die kleinste Menge verändere das Organ. „Und irgendwann, wenn über die Monate ,genügend‘ eingenommen wurde, ist die Leber so stark geschädigt, dass man sie nicht mehr behandeln kann.“

Zwar wird kein Pferd ein Kilo Kräuterfutter auf einmal fressen, dennoch darf es nicht möglich sein, solch kritische Mischungen ohne Hinweise bei der Bestellung und Fütterungsempfehlungen zu erhalten.

Diese Pflanzen sind für Pferde giftig

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Ausritt: Diese Pflanzen dürfen Pferde fressen

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