Freiarbeit fürs Reiten

2. Freiarbeit für mehr Losgelassenheit

Foto: Lisa Rädlein

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Losgelassenheit bezeichnet in der (Reit)ausbildung die physische und psychische Entspannung des Pferds.

Zeichen für ein losgelassenes Pferd sind etwa ein entspannter Gesichtsausdruck, ein pendelnder Schweif und fließende Bewegungen mit leisem Auffußen. In der Freiheitsdressur zeigt sich besonders deutlich, ob das Pferd losgelassen ist, oder ob Angst und Anspannung im Weg stehen. Denn nur, wenn es losgelassen ist, wird es dem Menschen gerne folgen.

Wichtig sind dafür ein kleinschrittiges Vorgehen und eine logische Reihenfolge der Übungen analog zur Reihenfolge der Reitpferde-Ausbildung gemäß der klassischen Lehre. Die Freiarbeit schult zudem den Menschen darin, auf die eigene Losgelassenheit in Körpersprache und Körperhaltung zu achten.

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Dehnung in die Tiefe

Die Dehnung in die Tiefe abrufen zu können, ist bei der Freiheitsdressur ebenso wichtig wie beim Reiten. Wer dies am Boden erarbeitet, hat es vom Sattel aus deutlich leichter.

Besonders Pferde mit hoch angesetztem Hals tragen diesen oft zu hoch. Dadurch drücken sie den Unterhals heraus und den Rücken weg, die Hinterhand kann nicht mehr untertreten. Solche Pferde profitieren von den Übungen besonders.

Üben Sie das Kopfsenken

Stellen Sie sich dazu am Zaun etwa auf Schulterhöhe innen neben Ihr Pferd. Üben Sie mit Daumen und Zeigefinger am Genick des Pferds einen leichten Impuls aus (Foto). Weicht es dem Druck etwas nach unten aus, nehmen Sie diesen sofort weg. Mit weiterer Übung wird das Pferd den Hals ganz nach unten langmachen.

Reagiert das Pferd nicht, nehmen Sie Halfter und Strick und weisen durch leichten Zug gleichzeitig den Weg nach unten. Weiß das Pferd gar nicht, was es tun soll, locken Sie es einmal mit einem Leckerli in die Tiefe. Hat es verstanden, wenden Sie das Leckerli nicht mehr an, damit das Pferd zur Ruhe kommen kann.

Mit der Zeit reicht oft eine angedeutete Handbewegung nach unten, damit das Pferd den Kopf senkt. Verstärken Sie den Impuls zur Dehnung, indem Sie sich selbst etwas nach unten beugen.

Foto: Lisa Rädlein CAVALLO Auf die klassische Tour

Leichter Druck am Genick oder das Bewegen des Mähnenkamms zum Kopfsenken.

Zum Kopfsenken in der Bewegung

kann später das Herunterbeugen und ein Herunterweisen mit der Hand ausreichen, um dem Pferd den Weg in die Tiefe zu zeigen (Foto). Versteht Ihr Pferd das als Spielaufforderung und schnappt nach Ihrer Hand, schieben Sie das Maul schon im Ansatz des Schnappens ruhig, aber bestimmt mit der Hand weg.

Das Dehnen können Sie auch einbauen, wenn eine andere Lektion nicht klappt. So wirken Sie Verspannungen entgegen. Das Dehnen in die Tiefe kann auch dann helfen, wenn ein Pferd durch eine besonders schwungvolle Lektion oder äußere Einflüsse in Aufregung geraten ist und im Wortsinne wieder „herunterkommen“ soll. Das Kopfsenken ist das beste Mittel dazu.

Foto: Lisa Rädlein CAVALLO Auf die klassische Tour

Handzeichen in Bewegung.

24.12.2018
Autor: Natalie Steinmann
© CAVALLO
Ausgabe 12/2018