Shamonda-Virus: Jetzt auch Pferde in Deutschland betroffen

Shamonda-Virus bei Pferden
Schwere Shamonda-Fälle jetzt auch in Deutschland

ArtikeldatumVeröffentlicht am 07.10.2026
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Ein fuchsfarbener Jährling mit breiter Blesse liegt auf der Wiese, die Beine sind ausgestreckt.
Foto: jmillard37/ gettyimages

Als Ende August erstmals über Shamonda-Infektionen bei Pferden berichtet wurde, waren noch keine Fälle bei deutschen Pferden bekannt. Das hat sich inzwischen geändert. Unter anderem wurde das Virus bei einem schwer erkrankten Pferd aus dem Landkreis Ludwigsburg in Baden-Württemberg nachgewiesen. Damit ist aus der Frage, ob Shamonda auch deutsche Pferde erreichen könnte, mittlerweile Gewissheit geworden.

Shamonda-Virus bei Pferd in Baden-Württemberg nachgewiesen

Der jüngste Fall wurde vom Chemischen und Veterinäruntersuchungsamt Stuttgart (CVUA) Ende September bekannt gemacht. Betroffen war ein zuvor gesundes Pferd aus dem Landkreis Ludwigsburg. Das Tier entwickelte plötzlich hohes Fieber. Bereits am folgenden Tag kamen schwere neurologische Symptome hinzu. Das Pferd zeigte unter anderem Zähneknirschen, eine Schwäche der Hinterhand sowie deutliche Gleichgewichts- und Koordinationsstörungen. Außerdem wurden unwillkürliche Augenbewegungen beobachtet. Der Zustand verschlechterte sich schnell, bis das Pferd schließlich festlag. Aufgrund der schlechten Prognose wurde es euthanasiert.

Sehr hohe Viruslast in Gehirn und Rückenmark

Bei der anschließenden Untersuchung wurden zunächst andere mögliche Ursachen für die neurologischen Symptome überprüft. PCR-Untersuchungen auf EHV-1 und EHV-4 sowie auf West-Nil-, Borna- und FSME-Viren verliefen negativ. Beim Shamonda-like-Virus fiel das Ergebnis dagegen deutlich aus: In Gehirn und Rückenmark des Pferdes wurde eine sehr hohe Viruslast festgestellt. Gleichzeitig fand man ausgeprägte Veränderungen im zentralen Nervensystem.

Das CVUA Stuttgart wertet die Kombination aus klinischem Verlauf, pathologischen Veränderungen und hoher Viruslast als starken Hinweis auf einen kausalen Zusammenhang zwischen der Shamonda-Infektion und der neurologischen Erkrankung. Das ist eine wichtige neue Erkenntnis. Denn als im Sommer die ersten Fälle bei Pferden in der Schweiz bekannt wurden, war noch unklar, ob das Virus tatsächlich für die beobachteten neurologischen Erkrankungen verantwortlich war.

Erster deutscher Pferdefall bereits in Rheinland-Pfalz

Der Fall aus Baden-Württemberg ist nicht der erste Nachweis bei einem Pferd in Deutschland. Bereits Ende August bestätigte das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) eine Shamonda-Infektion bei einem Pferd aus Rheinland-Pfalz. Auch dieses Tier hatte zentralnervöse Störungen gezeigt und war verstorben. Im Gehirn wurde eine hohe Viruslast nachgewiesen. Schon damals bewertete das FLI einen Zusammenhang zwischen der Infektion und den neurologischen Symptomen als wahrscheinlich.

Damit steht inzwischen fest: Das Shamonda-Virus betrifft nicht nur Rinder in Deutschland, sondern kann auch Pferde infizieren und mit schweren neurologischen Erkrankungen einhergehen.

Shamonda-like-Virus: Diese Symptome wurden bei Pferden beobachtet

Die bislang gemeldeten Fälle zeigen, dass eine Erkrankung sehr unterschiedlich verlaufen kann. Einige Pferde entwickelten lediglich milde Symptome und erholten sich wieder, andere Tiere waren schwer betroffen.

Beobachtet wurden unter anderem:

  • Fieber
  • starke Müdigkeit und Teilnahmslosigkeit
  • schwankender oder unsicherer Gang
  • Koordinations- und Gleichgewichtsstörungen
  • Schwäche der Hinterhand
  • Muskelzuckungen
  • Überempfindlichkeit gegenüber Berührungen oder anderen Reizen
  • Schiefhaltung des Kopfes
  • Zähneknirschen
  • Schielen und unwillkürliche Augenbewegungen
  • Festliegen bei schweren Verläufen

Bei entsprechenden Symptomen sollten Pferdehalter einen Tierarzt hinzuziehen. Denn neurologische Auffälligkeiten können zahlreiche unterschiedliche Ursachen haben und sind keineswegs automatisch ein Hinweis auf eine Shamonda-Infektion.

Wie äußert sich Shamonda beim Pferd? Dr. Hannah Junge von der Universität Zürich hat einige der ersten erkrankten Pferde behandelt. Im CAVALLO-Interview berichtet sie von ungewöhnlicher Müdigkeit, Ataxien und teils schweren Verläufen – erklärt aber auch, warum die meisten behandelten Pferde sich wieder erholten. Hier geht's zum Interview:

In der Schweiz inzwischen sechs verstorbene Pferde positiv getestet

Auch in der Schweiz hat sich die Situation seit den ersten Meldungen weiterentwickelt. Ende August war das Shamonda-like-Virus zunächst im Gehirngewebe zweier verstorbener Pferde aus den Kantonen Zürich und Bern gefunden worden. Mitte September berichtete die Universität Bern bereits von insgesamt sechs verstorbenen Pferden, in deren Gehirnmaterial das Virus nachgewiesen werden konnte. Vier Tiere stammten aus dem Kanton Zürich, zwei aus dem Kanton Bern. Die Forschenden weisen allerdings weiterhin darauf hin, dass die endgültige wissenschaftliche Bestätigung des ursächlichen Zusammenhangs noch aussteht. Die neuen Untersuchungen aus Deutschland liefern nun weitere Indizien dafür, dass Shamonda tatsächlich neurologische Ausfälle bei Pferden verursachen kann.

Was ist das Shamonda-Virus überhaupt?

Shamonda-Viren gehören zu den Orthobunyaviren der Simbu-Serogruppe. Zu dieser Virusgruppe zählt beispielsweise auch das in Deutschland bekannte Schmallenberg-Virus. Übertragen werden solche Viren vor allem durch Gnitzen. Die winzigen blutsaugenden Insekten nehmen den Erreger beim Blutsaugen auf und können ihn anschließend auf andere Tiere übertragen.

Forscher entdecken zwei Shamonda-Varianten in Deutschland

Mittlerweile gibt es noch eine weitere wichtige Erkenntnis: In Europa zirkuliert offenbar nicht nur eine Variante des Virus. Die zunächst in Süddeutschland, der Schweiz und Frankreich festgestellte Variante wird als Shamonda-Virus Europe 1 (SHAV-EU1) bezeichnet. Anfang September identifizierten Wissenschaftler außerdem eine genetisch deutlich abweichende zweite Variante: SHAV-EU2. Sie wurde in Proben von Rindern aus mehreren deutschen Bundesländern nachgewiesen.

Damit gehen die Wissenschaftler derzeit von mindestens zwei Einschleppungsereignissen aus. Ob eine Infektion mit einer Variante auch vor der anderen schützt, ist bislang nicht geklärt. Beim erkrankten Pferd aus dem Landkreis Ludwigsburg wurde keine weiterführende Sequenzierung vorgenommen. Aufgrund des Infektionsortes und des Zeitpunkts hält das CVUA jedoch SHAV-EU1 für wahrscheinlich.

Wie gefährlich ist Shamonda für Pferde?

Diese Frage lässt sich auch jetzt noch nicht abschließend beantworten. Die bekannten Fälle zeigen, dass schwere und sogar tödlich beziehungsweise mit einer Euthanasie endende Krankheitsverläufe möglich sind. Gleichzeitig wissen Wissenschaftler bislang nicht, wie viele Pferde sich insgesamt mit dem Virus infizieren. Denkbar ist beispielsweise, dass zahlreiche Infektionen mild oder sogar unbemerkt verlaufen und deshalb überhaupt nicht erkannt werden. Entsprechend lässt sich aus den bislang bekannten schweren Fällen noch keine belastbare Aussage darüber ableiten, wie hoch das individuelle Risiko eines Pferdes ist.

Für Panik besteht deshalb weiterhin kein Anlass. Die neuen deutschen Fälle zeigen aber, dass Pferdehalter und Tierärzte Shamonda bei entsprechenden neurologischen Symptomen mittlerweile auch hierzulande im Blick haben sollten.

Warum ist die Diagnose so schwierig?

Auch bei der Diagnostik gibt es neue Erkenntnisse. Der direkte Virusnachweis am lebenden Pferd ist offenbar schwierig, da das Virus vermutlich nur für einen kurzen Zeitraum im Blut nachweisbar ist. Eine negative Blutprobe schließt eine Infektion deshalb nicht zwangsläufig aus. Die Universität Bern sieht derzeit insbesondere eine Kombination aus Antikörpernachweis und PCR-Untersuchung des Liquors – also der Gehirn- und Rückenmarksflüssigkeit – als vielversprechenden diagnostischen Ansatz. Die Untersuchungsmöglichkeiten befinden sich jedoch weiterhin in der Entwicklung.

Ist das Shamonda-like-Virus von Pferd zu Pferd ansteckend?

Nach dem derzeitigen Wissensstand erfolgt die Übertragung über Gnitzen und damit nicht über einen klassischen direkten Infektionsweg zwischen Pferden. Ein infiziertes Pferd im Nachbarstall bedeutet also nicht automatisch, dass sich andere Pferde durch unmittelbaren Kontakt anstecken. Da die Erkrankung bei Pferden allerdings gerade erst erforscht wird, können sich die Erkenntnisse in den kommenden Wochen und Monaten noch verändern.

Was können Pferdehalter tun?

Eine spezifische Behandlung oder einen Impfstoff gegen Shamonda gibt es derzeit nicht. Erkrankte Pferde können lediglich symptomatisch behandelt werden. Die Universität Bern empfiehlt deshalb insbesondere einen konsequenten Schutz vor Gnitzen und anderen stechenden Insekten. Pferdehalter sollten zudem aufmerksam werden, wenn ein Pferd plötzlich ungewöhnlich schläfrig oder teilnahmslos erscheint oder neurologische Auffälligkeiten wie Schwanken, Koordinationsprobleme, Muskelzuckungen oder Gleichgewichtsstörungen entwickelt. Solche Symptome sollten grundsätzlich tierärztlich abgeklärt werden.

Viele Fragen bleiben trotzdem offen: Wie häufig infizieren sich Pferde? Wie viele erkranken tatsächlich? Warum verlaufen manche Infektionen offenbar mild und andere schwer? Und welche Rolle spielen die unterschiedlichen Virusvarianten? Genau diese Fragen werden die Forschung in den kommenden Monaten weiter beschäftigen.