Bioresonanz-Therapie beim Pferd

So kann Bioresonanz Pferden helfen

Foto: Rädlein Bioresonanz beim Pferd - Hilfe oder Humbug?
Mit Schwingungen Krankheiten aufspüren und heilen – die Bioresonanzmethode ist umstritten. Unsere Pferde im Test kümmerte das nicht. Sie reagierten gelassen.

Für die einen ist es die perfekte Welle, die Husten, Allergien und Schmerzen lindert. Für die anderen ist es reine Stromvergeudung. Bei der Bioresonanztherapie scheiden sich die Geister! Klar ist: Die Methode gehört zu den Naturheilverfahren und ist schulmedizinisch nicht anerkannt. Wissenschaftliche Belege für die Wirksamkeit des Heilens mit körpereigenen Schwingungen per Gerät fehlen.

Ist deshalb alles automatisch Hokuspokus? Hersteller der Geräte halten mit der Dokumentation von guten praktischen Erfahrungen dagegen. Im Humanbereich sind diese teils von Gerichten anerkannt worden – etwa bei Verfahren zur Werbung für Bioresonanz. Zudem ergänzen immer mehr Mediziner konventionelle Therapien mit dieser Methode – auch bei Pferden.

Das weckt die Neugier zu schauen, was hinter den „Good Vibrations“ steckt. Auf welchem Ansatz basiert die Bioresonanztherapie? Wer darf sie überhaupt anbieten? Gibt es Gefahren? Wir klären wichtige Fragen und haben in der Praxis getestet, wie eine Untersuchung abläuft.

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Wie funktioniert Bioresonanz?

Bioresonanztherapie basiert auf dem Ansatz, dass jede Zelle Schwingungsbilder erzeugt. Laut Theorie bestehen diese aus elektromagnetischen Signalen (Frequenzen). Die Schwingungen von gesunden und kranken Zellen unterscheiden sich – was sich per Gerät messen und therapieren lässt.

Dabei entsteht ein Kreislauf: Elektroden, die mit dem Körper in Berührung kommen, erfassen die Zellschwingungen und übermitteln diese ans Bioresonanzgerät. Der Apparat spürt die Störungen auf, wandelt krankhafte Schwingungen in gesunde und leitet diese zurück in den Körper des Patienten. Die Schwingungen sind schmerzfrei und sollen die Selbstheilungskräfte anregen.

Streit um Schwingung

Die Kritik an der Methode setzt schon bei der Grundannahme an. Das Heilverfahren entwickelten Medizinaußenseiter Franz Morell und Elektroingenieur Erich Rasche Ende der 1970er-Jahre. Der Hauptvorwurf seither: Für die Existenz von elektrischen Schwingungen bei Zellen gibt es keine anerkannten Belege. Deshalb sind beim Menschen gesetzliche Krankenkassen nicht verpflichtet, Behandlungskosten zu übernehmen. Zudem gibt es viele wissenschaftliche Tests, die negativ für das Verfahren ausfallen.

„Als Anhänger evidenzbasierter Schulmedizin habe ich es gerne, wenn man etwas klar beweisen kann“, sagt der ehemals praktizierende Tierarzt Dr. Peter Witzmann aus Leinfelden-Echterdingen. Da ihm die Beweiskraft bei der Bioresonanztherapie fehle, habe er sich nicht genauer damit beschäftigt. „Trotzdem bin ich offen für weitere Erkenntnisse in Medizin und Biologie“, meint er. Der Veterinär bevorzugt Handlungen mit klaren Ergebnissen. „Beim Operieren eines Tumors etwa erkenne ich eindeutig und direkt, welche Wirkung mein Handeln hat.“

Für Brigitta Smit-Fornahl von der Gesellschaft für ganzheitliche Tiermedizin e. V. ist das biophysikalische Therapieverfahren vor allem aussichtsreich für Bereiche, in denen die Schulmedizin an Grenzen stößt. Die Tierärztin nutzt es etwa zur Diagnose und Therapie von Allergien und chronischen Erkrankungen. „Um Möglichkeiten und Grenzen der Bioresonanzmethode zu erkennen, sollte eine schulmedizinische Ausbildung vorhanden sein“, meint sie.

Tierheilpraktikerin Karin Seeberger aus Lauingen sieht Bioresonanz als ideale Ergänzung zu ihrer Arbeit auf Grundlage von Homöopathie und chinesischer Heilkunde. „Ich habe schon immer gerne quergedacht. Das Gerät bestätigt oft noch mal mein Wissen und mein Gefühl“, sagt sie.

Vielzahl an Geräten

Es gibt viele unterschiedliche Bioresonanzgeräte auf dem Markt. Beim Anwender kann das Verwirrung stiften. Je nach Gerätebezeichnung und Therapieverfahren sind verschiedene Namen im Umlauf: etwa Mora, Multicom, Bicom, Bioresonanz 3000, Radionik, Kippschwingungs- und Multiresonanztherapie.

Welche Infos die Bioresonanzgeräte über den Zustand etwa von Organen und Psyche verraten, ist ebenso unterschiedlich wie die Namen. Im Humanbereich gibt es auch Geräte zur Selbstdiagnostik, vor denen Verbraucherschützer warnen.

Nicht jede Bioresonanztherapie läuft exakt gleich ab. „Die verschiedenen Geräte bieten eben verschiedene Möglichkeiten“, sagt Karin Seeberger. Welche Infos ihr Bioresonanzgerät im CAVALLO-Test ausgespuckt hat, erfahren Sie im Abschnitt "Das Experiment".

Seriöser Anbieter?

Für Pferde kann theoretisch jeder Bioresonanztherapie anbieten. Das erhöht die Chance, an Scharlatane zu geraten. „Die Hersteller vermitteln in Kursen Grundkenntnisse zu den Bioresonanzgeräten“, sagt Karin Seeberger. „Aber jedes Gerät ist eben auch nur so gut wie der Therapeut dahinter.“ Ein Wochenend-Lehrgang zum Gerät kann niemals medizinisches Grundwissen ersetzen.

Wie können Reiter herausfinden, was ein Bioresonanztherapeut draufhat? Bei Tierärzten, welche die Methode anwenden, ist medizinisches Wissen sichergestellt. Der Begriff des Tierheilpraktikers ist hingegen nicht geschützt, jeder kann sich so nennen. „Es gibt in Deutschland keine gesetzlichen Voraussetzungen für die Tätigkeit als Tierheilpraktiker“, sagt Iris Müller-Klein, Fachanwältin für Medizinrecht. Es gibt sicher viele Tierheilpraktiker, die qualifiziert sind und gute Arbeit leisten. Es sind aber auch jede Menge Scharlatane unterwegs.

Ein guter Rat für Reiter: Beobachten Sie den Therapeuten bei der Arbeit am Pferd genau. Scheuen Sie sich nicht, Nachfragen zu stellen. Das hilft, das Wissen des Therapeuten besser einzuschätzen.

Mund-zu-Mund-Propaganda kann die Suche nach guten Anbietern von Bioresonanztherapie erleichtern. Vor allem, wenn Sie ähnliche Vorstellungen von Behandlungen haben wie die Person, die Ihnen einen Therapeuten empfiehlt. Aber Vorsicht: Vertrauen Sie dem Therapeuten nicht blind, nur weil ein Stallkollege gute Erfahrungen gemacht hat. Informieren Sie sich trotzdem im Vorfeld über die Qualifikation und Erfahrung des Anbieters von Bioresonanztherapie. Hilfreich ist zudem der Blick auf die Internetseite des Therapeuten. So finden Sie heraus, ob Person und Arbeitsweise Sie wirklich ansprechen. Skepsis ist bei pauschalen Heilversprechen für jede Art von Krankheiten angebracht.

Die Kosten

Bei seriösen Therapeuten sind die Kosten für die Therapie durchsichtig. Das heißt: Der Therapeut sollte im Vorfeld sagen können, wie teuer eine Standardanalyse mit dem Bioresonanzgerät ist. Im Durchschnitt kostet eine Analyse um die 180 Euro. Endlos viele Therapiesitzungen in Verbindung mit dem Verkauf von überteuerten Eigenprodukten und Mittelchen können Warnhinweise für Betrug sein. Auf die Art treiben unseriöse Leute die Kosten schnell auf Summen von 700 Euro und mehr. „Das ist unverhältnismäßig“, meint Karin Seeberger.

Die Patienten

Welche Krankheiten behandeln die Therapeuten? Die Bioresonanzmethode wird vor allem als unterstützende Behandlung bei Allergien wie dem Sommerekzem, Husten, Wunden und Kotwasser angewendet. Sie soll zudem ausgleichend auf die Pferdepsyche wirken. „Oft haben Besitzer vorher schon vieles ausprobiert und sehen Bioresonanztherapie als letzte Chance fürs Pferd“, erzählt Karin Seeberger.

12.09.2018
Autor: Alena Brandt
© CAVALLO
Ausgabe 08/2018