Longines Balve Optimum: Von Landsberg-Velen im Interview über das Reitsport-Event

Longines Balve Optimum
Turnier aus der Mitte für die Mitte

ArtikeldatumVeröffentlicht am 25.04.2026
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Siegerehrung zum Balve Optimum
Foto: Lafrentz

Das Balve Optimum ist seit 2008 Gastgeber der Deutschen Meisterschaften der Dressur-und Springreiter, seit 2024 auch Ausrichter der Deutschen Meisterschaft der Para-Reiter. Wie hat sich das Turnier über die Jahre hinweg entwickelt und was ist in Zukunft noch geplant? Wir trafen die Geschäftsführerin zum Interview.

Rosalie Freifrau v. Landsberg-Velen im Porträt
Rosalie Freifrau v. Landsberg-Velen
Geschäftsführerin der Turniergemeinschaft Balve GmbH
CAVALLO: Das Balve Optimum trägt die Überschrift "Zukunft braucht Herkunft" – worauf basiert dieser Slogan?

Rosalie von Landsberg-Velen: Das Turnier hat eine lange Tradition. Gleichzeitig wollen wir in die Moderne gehen – was die Anlagen und Bedingungen angeht, aber auch inhaltlich. Der Slogan vermittelt unser Wertekonstrukt. Das ist uns sehr wichtig.

Was beinhaltet dieses Wertekonstrukt?

Das hat verschiedene Aspekte. Es geht zum einen um das Gesellschaftliche. Wir wollen, eingebettet in eine ländliche Region und Struktur, alle Menschen drumherum abholen und nicht abgehobene Ticketpreise installieren, die Heimatverbundenheit erhalten und uns nicht von der Natur und den Menschen entfernen. Insbesondere ist die familiäre Atmosphäre unser Markenzeichen. Dies ist einzigartig in der Turnierlandschaft. Dann geht es uns natürlich um das Tierwohl und darum, die Verbindung zur Basis zu behalten. Bei uns ist es immer noch ein Reitverein, der das Turnier ausrichtet. Das hat mein Vater damals so ins Leben gerufen. Ihm war es wichtig, diese Veranstaltung zu machen und das Geld, das am Ende übrig blieb, dem Reiterverein zukommen zu lassen. So wurde die Möglichkeit geschaffen, dass Kinder bezahlbaren Reitunterricht bekommen können. Er wollte den Reitsport an der Basis etablieren. Und das ist bis heute so geblieben. Das ist das, was uns ausmacht.

Siegerehrung zum Balve Optimum
Lafrentz
Wie sehen die geschichtlichen Hintergründe aus und wie hat sich das Turnier entwickelt?

Das Balve Optimum war von Anfang an ein großes Ereignis. Schon damals gingen hier die Top-Reiter wie Schockemöhle, HGW, Ligges, Klimke und Wiltfang an den Start. Wir hatten auch von Anfang an die Disziplinen Dressur und Springen im Programm. Nur einmal gab es ausschließlich Springprüfungen. In dem Jahr haben wir die Riders Tour ausgerichtet. Und 2020 gab es nur die DM der Dressurreiter aufgrund von Corona. Die Turniergemeinschaft Balve wurde 2004 initiiert, um eine gesunde wirtschaftliche Basis sicherzustellen. Sie ist der verlängerte Arm des Vereins und stellt eine Agentur dar, die sich um die kommerziellen Belange kümmert. Bis in die 1990er-Jahre war es durch meinen Vater als FN Präsident sicherlich leichter, die richtigen Türen zu öffnen.

Wie sieht die heutige Ausrichtung des Turniers aus?

Das Turnier hat sich immer weiter entwickelt. Unsere Ausrichtung orientiert sich natürlich an der Konkurrenz, gleichzeitig wollen wir unserem Leitge- danken "Zukunft braucht Herkunft" treu bleiben. Das ist gar nicht so einfach. Es gibt viele Visionen, die aber immer auch bedeuten, dass ich Geld brauche. Und unsere Struktur beinhaltet, dass das ganze Jahr über kein anderes Geld reinkommt, da wir als Verein kein Business-Modell dahinter haben – also keinen Handel mit Pferden betreiben. Wir leben die Tradition des Ehrenamts. Dass wir das so durchführen, ist superschön. Aber wir müssen auch konkurrenzfähig bleiben. Wir schauen, was wir uns leisten können, um jedes Jahr ein sichtbares Zeichen zu setzen. Z.B. die Böden in den Stadien, der VIP-Bereich, Segel über den Tribünen. Wir versuchen, dem Zeitgeist zu entsprechen und gleichzeitig unsere Softskills nicht zu verändern. Wir werden zum dritten Mal die Deutschen Meisterschaften der Para-Reiter austragen. Damit holen wir Menschen mit Behinderung in die Mitte der Gesellschaft. Um dies sichtbar zu erleben, versuchen wir die Aufmerksamkeit der Zuschauer hierfür zu gewinnen: mit Spectator Judging, Interviews mit den Para-Reitern oder auch mit Testimonials aus dem Para-Bereich. Aufmerksamkeit und Faszination sind die Stichwörter. Ich finde es großartig, was in diesem Sport zwischen Mensch und Pferd passiert. Das möchte ich mehr in den Fokus rücken.

Welchen Herausforderungen stehen Sie als Turnierchefin gegenüber?

Die Finanzierung der Veranstaltung ist ein Riesenthema. Natürlich merke ich deutlich, was sich in Deutschland tut und wie die Wirtschaft gerade stagniert. Da ist es verständlich, dass Sponsoring das erste ist, was wegfällt. Als Gastgeber der Deutschen Meisterschaften sind wir verbunden mit deutschen Unternehmen. Da ist sehr viel Womanpower gefragt.

Springreiterin Sophie Hinners über dem Sprung zum Balve Optimum
Lafrentz
Wie kann man Defizite kompensieren?

Durch mögliche neue Tools versuchen wir, Unternehmen zu begeistern. Also, wie ich mich als Partner mit der Marke verbinden kann, ohne dass es auf die klassische Hindernis- oder Bandenwerbung abzielt. Darüber hinaus möchte ich den Optimum Green Circle weiter vorantreiben, die Nachhaltigkeit im Reitsport implementieren. Und wie kann ich die Marke Balve Optimum besser positionieren, um mehr Sichtbarkeit zu bekommen? Das sind Gedanken, die mich umtreiben. Das, was wir hier machen, ist genau das, was sich die FN wünscht: Turniere aus der Mitte für die Mitte.

Apropos "Womanpower" – Sie sind als Frau eine Ausnahmeerscheinung im Turniergeschäft. Wie schätzen Sie selbst Ihre Position ein?

Gute Frage, darüber habe ich nie so richtig nachgedacht. Aber ja, ich bin ziemlich alleine unterwegs als Veranstalterin. Wir sind überhaupt nur ein Frauenteam mit meiner Projektleiterin Ann-Christin Spiller. Aber die Veranstalter haben nur wenig Berührungspunkte miteinander. Dabei habe ich in der Vergangenheit immer wieder versucht, etwas anzuregen. Eine Serie der "Schlossturniere in Deutschland" wäre z.B. eine Idee. Denn in der Gemeinschaft sind wir stärker, und jetzt ächzen viele Veranstalter unter dem Druck. Vielleicht wird diese momentane Situation neue Aspekte in einen Austausch bringen. Letztendlich ist ja keinem geholfen, wenn die Turniere in Deutschland wegbrechen. Vielleicht gibt es diverse Überschneidungen, in denen man sich gegenseitig unterstützen könnte. Aber es ist auch im Reitsport die Zeitenwende angekommen. Und wir müssen uns neu aufstellen, um zu überleben.

Warum werden bei der Spring-DM in Balve Frauen und Männer getrennt bewertet? Ist das noch zeitgemäß?

Ich würde behaupten, dass ist der Tradition geschuldet. Da hat man sich noch nicht neu aufgestellt, obwohl die Frauen heute so stark reiten. Der Ausschreibungsmodus liegt allerdings nicht bei dem Veranstalter und somit ist dies eine Frage an die FN (heute Pferdesport Deutschland) bzw. an den Springausschuss oder auch an den Bundestrainer!