CAV 201702 Trockenübungen Plüschpferde Abreiten Teaser Lisa Rädlein

Trockenübungen gegen nasses Winterfell

9 Tipps, um Plüschpferde trocken zu bekommen

Plüschigen Pferden wird’s im Winter beim Reiten schnell warm. Mit diesen Tipps von Experten wird das Winterfell gar nicht erst klatschnass und Ihr Pferd trocknet schneller.

Locker auslaufen lassen

Schon die alten Stallmeister wussten: Ein lockerer Trab zum Schluss hilft Vierbeinern beim Abschwitzen.

„Wir traben unsere Pferde nach jeder Trainingseinheit in Dehnungshaltung“, sagt Westerntrainerin Andrea Schmid (www.beallaround.de).

Genau wie menschliche Sportler sollten vierbeinige Athleten nach Anstrengung sanft auslaufen und sich dehnen. Verschwitztes Fell trocknet nebenbei an.

Das Pferd beobachten

Unterm Winterfell bemerkt man Schweißbildung meist erst, wenn es zu spät ist. Halten Sie deshalb zwischendurch an, und greifen Sie mit den Fingern ins Fell. Fühlt sich die Haut feucht an, ist eine Schrittpause angesagt.

Kontrollieren Sie außerdem die Atmung: „Ist die Atemfrequenz hoch und erholt sich nur langsam, sollte ebenfalls eine Schrittpause folgen“, rät Dressurausbilderin Britta Schöffmann (www.brittaschoeffmann.de). Erst wenn das Pferd wieder deutlich ruhiger Luft holt, geht’s weiter.

Wissen Sie, welche Übung Ihr Pferd besonders ins Schwitzen bringt? Fordern Sie diese nicht erst am Ende des Trainings.

Effektiv Bummeln

„Zum Schluss reite ich ein paar Runden am langen Zügel im Schritt. Dann wissen die Pferde, dass das Training zu Ende ist und können sich mental entspannen“, sagt Westerntrainer Maik Bartmann (www.vineyardranch.com). Dieses entspannte Bummeln wird gern unterschätzt.

„Schrittreiten am Ende des Trainings ist meist nur für den Reiter langweilig“, sagt Dressurausbilderin Britta Schöffmann. Für die Tiere ist es vor allem eine gute Gelegenheit, um einem natürlichen Bedürfnis nachzugehen: entspannt herumwandern. Denn im Winter bewegen sie sich im Auslauf weniger als während der Weidesaison, wenn sie gemütlich von einem Grasbüschel zum nächsten ziehen.

Wird Ihnen der Schritt dennoch zu eintönig, dann spicken Sie bei Ausbilderin Andrea Jänisch (www.andrea-jaenisch.de). Sie nutzt die Schrittphase am Ende, um den eigenen Sitz und die Hilfengebung zu überprüfen. „Ich lasse die Zügel lang und steuere mein Pferd bewusst nur mit Sitz- und Schenkelhilfen.“

Versuchen Sie sich dabei an Bahnfiguren wie großen Schlangenlinien oder Volten.

Training mit Köpfchen

„Ein klarer Arbeitsfokus ist wichtig, besonders wenn die Pferde einen sehr dichten Winterpelz haben,“ sagt Annika Keller, Ausbilderin nach Bent Branderup (www.annikakeller.de). Entscheiden Sie sich vorher, worauf Sie den Fokus legen wollen, etwa auf ausführliche Trabarbeit, während der Galopp eher kurz ausfällt oder umgekehrt.

„Im Winter können Sie nicht an allen Übungen so intensiv arbeiten wie im Sommer, weil Ihr Pferd sonst zu stark ins Schwitzen kommt.“

Anja Beran, Ausbilderin für klassische Reitkunst (www.anjaberan.de), empfiehlt, das Training so aufzubauen: Schrittphase mit Gymnastik, um das Pferd zu lösen, dasselbe im Trab, anschließend Galopparbeit. Dann dreht sich diese Spirale sozusagen wieder zurück: Es folgt ruhigere Trabarbeit und schließlich lockere Schrittarbeit.

Leiten Sie die Schrittphase rechtzeitig ein, das heißt, bevor das Pferd wirklich ins Schwitzen kommt. Annika Keller rät außerdem, schon während der Arbeitsphase Schrittpausen einzubauen und zwischen Dehnungsphasen und Versammlung abzuwechseln.

Grundsätzlich gilt: Bewegen Sie Ihr Pferd mehrmals die Woche moderat, anstatt ein- bis zweimal eine lange Trainingseinheit zu fordern. So bleibt Ihr Vierbeiner konditionell fit.

Über Stock und Stein

Gönnen Sie Ihrem Pferd nach dem Training eine Runde im Gelände. Beim entspannten Spazierritt oder -gang trocknen die Tiere optimal. Stefan Schneider (www.gutrothenkircherhof.de) schickt seine Pferde dabei gern über Baumstämme: „Die Pferde müssen ihre Beine beugen und strecken. Das lockert die Muskulatur.“

Kreative Bodenarbeit

„Vor allem bei jungen Pferden, die noch nicht gelernt haben, selbstständig in korrekter Haltung zu gehen, ist es sinnvoll, auf die Arbeit an der Hand auszuweichen,“ rät Westerntrainer Christoph Lamprecht (www.chlallaroundhorses. com). Er übt mit den Youngstern Elemente aus der Showmanship. Dabei müssen die Pferde exakt auf Körpersignale reagieren, Stopps und Hinterhandwendungen ausführen oder flüssig rückwärtsgehen.

Ausbilder Stephan Vierhaus (www.gangpferdevierhaus.de) empfiehlt, dem Pferd spielerisch ein paar Piaffe-Tritte beizubringen, während es trocknet. Anja Beran übt nach dem Reiten mit Vorliebe den Spanischen Schritt: „Das beschäftigt mental und lockert durch das abwechselnde Beinstrecken die Vorhand.“

Nur kein Stress

Stress ist eine der Hauptursachen für nasses Fell. „Tiere, die körperlich nicht gut genug vorbereitet wurden, sind schnell gestresst, wenn ihnen etwas abverlangt wird, was sie nicht ohne weiteres leisten können“, erklärt Anja Beran. Oft fehle es an Muskeln oder die Pferde seien nicht beweglich genug, beobachtet die Ausbilderin. „Dann schwitzen die Tiere, obwohl sie konditionell fit sind.“

Auch mentaler Stress wirkt sich auf die Schweißproduktion aus: Je nach Typ, Temperament und Ausbildungsstand des Pferds ist das Stresslevel unterschiedlich hoch. „Für manche ist Stillstehen schon eine echte Zerreißprobe, während andere erst Probleme bekommen, wenn sie beim fliegenden Galoppwechsel ihre Beine sortieren müssen“, sagt Britta Schöffmann.

Vermeiden Sie deshalb, dass sich Ihr Pferd beim Training verspannt und so schneller ins Schwitzen kommt. Feilen Sie zudem nicht zu lange an einer Übung – vor allem, wenn diese das Pferd geistig sehr fordert.

Gymnastik

Egal ob am Boden oder im Sattel: Gymnastizierende Übungen wie Traversalen, Schulterherein oder Schenkelweichen bieten sich besonders gut an während der Abschwitzphase. Denn dann ist die Muskulatur weich und dehnbar.

Ganz nebenbei können Sie überprüfen, ob Ihr Pferd fein an den Hilfen steht und sie entspannt annimmt.

Cool mit Stangen, Hütchen und Co.

Peppen Sie das Trockenreiten mit verschiedenen Hindernissen auf: Stangen, Tore, Brücken, Planen oder einfach ein paar Hütchen, durch die Sie im Slalom reiten oder an denen Sie korrektes, promptes Anhalten üben oder Zirkel ausrichten.

Während der Trockenreitphase sollten Sie diese Hindernisse nur noch im Schritt oder maximal einem leichten Trab angehen. So können Sie in Ruhe selbst an technisch anspruchsvollen Hindernissen und taktklaren Gangarten feilen, ohne dass Ihr Pferd wieder ins Schwitzen kommt.

„Besonders hibbeligen, übereifrigen Vierbeinern, die gerne Lektionen vorwegnehmen, hilft diese kreative Arbeit, sich am Ende der Trainingsphase zu entspannen“, sagt Working Equitation-Ausbilder Stefan Schneider.

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