Ob bei einer Operation oder einer aufwendigen Untersuchung: Nicht immer müssen Pferde dafür in Vollnarkose gelegt werden. Viele Eingriffe lassen sich unter Sedierung am stehenden Pferd durchführen. Denn Risiken, die beim Aufwachen aus einer Vollnarkose entstehen können, lassen sich dadurch vermeiden. Doch auch eine Sedierung ist nicht völlig risikofrei, wie eine internationale Studie im Equine Veterinary Journal zeigt.
Mehr als 12.000 Pferde untersucht
Für die Untersuchung werteten Wissenschaftler die Daten von 12.307 Pferden und Ponys aus 61 Einrichtungen in 23 Ländern aus. Alle Tiere waren zwischen November 2020 und Juni 2023 für chirurgische Eingriffe oder weiterführende bildgebende Untersuchungen im Stehen sediert worden.
Wichtig: Untersucht wurden ausschließlich Fälle, in denen die Sedierung durch zusätzliche Medikamentengaben oder eine kontinuierliche Infusion aufrechterhalten werden musste. Dazu gehörten beispielsweise orthopädische Operationen, Augenoperationen, zahnchirurgische Eingriffe und bestimmte Bauchoperationen.

Eine kurze Sedierung, wie sie häufig bei einer routinemäßigen Zahnkontrolle oder Zahnbehandlung eingesetzt wird, war damit nicht Gegenstand dieser Untersuchung. Die Ergebnisse lassen sich deshalb nicht unmittelbar auf solche alltäglichen Behandlungen übertragen.
Wie hoch war das Risiko bei einer Sedierung?
Sieben Tage nach dem Eingriff waren 99,3 Prozent der untersuchten Pferde noch am Leben. Insgesamt dokumentierten die Forscher 19 unerwartete Todesfälle beziehungsweise Einschläferungen infolge von Komplikationen. Das entspricht einer Rate von 0,15 Prozent.
Keines dieser 19 Pferde starb während der Sedierung selbst. Acht Todesfälle ereigneten sich am ersten, fünf weitere am zweiten Tag nach dem Eingriff.
Bei den 16 unerwarteten Todesfällen außerhalb der Gruppe mit Kolik- und bestimmten Bauchoperationen waren in zehn Fällen Erkrankungen oder Komplikationen im Bauchraum die Ursache. Dazu gehörten unter anderem Koliken und Darmentzündungen.
Weitere 67 Pferde wurden aufgrund einer aussichtslosen Prognose eingeschläfert. Diese Fälle erfassten die Wissenschaftler gesondert und rechneten sie nicht zu den 19 unerwarteten Todesfällen.
Gesundheitszustand spielt entscheidende Rolle
Als besonders wichtiger Risikofaktor erwies sich der allgemeine Gesundheitszustand der Pferde vor dem Eingriff. Tiere mit schweren Vorerkrankungen hatten ein deutlich höheres Sterberisiko als gesunde Pferde.
Die Wissenschaftler sehen in den Ergebnissen insgesamt eine Bestätigung dafür, dass die Sedierung am stehenden Pferd bei geeigneten Eingriffen eine sinnvolle Alternative zur Vollnarkose sein kann.
Gleichzeitig betonen sie, wie wichtig eine sorgfältige Überwachung und Nachsorge sind. Auch eine angemessene Schmerzbehandlung und Flüssigkeitsversorgung könnten dazu beitragen, Komplikationen zu vermeiden.
Was bedeutet das für mich als Pferdebesitzer?
Die Studie ist kein Grund, vor einer notwendigen Sedierung zurückzuschrecken. Sie zeigt vielmehr, wie wichtig es ist, die Art des Eingriffs, den Gesundheitszustand des Pferdes und mögliche Risiken gemeinsam mit dem behandelnden Tierarzt zu beurteilen.
Zur Originalstudie kommt ihr hier: Gozalo-Marcilla et al. (2026): Fatalities within seven days after equine standing sedation: A prospective, multicentre study, Equine Veterinary Journal.





