Horsemanship: Von Maultieren lernen

Maultiere sind schlau

Halb Pferd, halb Esel: Maultiere sind ein cleverer Mix. Und eine echte Herausforderung für die erfahrene Ponyreiterin.
Foto: Lisa Rädlein CAVALLO Muli Maultiere reiten

Als Cathrin Flößer kurz abgelenkt ist, geht Shetty-Muli Merle sofort eigene Wege.

Fohlen? Fehlanzeige. Mulistuten sind selten fruchtbar, Mulihengste immer unfruchtbar. Bei der Kreuzung entsteht eine ungerade Chromosomenzahl, weshalb meist keine Geschlechtszellen gebildet werden. Der Sexualtrieb ist dennoch da, so dass die Hengste kastriert werden sollten.

Meine erste Muli-Bekanntschaft mache ich mit Merle, deren Mama ein Shetty ist. Bei ihr lerne ich gleich am Putzplatz die äußerlichen Unterschiede zum Pferd kennen. Denn die Ohrenlänge ist längst nicht alles, was anders ist.

Maultiere haben eher runde Kastanien; manche vier, andere nur zwei an den Vorderbeinen – wie ihre Eselväter. Mulihufe sind im Verhältnis zum Körper kleiner und ovaler als Pferdehufe. „Damit können Mulis prima auf schmalen Wegen balancieren“, erklärt Julia Krüger. Besonders trittsicher sind Mulis auch dank einer vergleichsweise steilen Schulter. Außerdem sind Mulihufe in der Regel steinhart, so dass die meisten Tiere im Gelände ohne Hufschutz auskommen.

Daneben fällt mir die lange Schweifrübe und eine eher dachförmige Kruppe auf – das Erbe der Esel. Und genau wie die Grautiere haben Mulis eine eher problematische Sattellage. Deshalb stattet Julia Krüger einige Langohren trotz Maßsattel mit einem Hintergeschirr aus. Auch die Gurtlage muss die Muli-Expertin besonders beobachten. Denn Mulis haben wie Esel zwar eine dickere Haut als Pferde, was sie noch unempfindlicher gegen Sonne und Kälte macht. In der Sattel- oder Gurtlage brechen im Winter oder bei starker Beanspruchung jedoch immer wieder Haare ab.

18.10.2016
Autor: Cathrin Flößer
© CAVALLO
Ausgabe 10/2016