Reitschule richtig führen: Unterricht, Wirtschaftlichkeit, Pferde, Konzept

Reitschul-Konzepte und Wirtschaftlichkeit
Reitschulen unter Druck: So gelingt's trotzdem mit dem Schulbetrieb

ArtikeldatumVeröffentlicht am 01.09.2026
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Das Foto zeigt eine Reiterin mit Reithelm auf einem Haflinger auf einem umzäunten Reitplatz. Im unscharfen Vordergrund steht eine Reitlehrerin, während Bäume und Wiese den natürlichen Hintergrund bilden.

Erfolgreiche Reitschul-Konzepte unter der Lupe

Reiten ist das schönste Hobby der Welt – aber noch schöner ist es, Unterricht zu geben", sagt Anna-Katharina Wehr. Seit knapp 20 Jahren lebt sie genau diese Begeisterung. In ihrer Reitschule Hof Tannhorst in Celle lernen jede Woche rund 500 Reitschüler auf 53 Schulpferden. Einen Betrieb dieser Größe erfolgreich zu führen und dabei Pferde artgerecht zu halten, scheint heute fast die Ausnahme zu sein.

Vielerorts kämpfen Reitschulen mit steigenden Kosten und reduzieren Schulpferde. Gleichzeitig sind sie wichtiger denn je: Hier entstehen die ersten Freundschaften zwischen Mensch und Pferd – und oft die Leidenschaft für ein Hobby, das ein Leben lang bleibt.

Was macht gute Reitschulen heute aus? Welche Ideen entlasten Pferde und Trainer gleichermaßen? Und wie gelingt Unterricht, der begeistert, statt nur Routine zu sein? Dafür haben wir ein ganzes Experten-Team befragt, um zu inspirieren und Wege zu ebnen – für guten Unterricht, der allen Freude macht. Außerdem waren wir beim Reiterhof am Waldrand in der Rhön zu Gast. Der Betrieb schnitt im Reitschultest mit Bestnoten ab und zeigt, wie kreativer Unterricht, Pferdewohl und wirtschaftlicher Erfolg zusammenpassen. Viele der Ideen funktionieren übrigens nicht nur im Schulbetrieb, sondern genauso mit dem eigenen Pferd. Denn letztlich ist jeder Reiter auch Ausbilder für sein Tier und profitiert von klaren Konzepten für Training und Haltung sowie von Ideen, die Mensch und Pferd wachsen lassen.

Das Experten-Team

Veit Holzknecht und Anna-Katharina Wehr mit Pony im Porträt
Anna-Katharina Wehr
Die Expertin
Regina und Maja Fuchsberger mit Pferd im Porträt
Regina und Maja Fuchsberger
Die Expertinnen
Anja Beran im Porträt
Anja Beran
Die Expertin
Hannes Müller vor einer Hecke stehend
Hannes Müller
Der Experte
Sibylle Wiemer im Porträt
Sibylle Wiemer
Die Expertin

Wie lernen Reiter besser?

1. Cleveres Unterrichts-Konzept:

Wochen-Themen: Abwechslung ist gut – aber Ausbilder müssen nicht jede Stunde neu planen. Auf Hof Tannhorst setzt Anna-Katharina Wehr deshalb auf Wochen-Themen. Diese reichen von Dressurlektionen und Hufschlagfiguren bis zu gerittener Dual-Aktivierung und Gelassenheitstraining. Eine Woche dreht sich beispielsweise alles um Schlangenlinien.

"Alle Reiter, vom Anfänger bis zum Fortgeschrittenen, beschäftigen sich mit derselben Aufgabe. Nur die Anforderungen unterscheiden sich. Das schafft Routine für die Pferde und einen roten Faden für den Unterricht", meint die Reitlehrerin. Anfänger konzentrieren sich etwa mithilfe von Pylonen und Gassen auf eine saubere Linienführung. Fortgeschrittene nutzen dieselbe Übung, um an Stellung, Biegung und halben Paraden zu feilen.

Die Stunden sind auch auf die Pferde zugeschnitten: Anna Wehr hat rund hundert Unterrichtskonzepte für Gruppen mit bis zu sechs Reitern entwickelt. Welches Thema letztlich auf den Plan kommt, das entscheiden jedoch die Pferde. "Ich mache es vor allem vom Energielevel der Schulpferde abhängig”, verrät die Ausbilderin. Haben die Vierbeiner viel Power, fällt die Wahl etwa auf Trabarbeit und Galopp als Thema. Bei Hitze dürfen es dagegen entspannte Einheiten ohne Sattel sein – manchmal sogar unter dem Rasensprenger. Ein gutes Unterrichts-Konzept entlastet also Trainer und Pferde zugleich.

Die Aufnahme zeigt drei Personen auf gesattelten Pferden bei einer Trainingseinheit auf einem grasbewachsenen Reitplatz im Freien. Alle tragen Reithelm und englische Reitausrüstung; im Hintergrund sind ein Holzzaun, Bäume und ein Hofgebäude zu sehen.

2. Team-Work und Philosophie:

Dass das Ganze so rund läuft, liegt auch am eingespielten Team. Einige der Trainerinnen reiten seit zehn bis 15 Jahren auf Hof Tannhorst und sind ehemalige Reitschüler. Der Vorteil: Sie kennen die Wochenthemen, den Unterrichtston, jede Eigenheit der Pferde.

"Alle Trainerinnen haben bei mir gelernt. Wir unterrichten im einheitlichen Stil”, sagt Anna Wehr. "Setz’ dich durch, der will dich nur veräppeln” – solche Sätze gibt es in ihrer Reitschule nicht. Alle verkörpern die gleiche Philosophie: Mit dem Pferd arbeiten – und nicht dagegen.

Guter Unterricht findet auch am Boden statt. Verschiedene Konzepte für Reitstunden von der Bodenarbeit zur Dressur für Fortgeschrittene – das bietet auch der Reiterhof am Waldrand in Bayern. Regina Fuchsberger leitet den Betrieb und wurde sogar schon als Unternehmerin des Jahres vom Land Bayern ausgezeichnet. Ihre Tochter Maja hat bei ihr im Betrieb Pferdewirtin gelernt und als Jahrgangsbeste abgeschlossen. Jetzt unterrichten Mutter und Tochter gemeinsam. Sie bieten wöchentlichen Reitunterricht und Reiterferien. Die rund 16 Schulpferde reichen vom 32-jährigen Shetty bis zum L-fertigen Warmblut.

"Bei uns lernen Reitschüler auch das Fahren vom Boden, um die Ponys zu gymnastizieren. Es gibt eine Geländestrecke mit Hügeln und eine Pferdeschwemme, wir lehren alles auf Grundlage der klassischen Dressur", betont Regina Fuchsberger. Beim Foto-Shooting ist das CAVALLO-Team beeindruckt: Die Reitschüler bewegen sich präzise und mit klarer Körpersprache. Es ist direkt sichtbar, dass sie von der Pike auf alles rund ums Pferd gelernt haben. Das gehört zum Konzept.

Welche Pferde braucht eine gute Reitschule?

Ein gutes Schulpferd zu finden, ist eine der größten Herausforderungen für Reitschulen. Denn die Anforderungen sind hoch: Ein Lehrpferd muss zuverlässig, nervenstark und gut ausgebildet sein – und gleichzeitig die Belastung des Unterrichts langfristig verkraften.

"Züchter haben sich lange Zeit auf den Spitzensport konzentriert und den Bereich der Schulpferde sträflich vernachlässigt. Ich sehe aber, dass ein Umdenken im Gange ist", meint Hannes Müller vom Berufsreiterverband. Gesucht sind schließlich keine Spezialisten für einzelne Lektionen, sondern Pferde mit einem sicheren Charakter, guter Gesundheit und Freude an ihrer Aufgabe.

Einige Reitschulen ziehen ihren Schulpferde-Nachwuchs selbst. Das macht auch Anna-Katharina Wehr vom Hof Tannhorst. Sie hat sich dafür extra als Züchterin für Ponys und Kleinpferde eintragen lassen. "Für mein Unterrichtskonzept ist das Fjordpferd ideal", meint sie. Zwei bis drei Stuten lässt die Züchterin pro Jahr decken – und zwar sehr gezielt. "Ich nehme tatsächlich die, die am allerbesten im Unterricht laufen, sich bewährt haben und klar im Kopf sind", sagt die Trainerin. Zwar fehlen ihr diese Stuten zunächst im Schulbetrieb, doch für die Hofchefin steht fest: Qualität geht vor.

Das Foto zeigt eine Gruppe von Jugendlichen mit Ponys am Langzügel, angeleitet von einer Reitlehrerin, die in der Mitte der Wiese läuft. Im Hintergrund sind Bäume und eine hügelige Landschaft erkennbar.

Ihr erster selbstgezogener Nachwuchs läuft inzwischen im Unterricht mit. Vormittags widmet sich die Hofchefin der Ausbildung des Schulpferdenachwuchses. "Wir nehmen auch schon die Youngster mal als Handpferd mit ins Gelände – so wachsen sie behutsam in den Schulpferdealltag", sagt die Betriebsleiterin. Die jungen Pferde profitieren von der Erfahrung und Routine der älteren Lehrmeister und fügen sich nach und nach in den Ablauf ein. "Wichtig sind Pausen, damit sich das Gelernte festigen kann", betont Anna Wehr.

Pferde für die Basis und fürs Gymnasium:

"Meines Erachtens sind zwei Arten von Reitschulen nötig: eine für die Basisausbildung und eine für die weiterführende Reiterei", meint Anja Beran, die Pferde und Reiter in klassischer Dressur ausbildet.

Die Basisausbildung sollte vor allem Sicherheit, Vertrauen und ein gutes Gefühl fürs Pferd vermitteln. Dass das nicht selbstverständlich ist, hat Anja Beran selbst erlebt. Als Kind begann sie in einer Reitschule mit militärisch geprägtem Unterricht. "Die Pferde standen im Ständer, bekamen Hafer, schossen in der Abteilung los – und alle Reiter lagen im Dreck. Das hat mir die Reiterei beinahe verdorben", erinnert sie sich.

Erst der Wechsel zu einem Distanzreiter und das Ausreiten brachten Sicherheit und Freude. Der Mann besaß rund 15 Pferde, die alle im Offenstall lebten und mit Reitschülern täglich mehrere Stunden im Gelände liefen. "Mein Reitlehrer hat gesehen, dass ich anfangs ängstlich war und ritt an meiner Seite. Die Pferde ließen sich mit nur einer Hand in allen Gangarten dirigieren.” Für Anja Beran ist das bis heute eine prägende Erfahrung: Wer Sitz, Balance und Gefühl entwickeln will, braucht keine Dressur-Cracks, sondern verlässliche Lehrpferde, die sich balanciert in allen Grundgangarten bewegen.

Später lernte sie in Reken nach der Bruns-Behr-Reitpädagogik weiter. Das Konzept für erwachsene Reitanfänger findet sie bis heute super: "Die Pferde liefen glücklich und balanciert, ohne Ausbinder, und gleichzeitig wurde großen Wert auf Sicherheit gelegt. Ich weiß nicht, warum sich dieses Konzept nicht flächendeckend durchgesetzt hat."

Du möchtest mehr darüber erfahren, wie Reitschulen in der heutigen Zeit tragfähig und rentabel bleiben können? Hier kannst du den vollständigen Artikel lesen:

Fazit