Fitness-Tracker für Pferde: Was können sie? + Garmin Blaze Praxistest

CAVALLO testet den Blaze von Garmin in der Praxis
Fitness-Tracker für Pferde

ArtikeldatumVeröffentlicht am 19.02.2026
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Ein Smartphone mit Fitness-Daten zum Pferd, im Hintergrund ein Fitness-Tracker am Schweif
Foto: AI generated with ChatGPT

Fast jede(r) von uns hat heute Smartwatch oder Fitness-Tracker am Handgelenk, der unsere Bewegungen aufzeichnet und zeigt, wie fit wir sind. Im Gegensatz dazu nutzen wir solche Gadgets bei unseren Pferden eher seltener. Dabei lohnt sich das Training damit! Wie wir Pulsuhren und Tracker einsetzen, worauf es ankommt – plus: Wir haben den neuen Fitness-Tracker von Garmin in der Praxis getestet.

Welche Fitness-Tracker für Pferde gibt es?

Der Markt für pferdische Analyse-Tools ist recht überschaubar. Da gibt es etwa ein Modell von Equisense (Motion One, ca. 250 Euro), das Bewegungsindikatoren aufzeichnet, aber nicht die Herzfrequenz. Anbieter Ceefit hat zwei Tools im Angebot: der Ceefit Sensor (rund 250 Euro) wertet beispielsweise den Trab in punkto Symmetrie aus oder erfasst Sprungdaten. Wer die Herzfrequenz erfassen will, braucht zusätzlich den Ceefit Pulse & EKG (rund 150 Euro, funktioniert nur in Kombi mit dem Sensor). Für beide Geräte ist ein kostenpflichtiges App-Abo nötig.

Hersteller Polar hat zwei Herzfrequenz-Messgeräte im Angebot (fürs Reiten und für Traber, beide mit Gurt und Sensor für je rund 200 Euro). Polar bietet zudem ein Messgerät an, um Ruhe- und Erholungszeit zu überwachen (Healthcheck, ca. 250 Euro). Bis auf den Healthcheck werden alle Tools am Sattelgurt angebracht.

Neu auf dem Markt seit Ende August 2025 ist das Modell Blaze von Garmin. Der Tracker erfasst Daten von Herzfrequenz, Gangart oder Schrittanzahl über einen Sensor in einer Schweifmanschette.

Wie messen die Sensoren?

Bei Fitnesstrackern für uns Reiter wie für die Pferde gibt es zwei unterschiedliche Messverfahren – und die erkennt man schon daran, wo die Sensoren eingesetzt werden. In Brustgurte sind nämlich Elektroden eingebaut; die erfassen die elektrischen Signale des Herzens, also die Herzfrequenz, den Pulsschlag. Weil sie direkt am Herzen sitzen, können sie den Herzschlag unmittelbar wahrnehmen, also sehr genau messen. Die genannten Modelle von Ceefit oder Polar arbeiten beispielsweise so. Die Daten können in Echtzeit auf dem Handy abgerufen werden oder nach dem Ritt.

Das zweite Messverfahren ist die sogenannte optische Messung. Dafür sendet ein Sensor Licht über Leuchtdioden (LEDs) auf bzw. in die Haut. "Die meisten Sensoren nutzen grünes Licht, dessen Wellenlänge vom Blut besonders gut absorbiert wird. Da sich das Blutvolumen in den Gefäßen mit jedem Herzschlag ändert, kann eine Photodiode anhand des reflektierten Lichtspektrums erkennen, wie häufig das Herz schlägt, und somit die Herzfrequenz ermitteln”, erklärt Redakteur Henning Lenertz vom Läufer-Magazin Runner’s World.

Grüne LED's am Garmin Blaze Pferde-Fitness-Tracker
Redaktion

Kleiner Haken, so Lenertz: "Bislang ist die Technologie nicht so genau wie Brustgurte.” Denn wenn Läufer die Arme bewegen, haben die Laufuhren aufgrund der Fliehkräfte mal mehr, mal weniger Probleme, den Puls genau zu messen. Daher gibt es für Läufer auch immer mehr Armgurte mit optischem Verfahren, die annähernd so genau sind wie Brustgurte. Das Modell Blaze von Garmin arbeitet ebenfalls mit dem optischen Messverfahren. Wenn das Pferd stark mit dem Schweif schlägt – könnte das die Werte verfälschen? Wir haben bei Garmin nachgefragt: Laut dem Hersteller ist auch am Schweif eine präzise Messung möglich.

Wie setze ich Fitness-Tracker beim Pferd ein?

Die Tracker können etwa fürs Gesundheits-Monitoring genutzt werden. Der Herzschlag kann etwa zeigen, ob das Pferd Atemprobleme hat oder Schmerzen; in beiden Fällen kann die Herzfrequenz erhöht sein. Tools, die die Symmetrie der Bewegung erfassen, können frühzeitig Lahmheiten aufzeigen. Oder man checkt, ob das Pferd in bestimmten Situationen Stress für eine längere Zeit hat, etwa beim Transport oder in neuer Umgebung; auch das zeigt sich in einem erhöhten Puls. Geht der Puls nach einem Training hingegen schnell wieder runter, ist das ein klarer Indikator für eine gute Fitness des Vierbeiners.

In erster Linie hilft uns die Technik, das Training zu checken, zu analysieren, zu optimieren. Etwa, um das Pferd fitter zu machen – für längere Ausritte, Wanderritte, längere Galoppstrecken oder mit einem konkreten Ziel wie einer Dressur- oder Springprüfung. Auch fürs Abnehmen sind Pulsuhren ideal. Dafür muss man nur ein wenig in Trainingslehre und die Analyse der Daten abtauchen.

Wie werte ich die Daten meines Pferdes aus?

Geschwindigkeit, Herzschlag, Schrittzahl, Strecken: Die Sensoren zeichnen eine ganze Menge an Daten auf. Kann spannend sein, sich zeigen zu lassen, wie viel Zeit der Dressurstunde man tatsächlich getrabt oder im Schritt geritten ist oder wie schnell das Pferd auf der Geländestrecke galoppiert. Aber: Wer will, dass sein Pferd fitter wird, muss sich eigentlich nur auf die Herzfrequenz konzentrieren. Die verrät nämlich, ob sich ein Pferd im aeroben oder im anaeroben Bereich befindet.

Kurzer Exkurs: Im aeroben Bereich nutzt der Körper Glycogen aus Glucose und Sauerstoff, um daraus Energie für Muskelbewegungen zu gewinnen. Im anaeroben Bereich wird ATP (Adenosintriphosphat) zur Energiequelle; gewonnen aus Glucose/Glykogen oder aus energiehaltigen/-reichen Phosphaten wie Phosphokreatin.

Im aeroben Bereich wird die Ausdauer gestärkt oder Körperfett abgebaut. "Solange das Pferd ausreichend Sauerstoff aufnimmt, um diesen Stoffwechsel aufrecht zu erhalten, kann das Pferd die Belastung ohne große Ermüdung lange durchhalten”, erklärt Conny Röhm. Aber: Sollen sich Muskeln vergrößern, tragfähiger, stärker, ausdauernder werden, "benötigen wir neben dem aeroben Training immer wieder anaerobe Impulse”.

Wieder zurück zur Herzfrequenz: Die zeigt, in welchem Bereich das Pferd ist. "Im vornehmlich aeroben Bereich bewegt man sich bei einem Puls von 40 bis zu 110 Schlägen pro Minute. Bei einem Puls von 160 Schlägen pro Minute bewegt man sich vornehmlich im anaeroben Bereich”, erklärt Conny Röhm. Heißt auf die Gangarten gemünzt: Im Schritt liegt die Herzfrequenz bei 50 bis 80, im Trab bei 90 bis 130 Schlägen. Im Galopp kann die Herzfrequenz von 115 bis auf 220 Schläge (im Renntempo) ansteigen. Wer also die Daten analysiert, steigert die Fitness seines Pferds.

Der Garmin Blaze im CAVALLO-Praxis-Test

Das Test-Produkt: der Gesundheitstracker Blaze von Garmin; Schweifmanschette aus Neopren mit zwei Klettverschlüssen und herausnehmbaren Sensor. Rund 600 Euro, garmin.com

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So funktioniert der Tracker: Der Sensor wird aktiviert und einmal mit dem Smartphone gekoppelt; dafür ist die kostenlose Blaze-App notwendig. Hier können Profile für mehrere Pferde angelegt werden. Der Sensor wird dann in die Schweifmanschette eingeklipst. Die wird so am Schweifansatz angebracht, dass der Sensor auf der Unterseite der Schweifrübe sitzt. Mittels Klett wird die Manschette fixiert.

Der Garmin Blaze Fitness Tracker im Praxis-Test.
Böke

Die aufgezeichneten Daten können live auf der App abgerufen oder später in Ruhe analysiert werden. Blaze lässt sich zudem mit etlichen kompatiblen Garmin Smartwatches (z.B. Venu oder Forerunner) koppeln. Die Akkulaufzeit liegt bei 25 Stunden; für unseren Test hat ein einmaliges Aufladen für mehrere Trainingseinheiten gereicht.

Unser Praxistest: Wir haben den Tracker bei zwei Pferden eingesetzt; für Dressur, Ausritte und Longiereinheiten.

Der Sensor lässt sich leicht bedienen und einrichten. Die App zeigt viele Daten detailliert, etwa Herzfrequenz, Distanz, Schrittanzahl oder Aufteilung in Gangarten. Strecke und Geschwindigkeit werden nur in Kombi mit GPS des Smartphones oder einer Garmin-Uhr aufgezeichnet; ist das GPS deaktiviert oder das Handy nicht am Pferd, fehlen die Daten.

Der Garmin Blaze Fitness Tracker im Praxis-Test.
Böke

Bei der Dressur waren wir uns nicht sicher, ob die Gangarten sauber erfasst wurden; hier waren die angeblichen Zeiten ohne Bewegung teils recht hoch. Die Herzfrequenz kam uns bei einem Testpferd etwas niedrig vor: Selbst im Gelände lagen die Werte teils unter der Norm.

Fazit: Dass der GPS-Sensor fehlt, ist bei dem Preis ein Manko. Die Vielfalt der Daten und deren Aufbereitung ist top; um zu erfassen, wie genau Blaze ist, müsste man parallel mit einem Brustgurt messen.