USA: Fast 100 Pferde nach verunreinigtem Tiermedizin-Produkt erkrankt

FDA findet Pilze in Tiermedizin-Produkt
Fast 100 Pferde schwer erkrankt

ArtikeldatumVeröffentlicht am 01.10.2026
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Eine Tierarzthelferin mit einem dunklen Pferd am Halfter vor dem Klinikgebäude
Foto: Ivan-balvan/ gettyimages

Ein Fall aus den USA sorgt derzeit in der Pferdewelt für Aufsehen: Die US-amerikanische Food and Drug Administration (FDA) hat am 29. September 2026 Ergebnisse ihrer Untersuchung zu dem Veterinärprodukt Neogen Vet HYCOAT veröffentlicht. Das als sterile Lösung gekennzeichnete Produkt war mit mehreren Pilzarten verunreinigt.

Nach Angaben der FDA entwickelten fast 100 Pferde nach der Anwendung schwere Gelenkinfektionen. Mindestens 20 Tiere mussten nach erfolglosen Behandlungsversuchen eingeschläfert werden. Die Behörde weist darauf hin, dass ihr bei zahlreichen weiteren betroffenen Pferden der endgültige Krankheitsverlauf nicht bekannt ist.

Produkt eigentlich für die Wundversorgung vorgesehen

Bei HYCOAT handelt es sich um eine Hyaluronat-Natrium-Lösung, die laut Kennzeichnung zur äußerlichen Versorgung unter anderem von Operationswunden und Verbrennungen bei Tieren vorgesehen ist.

Die FDA erhielt jedoch seit Ende 2025 Berichte von Tierärzten, die das Produkt als Injektion eingesetzt hatten. Laut Behörde wurde HYCOAT in der tierärztlichen Praxis auch "off-label" – also außerhalb der gekennzeichneten Anwendung – in Gelenke injiziert.

Genau das wurde bei der Verunreinigung besonders problematisch: Gelangen Pilze direkt in ein Gelenk, können sie dort schwere Entzündungen und Infektionen verursachen und Gewebe schädigen.

FDA entdeckt mehrere Pilzarten

Bei Laboruntersuchungen einer Charge stellte die FDA fest, dass die vermeintlich sterile Lösung tatsächlich mit mehreren Pilzarten kontaminiert war. Darunter befand sich auch Purpureocillium lilacinum.

Dieser Pilz ist laut FDA besonders problematisch, da er gegenüber antimykotischen Medikamenten eine hohe Resistenz aufweisen kann. Entsprechende Infektionen können daher nur schwer zu behandeln sein.

Doch auch bei der vorgesehenen äußerlichen Anwendung sieht die Behörde ein Risiko: Gelangen Mikroorganismen aus einem kontaminierten Produkt in offene Wunden, können unter anderem Wundinfektionen, Zellulitis, Gewebsnekrosen und im schlimmsten Fall eine lebensbedrohliche Sepsis entstehen.

FDA findet Mängel bei der Herstellung

Im Zuge ihrer Untersuchung nahm die FDA nicht nur Produktproben unter die Lupe, sondern inspizierte auch die Produktionsstätte des beauftragten Herstellers. Dabei stellte die Behörde erhebliche Mängel fest. Nach Einschätzung der FDA wurde das als steril deklarierte Produkt unter Bedingungen hergestellt, die für die Produktion eines sterilen Präparats nicht geeignet waren.

Die Behörde verschickte daraufhin Warnschreiben an Neogen Corporation sowie den Auftragshersteller Sciarra Aeromed.

Neogen hatte bereits am 28. Januar 2026 einen freiwilligen Rückruf aller noch nicht abgelaufenen Chargen von Vet HYCOAT eingeleitet.

Sind auch Pferde in Deutschland betroffen?

Nach aktuellem Kenntnisstand gibt es keine Hinweise darauf, dass Pferde in Deutschland von dem Vorfall betroffen sind.

Der Hersteller gibt in seinem Geschäftsbericht an, dass die zurückgerufenen Produkte zwischen Februar 2023 und November 2025 in den USA, Puerto Rico sowie bestimmten lateinamerikanischen Märkten verkauft wurden. Deutschland oder andere europäische Länder werden dabei nicht als Absatzmärkte genannt.

Auch die von der FDA untersuchten Krankheitsfälle stammen aus den USA. Die Behörde spricht von einer Untersuchung über mehrere US-Bundesstaaten hinweg.

Damit handelt es sich nach derzeitigem Informationsstand um einen Vorfall außerhalb Deutschlands und Europas.

Mindestens 20 Pferde eingeschläfert

Das Ausmaß des Falls ist dennoch außergewöhnlich. Laut FDA handelt es sich um die höchste Zahl an Todesfällen bei Pferden, die bislang mit einem Qualitätsmangel eines von der Behörde regulierten veterinärmedizinischen Produkts in Verbindung gebracht wurde.

Dabei könnten die tatsächlichen Zahlen sogar höher liegen: Die FDA zählt nur eindeutig identifizierbare Fälle, die ihr gemeldet wurden. Bei mehreren erkrankten Pferden kennt die Behörde zudem den endgültigen Ausgang der Erkrankung bislang nicht.

Der Fall zeigt damit auch, welche Folgen Verunreinigungen vermeintlich steriler veterinärmedizinischer Produkte haben können – insbesondere dann, wenn sie direkt in Gelenke oder anderes empfindliches Gewebe gelangen.