Reitschulen im Harz im Test

Reitschultest: Reiterhof Wernigerode

Foto: CAVALLO

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CAVALLO hat drei Reitschulen im Harz getestet. Wie schlägt sich der Reiterhof Wernigerode?

Eine Karawane von Blondschöpfen zieht gemächlich über des Kaisers alte Wege in Wernigerode. Wie auf eine Perlenkette gezogen stapfen neun Haflinger hintereinander durch den bunten Laubwald.

Ich bilde mit Stute Daisy den Schluss und genieße vor mir den Anblick der goldenen Pferde im Herbstlicht. Die Chefin des Reiterhofs Wernigerode, Annett Vaeckenstedt, führt die Abteilung an. Sie ist rund 40 Meter entfernt von Daisy und mir. Wie gut kann sie den Überblick bei der großen Gruppe behalten? Immerhin reiten heute nicht nur Fortgeschrittene, sondern auch Anfänger mit ins Gelände.

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Ausritte und Trekkingtouren für die ganze Familie

Gebucht ist ein Ausritt auf dem Reiterhof Wernigerode, der seit 1974 zugleich Haflingergestüt ist. Laut Pferdewirtschaftsmeisterin Annett Vaeckenstedt stehen zwischen 15 und 20 Schulpferde für den Reitbetrieb bereit. Der Hof wirbt auf der Homepage mit Reitangeboten für die ganze Familie und bietet auch Kutschfahrten an. Der zweistündige Ausritt kostet 40 Euro.

Die Reitlehrerin putzt und sattelt alle Pferde selbst

Dann stellt sie uns und die Pferde in der Reihenfolge auf, in der wir auch reiten, und hilft uns allen aufs Pferd. Ich sitze auf der 9-jährigen Daisy. Als die Hofchefin ihr Pferd an Daisy vorbeiführt, um an den Anfang der Gruppe zu kommen, legt Daisy die Ohren an. „Ich warne dich“, sagt die Reitlehrerin zum Schulpferd. Das wirkt. Daisy tritt nicht, aber ich verstehe, weshalb wir das Ende der Abteilung bilden. Wie Daisy wohl beim Ausritt gelaunt sein wird?

Zunächst führt ein Forstweg bergauf in den Wald. Nach etwa 15 Minuten erreichen wir eine Kreuzung. Die Reitlehrerin hält an und fragt nach, ob alles okay ist. „Ihr merkt vielleicht zwischen euren Beinen, wie die Pferde schnaufen. Sie dürfen sich jetzt kurz ausruhen nach dem Anstieg“, erklärt sie. Die Pause nutzt Annett Vaeckenstedt, um etwas zur Gegend zu erzählen. Die Wege sind teils sehr alt und wurden schon zur Kaiserzeit angelegt.

Irgendwann steht der erste Trab an. „Trauen sich das alle?“, fragt die Pferdewirtschaftsmeisterin. Alle Reiter bejahen. Bei Daisy reicht leichter Schenkeldruck, damit sie antrabt. Ich trabe leicht, um den Pferderücken zu entlasten. Aber nicht alle Reiter in der Gruppe können das. Vor mir reitet ein Junge, der ziemlich unruhig im Sattel sitzt. Sein Pferd läuft trotzdem brav weiter. Schonender für die Schulpferde wäre es, wenn Anfänger im Schritt reiten würden. Später geht es leicht bergab. Annett Vaeckenstedt hält die Gruppe an und erklärt, wie wir bergab sitzen sollen. Bald passieren wir einen Waldgasthof und einen Tierpark. Wir reiten am Luchsgehege vorbei und ein Hirsch lässt einen Brunftschrei los.

Die Strecke ist abwechslungsreich und die Reitlehrerin führt die Gruppe sicher durchs Gelände. Sie bekommt zwei Hufeisen für ihre Leistung am Testtag. Einige Punkte ziehe ich ab, da viele Pferde Ausbinder tragen. Diese sind zwar elastisch aus Gummi und geben nach. Aber Pferde brauchen beim Ausritt die Möglichkeit, sich über ihren Hals auszubalancieren, weshalb sie keine Ausbinder im Gelände tragen sollten. Bei einem zweistündigen Ritt wäre es zudem wünschenswert, dass die Pferde den Hals zwischendurch strecken dürfen.

Schulpferd Daisy bekommt drei Hufeisen. Sie ist brav, hat weiche Gänge und hält ein gleichmäßiges Tempo. Punktabzug gibt es für das Kopfschlagen, das sie ab und an zeigt. Die Stute kennt den Ablauf und schließt sich der Gruppe an. Wenn man jedoch zum Aufschließen antraben möchte, aber die anderen nicht traben, sind deutliche Hilfen nötig.

Die Reitanlage ist gepflegt

Es gibt eine Reithalle, eine Führanlage und feste Anbindeplätze. Das Equipment ist in einem guten Zustand, die Sattelkammer ordentlich. Einen Reitplatz sehe ich am Testtag nicht. Macht drei Hufeisen für den Betrieb.

Die Schulpferde kommen nach dem Ausritt kurz in den Laufstall und knabbern Heu. Danach dürfen die Haflinger auf die angrenzende Weide. Es gibt zudem Außen- und Innenboxen. Die Pferde machen einen gepflegten Eindruck. Abzug gibt es dafür, dass ein Shetty teils sehr lange am Anbindeplatz für mögliche Gäste bereitsteht, die ihr Kind auf dem Pony ins Gelände führen möchten. Macht drei Hufeisen für Pflege und Haltung.

Bevor ich vom Hof fahre, schaue ich noch der Haflingerherde auf der Weide beim Grasen zu – ein schönes Bild.

Bewertung

Schulpferd: drei von vier Hufeisen
Reitlehrer: zwei von vier Hufeisen
Reitbetrieb: drei von vier Hufeisen
Pflege & Haltung: drei von vier Hufeisen

Kontakt

Reiterhof Wernigerode
Friederikental 1
38855 Wernigerode
Telefon: 03943 / 2 41 44
www.reiterhof-wernigerode.de

07.01.2019
Autor: CAVALLO
© CAVALLO
Ausgabe 12/2018