Medikamente und Turniersport – ein Thema, bei dem Reiter genau hinschauen müssen. Denn auch Wirkstoffe, die therapeutisch eingesetzt werden, können im Wettkampf unter das Anti-Doping- und Medikationskontroll-Regelwerk des Weltreiterverbandes FEI fallen.
Die FEI überprüft deshalb regelmäßig ihre "Equine Prohibited Substances List" (EPSL). Nun steht fest, welche Änderungen ab dem 1. Januar 2027 gelten.
Diese Substanzen nimmt die FEI neu auf
Mehrere bislang nicht auf der Liste geführte Wirkstoffe werden künftig als sogenannte "Banned Substances" eingestuft. Dazu gehören:
- Suzetrigine
- Tapentadol
- Denosumab
- Cariprazine
- Nadroparin-Calcium
- SR9009
- synthetisches 1–24 ACTH
Auch Alfadolone, ein Wirkstoff zur Allgemeinanästhesie, wird als Banned Substance eingestuft.
Die Kategorie ist von besonderer Bedeutung: "Banned Substances" sind nach dem FEI-Regelwerk Substanzen, die keinen legitimen Einsatz beim Wettkampfpferd haben und/oder ein hohes Missbrauchspotenzial besitzen. Sie sind sowohl im Wettkampf als auch außerhalb des Wettkampfs verboten.
Neue Einstufung für zwei bekannte Wirkstoffe
Die Aktualisierung bringt allerdings nicht nur neue Verbote. Bei zwei bereits gelisteten Wirkstoffen ändert die FEI die Einstufung: Nordiazepam und Norfluoxetin wechseln von den "Banned Substances" zu den "Controlled Medications".
Controlled Medications unterscheiden sich entscheidend von vollständig verbotenen Substanzen. Dabei handelt es sich um Wirkstoffe, die einen legitimen therapeutischen Einsatz beim Pferd haben können, im Wettkampf jedoch entsprechend der geltenden FEI-Bestimmungen kontrolliert werden.
Neu in diese Kategorie aufgenommen wird außerdem Alfaxalone, ein Anästhetikum.
Paracetamol erhält besonderen Status
Interessant ist zudem die neue Einordnung von Paracetamol beziehungsweise Acetaminophen sowie Coumarin. Beide werden künftig als sogenannte "Specified Substances" geführt.
Diese Einstufung bedeutet ausdrücklich nicht, dass die betreffenden Substanzen erlaubt wären. Vielmehr berücksichtigt die FEI damit, dass bestimmte Wirkstoffe unter Umständen auch unbeabsichtigt in den Organismus eines Pferdes gelangen können – beispielsweise durch Kontamination.
Der Status kann deshalb bei der Beurteilung eines positiven Befundes eine Rolle spielen. Ein positiver Test auf eine "Specified Substance" ist jedoch nicht automatisch folgenlos.
Warum die FEI ihre Dopingliste regelmäßig überarbeitet
Die "Equine Prohibited Substances List" wird regelmäßig überprüft und an neue wissenschaftliche Erkenntnisse, Medikamente und mögliche Missbrauchsrisiken angepasst. Dabei geht es nicht ausschließlich um klassisches Doping.
Gerade die Kategorie der Controlled Medications zeigt, wie wichtig die Unterscheidung ist: Ein Medikament kann medizinisch sinnvoll und zur Behandlung eines Pferdes notwendig sein und trotzdem im Zusammenhang mit einem Wettkampf Einschränkungen unterliegen.
Für Reiter, Trainer und Tierärzte bedeutet die neue Liste deshalb vor allem eines: Vor der Turniersaison 2027 lohnt sich ein erneuter Blick auf die verwendeten Medikamente und Wirkstoffe. Besonders bei einer Behandlung vor einem internationalen Start sollten mögliche Karenz- beziehungsweise Nachweiszeiten und die jeweils geltenden FEI-Regelungen berücksichtigt werden.
Die neue "FEI Equine Prohibited Substances List 2027" tritt am 1. Januar 2027 in Kraft und kann hier vollständig eingesehen werden.





