Rote Karte fürs Foul am Pferd
Manipulierte Pferde

Die Gier nach Ruhm oder Geld tragen Reiter allzu oft auf dem Rücken der Pferde aus. Und längst nicht alle miesen Methoden sind verboten! Was auf den Turnierplätzen und hinter den Kulissen passiert – und wie wir die Tiere besser schützen.

Manipulation am Pferd
Foto: Lisa Rädlein

Barren, Elektrosporen, Blut im Maul – negative Schlagzeilen aus dem Reitsport reißen nicht ab. Im Gegenteil! Ein Video von Springreiter-Ikone Ludger Beerbaum löste erst Anfang des Jahres eine Diskussion über den Unterschied zwischen erlaubtem Touchieren und verbotenem Barren aus. Dressur-Queen Isabell Werth wurde beim CHIO in Aachen im Juli dieses Jahres abgeklingelt, weil ihr Hengst Quantaz im Maul blutete. Und US-Springreiter Andrew Kocher wurde vom FEI-Tribunal im vergangenen Jahr für zehn Jahre gesperrt, weil er Pferde im Parcours mit Elektrosporen schockte.

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Sind das nur Einzelfälle, auf die sich die Medien gerade stürzen? Mit welchen Mitteln kitzeln Reiter aus Sportpferden mehr Leistung heraus? Wir haben uns umgehört, wie und wo in der Dressur-, Spring- und Westernszene Pferde manipuliert werden, was die Reiter dazu treibt und was jeder Einzelne von uns tun kann, um misshandelten Pferden eine Stimme zu geben.

Ansporn zur Höchstleistung

Auf einem Abreiteplatz für die Teilnehmer einer S-Dressur gibt es keinen Reiter, der nicht gespornt und mit Gerte in der Hand auf dem Pferd sitzt. Warum auch nicht? Diese Hilfsmittel können in einzelnen Momenten helfen, die Reiterhilfen zu unterstützen. Doch: Sporen muss man sich verdienen. Oder nicht? In der Leistungsprüfungsordnung (LPO) der FN sind ab Klasse E Sporen bis zu einer Länge von 4,5 Zentimetern inklusive beweglicher Rädchen erlaubt, sofern der Dorn horizontal oder nach unten zeigt und sie "bei normaler Anwendung" nicht geeignet sind, Stich- oder Schnittverletzungen zu verursachen". Bei ihrem Besuch eines ländlichen Dressurturniers warf Redakteurin Nadine Szymanski auch einen Blick auf einen Abreiteplatz für Starter in niedrigeren Klassen: Sporen an den Stiefeln waren Standard.

Sporen auch noch aufzurüsten, um ihnen noch mehr Nachdruck zu verleihen, ist besonders hinterhältig. Nach dem deutschen Tierschutzgesetz sind Elektrosporen ausdrücklich verboten (§ 3 Nr. 11). Kocher, der die Vorwürfe bestritt, soll sich übrigens im Oktober beim Sportgerichtshof CAS äußern.

Manipulationen und Gewalt im Sport sind natürlich keine neuen Erscheinungen. Viele dürften sich an den Skandal im Jahr 1990 erinnern. Da kam ans Licht, dass Springreiter Paul Schockemöhle den Pferden Stangen vor die Beine schlug. Diese Methode, Barren genannt, wurde daraufhin von der FN verboten – und geriet in Vergessenheit. Wäre nicht unlängst sein Kollege Ludger Beerbaum gefilmt worden, wie er scheinbar die gleiche Praktik anwendete – er nannte es Touchieren. Zwei Monate später strich die FN auch das Touchieren als erlaubte Trainingsmethode aus ihrem Regelwerk – angeblich allerdings ohne Bezug zum Beerbaum-Fall.

Manipulation am Pferd
Zocha-K/gettyimages
„Das Barren von Springpferden ist seit 1990 verboten. Das FN-Regelwerk erlaubte allerdings das „fachgerechte Touchieren“. Dies ist nun ebenfalls untersagt – wie schon vorher auf FEI-Ebene.

Höher, schneller, weiter – weil es weh tut. In vielen großen Springställen sei es üblich, den Pferden scharfe Gegenstände unter die Gamaschen zu stecken, berichtet uns eine Informantin. Kronkorken etwa sollen das Pferd, wenn es eine Stange berührt, schmerzhaft ermahnen, beim nächsten Mal die Beine höher zu nehmen. Wer auffliegt, muss immerhin mit Konsequenzen rechnen: Im Herbst 2021 wurden spitze Gegenstände in den Gamaschen eines Springpferds entdeckt. Die FEI ordnete für den Reiter eine zweijährige Sperre und eine Geldstrafe an.

Auch in der Westernszene ist Equipment Marke Eigenbau im Einsatz. Ein Beispiel schildert uns die Besucherin eines internationalen Turniers im bayerischen Kreuth: Ein Pleasure-Pferd wird mit überlangen Sporen traktiert, die im rechten Winkel unterm Pferdebauch enden. "So sind die Wunden, die dem Pferd zugefügt wurden, nicht zu erkennen", vermutet die Frau, die diese Szene in einer abgesperrten Halle durch einen Türspalt beobachten konnte. "Es gibt dort mehrere Abreitehallen", berichtet sie, "die Trainer für sich reservieren können." Doch das arme Tier litt nicht nur unter Sporen. Seine Hinterbeine waren mit Schnüren an den langen Shanks (Schenkeln) der blanken Kandare befestigt. Bei jedem Schritt und Tritt zog es sich so selbst den Unterkiefer auf die Brust. Denn der Kopf soll in der Prüfung ja unten bleiben...

Bei einem mehrtägigen Reining-Turnier, ebenfalls in Kreuth, war Dressurausbilderin Sabine Ellinger schockiert von Kollegen der Westerndressurszene. Sie sah Pferde, die sich wie Maschinen bewegten. "Sie wirkten total resigniert, wie tot. Das ist für mich erlernte Hiflosigkeit in Perfektion", sagt Sabine Ellinger. Die Strategie der meisten Reiter sei gewesen, die Pferde durch ständig wiederholte Manöver und stundenlanges Abreiten so müde zu machen, dass die Tiere es nicht mehr wagten, sich zu wehren.

Erlaubt ist das alles auf deutschem Boden nicht: Nach dem Tierschutzgesetz ist es verboten, an einem Tier im Training oder bei sportlichen Wettkämpfen oder ähnlichen Veranstaltungen Maßnahmen anzuwenden, die mit erheblichen Schmerzen, Leiden oder Schäden verbunden sind und die die Leistungsfähigkeit von Tieren beeinflussen können.

Wenn es um Kopf und Kragen geht

Zwischen den Trainingseinheiten gibt es für manche Westernpferde keine Erholung: Einigen von ihnen wird in der Box der Kopf mit einem Seil nach oben an die Decke gebunden. Sowohl Sabine Ellinger als auch unsere andere Informantin haben diese Praktik in Kreuth gesehen. Der perfide Sinn: Die Pferde tragen am nächsten Tag in der Prüfung Kopf und Hals gewünscht tief.

Abenteuerliche Ausbindezügel und Zäumungen mit langen Hebeln und Knebeln sind auch im Springsport gang und gäbe. Da gibt es nichts zu verheimlichen: Ab Klasse M ist in den Disziplinen Springen und Vielseitigkeit eine "beliebige Zäumung" erlaubt. Manche der Pferde erinnern an verschnürte Pakete: Springreiter dürfen ab Klasse M mit Schlaufzügeln abreiten, jedoch damit keine Hindernisse überwinden. Das hält jedoch nicht jeden davon ab, im Training genau das zu tun. In einem Springstall nahe Stuttgart beobachtete CAVALLO-Redakteurin Nadine Szymanksi selbst diese Praktik. "Schlaufzügel sind in der Szene normal", berichtet eine ehemalige Springreiterin. "Manche Pferde werden vierbis fünfmal am Tag mit Schlaufzügeln longiert. Die Pferde sollen dadurch gezwungen werden, ihren Rücken nicht wegzudrücken."

Die Rollkur in der Dressur ist nicht weniger perfide. Reiter, die ihr Pferd eng einstellen, aktivieren den Kopf-Arm-Muskel des Pferdehalses, der die Vorderbeine hochzieht – und dürfen mit weniger Unmutsbekundungen ihrer Pferde rechnen, weil die Tiere in ihrer Hilflosigkeit resignieren, wie Pferdewissenschaftlerin Dr. Kathrin Kienapfel 2011 mit einer Studie belegte. Erlaubt ist das "Low-Deep-Round" beim Abreiten auf internationalen Turnieren maximal zehn Minuten lang. Die "Leitlinien für Tierschutz im Pferdesport" des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft geben hier eigentlich keinen Spielraum: Das systematische Einrollen des Pferdehalses führe zu erheblichen Schmerzen und sei damit tierschutzwidrig.

Spritzen, die Wunder wirken

Dass Pferde medikamentös gefügig gemacht werden, ist keine Seltenheit. "In Österreich ist es üblich, Jungpferde in der Anreitephase zu sedieren. Die Tiere werden bis zu einem halben Jahr lang ruhiggestellt," erzählt uns eine österreichische Turnierreiterin, die dort in namhaften Ausbildungsställen verkehrt. Sogar im Freizeitbereich wird das Sedieren verharmlost: Jüngst warb eine Reiterin auf Instagram dafür, weil ihr Pferd sich weniger aufregen müsse und sich besser konzentrieren könne. User zeigten sie beim Veterinäramt an.

Und auch in Deutschland wird gespritzt: Doping, wird uns berichtet, macht man zum Teil ganz ungeniert auf der Stallgasse am helllichten Tag. Mit den gleichen verharmlosenden Argumenten wie die Reiterin auf Insta.

Manche Doping-Methoden haben eine lange Tradition – und kommen ohne Nadeln oder Pulver aus: Wasserentzug! Reiter, die einen Tag vorm Turnier feststellen, dass sie ihr Pferd kaum halten können, stellen es übers Dürsten ruhig. "Das ist tierschutzrelevant", betont Amtstierärztin Dr. Friederike Hänsch von der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz e. V. (TVT): "Wer seinem Pferd nicht erlaubt, seinen Durst zu stillen, verwehrt ihm ein existenzielles Grundbedürfnis. In einem solchen Zustand einen Parcours überwinden zu müssen, bedeutet eine hohe körperliche Belastung."

Zur medizinischen Manipulation gehört auch die Unterdrückung der Rosse, etwa durch Hormone oder in die Gebärmutter eingebrachte Glaskugeln oder Kunststoffbälle. Auch manche Hengste, die im sportlichen Einsatz schwer zu kontrollieren sind, werden chemisch kastriert, weiß Dr. Friederike Hänsch. Sie stellt klar: "Wer seinem Pferd ruhigstellende oder leistungsfördernde Medikamente zum Einsatz im Wettbewerb gibt, verstößt gegen das Tierschutzgesetz. Denn dem Tier wird dadurch eine Leistung abverlangt, der es ohne diese Mittel nicht gewachsen wäre." Vor diesem Hintergrund, betont Dr. Hänsch, kann es tierschutzrelevant sein, den Wirkstoff Altrenogest zur Rosseunterdrückung bei Stuten im Wettkampf einzusetzen. Bei der FN wird Altrenogest für Stuten als nicht dopingrelevant geführt.

Wenn der äußere Schein trügt

Was sich da rauskitzeln lässt? Auf einer Jungpferde-Auktion wohl die wichtigste Frage der Kaufinteressenten. Ein angehendes "Superpferd" verkauft sich gut, wenn schon die Optik viel verspricht. Damit junge Pferde früh "fertig" aussehen, kommt es vor, dass sie mit großen Mengen Kraftfutter, verbunden mit viel Training, hochgepäppelt werden, berichtet Dr. Hänsch. Die Folge: Wenn die Tiere zu schnell wachsen und zu früh zu stark beansprucht werden, leidet langfristig ihre Gesundheit.

Um angehende Sportpferde besser zu schützen, wurde daher in den Leitlinien für den Pferdesport dargestellt, dass Pferde frühestens ab zweieinhalb Jahren antrainiert werden dürfen. "In den beiden Jahren nach Einführung dieses Mindestalters hat bereits ein Umdenken stattgefunden. Es werden zwangsläufig mehr ältere Tiere vorgestellt als früher", beobachtet Dr. Friederike Hänsch. Der Arbeitskreis Pferde der TVT war an der Ausarbeitung der Leitlinien beteiligt.

Kleine Erfolge in kleinen Schritten

Regeln gibt es genug. Warum beachten manche Reiter sie nicht? Weil andere wegsehen. Richter müssen lernen, die Augen nicht mehr zuzudrücken. Und wir auch. Unsere Ansprechpartner: Die Übeltäter selbst – denn oft hilft schon ein offenes Wort. Oder der Steward auf dem Turnier. Oder das Veterinäramt. "Wir gehen jedem Fall nach", betont Dr. Hänsch. Ihr Tipp: Alles genau dokumentieren. "Dann können wir zielgerichtet kontrollieren und Rechtsverstöße nachweisen und ahnden."

Interview: Kann Ehrgeiz und Erfolg die Tierliebe auffressen?

Wie aus Pferdefreunden Monster werden, scheint unbegreiflich. Psychologin Prof. Andrea Beetz weiß, welche Kraft unser Ego hat.

Manipulation am Pferd
privat
Prof. Andrea Beetz ist Diplom-Psychologin und hat sich auf die Erforschung der Beziehung zwischen Mensch und Tier spezialisiert. www.hypnotherapie-erlangen.de

Prof. Dr. Andrea Beetz ist Diplom-Psychologin und hat sich auf die Erforschung der Beziehung zwischen Mensch und Tier spezialisiert. www.hypnotherapie-erlangen.de

CAVALLO: Mit einem unfairen Schlag oder Sporenstich fängt es eigentlich schon an. Und das passiert jedem Reiter mal – auch wenn er es hinterher bitter bereut. Wie entsteht dieser Druck?

Prof. Dr. Andrea Beetz: Viele Reitanfänger haben anfangs ganz utopische Vorstellungen. Ich formuliere es mal sehr zugespitzt: Sie möchten mit ihrem Pferd am liebsten ohne Sattel und Gebiss durch die Mondscheinnacht galoppieren. In den ersten Reitstunden merken sie dann aber, dass alles gar nicht so einfach ist und die pure Harmonie nicht von alleine kommt. Dass man mal aus Frust ungerecht wird, ist einfach menschlich. Schwierig wird es jedoch, wenn ein Reiter lernt, dass es notwendig ist, nicht so nette Dinge zu tun, um seinem Ziel näher zu kommen.

Und wie ist das dann mit dem eigenen Gewissen und der Liebe zum Tier zu vereinbaren?

Es entsteht zunächst ein innerer Zwiespalt. Eigentlich fühlt die Person, dass es nicht richtig ist, aber auf der anderen Seite sieht sie, dass andere zu den gleichen Mitteln greifen. Dann beginnt ein ganz menschlicher Vorgang: das Normalisieren. Die Person findet Ausreden, um alles zu verharmlosen. Zum Beispiel, dass es ja nicht so schlimm ist, ein Pferd zu schlagen, weil die Tiere untereinander ja auch nicht zimperlich miteinander umgehen.

Kann jeder so fies zu seinem Pferd werden oder ist das Typsache?

Das Machtmotiv steckt in jedem von uns: Wer den besten Status hat, hat die meisten Privilegien. Wir Menschen profilieren uns aber in unterschiedlichen Bereichen. Die einen im Job, die anderen im sozialen Bereich und einige eben im sportlichen Wettkampf. So kommt es, dass viele Reiter es nur genießen, eine schöne Zeit mit ihrem Pferd zu verbringen, manche aber den Wunsch haben, etwas besonders Tolles mit ihrem Pferd zu machen und besser als andere zu sein.

Gibt es einen Weg zurück zu fairem Reiten?

Wer das Problem für sich erkannt hat, kann lernen, seine Emotionen zu kontrollieren und sich zu entspannen. Das führt schnell zu einem Erfolgsgefühl, weil Reiten wieder harmonischer und leichter wird. Oft sind Reiter, die Dinge hinterfragen und ändern möchten, aber plötzlich Außenseiter in ihrem Stall oder in ihrer Reitergruppe. Soziale Isolation können wir nur schwer ertragen. Es erfordert viel Mut, gegen den Strom zu schwimmen und sich eine neue Gruppe Gleichgesinnter zu suchen.

CAVALLO vor Ort: Abreiten mit Händen und Füßen

Auf einem ländlichen Dressurturnier mischt sich CAVALLO-Redakteurin Nadine Szymanski unter die Zuschauer. Wie werden die Pferde dort auf eine S-Prüfung vorbereitet?

Manipulation am Pferd
privat
Alles im Blick: CAVALLO-Redakteurin Nadine Szymanski beobachtet, ob die Pferde fair abgeritten werden.

35 Grad im Schatten, die Sonne brennt. Gleich startet eine Dressurprüfung der Klasse S, 21 Starter sind gemeldet, 17 treten an. Mich interessiert heute nicht, was im großen Viereck passiert, sondern davor: Wie motivieren die Reiter ihre Pferde zu Höchstleistungen? Gelingt ihnen das nur mit feinen Hilfen? Wie oft drücken sie die Sporen in den Pferdebauch und wie eng machen sie die Pferdehälse?

Immerhin: Extrem großes Reiten und dauerhafte Rollkur beobachte ich nicht. Ein besonderes Highlight, zum Beispiel ein zufriedenes und losgelassenes Pferd unter einem feinfühligen Reiter, aber auch nicht. Die durchweg mit viel Vermögen und bedeutenden Dressurvererbern im Pedigree ausgestatteten Pferde bemühen sich, die Forderungen ihrer Lotsen bestmöglich umzusetzen, ohne sich zu wehren. Doch ich beobachte ihre leisen Verzweiflungsschreie: schraubende Schweife, angelegte Ohren und gekräuselte Nüstern, spannige Tritte und feste Rücken. Was mich erschüttert: Auf meinen Fotos sehe ich grobe Einwirkungen der Reiter auf ihre Sportpartner, die ich mit bloßem Auge kaum wahrnehme: Sporen im Pferd und rückwärtsziehende Hände – auf fast jeder Aufnahme. Und zwar nicht in den Momenten, in denen eine verstärkte Hilfengebung zu erwarten wäre. Viele dieser "Hilfen" wirken eher automatisiert statt gezielt eingesetzt.

Wer außer mir guckt sonst noch genauer hin? Hinter der kurzen Seite des Platzes sitzt eine Person in einem Richterhäuschen, die ich von meinem Standort an der langen Seite aus kaum erkennen kann. Auch wenn hier nicht eingeschritten werden musste, frage ich mich, wie viel von dort aus überhaupt zu sehen ist. Und was erkennen die Ausbilder der Teilnehmer? Manche der offensichtlich überwiegend sehr jungen Reiterinnen haben ihre Trainer dabei. Ich lausche einem Coaching: "Abspielen, abspielen, abspielen", höre ich, gefolgt von dem Tipp "zuerst vorne, dann hast du gleich mit der Anlehnung kein Problem mehr". Als die Trainerin daraufhin immer in den Momenten lobt, in denen das ohnehin schon zu eng eingestellte Pferd sich fast in die Brust beißt, traue ich meinen Ohren kaum.

Alte Hasen sind auch unter den Pferden kaum vertreten. Das älteste Tier ist 16-jährig, das jüngste achtjährig, vier Pferde sind unter zehn Jahre alt. Junge Pferde und ein Training, das auf schnell sichtbare Erfolge abzielt: Das passt nicht zusammen. Kein Wunder, dass das ohne Stechen und Ziehen nicht geht.

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Erscheinungsdatum 23.11.2022

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