
Leonie Bühlmann züchtet Lusitanos in Spanien. Ihr Gestüt ist ein Ort, an dem Pferde sicher leben können und Menschen wieder bei sich ankommen. Um das zu erhalten, möchte das Gestüt bald umziehen. Hier findest du alle Infos dazu: home-of-lusitanos.com
Die Sonne ist gerade erst aufgegangen, Tau glitzert im ersten Licht des Tages. Wir laufen über die riesige Weide zu den Stuten – Leonie vorneweg. Sie ist täglich zu ihren Stuten unterwegs, um nach ihnen zu schauen. Das ist er also – der Lieblingsort der Schweizerin Leonie Bühlmann.
Ihr Gestüt "La Perla" liegt bei Segovia in Spanien auf einer Hochebene. Mehr als 1500 Kilometer von den Schweizer Alpen entfernt, knapp zwei Stunden nördlich von Madrid auf rund 1200 Metern Höhe. Kaum haben wir uns auf einen der großen Steine gesetzt, um die Herde zu beobachten, kommt die zweijährige Thalita vorbei und beschnuppert uns neugierig.
Leonie hatte eigentlich ganz andere Pläne
"Alle unsere Pferde werden in dieser Herde geboren und wachsen hier auf", erzählt Leonie, der das Gestüt seit acht Jahren gehört. Dass sie einmal in Spanien leben und Pferde züchten und ausbilden würde, war nicht ihr Lebensplan. "Ich lernte 2009 Alberto, den Gründer des Gestüts, auf dem großen Pferdefestival in Golegã in Portugal kennen", erinnert sie sich. Damals studierte sie in Madrid spanische Literatur- und Sprachwissenschaften. Doch es kam alles anders. Ein Freund suchte ein iberisches Pferd zum Kauf. Das Gestüt lag keine zwei Stunden von ihrem damaligen Wohnort entfernt. So entstand der Kontakt – und später die Zusammenarbeit.
Ab Anfang 2012 arbeitete Leonie in Vollzeit als Bereiterin für Alberto, übernahm die Betreuung der internationalen Kundschaft, half Alberto als Übersetzerin, ritt Pferde an und kümmerte sich um die Öffentlichkeitsarbeit. "Im Jahr 2013 haben wir die Zucht dann auf der Equitana präsentiert. Das war so erfolgreich, dass wir von neun Pferden nur noch vier mit nach Hause nahmen – alle anderen wurden verkauft."

India lebt wie alle anderen 30 Zuchtstuten das ganze Jahr draußen auf den großen Weiden.
Ab Mitte 2014 vermittelte Leonie in Deutschland in einem gepachteten Stall Albertos Pferde. "Das lief sehr gut, aber ich war nicht richtig glücklich in Deutschland – mich zog es zurück nach Spanien", sagt die heute 46-Jährige. Also reiste sie Ende 2016 zurück nach Spanien und übernahm schließlich das Gestüt ganz. Alberto selbst züchtet weiterhin auf demselben Gelände Stiere. Heute leben rund 150 Pferde auf den 550 Hektar Land.
Thalita lässt sich derweil immer noch von uns kraulen. Wie alle La-Perla-Fohlen wird auch sie hier ihre Kinderstube verbringen – kein Fohlen verlässt das Gestüt, bevor es nicht mindestens drei oder vier Jahre alt ist. Was für ein Pferdeleben! Die Kleinen sind Tag und Nacht auf den riesigen Weiden zum Spielen, Toben und Schlafen. "Die Aufzucht liegt mir ganz besonders am Herzen und sie erleichtert uns später das Anreiten, weil die Pferde körperlich und mental sehr ausgeglichen sind", sagt Leonie. Nach dem Absetzen kehren die jungen Stuten in die Stutenherde zurück, während die jungen Hengste in Junggesellengruppen aufwachsen. Viele der Jungpferde sind bereits verkauft. Je nach Wunsch können sie vor Ort angeritten oder weiter ausgebildet werden. Dafür steht Leonie mittlerweile ein kleines Team zur Seite.
Wir verabschieden uns von den Stuten mit ihren Fohlen und schlendern zu den zweijährigen Hengsten. Hier ist Action angesagt. Zwei Halbstarke steigen aneinander hoch, andere Jung- spunde galoppieren über die Weide, als würden sie Fangen spielen. "Das sieht nicht nur imposant aus”, erklärt Leonie. "Es ist für die Junghengste auch ein super Gleichgewichtstraining." Ernste Verletzungen seien selten, und einen Tierarzt brauche sie zum Glück verhältnismäßig selten bei der großen Pferdezahl.
Weil die nächste Tierklinik hier in Spanien weit entfernt ist, hat sie sich viel medizinisches Wissen selbst angeeignet. "Ich kann inzwischen sogar Pferde an den Tropf hängen, wenn es sein muss", erzählt sie. Auch in der Zucht hat sich Leonie über die Jahre umfassendes Know-how angeeignet und viel von ihrem Vorgänger und dessen Mitarbeitern gelernt. Sie besamt alle Stuten selbst und überwacht die Trächtigkeiten per Ultraschall. Eine spezielle Ausbildung ist in Spanien dafür nicht vorgeschrieben. Ihre Leidenschaft für die Arbeit ist groß – manchmal zu groß. "Ich versuche immer, alles perfekt zu machen", sagt sie und streichelt dem zweijährigen Trayan über die Stirn.
Sein Vater ist einer der 10 Zuchthengste, die wir auf unserem Rundgang natürlich auch besuchen. Fuchshengst Xinfrim steht gerade am Putzplatz, nur wenige Meter von einer Stute entfernt – und wirkt völlig gelassen. Leonie streichelt ihn am Hals und flüstert ihm ein liebevolles "Du bist mein Schöner" zu. Starallüren hat der Hengst keine, trotz 23 gekörter Nachkommen. Er genießt die Streicheleinheiten. Auch die anderen Hengste wirken entspannt und wohnen in Paddockboxen direkt nebeneinander. Viele von ihnen sind bis zu den höchsten Dressurlektionen ausgebildet. Sie werden regelmäßig gearbeitet und verbringen täglich Zeit auf den Paddocks. Flamenco, ein Sohn von Xinfrim und ebenfalls Deckhengst, nutzt den Auslauf als Bühne und galoppiert wie ein Tänzer über den Sand.

Der 16-jährige Espartaco ist nicht nur ein toller Zuchthengst, sondern auch ein sehr gutes Lehrpferd.
Was fasziniert sie so sehr an der Rasse? "Diese Kraft gepaart mit dem klaren und lieben Charakter, die Lusitanos von Natur aus mitbringen, beeindruckt mich täglich aufs Neue", sagt Leonie. Aber warum Lusitanos – und nicht die spanische Pura Raza Española (PRE)? "Alberto hatte von Anfang an Lusitanos. Sie sind die typischen Arbeits- und Stierkampfpferde, und er ist großer Fan der Arbeitsreiterei."
Eine bunte Truppe: Lusitanos in allen Farben
Alberto züchtete alle Farben – unter Stuten und Hengsten finden sich neben Schimmeln, Braunen, Füchsen und Rappen auch Falben, Palominos und Cremellos. So entstand die bunte Truppe von Absetzern, die wir zum Schluss besuchen. "Wir setzen die Fohlen erst nach acht bis zehn Monaten ab", erklärt Leonie. Der Kindergarten aus rund 25 Jungtieren wird von zwei älteren, ruhigen Stuten begleitet. "Wir lassen immer zwei Erzieherinnen bei den Kleinen." Zusätzlich haben die Jüngsten Gesellschaft von Spencer, einem Herdenschutzhund. Schnell sind wir wieder umringt von neugierigen und zutraulichen Jungpferden. Kein Wunder, dass viele von ihnen schon verkauft sind – oft an Menschen, die ursprünglich "nur mal gucken" wollten.
Wer Leonies Lusitanos live erleben möchte, kann das Gestüt nach vorheriger Anmeldung besuchen. Oder im Sommer an einem der vielen Seminare teilnehmen: Infotage zu Zucht, Freiarbeits- und Jungpferdekurse oder Retreats mit Pferden. In Zukunft möchte sie diesen Bereich weiter ausbauen – ebenso wie Landwirtschaft und Tourismus. Leonie träumt von Wohnmöglichkeiten auf dem Hof, die es bisher nicht gibt, da das Land gepachtet ist. Sie selbst lebt im Moment im Nachbardorf. Doch es gibt Neuigkeiten: Sie hat einen Ort gefunden, wo sie ihre Ideen verwirklichen kann. Der Umzug mit den über 200 Pferden ist bereits in der Planung und eine Einweihung könnte 2027 stattfinden. Hier findest du alles über Leonies großes Projekt und wie du es unterstützen kannst.
Kontakt:
Wer das Gestüt "La Perla” in Spanien besuchen oder Pferde anschauen möchte, meldet sich bitte vorab unter folgender E-Mail-Adresse: lusitanoslaperla@gmail.com





