8 Fakten zur Kolik beim Pferd: Symptome, Ursachen, Erste Hilfe & OP

Kolik beim Pferd: Symptome, Ursachen, Erste Hilfe
8 Fakten zur Kolik beim Pferd

ArtikeldatumVeröffentlicht am 27.10.2026
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Schimmel-Pony liegt auf der Weide
Foto: Eileen Groome/ Gettyimages

1. Was ist Kolik eigentlich?

Keine Krankheit, sondern ein Syndrom. Es steht für den Sammelbegriff "Bauchschmerzen aller Art”. In der Regel handelt es sich um akute Erkrankungen des Magen- und Darmtrakts, wobei auch andere Organsysteme kolikartige Schmerzen verursachen können (Harnsteine, Hufrehe, Gebärmuttererkrankungen, Pankreatitis, usw.).

2. Was tun bei Verdacht auf Kolik?

Typische Alarmsignale:

  • Pferd wälzt sich wiederholt, ohne sich zu schütteln
  • wirft oder legt sich wiederholt hin
  • liegt in Rückenlage
  • sitzt wie ein Hund
  • scharrt
  • schwitzt
  • flehmt
  • schaut zum Bauch oder tritt zum Bauch hin
  • frisst nicht
  • ist unruhig oder apathisch
  • Puls- und Atemfrequenz erhöht

Erste Hilfe:

  • Sofort Tierarzt anrufen (jede Minute zählt)
  • Pferd nicht fressen oder trinken lassen (notfalls Maulkorb anziehen)
  • Führen im Schritt – wenn es freiwillig mitläuft (aber kein Dauerlauf)
  • Wälzen ist erlaubt (große Box oder Reithalle reduziert Verletzungsgefahr)

Vorsicht: Milde Koliksymptome bedeuten nicht, dass die Bauchschmerzen harmlos sind! Womöglich leidet das Pferd nur schon lange oder hat eine höhere Schmerzschwelle. Äpfeln ist kein Indiz, dass die Kolik nur leicht ist! Jede Selbstbehandlung – auch bei bekannten Kolikern – ist potenziell riskant.

3. Was passiert mit dem Darm?

Da der Pferdedarm nur an bestimmten Stellen in der Bauchhöhle fixiert ist und viele Darmabschnitte ständig in Bewegung sind, können Teile des Darms sich drehen, einstülpen oder abknicken. Der Dünndarm mit seinem unterschiedlich langen Gekröse vagabundiert regelrecht in der Bauchhöhle und kann in natürliche Öffnungen wie den Leistenring geraten und dort eingeklemmt werden. Die Blutzufuhr wird unterbrochen, der betroffene Abschnitt stirbt in kurzer Zeit ab – wenn er sich nicht wieder spontan befreit bzw. chirurgisch gelöst wird. Lebensbedrohlich sind Darmverschlingungen und -verlagerungen oder auch Längsachsendrehungen.

Ein Pferd ruht sich im Stroh aus.
CAVALLO / Lisa Rädlein

4. Was sind die wichtigsten Auslöser?

Da die Magen-Darm-Tätigkeit vom vegetativen Nervensystem gesteuert wird, können Faktoren wie falsche Haltung, Stallwechsel, Wetterwechsel oder Aufregung sie negativ beeinflussen. Bei einigen Pferden löst bereits die kleinste Änderung ihres Umfelds Kolik aus.

Bei Pferden, die sich wenig bewegen, wird der Darm träge. Auch massiver Parasitenbefall kann Kolik auslösen: Manche Würmer schädigen die Darmschleimhaut bzw. die Darmwand, bei anderen Parasiten verursachen die Larven eine Thrombose in den Darm-Blutgefäßen. Sehr oft ist falsches Futter die Ursache. Jede abrupte Futterumstellung stört die Verdauung; das gilt auch für verdorbenes oder schimmeliges Futter – von Giften / Giftpflanzen ganz abgesehen. Gärfähiges, blähendes Futter führt häufig zu gefährlichen Gaskoliken in Magen, Dünn- oder Dickdarm. Dazu zählt: frisches Gras zu Beginn der Weidesaison, welkes oder erhitztes Grünfutter, große Mengen Obst, frischer Getreideschrot, weiches Brot oder Klee. Weitere typische Auslöser: zu viel Kraftfutter, das schlecht gekaut und eingespeichelt wird (vor allem wenn zu wenig verdauungsförderndes Heu gefüttert wird); zu viel Stroh und extrem grobstängeliges Heu (Verstopfungen); Fressen von Sand oder Erde (Verstopfung bis zum Darmverschluss); Magenprobleme.

Die Bild zeigt eine farbige Illustration des Magen‑Darm‑Trakts. Sichtbar sind ein gewundener Darmabschnitt und ein sackförmiger Magen, verbunden über einen langen Schlauch als Speiseröhre; die Darstellung ist schematisch mit klaren Konturen auf weißem Hintergrund. Die Grafik dient der anatomischen Veranschaulichung des Verdauungssystems.
Schuschkleb

5. Welche Bedeutung hat die Darmflora?

Auf insgesamt rund 30 Metern ist der Pferdedarm Heimat Billionen kleinster Lebewesen. Die Besiedlung des Verdauungstrakts mit lebenswichtigen Mikroorganismen setzt bei der Geburt ein (Fohlen kommen ohne Darmflora zur Welt). Fertig aufgebaut, ist die Darmflora eine hochkomplex zusammengesetzte Gemeinschaft von Bakterien, Pilzen und Einzellern. Je nach Darmabschnitt und dem dort vorherrschenden pH-Wert variiert diese Mikro-WG.

Unterschieden wird zwischen resistenten, also dauerhaft vorhandenen, und transistenten Mikroorganismen. Letztere vermehren sich im gesunden Darm nicht und werden ausgeschieden. Zu den normalerweise vorkommenden Mikroorganismen zählen etwa Laktobazillen, Streptokokken, verschiedene Gattungen von Enterobakteriazeen (wie Escherichia coli), diverse anaerobe und aerobe Bazillen sowie Hefe- und Schimmelpilze. Ohne die Darmbewohner kann das Pferd Nahrung nicht verdauen: Im Dünndarm werden die im Futter enthaltenen Eiweiße, Kohlenhydrate und Fette in Aminosäuren, Zucker und Fettsäuren zerlegt und resorbiert. Das geschieht nicht nur über Verdauungssäfte mit entsprechenden Enzymen, sondern auch durch Keime. Durch den Dünndarm flutscht der Futterbrei mit 20 Zentimetern pro Minute in rund einer Stunde durch.

Der Dickdarm lässt sich mehr als 24 Stunden Zeit. Hier leisten unzählige zellulose- verdauende Keime enorme Arbeit. Diese anaeroben, also nicht auf Sauerstoff angewiesenen Bakterien benötigt das Pferd, um seine Hauptnahrung – Raufutter wie Heu – zu verwerten. Die Bakterien produzieren Enzyme, die wiederum die Zellulose, die Bestandteile des Raufutters, in komplexe Kohlenhydrate zerlegen. Dabei werden auch wertvolle Mineralien, Spurenelemente und Vitamine freigesetzt. Welche Auswirkungen die verschiedenen Darmbewohner genau auf den Pferde-Organismus haben, ist längst nicht geklärt. Klar ist jedoch: Das Ökosystem Darm ist hochempfindlich: Die extreme Nahrungsspezialisierung des Pferds macht seine Darmflora deutlich störungsanfälliger als die anderer Tiere. Schon kleinste Änderungen in der Fütterung haben große Auswirkungen auf das Mikrobiom. Alter, Stress, Schmerzen oder eine Antibiotikum-Behandlung sind weitere Faktoren, die die Darmflora verändern können. Und das rasant schnell, denn Bakterien haben extrem kurze Reproduktionszyklen. Eine Änderung der Mikroflora ist schon innerhalb einer Stunde zu beobachten.

Die Aufnahme zeigt die Auskultation des Herzens mit einem Stethoskop an einem Pferd. Die Hand des Tierarztes setzt die Metallmembran in Nahaufnahme auf den Thorax; das kurzhaarige, braune Fell und der Rippenverlauf sind sichtbar. Die Szene dokumentiert eine veterinärmedizinische Untersuchung.

6. Was tun bei Magenproblemen?

Zwischen 80 und 100 Prozent der Englischen-Vollblut-Rennpferde, bis zu 58 Prozent der Sport- und 93 Prozent der Distanzpferde sowie rund 54 Prozent der Freizeitpferde leiden an unterschiedlichen Ausprägungen der komplexen Erkrankung Magengeschwüre (Equine Gastric Ulcer Syndrome, EGUS).

Tierärzte unterscheiden Equine Squamous Gastric Disease (ESGD), die im drüsenlosen Bereich des Magens auftritt, und Equine Glandular Gastric Disease (EGGD), bei der die Drüsenschleimhaut betroffen ist. Was zu EGGD führt, weiß man noch nicht genau. Die Ursachen von Magenproblemen im drüsenlosen Bereich (ESGD) sind hingegen bekannter und lassen sich grob drei Bereichen zuordnen: Fütterung, Haltung, Training.

Futter für den Magen:

Hochwertiges Heu beugt Magenproblemen doppelt vor: Beim Kauen bilden Pferde Bicarbonat-reichen Speichel; der puffert Magensäure auf natürliche Weise ab. Zweitens bildet sich durch das gekaute Heu im Magen eine Art Futtermatte, sodass der untere Teil des Magens mitsamt Magensäure quasi ‚abgedeckt’ wird. Zu den Futterbestandteilen, die sich wie ein Schutzfilm auf die empfindliche Magenschleimhaut legen, zählen Leinsamen (aufgekocht, damit er seine Schleimbildung entfaltet), Leinkuchen, Leinschrot oder Pektine, wie sie in Apfeltrester stecken. Das wirkt gleichzeitig wie ein Nährsubstrat für die Epithelzellen in der Magenschleimhaut, hilft also bei Neubildung und Reparatur. Wichtig: Die Minimierung von Stress steht bei Magenproblemen an erster Stelle. Kein Futter wird auf Dauer helfen, wenn das Pferd im Offenstall zu wenig Platz hat oder den Boxennachbar nicht mag. Die medikamentöse Therapie mit Omeprazol allein oder in Kombi mit Sucralfat ist laut einer Untersuchung von Tierärztin Dr. Rosa Barsnick bei EGGD übrigens nicht sonderlich erfolgreich: Die Heilungsrate lag hier nur bei 20 bzw. 19 %.

7. Kolik-OP – ja oder nein?

Bei Darmverschluss, Drehung, Knickung, Einklemmung, Einstülpung und Verlagerung von Darmabschnitten ist eine Operation häufig die einzige Rettung. Doch der Eingriff bleibt riskant, auch weil die Vollnarkose das geschwächte Pferd belastet. Für solche Fälle ist es empfehlenswert, eine OP-Versicherung abzuschließen, die einen Großteil der Kosten übernimmt.

Glücklicherweise erholen sich die meisten Koliker spontan oder nach Medikamentengabe. Wie gut die Chancen für den Rest stehen, der operiert werden muss, zeigte eine Studie aus Italien (Sparadi et.al, Bologna). Auch wenn die auf den ersten Blick Angst macht: Nur 68,5% der operierten Pferde überlebten. Doch die Studie zeigte auch, was die Überlebenschancen verbesserte: ein Hämatokrit-Wert vor der OP von 26 bis 43%, Gesamteiweißwert nach der OP über 4,5 g/dL – und kein allzu niedriger BCS (unter 4). Die Vermutung der Forscher: Normalgewichtige oder leicht übergewichtige Pferde stecken die OP leichter weg. Und immer daran denken: Der Behandlungserfolg beim einzelnen Patienten ist keine Frage einer Statistik.

8. Was sind die wichtigsten Fütterungsregeln zur Prophylaxe?

Hochwertiges Heu ist das A und O: Moderne Empfehlungen gehen von 1,7 Kilo Heu pro 100 Kilo Idealgewicht des Pferds ohne Weidegang aus. Pferde brauchen es auch auf abgefressenen Weiden. Sonst fressen sie womöglich zu viele Grasreste mit Erde/Sand an den Wurzeln, um den Hunger zu stillen (Gefahr von Sandkolik). Eine passende Spurenelemente-/Mineralstoffversorgung schafft das Milieu für die Mikroben. Wichtig sind zudem keine langen Fresspausen, keine abrupten Futterwechsel, das Heu vorm Kraftfutter und Kraftfutter maßvoll und auf mehrere Rationen aufgeteilt geben (max. 300 g / 100 kg Körpermasse pro Mahlzeit).

Fazit