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TTouch für Pferde: Linda Tellington-Jones im Porträt

Wie funktionieren die TTouches am Pferd?

Linda Tellington-Jones, die mit ihrem Mann auf Hawaii lebt, hat die weltberühmten TTouches für Pferde erfunden. Ihr internationaler Durchbruch begann in Deutschland 1975 auf der Pferdemesse Equitana in Essen. CAVALLO stellt ihr Trainingsmethode vor.

Zarin wirkt verblüfft. Vor der nervösen Stute steht ein zierliches Persönchen mit sonnig gelber Weste und einem Cowboyhut. Linda Tellington-Jones lacht die Warmblutstute an. Zarin senkt den Kopf und schnuppert interessiert an der Fremden. „Lachen ist so wichtig“, sagt diese und streicht mit kreisenden Bewegungen über die Augen der Stute. „Easy, easy“, murmelt Linda Tellington-Jones zärtlich, summt kurz und erklärt dann: „Lächeln aktiviert das Wohlfühlhormon Serotonin. Pferde spüren das und entspannen sich leichter.“

CAVALLO trifft eine der berühmtesten Pferdetrainerinnen der Welt in der Schweiz. Dort ist Linda Tellington-Jones, die mit ihrem Mann auf Hawaii wohnt, gerade zu Gast, um ihre Trainingsmethode zu demonstrieren. Die internationale Erfolgsgeschichte begann in Deutschland 1975 auf der Pferdemesse Equitana in Essen, als Linda Tellington-Jones erstmalig ihre Reitweise und ihre Umgangsart mit Pferden zeigte. Gemeinsam mit der deutschen Autorin und Pferdeexpertin Ursula Bruns entwickelte die heute 75-jährige Kanadierin die Tellington-Methode für den Umgang mit Pferden, die inzwischen für andere Tierarten und Menschen etabliert ist.

Was in Shows ein wenig nach Hexenwerk mit Handauflegen aussehen mag, sind leicht erlernbare Berührungen, genannt "Tellington-TTouch“, wobei das erste T für Trust, also Vertrauen steht. Sie sind die Basis für effektiven und liebevollen Umgang mit Pferden. Wie sie wirken, sieht man an der 15-jährigen Zarin. Nach einem Unfall als Fohlen hatte die Stute Mühe, sich in ihrer Herde durchzusetzen.

Menschen gegenüber ist sie oft rüpelhaft, unterm Sattel pullt sie. Als ihr die Trainerin hinter die Ohren fasst, senkt das Pferd den Kopf, schließt die Augen und entlastet ein Hinterbein. In wenigen Minuten wandelt sich Zarins Körpersprache von „Fass mich nicht an“ zu „Mach mit mir, was Du willst“. Was ist das Geheimnis der Methode, die seit über 30 Jahren brandaktuell ist?

Kontakt

Linda Tellington-Jones
Tel.: 001-866 488 6824
Mail: info@TTouch.com
Web: www.lindatellingtonjones.com
Trainer: www.tteam.de; www. ttouch.com

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Pferdehaltung

TTouches fördern Vertrauen

Ein Pfeiler der Tellington-Methode sind kreisförmige und streichende Berührungen, die das Körperbewusstsein fördern und das Vertrauen von Pferden wecken sollen. Die Erfinderin korrigierte früher Problempferde, hat eine erfolgreiche Sportreiterkarriere hinter sich und bildete Reitlehrer aus. 1978 beendete die Kanadierin ihre vierjährige Ausbildung bei Physiker Dr. Moshe Feldenkrais, dessen Grundlagen sie zu einer neuen Art des Pferdetrainings inspirierten.

Alle TTouches tragen Namen, die leicht zu behalten sind, Assoziationen wecken und eine Verbindung zu Tieren darstellen, mit denen der Weltstar arbeitete. Der „Wolkenleopard“ etwa stammt von einer jungen Leopardin, die sie im Zoo von Los Angeles entdeckte. Das Raubtier war zu früh entwöhnt worden. Es hatte einen neurotischen Knet- und Saugreflex, den die Trainerin mit kleinen Kreisen an Maul und Pfoten stoppte.

Kreisende TTouches im Eineinviertel-Kreis sind das Herzstück der Tellington-Methode. Sie werden in der Regel im Uhrzeigersinn ausgeführt. TTouches fühlen sich nicht nur gut an, sondern wirken vertrauensbildend und helfen, Empfindlichkeiten und Angst zu erkennen. Das Tempo für einen Kreis liegt zwischen einer und drei Sekunden – schnell wirkt aktivierend, langsam beruhigt. Wichtig: Die Kreise werden nur einmal an einer Stelle ausgeführt. Gleiten Sie von da aus weiter ohne abzusetzen über den Körper. Das erzeugt bei Pferden das Gefühl der Verbundenheit. Nur bei Verletzungen oder Schmerzen setzen Sie ab.

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Der Unterhals verrät Linda Tellington-Jones viel über Charakter und Gesundheit eines Pferds. Bei der sensiblen Zarin ist der Unterhals recht straff.

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TTouches erforschen Pferdekörper

Erforschen Sie Ihr Pferd mit langsam streichenden Bewegungen der flachen Hand. So erkennen Sie, ob es empfindsame Bereiche hat oder Ihrer Berührung überall vertraut. Für die TTouches können Sie Fingerkuppen oder -spitzen, die flache oder gewölbte Hand benutzen, je nachdem, was Ihnen und Ihrem Pferd angenehm ist.

Der geringste Druck auf einer Skala von 1 bis 10 ist so leicht, wie Sie auf sanfteste Art die Haut verschieben können. Bei Schmerzen oder Entzündungen eignen sich leichteste Berühungen. Die Druckstärke 2 oder 3 ist etwa empfehlenswert, um Vertrauen zu schaffen.

Wie viel Druck Ihrem Pferd gut tut, hängt auch von seinem Temperament ab. Dieses prüfen Sie zum Beispiel mit einem TTouch am Genick. Die empfindliche Zarin reagiert hier schon bei einem Druck von 2 auf den dritten Halswirbel, bis sie den Kopf senkt.

„Kopf senken ist zudem ein Vertrauenstest“, sagt Linda Tellington-Jones. Ihr Tipp: Das Kopfsenken können Sie einem Pferd schmackhaft machen, indem Sie mit einer weichen, gleitenden Bewegung vom Schopfanfang bis in die Haarspitzen streichen. „Das hilft auch, um bei berührungsempfindlichen Pferden an Ohren und Genick heranzukommen.“

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Die weltberühmte Pferdetrainerin reitet Zarin mit Halsring.

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TTouches verraten Pferdecharakter

TTouches verraten der 75-Jährigen heute am meisten über den Charakter eines Pferds. Früher orientierte sie sich viel an der Physiognomie wie der Stellung von Augen oder der Form des Pferdeschädels. „Das sollte man aber nicht überbewerten“, sagt sie. „Zwar gibt es Tendenzen wie eng stehende Ohren schwieriger Pferde, die einem bei der Charakterisierung helfen.“ Ein viel wichtigerer Schlüsselpunkt ist jedoch etwa der Zustand des Halses. Tellington-Jones deutet auf Zarins Unterhals: „Er ist relativ starr, weil die Stute ständig auf der Hut ist.“ Erneut bringt sie Zarin mit einem leichten TTouch im Genick dazu, den Kopf zu senken. Sie lässt ihre Hand am dritten Halswirbel und schaukelt den Unterhals hin und her. Zarins streckt den Kopf vorwärts-abwärts, kaut und leckt.

Gewöhnen Sie Ihr Pferd vorsichtig an die TTouches. Sensible Pferde drücken zum Beispiel den Rücken weg oder schnappen nach Luft, wenn man mit den Fingerspitzen den Gurtbereich berührt. Pferde, die als unreitbar gelten, lassen sich meist ungern an den Beinen, am Euter, an der Innenseite der Hinterbeine oder der Schweifrübe berühren. „Sie lernen jedoch schnell, dass die Berührungen gut tun“, sagt Linda Tellington-Jones. Coole Typen benötigen dagegen meist etwas mehr Druck. „Ruhigere Pferde zeigen Schmerzen im Rücken auch nicht so deutlich an und reagieren im Gurtbereich kaum.“

Neben den kreisenden TTouches gibt es noch streichende oder hebende. Diese führen Sie mit einer oder beiden Händen aus – mit oder sanft auch gegen die Fellrichtung. Damit aktivieren Sie die Zellkommunikation und helfen dem Pferd, seinen Körper bewusster wahrzunehmen. Etwa, wenn es Probleme beim Biegen hat. Linda Tellington-Jones positioniert sich seitlich hinter Zarin, umfasst den Schweif mit der rechten Hand und schiebt ihn gegen die Hinterhand. Der Daumen der linken Hand liegt zwischen den Rippen, und mit beiden Händen gibt sie der Stute eine neue Vorstellung für diese Bewegung. „Jetzt bekommt sie eine Idee davon, wie sie sich unterm Sattel biegen soll“, sagt die Trainerin.

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„Jetzt hat Zarin das Verständnis dafür, wie sie sich unterm Sattel biegen soll.“

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TTouches motivieren vom Sattel aus

Auch im Sattel können Sie anhand der TTouches zugreifen. Linda Tellington-Jones erinnert die bewegungsfreudige Zarin daran, den Kopf tiefer zu nehmen und im Genick nachzugeben: Sie beugt sich nach vorne und drückt sanft mit den Fingerkuppen hinter den Ohren. Die Fuchsstute gibt nach. Zwischendurch berührt die Reiterin das Pferd immer wieder mit kreisenden Bewegungen hinterm Sattel. „Das aktiviert die Hinterhand“, sagt Linda Tellington-Jones, die hoch zu Ross immer noch so geschmeidig sitzt wie mit 30 Jahren.

Zur Wirkung der TTouches gibt es mittlerweile eine Reihe Untersuchungen und wissenschaftliche Arbeiten. Studien von Neurologen zeigen beispielsweise, dass die Eineinviertel-Kreisbewegungen des TTouches Gehirnwellen bei Menschen und Pferden aktivieren, wie sie in einem idealen Lernzustand entstehen – sowohl bei demjenigen, der behandelt wird, als auch bei dem, der die TTouches ausführt. Andere Messresultate lassen den Schluss zu, dass der TTouch auch auf Zellebene wirksam ist und etwa die Heilung von Wunden fördert. Forscher der Veterinärmedizinischen Fakultät der Uni Bari/Italien fanden aktuell heraus, dass Sportpferde bei 20-minütiger Anwendung Stresshormone abbauten und sich eher entspannten als bei Massage oder Putzen.

Wer Linda Tellington-Jones live erleben möchte, kann das auf einem ihrer Kurse, Vorträge oder Vorführungen. Sechs Monate ist die 75-Jährige, die schon über eine halbe Million Bücher verkauft hat, weltweit auf Achse. Ans Aufhören denkt sie nicht. „Ich will 104 Jahre alt werden – so lange reisen und lehren, wie ich noch lernen kann“, sagt sie und erkundigt sich in ihrer entwaœ nenden Art, ob die Frisur noch sitzt. „Ich mag keine zerrupften Haare.“

Nach dem Reiten steckt sich Linda Tellington-Jones eine Blüte ins Haar, die zuvor noch am Cowboyhut pinnte. Was bei anderen albern wirkt, macht die Trainerin nur noch zauberhafter. Ihre Methode ist allerdings kein Hexenwerk. Mit ein wenig Gefühl kann jeder Reiter die TTouches lernen. Und mit den magischen Kreisen nicht nur für Wohlfühl-Momente sorgen, sondern auch die Intelligenz und das Vertrauen seines Pferds aufbauen.

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Mit einer Hand am Schweif und dem Daumen zwischen den Rippen gibt Linda Tellington-Jones dem Pferd eine Idee davon, wie es sich biegen soll.

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