Flatternde Nüstern beim Pferd: Atmung und Stress

Atmung beim Pferd
Wenn Nüstern flattern: Atmung richtig lesen

ArtikeldatumVeröffentlicht am 12.09.2026
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Ein junger Haflinger schwimmend im See.
Foto: Zuzule/ gettyimages

Aufgeblähte Nüstern, die sich ruckartig heben und senken

Wenn es wirkt, als würden die Nüstern des Pferdes flattern, kann mehr dahinterstecken als nur sportliche Anstrengung. Wichtig ist die Mimik – was drückt das Pferd aus? So viel im Voraus: Das Atmen durch weit geöffnete Nüstern ist noch kein Anzeichen dafür, dass das Tier sich unwohl fühlt, betont Dr. Willa Bohnet von der Tierärztlichen Hochschule Hannover (TiHo). Erst im Zusammenhang mit anderen Signalen könne man unterscheiden, ob das Pferd im Training positiv angespannt oder überfordert ist.

CAVALLO Was macht das Handy mit dem Pferd?
Dr. Willa Bohnet
Die Expertin

Pferde haben als Flucht- und Lauftiere eine enorme Lungenkapazität

Bewegung und Atmung sind gekoppelt. Deshalb ist beides auch hörbar synchron, vor allem, wenn Pferde sich mehr anstrengen, etwa im Galopp oder beim Schwimmen. Neben der körperlichen Aktivität beeinflussen viele andere Faktoren die Atemfrequenz von Pferden. Ist die Atemfrequenz ungleichmässig, könne das sowohl psychische als auch physische Ursachen haben, betont die Verhaltensexpertin: "Manche Pferde machen beim Reiten flache Atemzüge oder haben ein stockendes Atemgeräusch – zusätzlich ist das Pferd in der gesamten Muskulatur stark angespannt, was immer ein Alarmsignal ist." Dahinter könnten unerkannte Schmerzen oder Angst vor einer bestimmten Situation stecken. "Dann zeigt es neben einer unregelmäßigen, flatternden Atmung noch anderen Abwehrsignale wie Schweifschlagen und Widersetzlichkeit. Es versucht, aus der Situation zu entkommen."

Ein Reiter mit einem jungen Schimmel auf dem Reitplatz beim Training
pmiguel2/ gettyimages

Flatternde Nüstern-Atmung beim Training

Je angespannter ein Pferd im Training ist, desto mehr machen die Muskeln dicht. Verspannte Pferde halten die Muskulatur von Rücken und Bauch fest, die Atmung ist eingeschränkt und kommt stoßweise, häufig begleitet von anderen Stresssignalen wie Zähneknirschen oder Schlauchgeräuschen. "Grundsätzlich kann man unterscheiden: Das losgelassene Abschnauben beim Reiten ist eher leise und langgezogen. Heftiges und kurzes Schnauben ist ein Anzeichen für Anspannung." Dr. Willa Bohnet nennt einige Beispiele: Aufgeregtes Schnauben in Kombination mit einem hoch aufgerichteten Hals und Kopf etwa zeigen Pferde, die sich in der Reiteinheit von Beginn an nicht wohlfühlen. Sie machen häufig bereits im Schritt Taktfehler. Wenn dem Pferd eine Situation unheimlich ist, hört man eher ein trompetenhaftes Prusten durch weit geöffnete Nüstern in Kombination mit einem aufgewölbten, hohen Hals und nach vorn gestellten Ohren.

Die Anatomie der Pferde-Nüstern

"Das Pferd kann nur durch die Nüstern Luft holen, da ihm die Maulatmung nicht zur Verfügung steht", erklärt die Expertin. Die Anatomie der Nüstern ermöglicht es dem Pferd, bei Anstrengung viel mehr Luft einzuatmen als im Ruhezustand – überlebenswichtig für ein Fluchttier. "Sitzt das Zaumzeug zu tief auf der Nase oder wurde es zu eng zusammengezogen, nehme ich dem Pferd die Möglichkeit, durch die Nüstern genug Luft zu bekommen. Geblähte und flatternde Nüstern sind dann tatsächlich ein Zeichen für Stress und Überanstrengung", stellt sie klar. Denn ein Pferd mit einer zu eng verschnallten Zäumung wird beim Reiten Stress und Panik empfinden, weil es zu wenig Luft bekommt.

Eine Pferdenase in der Nahaufnahme beim Atmen
Andyworks/ gettyimages

Energisches Prusten beim Schwimmen

Wie empfindlich Pferde darauf achten, die Luftwege freizuhalten, zeige sich auch beim Schwimmen, so Dr. Willa Bohnet: "Die Oberlippe wird hochgezogen, um zu verhindern, dass Wasser in die Nüstern gelangt. Bei jedem Tritt im Wasser atmet das Pferd energisch ein und aus. Beim Ausatmen werden die Nüstern zusammengepresst – das starke Schnauben dient dazu, Wasserspritzer wieder aus der Nase hinauszubefördern."