8 Übungen für mehr Rittigkeit

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Foto: Schuschkleb 9 Übungen für mehr Rittigkeit

Besser biegen: Wendung in der Schlange

Damit ein Pferd seinen Körper gleichmäßig trainiert und die natürliche Schiefe überwindet, muss der Reiter es biegen. Die Schlange ist eine clevere Kombination aus zwei Wendungen und einem Handwechsel, in der das wie von selbst gelingt: „Das Pferd richtet beim Handwechsel die Schultern in die neue Wendung, muss sich wieder neu ausbalancieren und wird im Rumpf weich“, erklärt Ausbilderin Nina Schmitz (www.pferdvertraut.de). „So lernt es, seine natürliche Schiefe zu überwinden und bleibt mit Hilfe der Stangen zudem schön im Takt.“

Bevor die Trainerin ein Pferd in eine Reihe auf gebogenen Linien schickt, legt sie zunächst vier, dann acht Stangen gleichmäßig auf einen Zirkel. Absolviert das Pferd den Stangenkreis beidhändig sicher, legt Nina Schmitz die Schlange aus zwei fächerförmigen Kreisen mit insgesamt neun Stangen in den Sand. Dann übt sie die Wendungen beidhändig in Schritt und Trab.

Tipp der Trainerin: „Erhöhen Sie den Anspruch bei fortgeschrittenen Pferden, indem Sie die Abstände variieren.“ Reiten Sie dazu mal mehr außen oder mal weiter innen auf der Schlangenlinie. Auch ein- oder beidseitige Erhöhungen der Stangen sind eine gute Möglichkeit, Aufmerksamkeit und Koordination des Pferds zu schulen.

Weiche Übergänge und Tempowechsel im Parallel-Slalom

Im Slalom durch und über Stangenreihen können Sie Tempounterschiede im Trab mit Wendungen und Übergängen kombinieren.

„Das stärkt den Motor des Pferds, so dass es besser antreten und sich setzen kann“, sagt Working-Equitation-Ausbilderin Angelika Graf (www.angelikagraf-verlag.de).

So geht’s: Bauen Sie einen Slalom aus drei Slalomstangen, Pylonen oder Hindernisständern auf. Die Wege von einem Element zum anderen säumen Sie jeweils rechts und links mit einem Cavaletti. Stellen Sie die Bodenricks in gleichmäßigem Abstand so auf, dass eine gerade Trabreihe entsteht.

Reiten Sie nun um das erste Slalomelement zwischen die ersten zwei Cavalett. Stoppen Sie Ihr Pferd und richten Sie es ein paar Schritte rückwärts, damit es sich besser setzt. Nun antraben, aussitzen und in einer halben Volte ums nächste Slalomelement. Im Leichtrab zum nächsten Element reiten, wieder aussitzen und das Pferd in die nächste halbe Volte steuern. „Fortgeschrittene Pferd können in der Wendung auch im Schulterherein geritten werden“, sagt Angelika Graf.

Nach jedem Slalom lassen Sie Ihr Pferd über die Cavaletti traben und sich dehnen. Diese Abfolge sollten Sie maximal 2-3 Mal am Stück wiederholen, damit Ihr Pferd nicht ermüdet.

Die Ecke für eine feine Verbindung

Pferdetrainerin Daniela Schinko (www.hippovital.at) nutzt Gymnastikreihen für fixe Wechsel aus Geradeaus und Biegen – verbunden mit wohligem Dehnen über den Stangen.

Grundelement ist ein L aus zwei Stangen, die Schinko mit zwei Reihen aus je zwei weiteren Trabstangen ergänzt. Für erfahrene und fitte Pferde können Sie diese Reihen auch noch um ein bis zwei Stangen verlängern.

Reiten Sie im Schritt im Slalom um die Stangen einer Reihe. Traben Sie nun über die erste Reihe, dann im Schritt Slalom durch die andere Reihe, und zuletzt im Trab darüber.

Mit etwas Übung stellen und biegen sich Pferde leicht in die neue Richtung; zwischen den Stangen richten sie sich gut gerade. Das erlaubt eine feine Verbindung zur Reiterhand und schult die Koordination.

Sollte Ihr Pferd beim Wenden mit Vor- oder Hinterhand ausbrechen, führen Sie den inneren Zügel vor dem Widerrist zur Schulter, den äußeren leicht öffnen. So bleibt es in Balance.

Über den Trabstangen schicken Sie Ihr Pferd in die Dehnung, damit es den Rücken wölben kann. Für mehr Kraft können Fortgeschrittene in und um die Gassen Gangartenwechsel oder Seitengänge einbauen.

Mehr Gleichgewicht mit Blau und Gelb

Mit einer cleveren Kombi aus blau-gelben Stangen oder Kanthölzern sorgt Westerntrainerin Uschka Wolf (www.uschka-wolf.de) dafür, dass beide Körperhälften des Pferds gleich gefordert werden. „Pferde können Blau und Gelb besonders gut sehen“, erklärt sie. „Liegen die Elemente farbig abwechselnd in unterschiedlichen Abständen (1 bis 2 Meter) im Sand, können Pferde sich dazwischen und darüber gut orientieren, ausbalancieren und konzentrieren.“ Für diese Spezial-Reihe benötigen Reiter sieben gelbe und fünf blaue Stangen. Sie werden so platziert, dass Reiter in vielen Varianten und in jeder Gangart durch sowie über die Elemente reiten können.

Mögliche Wege: Steuern Sie Ihr Pferd im Schritt in großen (beige) oder kleinen Schlangenlinien (grau) über die Gassen. Letztere können Sie mit Volten (grau gestrichelt) ergänzen. Sobald das Pferd die Aufgaben ohne Stocken oder Hängenbleiben bewältigt, wiederholen Sie diese im Trab. Schicken Sie es seitwärts über eine Stange, bauen Sie über den 90-Grad-Winkeln zweier Stangen Vor- und Hinterhandwendungen ein. Üben Sie Trab-Galopp-Übergänge in großen Bögen. Fördern Sie die Versamlungsfähigkeit im Galopp durch engeres Abbiegen und kleinere Bögen um und über die Elemente. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Gerade und gebogene Reihen in allen Gangarten

Ein effektives Ganzkörpertraining ist die Kombi aus geraden und gebogenen Reihen, wie Pferdeosteotherapeutin Anne-Louise Haas (www.equusenergespferdeosteotherapie.ch) sie gerne aufstellt.

Der Clou: In dieser Kombi sind alle drei Gangarten gefragt, so dass sich Ihr Pferd automatisch in jeder verbessert: Es findet den richtigen Rhythmus, lässt los, kommt in Balance und wird zunehmend kräftiger sowie beweglicher. So geht’s: Der Stangenparcours besteht aus einer Schrittstrecke mit vier Stangen, einer im Trab gerittenen Schlangenlinie und einer Galoppreihe aus ein bis mehreren Hindernissen.

„Über den Schrittstangen trainiert das Pferd vor allem Bauchmuskeln und muss seine Beine bewusst kontrolliert aufsetzen“, erklärt Haas. „Auf der gebogenen Trabstrecke mit Wendung lernt es, sich an die Hand zu dehnen und zu biegen. Die Galoppreihe stärkt Rücken und Hinterhand.“

Üben Sie zunächst jedes Element einzeln, bis Ihr Pferd jede Aufgabe konzentriert und ruhig meistert. Dann können Sie die Elemente miteinander verbinden. Ziel ist es, alle drei flüssig hintereinander zu reiten – ohne aus dem Takt zu kommen.

Mehr Kraft durch In-and-Out

Ein klasse Gymnastikreihe für starke Rücken- und Bauchmuskeln sind kleine Hindernisse ohne Galoppsprung dazwischen (In-and-Outs).

„Pferde bekommen damit schnelle Reaktionen, verbessern Beintechnik und Flugkurve, was Konzentration und Geschicklichkeit fördert“, sagt Vielseitigkeits-Olympiasiegerin Ingrid Klimke (www.ingrid-klimke.de).

Die einzelnen Sprünge sollten niedrig und gleich hoch aufgebaut werden. Die Zwischenabstände betragen jeweils 3 Meter. Als Absprunghilfe dient ein niedriges Cavaletti oder eine Stange 2,2 (Trab) bis 3 Meter (Galopp) vor der Reihe.

Damit Ihr Pferd dem fixen Wechsel zwischen Landung und Absprung gewachsen ist, sollte es sich bereits losgelassen und mit schwingendem Rücken bewegen können. Unerfahrene Pferde führen Sie mit zwei hochgestellten Cavaletti oder Kreuzen an In-and-Outs heran. „Kreuze haben den Vorteil, dass sie das Pferd erziehen, die Mitte des Hindernisses zu treffen.“

Reihen Sie nie mehr als fünf Sprünge hintereinander, um Ihr Pferd nicht zu überfordern. Lassen Sie bei ungeübten Pferden auch mal ein Kreuz in der Reihenmitte weg, dann können sie einen Galoppsprung zur Erholung machen.

Reiten Sie die Reihe zunächst aus dem Trab. Aus dem Galopp werden die Abstände fürs Pferd enger: Es muss vermehrt unter den Schwerpunkt springen und sich kraftvoller abdrücken.

Geschick und Ruhe mit optischer Hilfe

Damit ein Pferd ruhig und mit der richtigen Technik springen lernt, kombiniert Ausbilderin Sibylle Wiemer (www.sibyllewiemer.de) Sprünge und Dualgassen.

Grundelemet ist ein V aus je einer blauen und gelben Dualgasse. Es führt Pferde sicher zur Mitte des Sprungs; zudem verbessern die blaugelben Impulse Rückentätigkeit und Beinaktivität.

Die hier gezeigte Reihe startet mit drei Trabstangen, sodass Ihr Pferd gleich im richtigen Takt und Tempo bei den darauf folgenden Hüpfern ankommt. Nach 2-3 Metern (je nach Größe des Pferds) folgen zwei In-Outs (Zwischenabstand 2,5 bis 3,5 Meter), auf denen Wiemer jeweils ein blau-gelbes V platziert. Die Schaumstoffstangen bilden eine klare optische Führung. Sie helfen den Pferden so, gerade und sicher über die Kombi zu kommen.

Soll Ihr Pferd sich beim Springen besser strecken, folgt nach 6,5 bis 7,2 Metern ein Oxer oder eine Trippelbarre. Soll es sich besser vor einem Sprung sammeln, rät Wiemer am Reihenende zu einem höheren Steilsprung.

Mit Kleeblatt locker zur Versammlung

Mit fortschreitender Ausbildung geht es auf die Versammlung zu – für Pferde ein enormer Balanceakt. Dressurausbilderin Sabine Ellinger (www.dressur-design.de) hat eine pfiffige Lösung, um Pferden mehr Kraft und Geschick zu verschaffen: ein Kleeblatt aus vier gebogenen Trabreihen und vier Kreuzsprüngen. Je weiter auseinander die Elemente stehen, desto größer die Wendungen und umso niedriger der Anspruch.

Traben Sie auf ein beliebiges Kreuz zu, galoppieren Sie danach bis zum Wendepunkt, wo Sie zum Trab durchparieren und in die neue Bewegungsrichtung stellen. Traben Sie über die Stangen, die Sie automatisch zum nächsten Sprung führen und so weiter. „Die Trabreihen lockern und verbessern die Längsbiegung“, erklärt die Expertin. „Die Sprünge lösen die Rückenmuskeln.“

Da jeder Hüpfer aus einer Wendung angeritten wird, lernen Pferde, mit den Hinterbeinen aktiv und höher unter den Schwerpunkt zu fußen. Im darauf folgenden Übergang zum Trab und in die nächste Wendung nimmt das innere Hinterbein mehr Last auf. Das stärkt Pferde und animiert sie, taktsicher über die nächste Reihe zu traben.

Nachdem Sie das Kleeblatt einmal umrundet haben, wechseln Sie die Hand. So werden Pferde beidhändig locker und überlasten keine Seite. „Ein Handwechsel kann auch entspannen, sollte es auf einer Seite mal nicht so gut klappen.“

Wichtig: Traben Sie in den Reihen leicht. Pferde ab L-Niveau können Sie aussitzen und etwas weiter innen reiten. „Hier sind die Abstände enger, was dem verkürzten Gang im versammelten Trab entspricht.“

Klappt das Kleeblatt beidhändig flüssig, beenden Sie das Training; spätestens aber nach vier Durchgängen, um Ihr Pferd nicht zu überfordern. Stockt es, üben Sie jedes Element in Ruhe nochmal einzeln auf beiden Händen.

Tipp mit Töpfchen

Sie haben Stangen, aber keine Cavaletti im Stall? Kreative Reiter basteln sich einfach selber welche. Eine günstige und beliebte Alternative ist zum Beispiel das Kinder-Töpfchen „Lilla“ von Ikea (etwa 2,50 Euro). Es eignet sich für niedrige Cavaletti und ist handlich im Aufbau.
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