Michael Geitner schmunzelt, wenn er sich an die Anfänge seiner Dualaktivierung mit den blau-gelben Gassen erinnert: "Auf den ersten Kursen fragten mich die Leute, warum das so gut funktioniert. So richtig konnte ich mir das damals auch noch nicht erklären. Aber der Effekt war bombastisch.”
Das ist nun über 20 Jahre her. Längst weiß der Pferdetrainer, der in der Zwischenzeit weitere erfolgreiche Trainingskonzepte entwickelt hat, warum das Reiten zwischen Blau und Gelb so viel bringt. Kurz gesagt: Die Dualaktivierung macht klassische Übungen für Pferd und Reiter sichtbar und verständlich. Das Training in kurzen Intervallen ermöglicht zum einen, dass Mensch und Tier sich währenddessen voll konzentrieren können. Zum anderen sorgen die Arbeitsphasen mit Pausen für den Wechsel zwischen Anspannen und Entspannen der Muskulatur – die Grundlage dafür, dass Muskeln wachsen. Das Ziel der Dualaktivierung ist der fünfte Punkt der Ausbildungsskala: die Geraderichtung. Mit den Gassen gelingt das spielerisch und wie von selbst, ohne dass der Reiter viel einwirken muss. Die Farben aktivieren die Vernetzung der beiden Gehirnhälften, die Gassen rahmen das Pferd ohne Druck von außen ein. Außerdem sind die Übungen so angelegt, dass viele Wendungen und Handwechsel beide Seiten des Pferds gleichmäßig ansprechen – und vor allem stärken. Das Erfolgsrezept der Dualaktivierung sind die Zeitintervalle: Du trainierst drei Minuten und legst danach eine Pause von einer Minute ein. Darauf folgen maximal sechs Arbeitseinheiten, je nach Trainingszustand. Die Übungen reitest du mit so wenig Hilfen wie möglich. Achte darauf, mit den Zügeln genug Raum zu lassen, und begrenze die Biegung deines Pferds nicht mit Druck des äußeren Schenkels. Und nun: Ausprobieren, Spaß haben und trotzdem sinnvoll trainieren!

Michael Geitner ist Erfinder der Trainingskonzepte "Be Strict", Dualaktivierung und Equikinetic.

CAVALLO-Online-Redakteurin CATHARINA KÖTHER reitet die Aufgaben mit ihrem 13-jährigen Wallach Leon für uns und gibt eine Einschätzung ab - was ist kniffelig, was bringt weiter?
Übung 1: Achterschlaufen durch die Ecken: Viertelvolten clever nutzen
Wenn du die Ecken richtig ausreitest, nimmst du damit automatisch jedes Mal eine Viertelvolte mit. Die Bande ist dabei eine tolle Unterstützung, die es dem Pferd erleichtert, die Kurve zu kriegen. Die Pylonen sind eine optische Hilfe für dich und dein Pferd.
Aufbau:
Stelle drei bis vier Pylonen entlang der beiden gegenüberliegenden Ecken an der kurzen Seite auf, hufschlag breit im Abstand zur Bande.

So reitest du:
Du reitest in Achter schlaufen entlang der kurzen Seite; ent weder "in die Ecke kehrt” (Grafik oben) oder "aus der Ecke kehrt” (Grafik unten) zur kurzen Seite. Die Linie entspricht einer liegenden Acht. Bei der Variante "in die Ecke kehrt” reitest du von der Mittel linie in die Ecke hinein und wendest danach auf gerader Linie in die nächste Ecke. Bei der Variante "aus der Ecke” beginnst du der Mitte der kurzen Seite, reitest aus der Ecke kehrt und auf gerader Linie in die andere Ecke hinein. An der gegenüberliegenden Ecke wiederholen. 32 Achterschlaufen aus der Ecke und in die Ecke Versuche, dein Pferd auf der Acht mit möglichst wenig Hilfen und leichter Zügelverbindung zu steuern. In den Ecken reitest du das Pferd über den inneren Schenkel an den äußeren Zügel. Am losen Zügel funktioniert die Übung in der Regel nicht in einer korrekten Biegung bzw. Stellung. Fortgeschrittene können diese Übung auch im Trab reiten.
Der Cathi-Check:
"Anfangs war es für mich noch ein bisschen knifflig, meine Hilfen zu koordinieren und mich und mein Pferd rechtzeitig von links nach rechts und umgekehrt umzustellen. Meinem Leon fiel die Übung zunehmend leichter, als ich mich besser sortieren konnte. Hier muss ich einfach noch flotter werden. Vor allem im Trab ist Konzentration gefragt, um gut durch die Kurven zu kommen – sowohl ich als auch mein Pferd waren ganz schön gefordert. Diese Übung finde ich richtig gut. Ich werde sie auf jeden Fall mit in mein Trainingsprogramm neh men. Der Aufbau ist schnell gemacht. Mit den Pylonen als optische Hilfen auf dem Boden haben ich und Leon die Linie besser im Blick. Das ist sehr hilfreich.”





