Kompendium Strahlfäule Lisa Rädlein

Was tun bei Strahlfäule?

Medizin-Kompendium Was tun bei Strahlfäule?

Wenn Bakterien das Strahlhorn zersetzen, stinkt es penetrant. Schuld sind dreckige Boxen und falsche Hufpflege. Was macht den Strahl wieder gesund?

Der Geruch war eindeutig: Als die Reiterin den Huf ihres 14-jährigen Wallachs zum Auskratzen aufhob, stach ihr ein penetranter, fauliger Geruch in die Nase. In der Strahlfurche saß eine schmierige Masse. Klarer Fall: Das Pferd litt an Strahlfäule. Dabei zersetzen Bakterien das Strahlhorn. Das stinkt, tut dem Pferd zunächst aber nicht weh. Wird die Krankheit jedoch nicht behandelt, kann Strahlfäule das Pferd lahmlegen.

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Medizin-Kompendium Was können Pferdebesitzer gegen Strahlfäule tun?
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Was löst die Krankheit aus?

Spindel-Bakterien (Fusobacterium necrophorum), die das Strahlhorn angreifen, sind natürliche Darmbewohner des Pferds. Diese Erreger werden ständig mit den Pferdeäpfeln ausgeschieden und sind deshalb im Stall allgegenwärtig. Strahlfäule ist dennoch meist ein Zeichen mangelhafter Sauberkeit: Verdreckte Strohmatratzen oder ein matschiger, kotverschmutzter Paddock bieten den Erregern einen feuchten, warmen und damit idealen Nährboden. Schließt dann Schmutz die Fäulnisherde nach außen luftdicht ab, gedeihen Bakterien besonders gut, denn sie vermehren sich nur unter Sauerstoffausschluss. Vor allem in Hufhorn mit Spalten und Rissen können sich Bakterien leicht einnisten. Mangelnde Bewegung begünstigt die Krankheit ebenfalls: Wenn das Pferd auffußt, berührt der Strahl den Boden und drückt gegen die Huflederhaut.

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"Dadurch regt er den Blutkreislauf der Huflederhaut an, die neues Hufhorn produziert", erklärt Jürgen von Grumbkow-Pfleiderer, Huforthopäde nach Jochen Biernat aus Burgstetten/Baden-Württemberg. Steht das Tier den ganzen Tag in der Box, ist die Hufmechanik eingeschränkt; es können nicht genügend neue Hornzellen entstehen. Strahl und andere Teile des Hornschuhs verkümmern. Auch der Hufbearbeiter kann die Krankheit auslösen, wenn er etwa den Strahl durch zu starkes Beschneiden künstlich schwächt oder das Tier falsch beschlägt. Werden die Trachten durch Stollen oder verdickte Schenkelenden hochgestellt, kann der Strahl beim Auffußen oft nicht den Boden berühren.

Tierheilpraktikerin Julia Melanie Hahlweg aus Ditzingen/Baden-Württemberg glaubt an eine weitere Ursache: "Die Füße spielen bei Menschen und Tieren eine Rolle bei Entgiftungsprozessen. Über sie können schädliche Substanzen ausgeschieden werden." Hat der Pferdekörper etwa mit Krankheitserregern oder Stoffwechselproblemen zu kämpfen, könne sich das in fauligem Hufhorn widerspiegeln. "Gerade bei Pferden, die trotz guter Hufbearbeitung und hygienischer Haltung immer wieder Strahlfäule bekommen, spielt diese Ursache oft eine große Rolle", so die Tierheilpraktikerin.

Wie macht sich die Krankheit bemerkbar?

Strahlfäule äußert sich oft in einem penetrant fauligen Geruch. Das Strahlhorn zerfällt nach und nach zu einer schmierigen Masse, der Strahl schrumpft. Die Krankheit beginnt oft an den Seiten der mittleren Strahlfurche, weil sich hier gerne luftabgeschlossene Nischen befinden. Sind auch Strahlschenkel oder Hornballen befallen, löst sich das Horn in Fetzen ab. Schreitet der Prozess fort, liegt irgendwann die gut durchblutete und von vielen Nerven versorgte Huflederhaut frei. Die Strahlregion wird immer schmerzempfindlicher. Ob dieses Stadium bereits erreicht ist, merken Sie beim Hufesäubern: Berührt der Hufkratzer die empfindliche Huflederhaut, zieht das Pferd den Huf meist vor Schmerz zurück.

Auch wenn der Strahl mechanisch gereizt wird, etwa wenn das Pferd über unebene Böden geht, kann das zur Lahmheit führen. "Insbesondere wenn sich die Ballen dadurch gegenseitig verschieben, kann das bei einer betroffenen tiefen, mittleren Strahlfurche sehr schmerzhaft sein", so Jürgen von Grumbkow-Pfleiderer. Schnell kann sich aus unbehandelter Strahlfäule Strahlkrebs, also am Strahl wuchernder Hufkrebs, entwickeln. Das ist keine klassische Krebserkrankung; der Name deutet auf die hydroplastischen (aufgeblähten) Wucherungen des erkrankten Horns hin. Das passiert, wenn die Epithelzellen der Lederhaut zerfallen, statt zu verhornen. Sie sitzen als schmieriger Belag auf der Lederhaut, die sich irgendwann entzündet. Das führt zu Lahmheit. Oft breitet sich Strahlkrebs auf den gesamten Huf aus.

Wie wird die Krankheit diagnostiziert?

Der Tierarzt erkennt Strahlfäule an den typischen Veränderungen. Er schließt zudem aus, dass eine Verletzung wie ein Nageltritt oder Hufkrebs Auslöser sind.

So behandeln Tierärzte und Therapeuten

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Zur Behandlung eignen sich verschiedene Desinfektionsmittel. Viele medizinische Fachbücher raten zu Kupfersulfat (auch Kupfervitriol) oder Jodoformäther. Mit Kupfersulfat haben einige Hufexperten gute Erfahrungen gemacht. Bei kleineren Defekten verätzt es die Lederhaut nicht, sondern regt die Hornproduktion an. Vorsicht bei blutenden Lederhäuten: Das giftige Kupfersulfat darf nicht in die Blutbahn gelangen. Vorm Desinfizieren müssen verfaulte Hornteile entfernt werden. Haben sich unter der Strahloberfläche Nischen und Taschen gebildet, muss der Fachmann sie freischneiden. "Zuerst muss man die Strahlfurchen reinigen", sagt Jürgen von Grumbkow-Pfleiderer. "Hierfür eignet sich ein Mundspatel mit umwickelter Mullbinde. So gelangt man schonend in die Tiefe." Bei stark befallenen Hufen ist Vorsicht geboten, da diese Behandlung schmerzhaft sein kann.

Eine gefaltete Mullbinde, die in die Strahlfurche gedrückt wird, erfüllt mehrere Zwecke: Sie hält den Schmutz fern, übt zudem Druck auf die Lederhaut aus und animiert sie, neues, gesundes Horn zu produzieren. Das Austamponieren muss so lange fortgesetzt werden, bis die Mullbinde nicht mehr in der Hornspalte haftet. Der Strahl kann auch mit speziellen antimikrobiellen Auflagen abgeklebt werden, um Schmutz fernzuhalten. Wichtig ist, die Hufform des Pferds zu verbessern: Gelingt es dem Hufbearbeiter, die Strahlfurchen offenzuhalten und somit den Luftabschluss zu verhindern, verschwindet die Strahlfäule von selbst.

Tierheilpraktikerin Julia Melanie Hahlweg greift zu den Homöpathika Syphilinum, Pyrogenium, Mercurius, Hepar sulfuris und Graphites. "In der Regel schlagen diese Mittel sehr gut an." Bei einigen Pferden sei auch eine Entgiftungskur sinnvoll. Lokal angewendet empfiehlt sie Anolyt. "Das ist rechtsdrehendes Wasser, dem Ozon zugesetzt wurde." Durch dieses Verfahren erhalte das Wasser eine hohe Sauerstoffsättigung, was antibakteriell wirke. Hahlweg rät zu folgendem Vorgehen: Zunächst reinigen Sie den betroffenen Huf mit Leitungswasser und trocknen ihn sorgfältig mit Watte ab. Danach geben Sie einen Milliliter Anolyt auf den fauligen Strahl. Der Huf wird hochgehalten, bis das Anolyt getrocknet ist. Danach muss das Pferd für 15 Minuten auf sauberem Boden stehen. Dann wird noch ein halber Milliliter ozonisiertes Öl zur Pflege auf den Strahl geträufelt. Nur bei ganz hartnäckiger Strahlfäule greift sie ergänzend zu einer phytotherapeutischen Tinktur aus Tormentilla und Ratanhia.

Wie lässt sich Strahlfäule vorbeugen?

Saubere Einstreu beugt Strahlfäule vor. Also: täglich misten und Pferdeäpfel von Auslauf und Koppel entfernen. Kratzen Sie mindestens einmal täglich die Hufe aus, und lassen Sie zur Hufpflege regelmäßig einen Fachmann kommen. Ausgiebige Bewegung auf unterschiedlichen Böden sorgt für gesunde Hufe.

Fütterungszusätze wie Biotin und Zink sind meist wirkungslos: In welchen Mengen man sie füttern sollte, hängt stark von Stoffwechsel, Haltung und Nutzung des Pferds ab. Lassen Sie sich am besten von einem Fütterungsexperten beraten, ob Ihr Pferd entsprechende Zusätze braucht.

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