Ohrenspiel beim Reiten Lisa Rädlein
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Was sagt das Ohrenspiel von Pferden aus?

Was sagt das Ohrenspiel von Pferden aus? Das Ohren-ABC

Bist du ganz bei mir? Wie geht’s dir? Ist die Stellung im Genick korrekt? All das können Reiter an den Ohren ihres Pferds ablesen.

Pferdeohren sind Stimmungsbarometer: Sie verraten, wie das Pferd sich fühlt. Im Umgang schauen wir meist ganz selbstverständlich auf die Ohren unserer Tiere. Und beim Reiten? Klar, der Blick geht durch die Pferdeohren. So haben wir es gelernt. Neue Untersuchungen und die Erfahrungen bekannter Ausbilder zeigen: Es lohnt sich, ganz bewusst die Position und Bewegungen der Pferdeohren vom Sattel aus zu beobachten. Was die Lauscher verraten? Seien Sie ganz Ohr.

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Ohrenspiel der Pferde Welche Signale Pferde mit den Ohren geben
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Die Ohren sind nicht auf gleicher Höhe

Schauen Sie auf die Ohren, um die Stellung des Pferds zu prüfen. Ist das Pferd korrekt gestellt, befinden sich beide Ohren auf gleicher Höhe. Ein Ohr ist tiefer als das andere? Dann verkantet sich das Pferd im Genick. "Das kann ein Zeichen für Überforderung sein und sowohl in der Versammlung passieren als auch beim Dehnen oder in der Arbeitshaltung", weiß Trainerin Dr. Tuuli Tietze aus Langelsheim (www.smartreiten.com). Hängt beispielsweise das rechte Ohr tiefer, gibt das Pferd meistens mit dem linken Hinterbein nicht genug Schub nach vorne. Das können Sie ausgleichen, indem Sie das Pferd mit Ihrem linken Sitzbeinhöcker und Schenkel diagonal nach rechts in Richtung des tiefen Ohres an den elastisch anstehenden äußeren Zügel schwingen.

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Lehmann
Immer wieder sollte das Pferd aufmerksam ein Ohr zum Reiter richten.

Voll im Flow: Wippende Hänge-Öhrchen

Sind zur Seite kippende wippende Ohren Grund zur Sorge? Ist das Pferd etwa schlapp? "Bei meinem Wallach sehe ich das häufig. Es zeigt mir, dass er völlig mit sich zufrieden und im Flow ist. Er ist dabei nicht abgeschaltet, sondern in einer totalen Glocke mit dem Reiter, konzentriert und wach", meint Tuuli Tietze. Sie bildet Pferde bis Grand Prix aus. Die wippenden Schlappohren zeigt ihr Pferd "Sir Q." selbst in anstrengenden Lektionen wie der Piaffe. Viele andere Pferde legen dabei die Ohren an. Wie hat Tuuli Tietze das geschafft?

Die Dressur-Ausbilderin hat dem Pferd beigebracht, dass ein Mehr an Energie nicht mit Stress verbunden ist. "Q zeigt in der Piaffe mehr Fußkraft, aber nicht mehr Spannung. Spannung ist für mich immer negativ besetzt. Ich will Konzentration im Flow und in lässiger Lockerheit – und das spiegelt sich bei ihm im Ohrenspiel", meint Tuuli Tietze.

Auf welche Art Pferde ihr Wohlbefinden ausdrücken, kann unterschiedlich sein. Je mehr Sie die Ohren im Blick haben, desto besser werden Sie das Pferd kennenlernen. Die Ohren von Tuuli Tietzes Pferd Harry etwa wippen nicht. "Er spitzt die Ohren, wenn er mit mir im Flow ist."

Die Ohren zeigen länger zur Seite

Sind die Ohren lateral, also zur Seite ausgerichtet, sollten Reiter hellhörig werden – besonders wenn sie drei Minuten oder länger so bleiben. Eine Untersuchung von Lara Piccolo, Dr. Kathrin Kienapfel und Iris Bachmann am Schweizer Nationalgestüt Avenches mit 14 Freiberger-Hengsten zeigt: Die anhaltend seitliche Ohrenstellung ist häufig mit Schweifschlagen verbunden – also mit Konfliktverhalten. "Diese Ohrposition kann also ein Zeichen für Stress und Unwohlsein sein", so Piccolo.

Stillstehende Ohren – ein Alarmsignal

Pferdeohren sind natürlicherweise wie Antennen und stets in Bewegung auf der Suche nach Empfang. 25 bis 30 Ohrbewegungen pro Minute sind es durchschnittlich beim Reiten – das ergab die Video-Analyse von Biologin Lara Piccolo. Ein Alarmsignal: Starre Ohren, die sich mehr als eine Minute kaum oder gar nicht bewegen. Das kann auf Stress, Schmerzen oder Unwohlsein deuten.

Aber auch übermäßig viele Bewegungen können Stress anzeigen. Die Biologin rät: Werden Sie am besten selbst zum Forscher. Zählen Sie die Ohrbewegungen Ihres Pferds pro Minute beim Reiten – und zwar in verschiedenen Situationen wie beim Dehnen, beim Ausritt und auch bei anstrengenden Lektionen. "So lernen Reiter ihr Pferd noch besser kennen und Abweichungen der Ohrbewegungen fallen eher auf."

Das rechte Ohr ist bei Ihnen? Recht so!

Hallo, mein süßes Pferdchen – wie geht’s dir denn? Spricht eine vertraute Person ein Pferd freundlich an, bewegt sich bei Pferden meist das rechte Ohr in die Richtung des Menschen. "Dazu gibt es mehrere Studien – und das gilt für freie Pferde auf der Weide und vermutlich auch für Pferde beim Reiten", weiß Lara Piccolo.

Selbst bei Hunden beobachteten Forscher das Phänomen. Bewegungen mit dem rechten Ohr bringen sie mit positiver Stimmung in Verbindung. Achten Sie doch das nächste Mal darauf, wenn Sie Ihr Pferd begrüßen. Bei gerittenen Pferden beobachtete Lara Piccolo: Je mehr Pferde ihr rechtes Ohr bewegen, desto weniger auffälliges Verhalten im Maulbereich zeigen sie. Sie scheinen also zufrieden zu sein.

Ohren gespitzt? Gut gesprungen!

Ob die Stange fällt oder liegen bleibt? Das verrät bei Springpferden die Ohrenposition vorm Absprung und überm Hindernis. Kanadische Forscher der Universität Guelph fanden heraus: Spitzen Pferde ihre Ohren, springen sie meist fehlerfrei über ein Hindernis. Legen sie die Ohren an, purzeln die Stangen. Gespitzte Ohren sind ein Zeichen für Aufmerksamkeit. Also dann: Spitz mal schön die Lauscher.

Empfangsbereit? Die Ohren verraten es

"Bei der Bodenarbeit und beim Reiten möchte ich in einen Dialog mit dem Pferd kommen – und verstanden werden. Alle meine Einwirkungen, Hilfen oder gelegentliche Stimmsignale sollen vom Pferd bewusst wahrgenommen werden und wirken sich dann auch aufs Ohrenspiel aus", sagt Ausbilder Peter Kreinberg aus Sandberg in Bayern (www.peter-kreinberg.de). Bevor er in einer Trainingseinheit ein Signal oder eine Hilfe gibt, prüft der Ausbilder, ob das Tier auch aufmerksam und empfangsbereit ist.

Ein Auge und ein Ohr sollen dafür beim Führer oder Reiter sein. Das macht der Ausbilder zum Ritual in der Arbeit mit dem Pferd. Er versucht zunächst, über eine leichte Berührung wie das Antippen des Pferds mit der Wade, spielen oder vibrieren mit dem Zügel die Aufmerksamkeit zu gewinnen. "Vom Sattel aus sehe ich das Pferdeauge nicht, aber das Ohr. Bewegt es sich zu mir, ist mein Pferd mental geöffnet und zeigt Bereitschaft zur Mitarbeit." Reagiert das Pferd nicht auf Berührung, verstärkt er das Signal eventuell mit der Stimme.

Das Pferd muss nun nicht ständig ein Ohr in Richtung des Reiters ausrichten. "Es darf und soll auch phasenweise außenorientiert sein. Aber ich muss mir die Aufmerksamkeit stets zurückholen können." Dafür reicht dem Ausbilder ein kurzes Zucken mit dem Ohr. Es kann auch sein, dass sich ein oder beide Ohren Richtung Reiter drehen – und dann wieder zurück. "Ich muss nicht in die Ohrmuschel gucken können. Die Tendenz reicht." Bei konzentrierter Arbeit werden die meisten Pferde die Ohren etwas länger zurückstellen, das darf aber nicht zum dauerhaften Ohren-Anlegen werden.

Wenn angepresste Ohren Routine sind

Kaum sitzt ein Reiter auf, legt das Pferd die Ohren an. "Ich kenne Pferde, für die das aus Vorerfahrung Routine ist", meint Peter Kreinberg. Das Pferd lächele dann nicht mehr. Die Aufgabe in dem Fall: Ganz von vorne anfangen und überhaupt wieder in den Dialog kommen (siehe Empfangsbereitschaft). Hört das Pferd zu, lösen sich die verklemmten Ohren – und damit oft auch das ganze Pferd.

"Die mentale und die körperliche Ebene hängen zusammen", sagt Peter Kreinberg. Er macht bei solchen Pferden auch TTouches, also sanfte Berührungen nach Linda Tellington-Jones. Dabei streicht man die Pferdeohren von der Wurzel bis in die Spitze sanft aus – ohne sie abzuknicken.

OHRientierung für Reiter: Was Forscher über diese Ohrpositionen wissen

Welche Ohrenstellungen stehen mit Stress in Verbindung? Das fanden Wissenschaftler heraus:

Beide Ohren nach vorne gerichtet:

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Beide Ohren nach vorne gerichtet: Die Ohrmuscheln zeigen nach vorne, die Ohren sind aufrecht. Kann zusammen mit bewegtem Ohrenspiel ein Zeichen für Zufriedenheit sein.

Beide Ohren vorn, leicht lateral:

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Beide Ohren vorn, leicht lateral: Die Ohrspitze zeigt nach vorne, die Ohrmuschel ist dabei leicht seitlich ausgerichtet. Die Studie von Forscherinnen um Piccolo zeigte keine Korrelation zu Konfliktverhalten.

Beide Ohren lateral seitlich:

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Beide Ohren lateral seitlich: Die Ohrmuschel zeigt seitlich Richtung Boden, die Ohrspitzen weisen zur Seite. Oft mit Konfliktverhalten wie Schweifschlagen verbunden.

Beide Ohren sind lateral hinten:

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Beide Ohren sind lateral hinten: Die Ohrspitzen weisen leicht zurück, die Ohrmuschel etwas zur Seite, wie bei kurzem Drohen. In der Studie von Piccolo/Dr. Kienapfel zeigte sich keine Korrelation zu einer bestimmten Stimmung.

Beide Ohren nach hinten gerichtet:

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Beide Ohren nach hinten gerichtet: Der Reiter sieht beide Ohrmuscheln. Die Ohrspitzen weisen nach hinten. Kann ein Horchen zum Reiter sein, dann ohne Konfliktverhalten. Je nach Ausprägung, Mimik und auftretendem Konfliktverhalten auch ein Zeichen für Unwohlsein/Aggression.

Unterschiedlich ausgerichtet:

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Unterschiedlich ausgerichtet: Die Ohren bewegen sich unabhängig voneinander. Beispiel: Ein Ohr ist etwa eher nach vorne gedreht, eines nach hinten. Hier gab es keine Korrelation zu Konfliktverhalten.
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