
André Hascher ist ein erfahrener Anwalt, Moderator, Veranstalter und Netzwerker in der internationalen Reitsportwelt. Zudem ist er Vorstandsvorsitzender vom Zuchtverband für deutsche Pferde und Mitbegründer des Dressurleistungszentrums Walldorf.
André Hascher: Wir denken, dass Deutschland immer eine ganz gewichtige Rolle gespielt hat, was die Reitsportkultur angeht und sehen eine riesige Chance darin, dass 20 Jahre nach der WM 2006 nun wieder eine Weltmeisterschaft in Deutschland stattfindet. Wir setzen große Hoffnung darauf, dass es nach den Skandalen der letzten Jahre gelingt, positive Bilder nach außen zu tragen. Unsere Botschaft: Es ist an der Zeit, dass wir diesen Sport wirklich ausschließlich in Einklang mit dem Pferd ausüben.
Für mich ein leuchtendes Beispiel ist Marcus Ehning, der mit Coolio für die deutschen Springreiter antreten wird. Er zeigt regelmäßig und schon seit langer Zeit, dass man auf dem allerhöchsten Niveau mit dem Pferd als Partner, mit normaler Zäumung, erfolgreich sein kann. Was er macht, ist für mich echte Reitkunst. Auch in der Vielseitigkeit hat unsere Initiative bei anderen Turnieren schon viele positive Beobachtungen gemacht. In dieser Disziplin wird deutlich: Es braucht das Vertrauen zwischen Reiter und Pferd, sonst wird es schlicht gefährlich. Und auch beim Voltigieren, wo besonders die junge Generation von Pferdesportlern vertreten ist, ist uns viel Positives aufgefallen.
Beides. Was im großen Viereck oder Parcours gezeigt wird, ist natürlich eine große Triebfeder. Sieht man besonders gute und harmonische Ritte mit unsichtbaren Hilfen auf der großen Bühne und haben solche Reiter auch entsprechenden Erfolg, regt das natürlich zum Nachmachen an. Wir setzen uns für den systematisch guten Umgang mit dem Pferd ein, daher legen wir auch Augenmerk auf das Abreiten. Die Abreiteplätze in Aachen sind besonders gut einsehbar. Wenn Menschen hier Bilder sehen, die ihnen ein ungutes Bauchgefühl geben, schadet das dem Reitsport. Ich hoffe, dass sich alle Reiter ihrer Verantwortung bewusst sind, in erster Linie natürlich gegenüber dem Pferd.
Wir stehen seit der Gründung unserer Initiative vor zwei Jahren immer wieder mit den Dachverbänden in Kontakt und sind immer für Kooperationen offen. Wir waren mit Pferdsport Deutschland (FN) bereits in sehr guten Gesprächen, wie wir den Pferdesport möglicherweise in Zukunft gemeinsam fördern könnten, und ich glaube auch, dass wir hier gute Kooperationen haben werden.
Wir müssen im Dialog sein mit Reitern, Funktionären und der Öffentlichkeit. Wir finden es wichtig und verstehen es als Beitrag zur Zukunft des Sports, dass fachlich eingeordnet wird, was man auf der Veranstaltung sieht. Das kann zum einen Missverständnisse aus dem Weg räumen, zum anderen wird ein Wandel nur gelingen, wenn die Reitsportwelt offen und klar mit ihren derzeitigen Schwächen umgeht. Der hoffentlich größte Anteil der Reiter, auch alle Freizeitreiter mitgedacht, macht es gut. Jeder Einzelne sollte den Mut finden, zu reflektieren und andere anzusprechen, wenn etwas gegen das Wohl des Pferds läuft – unabhängig davon, wie erfolgreich ein Reiter ist. Erfolg ist nicht immer gleichzusetzen mit richtig. Dass richtiges Reiten und Erfolg künftig noch mehr im Einklang stehen, dafür setzen wir uns ein.





