Initiative kämpft für pferdegerechten Reitsport

Initiative kämpft für pferdegerechten Reitsport
Auftakt für große Sprünge

ArtikeldatumVeröffentlicht am 02.03.2026
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Springen bei den German Masters in Stuttgart
Foto: Tom Hartig

Der Pferdesport ist in der Krise. Nicht erst seit heute. Je mehr Skandale an die Öffentlichkeit kommen, desto lauter wird die Kritik: nicht nur von sensibilisierten Medien und Tierschützern, sondern vor allem von Reitern und Pferdefreunden, die wissen: Das kann und muss man besser machen! Die Initiative R-haltenswert bringt es auf den Punkt: "Pferdesport kann nur dann zukunftsfähig sein, wenn er die Perspektive des Pferds kompromisslos mitdenkt.”

Klassische Werte zu bewahren, darum geht es der Initiative, die von der Stuttgarter Unternehmerin Viktoria Auracher gegründet wurde und seit Beginn von Rechtsanwalt André Hascher, dem Vorstandsvorsitzenden des Zuchtverbands für deutsche Pferde (ZfdP) unterstützt wird. Die Vision: ein modernes Modell für den Pferdesport, dass Tradition und ethische Standards in Einklang bringt. Ein erster Schritt in die richtige Richtung: anerkennen, was schon gut ist – und herausfinden, wo die Stellschrauben sitzen, an denen noch gedreht werden muss.

Dressur bei den German Masters in Stuttgart
Tom Hartig

Turnier-Reports sollen den Ist- Zustand beleuchten. Beim FEI-Weltcup-Finale in Basel 2025 dokumentierte R-haltenswert, wie die Reiter ihre Pferde auf die Prüfung vorbereiteten. Mit einem noch größeren Fach-Gremium führte die Initiative ihr Reflection Panel bei den German Masters in Stuttgart im November 2025 durch. Richter, Ausbilder, Tierärzte und Fachleute aus der Wissenschaft analysierten jeden Prüfungsritt in allen gezeigten Disziplinen: Dressur, Springen, Vielseitigkeit und Fahren. Nach einem in Anlehnung an die FEI-Richtlinien erstellten Kriterienkatalog bewerteten die 20 Experten, wie gesund die Pferde sich bewegten, wie die Reiter einwirkten, wie korrekt die Pferde ausgebildet sind und welches Konfliktverhalten sie zeigten. Zusätzlich wurden Zuschauer vor Ort und Social-Media Nutzer gefragt, wie sie das Turnier im Gesamteindruck wahrnahmen.

Warum wurde das Abreiten vor der Prüfung nicht in die Auswertung einbezogen? Mit dem Bericht aus Stuttgart ging es R-haltenswert in erster Linie darum, zu analysieren, welche Bilder der Reitsport nach außen trägt. Was im Viereck oder im Parcours gezeigt wird, sei letztlich das "öffentliche Aushängeschild”, woraus sich Meinungen über den Pferdesport bilden.

Der Report aus Stuttgart zeigt: es gibt Hoffnung. In der Vielseitigkeit und im Springen seien die Ritte überwiegend harmonisch und pferdegerecht verlaufen. Negativ fiel den Fachleuten beim Springen die breite Palette an scharfen oder komplex kombinierten Zäumungen auf. Die Fahrpferde seien vor allem durch die Show-Atmosphäre übermäßig gefordert gewesen und nicht durch falsche Fahrweise. Viel Luft nach oben gebe es in der Dressur: mangelnde Losgelassenheit, instabile Anlehnung und Balance, fehlende Versammlungsfähigkeit und erhöhtes Konfliktverhalten wurden bei vielen Ritten beobachtet.

German Masters: Bei den Vierspännern geht es rasant zu
Markus Bechert

Und die Zuschauer vor Ort? 51 Prozent nahmen den gezeigten Sport als positiv wahr. 42 Prozent der Befragten blieben neutral, 7 Prozent gaben einen negativen Gesamteindruck an. Die Online-Umfrage zeigte ein anderes Bild: Auf die Frage, ob man sich auf die German Masters gefreut habe, gaben 30 Prozent eine positive Erwartungshaltung an, 60 Prozent waren kritisch gegenüber dem Turniersport eingestellt (10 Prozent neutral). Doch nur rund 20 Prozent der Befragten haben die Prüfungen im Live-Stream verfolgt. Das zeigt: Viele Menschen haben die German Masters nicht gesehen, aber trotzdem eine klare Meinung, die auf digitalen Bildern basiert. "Social Media bildet nicht die Realität ab – aber es prägt maßgeblich die Realität, mit der der Sport konfrontiert wird”, heißt es im Report.

Die Ergebnisse zeigen, wohin der Weg gehen muss. "Harmonie und Leichtigkeit müssen wieder in den Vordergrund rücken, Showeffekte und überhöhte Anforderungen zurückgedreht werden”, betont André Hascher. So müsse etwa das Training konsequenter an der Skala der Ausbildung ausgerichtet und Prüfungsformate sowie Rahmenbedingungen müssten so angepasst werden, dass Pferde mehr innere Ruhe finden.

Auch in diesem Jahr wird R-haltenswert wieder mit fachkundigen Beobachtern den Turniersport im Auge behalten. "Wir planen deutlich mehr Projekte, weil unser Experten-Netzwerk ständig wächst”, so Hascher. Bei den Veranstaltern stößt die Initiative auf offene Türen. "Sie haben großes Interesse an einer besseren Außenwahrnehmung.” Mit der FN wolle man die Themen, die Entwicklungspotenzial für den pferdegerechten Reitsport bieten, erörtern. "Wir würden uns freuen, wenn ein Dialog entsteht und wir gemeinsame Ziele entwickeln könnten.”

Was ist R-haltenswert?

R-haltenswert ist eine Initiative, die sich mit Fachleuten für pferdegerechten Reitsport engagiert. Alle Turnier-Reports, Experten-Runden und Interviews zu Ausbildungs- und Ethik-Themen gibt es online unter: r-haltenswert.de