Dressurarbeit kann den Tölt fördern

Suzan Beuk ist IPZV-Trainerin A und IPZV-Ausbilderin. Sie betreibt einen Ausbildungs- und Zuchtstall bei Hamburg. Mehr Infos unter www.suzanbeuk.de
Ein harmonischer Körperbau mit schöner Oberlinie, starkem Rücken und einer schrägen, gut bemuskelten Kruppe deutet auf eine Töltveranlagung beim Islandpferd hin. Das Pferd wird dann wahrscheinlich eher in der Lage sein, die Gangart auch unter dem Reiter zu entwickeln. Im Gegensatz zum reinen Dreigänger, der ausschließlich über ein diagonales Gangbild verfügt, besitzen Naturtölter und Fünfgänger ein laterales Bewegungsmuster. Deutlich zu sehen ist das in den Übergängen und in den Grundgangarten Trab und Galopp. Sie wirken eher gelaufen mit leichten Verschiebungen Richtung Viertakt. Ein guter Tölter bleibt in allen Lebenslagen im klaren Viertakt und findet dort sein Gleichgewicht, egal ob er schnell, langsam, geradeaus oder auf gebogener Linie geritten wird. Eine sorgfältige Grundausbildung sollte jedes Pferd genießen. Islandpferde, welche die Gangart Tölt nicht von selbst zeigen und sie deshalb erlernen sollen, können auf eine sorgfältige dressurmäßige Ausbildung nicht verzichten. Für die Töltausbildung sind speziell die Förderung der Durchlässigkeit, der Geschmeidigkeit und des gesunden Vorwärts von Bedeutung.
Das Tölten ist genetisch verankert

Walter Feldmann ist Leiter des Gangpferdezentrums Aegidienberg bei Köln. Mehr Infos unter gangpferdezentrum.de
Genetisch ist der Tölt bei den meisten Islandpferden festgelegt – das sagt jedoch nichts über die Veranlagung als Fünfgänger aus. Warum das so ist, wissen wir trotz intensiver Forschung bis heute nicht genau. Anhand bestimmter Hinweise kann man spekulieren, ob ein Jungpferd die natürliche Veranlagung für den Tölt mitbringt. Eine lange und abfallende Kruppe kann zum Beispiel darauf hindeuten, dass ein Pferd fünfgängig veranlagt ist. Sind die Elterntiere oder die Vollgeschwister gute Tölter, ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass auch das Fohlen diese Gangart von Geburt an mitbringt. Im Freilaufen wechseln sie dann per Zufall mal kurz vor dem Angaloppieren oder in einer Ecke in die laterale Bewegung. Andererseits gibt es auch Islandpferde, die trotz der Genetik Dreigänger bleiben und auch mit einer professionellen Ausbildung nie den Tölt lernen. Ihre Zahl nimmt immer mehr ab. Dass heute fast jedes Islandpferd tölten kann, liegt an der fortgeschrittenen Qualität der Zucht – aber auch das Training ist besser geworden. Wie viel Tölt ein Islandpferd von Natur aus mitbringt, kann ich mit Sicherheit erst sagen, wenn ich es unter dem Sattel habe. Gebäude, Abstammung und Gangmechanik können Indizien sein für eine Tölt-Veranlagung, aber für die Qualität des Tölts ist der Einfluss des guten Ausbilders entscheidend.
Vorm Reiten ungewiss, ob der Isländer tölten kann

Sönke Müller ist Leiter des Islandpferdehofs Seppensen und widmet sich der Zucht und dem Verkauf von Islandpferden. Mehr Infos unter www.islandpferdehof.de
Ob ein Islandpferd tölten kann, zeigt sich, wenn ich mit dem Reiten beginne. Alles davor bleibt Spekulation. Erst wenn ich auf dem Pferd sitze, kann ich mit Sicherheit sagen, ob es mehr Veranlagung für den Tölt oder den Trab zeigt. Ein guter Tölter wird diese Gangart beim Reiten immer bevorzugen. Ein Pferd mit einer starken Trabveranlagung wird hingegen von sich aus immer in den Trab fallen.Wenn das Pferd von Natur aus töltet, fühlt sich die Gangart bequem an und ist auch für den Amateur einfach zu reiten. Je nachdem wie stark wiederum die Trabveranlagung ausgeprägt ist, kann es schwierig sein dem Islandpferd einen qualitätvollen Tölt beizubringen, den andere von Natur aus mitbringen. Heute gibt es durch züchterische Selektion deutlich mehr Islandpferde mit einer sogenannten lateralen Veranlagung. Vor 50 Jahren zeigte von zehn Fohlen vielleicht eines die Veranlagung zum Tölt. Inzwischen hat sich das umgedreht, weil wir dem Zuchtziel entsprechend nur noch mit Elterntieren züchten, die im Tölt geprüft wurden.





