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Pferdestall im Test - Aktivstall von Borstel

Aktivstall von Borstel

Wie wohnen die Pferde einer Verhaltensforscherin? Die Pferde von Uta König von Borstel leben im Offenstall mit ganzjährigem Koppelgang – und einem Teppich an der Wand.

Zicken-Alarm im Aktivstall bei Uta von Borstel: Dieses Streitthema steht nicht in den Büchern von Verhaltensforscherin Dr. Uta König von Borstel, sondern in Form von drei jungen Stuten live vor ihrer Haustür. Die sorgen für ordentlich Trubel auf dem Hof der Wissenschaftlerin. Sie erforscht an der Universität Göttingen das Verhalten und Wohlbefinden von Pferden. Worauf legt die 33-Jährige bei der Haltung ihrer eigenen Tiere Wert, und wie beschäftigt sie ihre Pferde-Teenies? Das zeigt sie CAVALLO bei einer Runde durch ihren Stall.

Der Hof liegt idyllisch am Ortsrand von Malsfeld in Hessen. Dort lebt Uta König von Borstel mit ihrem Mann Sven und den Schwiegereltern. Gemeinsam kümmert sich die Familie um die Landwirtschaft und die rund 90 Rinder auf dem Betrieb. Neben dem Wohnhaus ist der Kuhstall. Hinter ein paar alten Pflaumenbäumen befindet sich das Reich der Pferde. „Für mich stand immer fest: Meine Pferde sollen im Offenstall leben“, sagt die Verhaltensforscherin. „Sie müssen sich frei bewegen und beschäftigen können. Das ist wichtig für eine gesunde Psyche.“ Vor drei Jahren baute sie einen 18 mal 26 Meter großen Stall. Ein Teil davon dient als Futterlager und Sattelkammer, ein anderer ist Schlaf- und Liegebereich für die Pferde mit Zugang zum Paddock. „Die Pferde bevorzugen aber selbst bei Wind und Wetter die Weide. Nur wenn die Fliegen sie ärgern, fliehen sie unters Dach.“

Die eher traditionell eingestellten Schwiegereltern vom Offenstall zu überzeugen, war nicht leicht. Doch die Argumente der Forscherin leuchteten schließlich ein, und es war klar: Wir bauen eine Pferdeaufzucht mit viel Auslauf. Ihre heute dreijährigen Pferde Honja und Bella Donna kauften Uta König von Borstel und ihr Mann nämlich bereits als Fohlen. Später kam Einsteller-Pony Lara dazu.

Seitdem geht es bei den drei Stuten oft turbulent zu. „Manchmal bollerten sie mit den Hufen die ganze Nacht gegen die Wände der Fress-Stände“, erzählt Uta König von Borstel. Den Lärm kehrte sie wortwörtlich unter den Teppich. Ein ausgedientes Exemplar aus dem Wohnhaus hängt jetzt als Schutz für die Hufe an den Wänden. Den Hühnerstall verwandelte die Familie in einen Paddock zum Wälzen und Spielen. Dafür mussten die Hühner aus ihrem Garten weichen. Die Bäume durften als Schattenspender bleiben. Sie tragen zur Sicherheit vor den Zähnen des Pferde-Action-Teams einen Mantel aus Holz. Knabbern dürfen die Stuten trotzdem. Dafür legt Uta König von Borstel ihnen Holzstämme in den Auslauf: „Unser Feuerholz geht einmal durch den Paddock, bevor es dann zersägt im Ofen landet.“ Der Boden des Paddocks ist drainiert mit einem Gemisch aus Sand und Kies. „Eigentlich wollte ich Sand nachfüllen. So ist der Boden jedoch härter und bildet für die Hufe einen guten Kontrast zum weichen Weideboden.“

Die Pferde können direkt vom Paddock durch ein Tor zur Weide. Ein großer Wunsch der Agrarwissenschaftlerin: Sie würde gerne die viel belaufenen Wege mit groben Steinen befestigen – ähnlich wie beim System Paddock-Paradise (vorgestellt in CAVALLO 11/2011). „So schlittern sie weniger auf dem lehmigen Boden und ihre Hufe bleiben robust.“

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Ganzjährig Weide im Aktivstall von Borstel

Für die Pferde im Aktivstall der Forscherin Uta König von Borstel endet die Weidesaison nie. Sie dürfen das ganze Jahr draußen toben. Werden die Weiden im Herbst und Winter nicht irgendwann matschig? „Im Winter mache ich alle Weiden auf. Dann haben die Pferde fünf Hektar nur für sich“, erzählt Uta König von Borstel. Das entspricht einer Fläche, die etwa so groß ist wie 60 Reitplätze. Auf diesem großen Platz verteilt sich die Belastung durch die Pferdehufe, und die Grasnarbe bleibt erhalten.

In der warmen Jahreszeit grasen Pferde und Milchkühe abwechselnd. Den Vortritt haben immer die Kühe. Sie brauchen besonders viel frisches, energiereiches Gras. Das kann für Pferde hingegen gefährlich werden, da zu viel davon Krankheiten wie Hufrehe verursachen kann. Deshalb kommen sie erst nach den Kühen an die Reihe. Die fressen zudem auch Stellen ab, die Pferde meiden und umgekehrt. So ist die Weide gleichmäßig abgegrast. „Im Sommer versetze ich den Weidezaun jeden Tag um ein paar Meter. So haben die Pferde immer ein frisches Stück zum Grasen, und ich bin automatisch gezwungen, den Zaun zu kontrollieren“, sagt Uta König von Borstel.

Beim Gang über die Weide mit CAVALLO weichen ihr Rappstute Honja und Hund Bruno nicht von der Seite. Hannoveraner-Stute Bella Donna grast lieber. Erst als Hund Bruno sie immer wieder wild kläffend zum Spielen auffordert, gibt sie nach und jagt ihn. Manchmal drehen die Pferde auf Kommando auch eine Runde um die Futtersilos neben der Weide. Mit ein paar Stangen hat sich die passionierte Reiterin kurzerhand eine kleine Freispringanlage gebaut. Für Beschäftigung ist hier wirklich immer gesorgt. Allerdings nicht nur bei den vierbeinigen Hofbewohnern.

Der Tag von Uta König von Borstel beginnt meist um fünf Uhr morgens. „Die körperliche Arbeit auf dem Hof ist mein perfekter Ausgleich zur geistig anstrengenden Arbeit an der Uni“, sagt sie. Die Familie produziert das gesamte Futter für die Pferde und Kühe selbst. Sie baut alle Getreidearten an, macht Mais und Silage für die Kühe und schneidet drei- bis viermal Heu für die Pferde. „Der erste Schnitt war dieses Jahr qualitativ an der Grenze, der Rest aber gut.“

Auch beim Futtermachen gilt: energiereiches Gras für die Kühe, das etwas ältere Gras für die Pferde. Heu und Stroh presst die Familie in kleine Ballen. Gerade vor dem CAVALLO-Besuch hat Uta König von Borstel die Ballen fein säuberlich im Stall gestapelt. „Ich mische beim Füttern immer Heu und Stroh. So haben die Pferde beim Fressen länger etwas zu tun. Das Stroh sortieren sie heraus“, sagt sie. Das Raufutter legt sie auf den gepflasterten Boden vor den Futterständen. Die haben drei Abteile, damit jedes Pferd in Ruhe fressen kann. Streit gibt es aber trotzdem immer mal wieder. „Die Futterstände sind vorne nicht lang genug. Die Stuten sehen sich, wen sie die Heuhalme angeln. Vielleicht bringe ich noch jeweils ein Brett als zusätzlichen Sichtschutz an“, erklärt Uta König von Borstel.

Ganz zufrieden ist die Forscherin hingegen mit ihrem Aktivstall. Der ist hell und hat ein gutes Klima. „Außerdem sind drinnen kaum Insekten“, sagt sie. Dafür sorgt auch der mobile Misthaufen in Form eines Anhängers. Er steht unterhalb des Stalls, der auf einem Hügel liegt. Uta König von Borstel kann den Mist so einfach aus der Karre hinunter auf den Hänger kippen. Das spart Kraft und einen Arbeitsgang: Ist der Hänger voll, hängt ihr Mann ihn ohne zweites Aufladen einfach an den Traktor und fährt ihn aufs Feld. Mist ade, Fliegen ade.

Da der Stall auf einer Seite fast ganz offen ist, strömt ständig frische Luft hinein, ohne dass es zieht. Netze schützen seitlich vor starkem Wind und Regen. Auf der gegenüberliegenden Südseite reicht ein Schrägdach bis etwa drei Meter über den Boden. Darauf liegen mehrere Photovoltaik-Platten und erzeugen Strom für den Stall. Unter dem Schrägdach ist auch der Schlafbereich der Pferde. Eine große Box mit Platz für drei Tiere bietet Schutz vor schlechtem Wetter. Links und rechts ist je ein breiter Ausgang, durch den die Pferde auf den Paddock können. „Zwei Ausgänge sind wichtig, damit sich die Pferde nicht in die Quere kommen. Manchmal zicken Bella Donna und Lara nämlich ganz schön herum.“

Gar nicht zickig, sondern ganz sanft ist Stute Honja. Sie folgt ihrer Besitzerin auf Schritt und Tritt bei der gesamten Stall-Runde. Auf Kommando legt sie sich sogar im Stroh hin und wird zur Belohnung gekrault. Uta König von Borstel reitet ihre Stuten gerade ein: „Das mache ich auf der Weide. Die Beiden sind ganz brav. Die ausgiebige Bodenarbeit vorher zahlt sich jetzt aus.“ Eine Halle vermisst sie nicht. Vieles übt sie mit den Pferden im Gelände. Erst wenn die Stutenleistungsprüfung näher rückt, geht es auch mal ins Viereck. In ihren Stall ließe sich eine kleine Reithalle sogar noch integrieren. Die Expertin für Tierzucht und Genetik möchte den Platz aber künftig lieber für einen Fohlenbereich nutzen. Sie will die Hannoveraner-Stuten Honja und Bella Donna irgendwann decken lassen und eine eigene kleine Zucht aufbauen.

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Alena Brandt
Unter dem Schrägdach des Stalls haben die Pferde einen Liege- und Futterplatz; direkt daran grenzt der Paddock. Von dort führt ein kleiner Gang zur Weide.

Eckdaten

Kontakt: Dr. Uta König von Borstel
34323 Malsfeld,
Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Tierzucht und Haustiergenetik an der Universität Göttingen.
E-Mail: koenigvb@gwdg.de

Haltung: Offenstall mit Paddock und ganzjährigem Zugang zu großen Weideflächen rund um den Hof. Getreide, Heu, Silage, Stroh, Äpfel und Möhren aus eigenem Anbau.

Anlage: Privater Landwirtschaftsbetrieb mit Rinder- und Pferdezucht.

Freie Plätze: keine

Das Video zum Artikel gibt es unter: www.cavallo.de/stallrunde

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