15 Dinge, die Pferde-Menschen unverwechselbar machen

Beflügelnd in jeder Beziehung
15 Dinge, die Reiter so besonders machen

ArtikeldatumVeröffentlicht am 03.04.2026
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Eine Frau auf dem Pferderücken
Foto: StockLib/ gettyimages

1. Reiter lernen früh, Verantwortung zu tragen

Ein Tier mit 500 bis 600 Kilo will versorgt, trainiert und beobachtet sein. Verlässlichkeit und Routine werden in jungen Jahren selbstverständlich – ein Bildungsfaktor, den nur wenige andere Sportarten bieten. Dass sich die Beschäftigung mit Pferden auch vorteilhaft auf die emotionale Entwicklung und das Verhalten von Jugendlichen auswirkt, ist wissenschaftlich belegt – der Kontakt mit Pferden macht sie hilfsbereiter, sozialer und einfühlsamer.

Eine blonde Frau streichelt ihr braunes Pferd an der Stirn.
Irina Orlova/ gettyimages

2. Unser Spiegel hat vier Beine

Pferde spiegeln unsere Emotionen und unsere innere Haltung, die wir über unsere Körpersprache ausdrücken, und reagieren bereits auf kleinste Veränderungen. Selbst unsere Mimik lesen die Vierbeiner genau, erkennen sogar auf Fotos freundliche oder zornige Gesichter. Die Reaktion auf wütende Gesichtsausdrücke war laut einer Studie der University of Sussex in Brighton besonders deutlich: Der Puls stieg an und die Pferde bewegten ihren Kopf, um die wütenden Gesichter mit ihrem linken Auge zu mustern. Ähnlich wie Hunde neigen Pferde dazu, negative, potenziell bedrohliche Reize verstärkt mit ihrem linken Auge zu beobachten. Kein Wunder, dass sich Pferde für Coachings so hervorragend eignen.

3. Pferde-Menschen können multitasken

Du lenkst, balancierst, gibst Hilfen, liest das Pferd und kommunizierst – alles gleichzeitig. Das Gehirn lernt, mehrere Systeme parallel zu steuern, was im Alltag und im Beruf extrem nützlich ist. Und auch unsere Pferde sind vollkommen in der Lage, ihre Aufmerksamkeit zu teilen – erkennbar an der Art und Weise, wie sie ihre Ohren verwenden und damit signalisieren, worauf sie sich gerade konzentrieren. Das folgerte Dr. Paolo Baragli von der Veterinärmedizinischen Universität Pisa aus seiner Studie, die 2018 in der Zeitschrift Animals erschien.

4. Die Couch ist nur Deko

Wer reitet, verbringt seine Zeit lieber im Sattel als auf dem Sofa. Freizeitgestaltung wird neu definiert: Stall, Reitplatz, Wald – statt Netflix und Lounge. Die Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation von mindestens 150 bis 300 Minuten Bewegung mit mittlerer Intensität pro Woche sind für uns leicht geschafft.

5. Reiter sind die einzigen Olympioniken mit Vierbeinern

Niemand sonst teilt sich Edelmetall bei Olympischen Spielen mit einem Tier – Pferd und Reiter bilden ein Team. Der Pferdesport gehört zu den ältesten organisierten Sportarten der Menschheit. Das erste Pferderennen wurde 680 v. Chr. bei den Olympischen Spielen im antiken Griechenland als Wagenrennen ausgetragen. 648 v. Chr. saßen die Reiter erstmals auf Rennpferden. Bei den ersten Olympischen Spielen der Neuzeit 1896 in Athen war der Reitsport hingegen zunächst nicht vertreten. Vier Jahre später, 1900 in Paris, war Polo dann die erste olympische Reitsportdisziplin. Wer als Reiter mit dem Mythos konfrontiert wird, Reiten sei kein Sport, mag Unwissende auf diesen Punkt verweisen.

Jessica von Bredow-Werndl dankt ihrer Stute TSF Dalera BB nach erfolgreicher Prüfung
Getty Images/ Maja Hitij

6. Wir setzen Trends

Zugegeben, das Hobby Horsing wird auch unter Reitern zum Teil belächelt. Dabei ist der Ritt auf dem Steckenpferd ein toller Einstieg ins Reiten für Kinder. Sie lernen nicht nur alle Hufschlagfiguren, sondern schon früh die richtige Zügelhaltung und müssen darauf achten, dass die Hand ruhig bleibt. Wer es selbst ausprobiert hat, wie CAVALLO-Redakteurin Kristina Hofer, merkt schnell, wie anspruchsvoll die Trendsportart aus Finnland wirklich ist. Dass jetzt auch Hundeschulen beim Führtraining auf Hobby Dogging setzen, kommt nicht von ungefähr.

7. Reiten macht glücklich

Diesen Effekt bestätigt eine Studie der Medizinischen Universität Wien (International Journal of Environmental Research and Public Health). Die Wissenschaftler untersuchten die Auswirkungen von freizeitmäßigem Reiten in der Natur auf Psyche (und Physis). 78 % der teilnehmenden Reiter im Alter von 45 bis 82 Jahren gaben an, nach der Ausübung ihres Hobbys besonders gut gelaunt zu sein. Im Vergleich dazu waren es bei den haustierlosen Teilnehmern nur 59 %, deren Freizeitbeschäftigung sie ähnlich glücklich machte. Dieses Phänomen dürfte verschiedene Gründe haben. Englische Forscher der University of Bristol haben herausgefunden, dass der Kontakt mit Bodenbakterien auf das Hirn einen ähnlichen Effekt haben kann wie Antidepressiva. Und Reiter machen sich ja gerne die Hände schmutzig. Fakt ist auch, dass unser Körper beim Streicheln von Tieren das Kuschelhormon Oxytocin ausschüttet (wichtig für den Aufbau von Vertrauen und sozialen Bindungen); gleichzeitig sinkt die Konzentration des Stresshormons Kortisol im Blut, wir entspannen uns.

Eine junge Frau mit ihrem Pferd bei sonnigem Wetter auf dem Feldweg.
standret/ gettyimages

8. Reiter sind spezielle Persönlichkeiten

Reiter und Nicht-Reiter unterscheiden sich tatsächlich massiv. Das zeigte eine Studie im Auftrag der FN aus dem Jahr 2013. Die Attribute führungs- und durchsetzungsstark, naturverbunden, ehrgeizig, zielstrebig, belastbar, burschikos, strukturiert, begeisterungsfähig, gesellig, stabil, wettbewerbsorientiert und fantasievoll sind bei Reitern stärker ausgeprägt als bei Nicht-Reitern. Weniger ausgeprägt sind die Attribute still, schüchtern und ruhig sowie nervös, ängstlich und skeptisch.

9. Reiter machen Mode

Was wäre etwa Hermès ohne Pferde? Oder die Hutmacher ohne Royal Ascot? Unsere Stiefel, Hosen, Jacken, ja selbst Reithelme inspirieren Designer aus aller Welt zu Kreationen, die unseren Stil auf jede Flaniermeile tragen. Und Islandpullover sind längst nicht nur bei den Fans der Gangpferde beliebt…

10. Stall statt Fitnessstudio

Misten, Tragen, Schieben – körperliche Arbeit ist Teil unseres Alltags als Reiter. Das fördert Kraft, Ausdauer und Koordination ganz nebenbei. Nur wer seinen Rumpf gut einsetzt, sitzt aufrecht, balanciert und reitet harmonisch. Rückenschmerzen? Wer regelmäßig reitet, baut Muskeln auf, die uns in jeder Lebenslage unterstützen. Dass auch wir Reiter Ausgleichssport brauchen, etwa Schwimmen, Yoga oder Pilates, kommt unserer Körperspannung zugute. So können wir Hände und Beine gezielter für die Hilfen einsetzen und feiner reiten. Wenn das mal keine Motivation ist!

Yoga für Reiter
Lisa Rädlein

11. Pferdebewegung trainiert dein Gehirn

Während du reitest, muss dein Körper die kontinuierlichen, subtilen Bewegungen des Pferds ausgleichen. Studien zeigen: Wer regelmäßig reitet, stärkt Gleichgewicht, Koordination und sogar die räumliche Wahrnehmung im Gehirn. Unser Gehirn empfängt über den Gleichgewichtssinn im Ohr, über die Augen und durch Sensoren in Muskeln, Gelenken und der Haut Informationen über unsere Umgebung (etwa darüber, wie sich das Pferd unterm Sattel bewegt) und die eigene Körperlage. Das Gehirn sortiert diese Infos und leitet entsprechende Befehle über die Nerven an die Muskeln weiter, sodass wir etwa unser Gewicht im Sattel korrekt verlagern. Diese Zusammenhänge wiederum können uns helfen, besser zu reiten. Darauf basieren etwa Konzepte wie Neuro-Riding oder Life-Kinetik.

12. Reiten als Longevity-Faktor

Gesund alt werden, das verbirgt sich hinter dem aktuell allgegenwärtigen Begriff Longevity. Wir Reiter leben diesen Trend schon lange, bevor das Wort die Runde machte. Hier kommen wir nochmal auf die Studie der Wiener Wissenschaftler zum Glück zurück: Denn bei den Probanden im Alter von 45 bis 82 Jahren zeigte sich, dass auch die körperliche Fitness von der gemeinsamen Bewegung mit dem Pferd profitierte. Die Reiter erzielten deutlich höhere Werte beim physischen Wohlbefinden als die übrigen Teilnehmer, obwohl sie insgesamt nicht mehr Sport betrieben. Ein Grund könnte die erhöhte Rumpfstabilisierung und Muskelstärkung sein, die Reiten automatisch mit sich bringt.

Ältere attraktive Frau mit Helm in der Hand führt ihr Pferd vorbei an den Weiden zur Reitbahn.
Nancy Brown/ gettyimages

13. Pferde-Menschen sind Meister der Geduld

Warten gehört zum Alltag von Reitern: auf den Tierarzt, den Schmied, den richtigen Trainingsmoment. Wir entwickeln daher eine gewisse Gelassenheit, weil sich nicht alles beschleunigen lässt. Also: durchatmen!

14. Reiten stärkt die emotionale Intelligenz

Die Psychologin Prof. Kathrin Schütz untermauerte diesen Effekt mit einer Untersuchung aus dem Jahr 2020. Unter emotionaler Intelligenz versteht man laut Dorsch / Hogrefe (Lexikon der Psychologie) die multidimensionale Fähigkeit zum Erkennen von Gefühlen, aber auch zum Umgang mit Gefühlen einschließlich ihrer Nutzung und zum angemessenen Ausdruck von Gefühlen. Andere Wissenschaftler empfehlen den Begriff "emotionale Kompetenz", da es hier nicht um kognitive Fähigkeiten geht. Aber eben auch um mehr als bloßes Einfühlungsvermögen.

15. Reiter haben eine starke Abwehr

Klar, manche Menschen sind anfälliger für Infekte als andere. Aber Reiter bringen schon einige Pluspunkte mit, die das Immunsystem pushen. Der Körper braucht Vitamin D für eine intakte Immunabwehr. Wir können zwar einen Teil über die Nahrung aufnehmen, den größten Teil produziert aber unser Körper selbst übers Sonnenlicht. Und als Outdoor-Sportler haben wir reichlich davon inklusive frischer Luft für unsere Schleimhäute. Bewegung aktiviert wichtige Körpersysteme, einschließlich des Herz-Kreislauf- und Verdauungssystems, die eng mit der Immunfunktion verbunden sind. Hier sind Hobbyreiter, die sich körperlich moderater anstrengen, sogar im Vorteil: Denn nach intensiver Belastung ist die Infektanfälligkeit erhöht, da die Immunzellen nach Belastungsende weit unter den Ausgangswert sinken. Und der positive Einfluss des Kontakt zum Pferd aufs Kortisol tut ein Übriges: Es hilft, Dauerstress zu vermeiden, bei dem wir das Stresshormon vermehrt ausschütten, das das Immunsystem unterdrückt und uns anfälliger für Atemwegsinfekte macht.