Zwei tote Pferde in der Schweiz wegen Shamonda-like-Virus: Wie gefährlich ist es?

Zwei tote Pferde in der Schweiz
Neues Virus bei Pferden entdeckt

ArtikeldatumVeröffentlicht am 28.08.2026
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Ein fuchsfarbener Jährling mit breiter Blesse liegt auf der Wiese, die Beine sind ausgestreckt.
Foto: jmillard37/ gettyimages

Teilnahmslosigkeit, ein schwankender Gang, Muskelzuckungen oder Gleichgewichtsstörungen: Seit Ende Juli werden aus verschiedenen Teilen der Schweiz Pferde mit ungewöhnlichen neurologischen Symptomen gemeldet. Lange war unklar, was dahinterstecken könnte. Jetzt haben Forschende eine mögliche Ursache gefunden. Das Institut für Virologie und Immunologie (IVI) konnte gemeinsam mit der Vetsuisse-Fakultät der Universität Bern bei zwei verstorbenen Pferden aus den Kantonen Zürich und Bern das Shamonda-like-Virus im Gehirngewebe nachweisen. Das Besondere daran: Eine Infektion eines Pferdes mit einem Orthobunyavirus der sogenannten Simbu-Serogruppe wurde in Europa bislang noch nie beschrieben. Und die Entdeckung ist auch für Pferdehalter in Deutschland relevant. Denn das Virus zirkuliert bereits diesseits der Schweizer Grenze.

Shamonda-like-Virus: Diese Symptome wurden bei Pferden beobachtet

Die bislang gemeldeten Fälle zeigen, dass eine Erkrankung sehr unterschiedlich verlaufen kann. Einige Pferde entwickelten lediglich milde Symptome und erholten sich wieder, andere Tiere waren schwer betroffen.

Beobachtet wurden unter anderem:

  • starke Müdigkeit und Teilnahmslosigkeit
  • schwankender oder unsicherer Gang
  • Koordinations- und Gleichgewichtsstörungen
  • Muskelzuckungen
  • Überempfindlichkeit gegenüber Berührungen und anderen Reizen
  • Schiefhaltung des Kopfes
  • Schielen und unwillkürliche Augenbewegungen

Bei entsprechenden Symptomen sollten Pferdehalter einen Tierarzt hinzuziehen. Denn neurologische Auffälligkeiten können zahlreiche unterschiedliche Ursachen haben und sind keineswegs automatisch ein Hinweis auf eine Shamonda-Infektion.

Hat das neue Virus die Pferde tatsächlich krank gemacht?

Diese Frage können Wissenschaftler bislang noch nicht eindeutig beantworten. Zwar wurde das Virus im Gehirngewebe zweier verstorbener Pferde nachgewiesen. Damit ist ein Zusammenhang mit den beobachteten neurologischen Erkrankungen durchaus plausibel. Wissenschaftlich bewiesen ist jedoch noch nicht, dass das Shamonda-like-Virus tatsächlich die Ursache der Symptome ist. Hinzu kommt ein weiteres Problem: Bei einem lebenden Pferd konnte der Erreger bislang noch nicht direkt nachgewiesen werden. Derzeit sind deshalb lediglich Verdachtsdiagnosen anhand der Symptome und durch den Ausschluss anderer möglicher Erkrankungen möglich. Das Schweizer Institut für Virologie und Immunologie arbeitet bereits an einer entsprechenden Diagnostik.

Was ist das Shamonda-Virus überhaupt?

Shamonda-Viren gehören zu den Orthobunyaviren der Simbu-Serogruppe. Zu dieser Virusgruppe zählt beispielsweise auch das in Deutschland bekannte Schmallenberg-Virus. Übertragen werden solche Viren vor allem durch Gnitzen. Die winzigen blutsaugenden Insekten nehmen den Erreger beim Blutsaugen auf und können ihn anschließend auf andere Tiere übertragen. Damit unterscheidet sich Shamonda von Erkrankungen, die sich durch direkten Kontakt von Pferd zu Pferd verbreiten.

Das Shamonda-like-Virus ist bereits in Deutschland

Genau dieser Punkt macht die Entwicklung für deutsche Pferdehalter besonders interessant, denn das Shamonda-like-Virus wurde hier in Deutschland bereits bei Rindern nachgewiesen. Anfang August 2026 identifizierte das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) ein neu eingeschlepptes Orthobunyavirus der Simbu-Serogruppe bei Rindern in Deutschland. Bislang gibt es jedoch keinen bestätigten Nachweis des Shamonda-like-Virus bei einem Pferd in Deutschland.

Wie wahrscheinlich sind Fälle bei deutschen Pferden?

Noch lässt sich das Risiko für Pferde nicht seriös beziffern. Dafür weiß die Forschung schlicht zu wenig über den neu beobachteten Erreger. Dass Infektionen theoretisch auch bei Pferden in Deutschland auftreten könnten, erscheint jedoch durchaus möglich. Der Erreger ist bereits vorhanden und mit Gnitzen kommen auch seine Überträger hierzulande vor. Ob Pferde häufig infiziert werden oder möglicherweise nur ausgesprochen selten erkranken, ist derzeit völlig offen. Ebenso wenig lässt sich bislang sagen, warum manche der beobachteten Pferde offenbar mildere, andere dagegen schwere neurologische Symptome entwickelten.

Ist das Shamonda-like-Virus von Pferd zu Pferd ansteckend?

Nach dem derzeitigen Wissensstand erfolgt die Übertragung über Gnitzen und damit nicht über einen klassischen direkten Infektionsweg zwischen Pferden. Ein infiziertes Pferd im Nachbarstall bedeutet also nicht automatisch, dass sich andere Pferde durch unmittelbaren Kontakt anstecken. Da die Erkrankung bei Pferden allerdings gerade erst erforscht wird, können sich die Erkenntnisse in den kommenden Wochen und Monaten noch verändern.

Was können Pferdehalter tun?

Eine spezifische Behandlung oder einen Impfstoff gegen Shamonda gibt es derzeit nicht. Erkrankte Pferde können lediglich symptomatisch behandelt werden. Die Universität Bern empfiehlt deshalb insbesondere einen konsequenten Schutz vor Gnitzen und anderen stechenden Insekten. Pferdehalter sollten zudem aufmerksam werden, wenn ein Pferd plötzlich ungewöhnlich schläfrig oder teilnahmslos erscheint oder neurologische Auffälligkeiten wie Schwanken, Koordinationsprobleme, Muskelzuckungen oder Gleichgewichtsstörungen entwickelt. Solche Symptome sollten grundsätzlich tierärztlich abgeklärt werden.