Fünf Pferde, Dolce Vita und starke Leistungen: Yara Reichert glänzt in Ornago

Fünf Pferde, Dolce Vita und starke Leistungen
Yara Reichert glänzt in Ornago

ArtikeldatumVeröffentlicht am 18.04.2026
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Yara Reichert mit Rappen im Dressurviereck
Foto: Sassofotografie

Das kleine Städtchen Ornago liegt malerisch in einer Region, die schon abseits des Turniers beeindruckt. Bergamo mit seiner malerischen Altstadt ist nur einen Katzensprung entfernt, die Modemetropole Mailand knapp eine Stunde. Ornago schafft mühelos den Spagat zwischen Turnieralltag und italienischem Dolce Vita. "Das Essen war grandios", schwärmt Reichert. Ob im Restaurant, bei der Teilnehmerverpflegung oder beim schnellen Snack zwischendurch – kulinarisch blieb kein Wunsch offen. Besonders beliebt: die kleinen Bauernstände mit Käse, Olivenöl und Trüffelsalami. Dazu kurze Wege dank Turnierhotel direkt an der Anlage – mit Blick aufs Viereck. Näher dran geht kaum.

Große Tour: Valverde zwischen Patzer und perfekter Kür

Yara Reichert trat in drei Touren an. Auf ihren Spitzenhengst Springbank musste sie kurzfristig verzichten – ein Koppelunfall mit Cut verhinderte den Start. "Springi ist beim nächsten Mal wieder mit dabei." Mit Valverde NRW, einem 12-jährigen, westfälisch gezogenen Hengst von Vitalis, ging es in die Große Tour. Grand Prix und Kür zeigten zwei völlig unterschiedliche Facetten. Im Grand Prix schlichen sich Fehler ein, inklusive eines ungewöhnlichen Angaloppierens aus dem starken Trab. "Das ist noch nie passiert, ich kann mir das gar nicht erklären", so Reichert. Platz fünf war dennoch ein gutes Ergebnis.

In der Grand Prix Kür kam dann die Wende: zur Musik von Tina Turner tanzte das Duo eine nahezu perfekte Runde. "Vom Gefühl her war es die beste Kür, die wir je zusammen gegangen sind, alles lief wie am Schnürchen, es war einfach ein supertolles Gefühl." Ergebnis: Platz drei mit knapp 74 Prozent.

Halle, Harmonie und zwei sehr unterschiedliche Pferde

Die Bedingungen in der Mittleren Tour kam Yaras sensiblen Pferden sehr entgegen, denn die gesamte Mittlere Tour fand in der Halle statt – mit identischer Abreite- und Prüfungshalle. Gleiche Bedingungen, gleiche Atmosphäre, kein Wechsel zwischen draußen und drinnen. "Man hat keinen Unterschied gespürt – das war extrem entspannt – und für Forci und Diva ideal."

Yara Reichert mit Braunem im Dressurviereck
Sassofotografie

Force Majeure präsentierte sich konstant auf sehr hohem Niveau. Seine sichere Piaffe-Passage-Tour, zwei starke Prüfungen, zweimal Platz zwei. Klitzekleine Patzer inklusive – "nach den Zweiern sprang er mir noch zwei Einer", lacht Yara, die aber sehr zufrieden ist mit ihrem "Forci".

Ganz anders Special Diva: Die sonst eher temperamentvolle Stute, die den Namen Diva zurecht trägt, zeigte sich plötzlich ungewohnt gelassen – fast zu gelassen. "Das kenne ich so überhaupt nicht von ihr." Die Folge: Fehler in der Pirouette und Unsicherheiten am zweiten Tag. "Ich bin selbst gar nicht richtig zum Reiten gekommen." Trotzdem standen am Ende Rang drei in der Inter A und Rang fünf in der Inter B unterm Strich.

Kleine Tour: Regen, Nerven – und italienische Gelassenheit

Auch in der Kleinen Tour (CDI*) war Reichert doppelt vertreten – mit den beiden achtjährigen Skyline To B, einem Schwedischen Warmblut von St. Schufro, und About You II, Westfälischer Hengst von AC-DC 4. Der Auftakt im St. Georg hatte es in sich: strömender Regen, Kälte, Wind und eine komplett durchnässte Reiterin. "Ich war wirklich nass bis auf die Unterhose", lacht Yara. Doch Skyline To B ließ sich vom klatschenden Regen nicht beeindrucken und blieb ganz bei seiner Reiterin. Eine richtig starke Runde, über 70 Prozent und Platz drei – trotz eines Fehlers in den Viererwechseln.

About You II hingegen hatte gänzlich andere Pläne als sich auf das Dressurviereck zu konzentrieren: Stutenrufe, Ablenkung, Unruhe. "Eine Vollkatastrophe", sagt Reichert offen mit einem Lächeln auf den Lippen. Sie liebt halt ihre Hengste. Trotz Missverhalten reichte es noch für Platz fünf.

Am zweiten Tag drehte sich das Bild leicht: About You II blieb zwar Stuten-aufmerksamkeitsbedürftig, zeigte aber eine deutlich bessere Runde – Rang drei. Skyline To B dagegen wurde von spielenden Kindern neben dem Viereck komplett aus dem Konzept gebracht. Trotz aller Bemühungen, die Mütter zu einer kurzen Unterbrechung zu bewegen, blieb die Situation schwierig für Sky. "In Italien gilt eben: Bambinis first", kommentierte Reichert mit einem Augenzwinkern – und verzichtete auf eine Bewertung. Notiz am Rande: Einer der drei Richter in der Inter B war Vincenzo Truppa, italienische Reitsport-Legende und Vater von Valentina Truppa, die 2012 bei den Olympischen Spielen startete. Gemeinsam betreiben sie das renommierte Centro Equestre Monferrato im norditalienischen Asti.

Fazit: Sport trifft Lebensgefühl

"Mit fünf Pferden aufs Turnier zu fahren ist ein bisschen wie ein Wanderzirkus – nur ohne Pause. Es ist anstrengend, aber genau das macht es auch irgendwie besonders. Man weiß am Ende des Tages auf jeden Fall, was man getan hat", fasst Yara zusammen. Neben starken sportlichen Ergebnissen bleibt Ornago vor allem eines für die deutsche Top 10-Dressurreiterin: ein Turnier mit außergewöhnlichem Flair. Gute Organisation, kurze Wege und eine freundliche und familiäre Atmosphäre, die zeigt, wie eng Dressur und Dolce Vita miteinander verbunden sein können.