Boden-Check für die Koppel Lisa Rädlein

Boden-Check für die Koppel

Nass, sauer oder verdichtet? Boden-Check für die Koppel

Nur auf einem guten Boden kann auch etwas Gutes wachsen. Dieser Koppel-Check ist ganz schön tiefgründig!

Haben Sie auf der Weide Ihres Pferds schon mal nach unten geschaut? So ganz genau? Es lohnt sich! Denn bekanntlich ist man ja, was man isst. Dieses Sprüchlein gilt nicht nur für Ihr Pferd, sondern auch für das Grünzeug unter seinen Hufen.

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Verdichtet, schattig sauer Wie steht es um Ihren Koppelboden?
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Das muss Einiges aushalten: Es wird abgegrast, getreten und als Toilette benutzt. Um gut nachwachsen zu können, muss es gut im Futter sein. Und hier kommen Sie ins Spiel – oder Ihr Stallbetreiber.

Boden-Check für die Koppel
Lisa Rädlein
Die Bodenanalyse ist das Zeugnis für die Weidepflege: gut oder schlecht?

Gräser und Kräuter ziehen ihre Nährstoffe aus dem Boden. Deshalb kann auf der Pferdeweide zum einen nur das wachsen, was der Boden hergibt. Zum anderen müssen dem Boden die Nährstoffe, die ihm durchs Abfuttern hungriger Grasfresser oder durchs Mähen entzogen werden, wieder zurückgegeben werden. Was also tun, damit die Weide überall schön grünen kann?

"Dauergrünland muss gepflegt werden", erklärt Dietbert Arnold, Sachverständiger für Pferdezucht und Haltung, der Pferdehalter in Sachen Grünlandmanagement berät. Auch die Pferdeweide gehört zum Dauergrünland. "Ist der Weideboden in einem schlechten Zustand, dauert es Jahre, bis er sich wieder erholt", betont der Experte. Doch so weit muss es ja nicht kommen – und wenn doch, können Sie etwas tun!

Vor dem Düngen kommt der Koppel-Check

Wer seinen Boden in einem guten Zustand halten möchte, muss ihn auch gut kennen. Es gibt zwar einige Faustregeln für die Koppelpflege, doch eine allgemeingültige Anleitung, wie eine Pferdeweide gedüngt werden soll, kann es nur nach einer Analyse geben. Erst, wenn Sie wissen, auf welchem Boden Ihre Pferde grasen, können Sie ihm und damit den Weidepflanzen, die dort wachsen, die richtigen Nährstoffe übers Düngen zuführen.

Boden-Check für die Koppel
Lisa Rädlein
Wenn Pferde auf einer nassen Wiese laufen, leidet die Bodenqualität enorm.

"Deshalb ist die Analyse des Bodens der erste wichtige Schritt für ein nachhaltiges Grünlandmanagement", so der Arnold. Und die beginnt mit einem Spaziergang auf der Koppel.

Zeigerpflanzen: Was wächst auf Ihrer Pferdeweide?

Pflanzen haben sich an unterschiedliche Standorte angepasst. Auf sauren Böden finden Sie daher andere Gräser und Kräuter als auf kalkhaltigen Weiden. Deshalb können sie auch Zeigerpflanzen für den Boden sein, auf dem Ihre Pferde grasen:

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CAVALLO

Man ist, was man isst: Das gilt auch für Pflanzen. Ihre Nährstoffe ziehen sie aus dem Boden.

Boden-Check für die Koppel
CAVALLO

Tipp: Um die Pflanzen zu bestimmen, fotografieren Sie beim Rundgang die Kräuter und Gräser auf Ihrer Weide. Achten Sie darauf, dass auf den Fotos Blütenstand bzw. Ähren sowie die Blätter gut zu erkennen sind. Zu Hause können Sie die Bilder dann mit Online-Bilddatenbanken oder einem Bestimmungsschlüssel für Grünlandpflanzen abgleichen. Tipps zum Nachlesen finden Sie unter cavallo.de/weide.

Sicht- und Fingerprobe: Wie bestimmen Sie die Bodenart?

Bevor Sie eine Bodenprobe analysieren lassen, bestimmen Sie selbst, um welche Bodenart es sich handelt. Stechen Sie ein Stück Boden aus (siehe rechte Seite) und verreiben Sie eine teelöffelgroße Menge zwischen Daumen, Zeige- und Mittelfinger:

Sand (S): Einzelne Körner sind zu erkennen und zu fühlen. Kratzt, knirscht, nicht formbar.

Schluff (U): Boden bleibt in den Fingerlinien haften, Finger bleiben beim Reiben dunkelschmutzig. Stumpf, nicht form- und ausrollbar.

Ton (T): Sieht glänzend aus. Kann zu Würfeln geformt und/oder Würsten gerollt werden.

Lehm (L): Die wertvollste Bodenart, harmonisch gemischt aus Sand, Schluff und Ton.

Ist der Boden sehr trocken, feuchten Sie ihn vorher ein wenig an und reiben Sie ihn in den Fingern trocken. Meistens liegt eine Mischform der Bodenarten vor. Ein Grünlandboden enthält in der Regeln immer einen relativ hohen Humusgehalt. Schlussendlich bezeichnen Sie Ihren Boden dann zum Beispiel als "humosen, schluffigen Ton" oder "humosen, tonigen Schluff".

Boden-Analyse: Wie entnehmen Sie eine Bodenprobe?

Bodenproben (eine pro Koppel) können Sie zur Analyse an eine LUFA (Landwirtschaftliche Untersuchungs- und Forschungsanstalt) schicken. Sie erhalten innerhalb weniger Tage das Ergebnis mit Düngeempfehlung.

Kosten: 10 bis 20 Euro.

Info/Auftragsformular: zum Beispiel bei der LUFA NRW, www.landwirtschaftskammer.de

Equipment: Bohrstock für Acker und Grünland (erhältlich bei der LUFA NRW) und Bodenprobentüten (kostenfrei erhältlich bei beauftragter LUFA) bzw. Erdbohrer und Zip-Kunststoffbeutel, 10-Liter-Eimer, Spachtel.

So geht's:

  • Am Bohrstock auf Höhe von 10 cm eine Markierung anbringen (z. B. mit einem Kabelbinder). Bohrstock bis zur Markierung in den Boden stecken. Füllen Sie den Boden aus ca. 10 cm Tiefe in einen sauberen Eimer.
  • Entfernen Sie Wurzeln und Steine. Entnehmen Sie mindestens 30 weitere Einzelproben von verschiedenen Stellen: Koppel in zwei Diagonalen ablaufen und alle 3, 5 oder 10 Schritte (je nach Koppelgröße) Einzelproben entnehmen. Koppeleingänge, Raufen- oder Tränkenstandorte meiden.
  • Einzelproben mit Spachtel zu Ihrer Probe für die Weidefläche gründlich vermischen. Das Gemisch (300 bis 500 g) in die Bodenprobentüte füllen. Wasser- und abriebfest beschriften: Name und Adresse, Name der Parzelle, Bodenart, Nutzung (Dauergrünland) und Bezeichnung "Pferdeweide". Bodenprobentüte zusammen mit dem Auftragsformular (Grund- oder Standarduntersuchung ph, P2O5, K2O, MgO ankreuzen) an die LUFA schicken.

Düngeempfehlung: Auswertung der Bodenanalyse

Die Düngeempfehlung für Ihre Pferdeweide ist da. Und nun? Wofür die verschiedenen Pflanzennährstoffe gut sind und wie Sie diese in den Boden bringen.

Welche Nährstoffe braucht die Pflanze?

Kalk (CaO): "Grünlandboden werden immer saurer", weiß Dietbert Arnold, "deshalb müssen wir in der Regel Kalk einbringen, um die Säure abzupuffern." Ideal ist in vielen Fällen ein pH-Wert von 6 bis 7 (neutral). In saurem Boden werden zwar mehr Nährstoffe gelöst, aber die Nachteile überwiegen: Das Bodenleben (die wichtigen Mikroorganismen) nimmt durch die Säure ab. In der Folge wird weniger organische Masse in mineralische Masse umgewandelt, von der sich die Pflanze ernährt. Regelmäßiges Kalken kann auch dazu beitragen, dass die Wurzelatmung nicht eingeschränkt wird. So bleibt die Pflanze trockenresistenter und widersteht Dürrephasen leichter.

Stickstoff (N): Aus mineralischem Stickstoff bildet die Pflanze organisches Eiweiß – der Baustoff für Pflanzenzellen. Je mehr davon zur Verfügung steht, desto mehr Blattmasse bildet die Pflanze. Nachteile: Die Pflanzen enthalten auch mehr Eiweiß – keine gute Basis für die Pferdeernährung. Zudem speichern und verdunsten sie mehr Wasser. Dadurch haben sie eine weichere Struktur und liegen nach einem Regenguss platt auf dem Boden. Fazit: Ohne Stickstoff geht es nicht, aber zu viel darf es nicht sein. Bei einer Grunduntersuchung wird dieser Pflanzennährstoff jedoch nicht analysiert. Dietbert Arnold empfiehlt pro Jahr und Hektar 40 Kilo reinen Stickstoff zu düngen, aufgeteilt in 30 Kilo bei Wachstumsbeginn und 10 Kilo zum zweiten Aufwuchs.

Stickstoff (N): Aus mineralischem Stickstoff bildet die Pflanze organisches Eiweiß – der Baustoff für Pflanzenzellen. Je mehr davon zur Verfügung steht, desto mehr Blattmasse bildet die Pflanze. Nachteile: Die Pflanzen enthalten auch mehr Eiweiß – keine gute Basis für die Pferdeernährung. Zudem speichern und verdunsten sie mehr Wasser. Dadurch haben sie eine weichere Struktur und liegen nach einem Regenguss platt auf dem Boden. Fazit: Ohne Stickstoff geht es nicht, aber zu viel darf es nicht sein. Bei einer Grunduntersuchung wird dieser Pflanzennährstoff jedoch nicht analysiert. Dietbert Arnold empfiehlt pro Jahr und Hektar 40 Kilo reinen Stickstoff zu düngen, aufgeteilt in 30 Kilo bei Wachstumsbeginn und 10 Kilo zum zweiten Aufwuchs.

Was sagt die Düngeempfehlung aus?

Die LUFA teilt pro Nährstoff eine Versorgungsstufe zu, die den Düngebedarf bestimmt. Die Stufen reichen von A (sehr niedrig) bis F (extrem hoch). Das Ideal ist Stufe C: "Wenn der Nährstoff in dieser Stufe eingeordnet ist, können Sie sicher sein, dass Sie alles richtig gemacht haben", erklärt Dietbert Arnold. Die Düngeempfehlung der LUFA kann also wie ein gutes Zeugnis für die Koppelpflege sein. "Deshalb ist sie auch für Pferdehalter interessant, die ihre Tiere nicht in Eigenregie halten", betont er. Sein Tipp für Einsteller und solche, die einen Stallwechsel überlegen: Fragen Sie den Stallbetreiber, ob er die Grünlandböden beprobt hat und Sie das Ergebnis einsehen dürfen.

Goldene Dünge-Regeln

1. Düngeverordnung beachten: Pferdeweiden dürfen nur gedüngt werden, wenn vorher eine Bodenprobe analysiert und eine Düngeempfehlung erfolgt ist.

2. Witterung berücksichtigen: Düngen Sie nur, wenn das Grün auch wirklich wachsen kann. Außerhalb der Vegetationsperiode und während Trockenphasen belasten die Düngemittel ungenutzt das Grundwasser.

3. Menge bestimmen: Ein Sack Düngemittel enthält nicht zwangsläufig die gleiche Menge des angegebenen Nährstoffs. Die Bezeichnung des Nährstoffs auf dem Etikett muss mit dem aus Ihrer Düngeempfehlung übereinstimmen. Ist das nicht der Fall, rechnen Sie um (Beispiel Kalkbedarf: 1 kg CaO =1,78 kg CaCO3, 1 kg CaCO3 = 0,56 kg CaO).

4. Nicht zu viel düngen: Alle Pflanzennährstoffe nach Empfehlung der LUFA düngen. Große Imbalancen werden erst nach mehreren Jahren ausgeglichen. Stickstoff ist auswaschungsgefährdet: Jahres-Düngemenge von 40 kg N/Jahr und Hektar (10 000 m2) in mindestens zwei Gaben teilen.

5. Kunstdünger nicht scheuen: Organischer Dünger, der aus Gülle, Mist, Klärschlamm oder Gärsubstraten gewonnen wird, ist nicht selten mit Problemstoffen wie Antibiotika und multiresistenten Keimen belastet.

Bodenqualität: Den Boden richtig pflegen

Die Bodenart bestimmt nicht nur, wie Sie düngen, sondern auch, wie belastbar die Koppel bei unterschiedlichen Wetterlagen ist. "Sie müssen sich mit den Eigenschaften, die der Boden hat, so gut wie möglich arrangieren", erklärt Dietbert Arnold. Tonboden etwa kann Nährstoffe besser halten, wird bei Nässe aber sofort matschig. Sandboden ist stabil und verdichtet nicht so schnell, trocknet aber leicht aus, weil das Wasser versickert. Schluffiger Boden dagegen ist nicht stabil und weht oder schwimmt leichter weg. Damit Ihr Weideboden mit allen Herausforderungen gut zurechtkommt, sollten Sie ihn in Schuss halten.

Wie erhalten Sie eine gute Bodenqualität?

Verdichtung vermeiden: "Pferdehufe auf der nassen Wiese zerstören die schützende Grasnarbe und verdichten den Boden noch stärker als bei Trockenheit", so Arnold. Folgen: Pflanzen auf verdichteten Böden wachsen schlechter, weil weniger Sauerstoff zur Verfügung steht. Sie können nicht mehr so tief bis zum Wasser wurzeln und Nährstoffe weniger gut aufnehmen. Regenwasser sickert nicht mehr bis ins Grundwasser ab. Maßnahmen: Koppel nur mäßig walzen, wenig befahren, bei Nässe sperren und Pferde auf genügend großem, befestigten Auslauf lassen.

Nicht zu kurz abgrasen lassen: Je kürzer das Gras, desto mehr steigt der Fruktangehalt (Rehegefahr). Die Wiese trocknet schneller aus. Das Pflanzenwachstum wird so stark geschwächt, dass die Artenvielfalt abnimmt und Flächen zunehmend veröden. Maßnahmen: Ist das Gras kürzer als acht Zentimeter: Koppel wechseln. Weide in Parzellen teilen.

Lücken in der Grasnarbe schließen: Kahle Flecken sind ohne Schutz und breiten sich schnell aus. Dort können sich unerwünschte Pflanzen wie giftiges Jakobskreuzkraut ansiedeln. Maßnahmen: Flächen um Tränken und Raufen sowie an den Eingängen befestigen, weitere Lücken sofort nachsäen.

Übersäuerung vorbeugen: Paddocks und Weiden spätestens alle drei Tage abäpfeln, Pferdemist nicht durch Abschleppen oder Mulchen verteilen.

Weide im Wandel: Die Pferdeweide in der Zukunft

Herausforderung Platz-Problem: "Eine gepflegte Koppel ist ein schützenswertes Biotop. Sie hat sogar eine höhere Bioaktivität als der Wald", betont Dietbert Arnold. Doch die Zahl der Pferde wächst. In Ballungsräumen gibt es kaum ausreichend große Grünlandflächen für die Pferdehaltung. "Ein Pferd auf der Weide verputzt etwa 100 Quadratmeter pro Tag", so Dietbert Arnold. Daher sei das Weidemanagement wichtig. Beispiel: Sie teilen einen Hektar in vier gleich große Parzellen. Eine Fläche von 2.500 Quadratmetern wird von zwei Pferden innerhalb von zwei Wochen abgefressen. Dann kommen die Tiere auf eine andere Parzelle. Im Rotationssystem kann die abgegraste Fläche sich dann bis zu sechs Wochen erholen. Das Winterheu müsse dann jedoch zugekauft werden. Arnold: "Wenn Sie selbst Heu machen, brauchen Sie einen Hektar pro Pferd."

Fazit: Wenn es zu wenig Platz gibt, sind alternative Lösungen gefragt: Vor allem größere Pferdepensionsbetriebe müssten den Koppelgang begrenzen und stattdessen befestigte Auslaufflächen schaffen.

Herausforderung Klimawandel: Klimaprognosen sagen häufigere und längere Dürrephasen, unterbrochen von zunehmend unwetterartigen Starkregengüssen voraus. Pferdeweiden sind künftig anders zu managen: "Wir müssen das Düngen herunterfahren und uns darauf einstellen, dass Grünland weniger Ertrag liefert", meint Dietbert Arnold. Zudem geraten die Pflanzen in Stress: Wenig Wasser und warme Temperaturen verhindern, dass sie Energie abbauen können. Unverbrauchte Energie wird als Fruktan in den Pflanzenstengeln gespeichert. Auch Probleme mit Giften, die von Pilzen (Endophyten), die in der Pflanze leben, bei Stress produziert werden, könnten zunehmen (wir berichteten in CAVALLO 5/2020).

Einige Landwirtschaftskammern entwickeln für Pferdeweiden Saatgut mit trockenresistenten Gräsern. Geeignet sind tiefwurzelnde Gräser wie Rohrschwingel, Wiesenschwingel, Knaulgras, Lieschgras, Glatthafer oder Federgras.

Fazit: Weideflächen müssen an den Klimawandel angepasst werden. Wer nachsät, sollte trockenresistente, tiefwurzelnde Gräser wählen. Saatguthersteller sollten entsprechende Mischungen anbieten.

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