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Reitschul-Test: Reiten am Bodensee

Reitschulen am Bodensee

Tipps für Reitschüler: CAVALLO-Redakteurin Miriam Kreutzer hat vier Reitschulen am Bodensee getestet. Reiten am Bodensee: Hier finden Sie Ergebnisse und Fotos!

Beim Pferdeparadies Müller startet Miriam Kreutzer mit Basisübungen auf PRE-Stute Suelita. Profitiert eine Fortgeschrittene von der Longenstunde?

Ein einziges Schulpferd auf dem Heimpelhof und eine Aushilfs-Reitlehrerin stemmen am Testtag den Reitunterricht. Wie schlagen sich die beiden?

Auf dem Isländergestüt Hafnersholt reitet Miriam Kreutzer mit einem Funkgerät. Was bekommt sie von der Reitlehrerin ohne Trainerschein zu hören?

Das Schulpferd Cenbo vom Reitzentrum Taubenberg lässt sich ungern trensen und weicht Hindernissen aus. Wie kommt die Testerin mit dem ehemaligen S-Springpferd zurecht?

Reiten am Bodensee: Müllers Pferdeparadies

Suelita ist spanisch und bedeutet kleine Lilie. Die PRE-Stute beim Pferdeparadies Müller passt nicht so recht zum Bild dieser zarten Blume. Sie hat einen eher kräftigen Knochenbau. Wird das Schulpferd fein zu reiten sein?

Ich hole die Fünfjährige gemeinsam mit Reitlehrerin Jördis Herold aus dem Laufstall, wo sie mit den anderen neun Schulpferden lebt. Jördis Herold fragt, ob sie mir beim Satteln helfen solle. Ich verneine, und sie longiert derweil ein Pferd. Dann geht‘s los.

"Ich nehme neue Reitschüler grundsätzlich an die Longe. Wir machen Sitzübungen und fühlen uns aneinander heran", erklärt die Pferdewissenschaftlerin und Trainerin B. Sie bietet auch für Stammreiter Longenstunden. So könne man sich immer wieder auf die Basis konzentrieren. Eine sehr vernünftige Einstellung.

Die Stunde startet mit Dehn und Sitzübungen ohne Zügel. "Die Knie so weit wie möglich hochziehen, als ob sich die Steigbügel verkürzen würden", sagt die Trainerin. Danach folgen Übungen, die die Drehung aus dem Becken verbessern. Im Leichttraben soll der Reiter zum Beispiel beim Einsitzen jeweils mit einer Hand im Takt des Trabs die Pferdeschulter und das Sattelpad antippen.

Info: So testet CAVALLO Reitschulen

Reitschul-Test: Reiten am Bodensee

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Reitschul-Test: Reiten am Bodensee

Nach den Aufwärmübungen nehme ich die Zügel auf und reite Schritt-Trab-Übergänge. Suelita ist sehr leichtrittig. Die Übergänge gelingen mit leichten Gewichts- und Schenkelhilfen. "Geben Sie diagonale Hilfen", sagt Jördis Herold. "Treiben Sie mit dem inneren Schenkel, und geben Sie Anlehnung am äußeren Zügel, damit Suelita sich besser biegt", rät die Reitlehrerin.

Die Stute mit der spanischen Abstammung hat einen angenehmen Schaukeltrab und einen schönen, ausgreifenden Galopp. "Links ist sie schlechter gymnastiziert", kündigt die Reitlehrerin an. Beim Angaloppieren fällt die Stute auf dieser Hand prompt auseinander.

Jördis Herold hat für den Reiter sofort einen Lösungsvorschlag parat: "Bauen Sie Körperspannung auf", sagt sie. "Äußeren Zügel stehenlassen, innen nachgeben und mit Kreuz und Schenkel an den Zügel treiben." Ich gebe die Galopphilfe, Suelita springt richtig an und galoppiert rund weiter.

Jördis Herolds Unterricht ist intensiv und lehrreich. Ihre Übungen sind sinnvoll und sorgen für Aha-Effekte. Sie ist die ganze Zeit beim Reiter, holt ihn auf seinem Niveau ab und fördert ihn entsprechend. Für den strukturierten Unterricht gibt es die Bestnote: Drei Hufeisen für die Reitlehrerin.

Die etwa 1,65 Meter große Spanierin Suelita ist feinfühlig, leichtrittig und sehr bequem zu sitzen. Auf der linken Hand lässt sie sich schlechter stellen und biegen. Ans Gebiss tritt sie hier schlechter als auf der rechten. "Wir arbeiten noch daran", sagt Jördis Herold. Die Stute wird regelmäßig korrekturgeritten. Suelita stammt aus der Zucht des Betriebs und ist auf dem Hof aufgewachsen. Das willige, zuverlässige Lehrpferd punktet mit zweieinhalb Hufeisen.


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Reitschul-Test: Reiten am Bodensee

Suelita lebt in einem großen, sauberen Laufstall. Bei trockenem Wetter kommen die Schulpferde täglich auf die Koppeln des Betriebs. Weil insgesamt 80 Pferde im Pferdeparadies Müller leben, ist der Weidegang eingeschränkt – vor allem, wenn der Boden nass ist. "Wir können die Pferde dann nicht täglich rauslassen. Die Grasnarbe würde mit der Zeit zu sehr leiden", erklärt Jördis Herold.

Auslauf und frische Luft genießen die Schulpferde rund um die Uhr im großen Laufstall mit Paddock. Suelitas Eisen sind leicht ungleichmäßig abgelaufen. Der Beschlag hätte bereits korrigiert sein sollen. "Der Hufschmied ist in letzter Zeit sehr unzuverlässig", sagt Jördis Herold.

Sattel und Zaumzeug passen. Sie sind in einwandfreiem Zustand, ebenso die geräumige Sattelkammer. Der Betrieb bietet neben der hellen und luftigen Reithalle (20 x 40 Meter) einen Roundpen, Führmaschine und einen 20 x 60 Meter großen Außenreitplatz mit Ovalbahn.

Im Winter dürfen die Schulpferde unters Solarium. Die meisten Gebäude des Betriebs sind erst drei Jahre alt und sehr gepflegt. Die spanischen Verzierungen verleihen den Innen- und Außenbereichen Urlaubsflair. Müllers Pferdeparadies punktet in der Kategorie Betrieb mit zweieinhalb Hufeisen.

30 Minuten an der Longe haben 25 Euro gekostet. Das ist ein sehr guter Preis für sehr guten Unterricht auf einem feinen Schulpferd. Drei Hufeisen für das Preis-Leistungs-Verhältnis. Denselben Betrag muss man für eine 45-minütige Gruppenreitstunde mit maximal drei Mitreitern zahlen. Eine Zehnerkarte kostet 200 Euro.

Bewertung

Schulpferd: zweieinhalb von drei Hufeisen
Reitlehrer: drei von drei Hufeisen
Reitbetrieb: zweieinhalb von drei Hufeisen
Preis-Leistung: drei von drei Hufeisen

Kontakt

Müllers Pferdeparadies
88145 Hergatz
Tel. 08385-922799
www.muellers-pferdeparadies.de

Reiten am Bodensee: Heimpelhof

Als erstes stechen auf dem Heimpelhof die vielen Verbotsschilder und Vorhängeschlösser an Türen und Schränken ins Auge. Tafeln mit "Betreten, Anfassen und Füttern verboten" hängen neben Stallordnungen und Verhaltensregeln. Dahinter verbirgt sich Fürsorge für die Tiere.

Ich fühle mich durch die Fülle der Schilder etwas unangenehm berührt. Ich gehe durch die menschenleeren Ställe und finde meine Reitlehrerin in der Reithalle. Sie gibt gerade eine Longenstunde. "Ich bin Kim und unterrichte heute – ich habe das schon öfter gemacht", empfängt mich die Abiturientin, die heute Vertretung macht.

Betriebsinhaberin Elisabeth Rothdach, mit der ich die Stunde telefonisch vereinbart hatte, hat Kim Ehrlinger ausführlich über meine Reiterfahrung informiert. Die Reitlehrerin entfernt die Longe von Schulpferd Apache und lässt mich frei in der Halle reiten. Das achtjährige Endmaßpony, dessen Rasse Kim Ehrlinger nicht kennt, wirkt müde.

Apache hat bereits zwei Longenstunden hinter sich. "Alle anderen Helfer sind auf einem Turnier", erklärt die Reitlehrerin. "Deshalb ist niemand da, der beim Satteln hilft, und wir können die Pferde nicht wechseln." Sie selbst unterrichtet ohne Pause in der Halle.

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Reitschul-Test: Reiten am Bodensee

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Reiten am Bodensee: Heimpelhof

Apache muss den Unterricht alleine stemmen. Nach meiner Einzelstunde steht noch eine weitere Stunde an der Longe an. Vier halbe Stunden täglich sind für ein Schulpferd nicht unbedingt zu viel, aber es sollten auf jeden Fall Pausen dazwischen liegen. Das Schulpferd ist mit Dreieckszügeln ausgebunden. Diese werden zwischen der vorangegangenen Longenstunde und meiner Reitstunde nicht ausgeschnallt.

Den Kopf hält der Wallach tief. "Das macht er auch ohne Hilfszügel gern", sagt Kim Ehrlinger auf meine Nachfrage. Die ersten Minuten reagiert Apache kaum auf den Reiterschenkel. Sein Rücken fühlt sich fest an. Nach und nach wird er aufmerksamer. Der Wallach kaut auf der Trense.

Beim Abwenden drückt er mit dem Hals gegen die rechte Hand. Hier fehlt beidseitige Gymnastizierung. In der Anlehnung ist Apache sehr leicht und reagiert auf feine Zügelhilfen sowie Paraden. Im Verlauf der Stunde geht er fleißiger vorwärts. Dann ist auch sein Trab bequem zu sitzen.

Den Galopp springt er freudig durch: Er galoppiert prompt an und fällt nicht aus. Das Reitpony ist ein zuverlässiges, feinfühliges und williges Schulpferd. Apache bekommt zwei Hufeisen.


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Reiten am Bodensee: Heimpelhof

Kim Ehrlinger unterrichtet gewissenhaft. Sie ist ständig beim Reiter und korrigiert ihn. "Wenn sich Apache auf den Zügel legt, treiben Sie mehr von hinten und geben Paraden." Sie legt Wert auf eine gute Innenstellung des Pferds. "Achten Sie auf die äußere Anlehnung, der Zügel darf nicht durchhängen", sagt sie. "Bei der Innenstellung brauchen Sie gleich viel Gewicht auf beiden Zügeln."

Der Unterricht ist solide, engagiert und motiviert mich. Kim Ehrlinger hat keinen Trainerschein, reitet auf diesem Hof seit Jahren und hat selbst ein Pferd hier stehen. Für den strukturierten Unterricht gebe ich zwei Hufeisen.

Der Betrieb hat Vor- und Nachteile. Eine 20 x 60 Meter große, helle Reithalle, ein Außenreitplatz und riesige Weiden bringen Pluspunkte. Die Schulpferde dürfen sich draußen regelmäßig die Beine vertreten. Nur wenn es so stark geregnet hat wie an den vorangegangenen Tagen bleiben sie im Stall.

In zwei Kilometern Entfernung stehen die Junghengste des Heimpelhofs Tag und Nacht auf der Weide. Sie sind bei jedem Wetter draußen und haben keinen Unterstand oder Bäume als Schutz vor Regen oder Sonne. Laut Leitlinien für die Pferdehaltung ist ein Witterungsschutz Pflicht, wenn Pferde Tag und Nacht draußen sind.

Dass Schulpferd Apache vier Reitstunden hintereinander geht und die ganze Zeit ausgebunden ist, kostet Abzug. Der Wallach steht in einer etwa 3 x 3 Meter großen Innenbox ohne Außenfenster, die dunkel ist. Hier fehlen Licht und Frischluft. Da ich Apache übernommen habe und nach meiner Stunde dem nächsten Reiter übergebe, erfahre ich nicht, wo sein Putzzeug aufbewahrt wird. Der Betrieb erhält ein Hufeisen.

Die 30-minütige Einzelstunde hat 13 Euro gekostet. Das ist sehr günstig. Hier könnte der Betrieb mehr verlangen und dafür an Tagen mit Engpässen zusätzliche Helfer und Schulpferde bereitstellen. Das Preis-Leistungs-Verhältnis bekommt zwei Hufeisen. In der Gruppe mit maximal fünf Reitern kosten 45 Minuten ebenfalls 13 Euro.

Bewertung

Schulpferd: zwei von drei Hufeisen
Reitlehrer: zwei von drei Hufeisen
Reitbetrieb: ein von drei Hufeisen
Preis-Leistung: zwei von drei Hufeisen

Kontakt

Heimpelhof
88079 Kressbronn
Tel. 0160-99612005
www.heimpelhof.de

Reiten am Bodensee: Isländergestüt Hafnersholt

Bevor ich in den Sattel steige, drückt mir die Trainerin auf dem Isländergestüt Hafnersholt ein Funkgerät in die Hand. Dies wird am Oberteil des Reiters befestigt. Von dieser praktischen Übertragungstechnik hatte ich schon auf der Homepage des Hofs gelesen. Da es auf dem Gestüt Hafnersholt keine Reithalle gibt, arbeitet der Isländerbetrieb auf dem etwa 20 x 40 Meter großen Außenreitplatz mit Funk.

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"Die Anweisungen sind so besser zu verstehen, und die Reitlehrerstimme wird geschont", erklärt Stefanie Reichart, die am Testtag unterrichtet. Isländer-Wallach Prakkari ist schon eine Stunde gegangen und wartet gesattelt und getrenst am Putzplatz. Noch bevor wir auf dem Reitplatz ankommen, streift der 20-jährige Wallach seinen grünen Schaum vom Maul an meinem T-Shirt ab.

Der Unterricht nimmt flott Fahrt auf. Zum Lockern der Beine soll ich aus den Steigbügeln rausgehen. "Die Beine liegen ruhig am Pferdekörper an und tun erst einmal gar nichts", sagt die Trainerin. Um das zu erreichen, soll ich Prakkari zum Treiben nur mit der Gerte antippen.

Im nächsten Schritt soll ich mit dem oberen Teil der Wade treiben. Stefanie Reichart zeigt die Stelle an meinem Bein. "Bei einem Warmblut treibt man viel weiter unten. Aber an der Stelle des Beins ist beim Isländer nichts mehr." Man würde ins Leere treiben. Die Trainerin legt großen Wert auf feine Zügelführung: "Sie müssen ganz zart sein, annehmen, nachgeben und weich werden."

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Reiten am Bodensee: Isländergestüt Hafnersholt

Ich konzentriere mich darauf, und kurze Zeit später tritt Prakkari ans Gebiss und wölbt den Rücken. Stefanie Reichart lässt mich selbstständig Bahnfiguren reiten und fordert regelmäßige Handwechsel. Prakkari kaut entspannt auf der Trense und schnaubt ab.

Ich soll eine Vorhandwendung reiten und halte an. Prakkari weiß schon, was kommt, und macht die Wendung von selbst. Allerdings tritt er nicht mit den Hinterbeinen über. "Machen Sie es ganz langsam, Schritt für Schritt. Der soll nicht so voreilig sein", rät die Reitlehrerin. Mit diesem Tipp schaffen wir kontrollierte Vorhandwendungen mit Übertreten.

"Nach solchen Übungen das Pferd immer wieder vorwärts laufen lassen", sagt Stefanie Reichart. Ich soll aus dem Schritt angaloppieren. Prakkari springt an, fällt jedoch sofort wieder aus. "Ihre Hand ist noch zu fest", sagt die Trainerin. Dies sei ein bekanntes Problem bei der Umstellung vom Warmblut auf einen Isländer, sagt Reichart.

Ich versuche, die Paraden weicher zu geben, und der Galopp klappt prompt besser. Prakkari springt durch. Stefanie Reichart lässt mich in der Einzelstunde nie aus den Augen. Sie korrigiert jeden Fehler des Reiters. Zudem ist sie darauf bedacht, dass das Pferd zufrieden geht.


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Reiten am Bodensee: Isländergestüt Hafnersholt

Auf alle meine Fragen erhalte ich sinnvolle Antworten. Stefanie Reichart unterrichtet seit 30 Jahren, hat aber keine Reitlehrerausbildung. Seit 2011 übernimmt sie ein Mal pro Woche die Reitstunden auf dem Isländerhof. Für den engagierten, sehr konstruktiven und gründlichen Unterricht erhält sie drei Hufeisen.

Schulpferd Prakkari ist sensibel. Gibt der Reiter die Hilfen richtig, ist er leichtrittig. Der Isländer braucht eine weiche Hand. Er lässt sich gut stellen und biegen. Zum Ende der Stunde möchte er sich dehnen und reißt mir mehrmals die Zügel aus der Hand. Zwei Hufeisen für das gute Schulpferd.

Prakkari lebt mit den anderen Wallachen des Hofs in einem Offenstall mit Auslauf. Der starke Regen am Testtag hat ein paar Pfützen hinterlassen. Es gibt einen Unterstand, der die Pferde vor Regen und Sonne schützt. Auf die Koppel dürfen die Tiere erst nach dem ersten Grasschnitt. Es gibt insgesamt vier Schulpferde. Manchmal kommt ein fünftes Pferd von einem Einsteller für den Unterricht dazu.

Prakkaris Hufe sind in einem guten Zustand. Sattel sowie Trensen sind gepflegt und passen. Nach der Stunde soll ich Prakkari mit einer Bürste die Sattellage massieren. Er bekommt eine Portion Kraftfutter zu fressen. Der Isländerhof punktet mit zwei Hufeisen. Ein Eisen ziehe ich wegen der fehlenden Reithalle und eingeschränktem Weidegang ab.

Die 30-minütige Probestunde hat 20 Euro gekostet. Eine 30-minütige Einzelstunde schlägt mit 35 Euro zu Buche, eine Gruppenstunde mit maximal drei Mitreitern kostet 20 Euro. Für eine Zehnerkarte, zahlt man 180 Euro. Das sind angemessene Preise für sehr lehrreichen Unterricht auf einem guten Schulpferd. Das Preis-Leistungs-Verhältnis bekommt zwei Hufeisen.

Bewertung

Schulpferd: zwei von drei Hufeisen
Reitlehrer: drei von drei Hufeisen
Reitbetrieb: zwei von drei Hufeisen
Preis-Leistung: zwei von drei Hufeisen

Kontakt

Isländergestüt Hafnersholt
88178 Heimenkirch
Tel. 08381-802996
www.hafnersholt.de

Reiten am Bodensee: Reitzentrum Taubenberg

Das Reitzentrum Taubenberg wirkt menschenleer. Der Stall ist frisch gemistet und sauber gefegt. Alle Boxen sind belegt, mehrere kleine Hunde bellen. Bei meiner Suche auf dem Hof treffe ich auf eine Mitarbeiterin. Sie ruft Betriebsinhaberin Barbara von Ungern-Sternbach auf dem Handy an und erinnert sie an die Stunde.

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Fünf Minuten später ist die Betriebscheffin da. Dass man im Reitzentrum Taubenberg nur als Fortgeschrittener Unterricht nehmen kann, hatte sie bereits am Telefon angekündigt. Die vier Pferde, die für den Unterricht eingesetzt werden, sind aktive oder ehemalige Turnierpferde.

Die Reitlehrerin teilt mir Holsteiner Cenbo zu. Der 17-Jährige ging früher S-Springen. "Beim Trensen reißt er den Kopf hoch", sagt Ungern-Sternbach. Sie zeigt die Sattelkammer und lässt mich Cenbo allein in der Box fertig machen. Weil er nicht angebunden ist, läuft der 1,78 Meter große Wallach durch die Box.

Dabei drängt er mich mehrmals in eine Ecke, während ich putze und sattele. Beim Trensen nimmt er den Kopf nach oben. Als Barbara von Ungern-Sternbach nach uns schaut, ist sie überrascht, den Wallach getrenst vorzufinden. „Cenbo wurde von einem Stallnachbarn ein Teil seines Ohrs abgebissen. Deshalb ist er sehr empfindlich beim Trensen", erklärt die Reitlehrerin.

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Reiten am Bodensee: Reitzentrum Taubenberg

Beim Aufwärmen in der 20 x 60 Meter großen Reithalle ist Cenbo angespannt. Er spitzt die Ohren und linst nach draußen, sobald wir am Hallentor vorbeikommen. "Das darf er in dieser Phase noch", sagt Barbara von Ungern-Sternbach. Mit dem Reiter ist die Reitlehrerin strenger.

"Sie haben einen Spaltsitz", sagt sie. "Legen Sie das Gewicht deutlich auf die Gesäßknochen." Cenbo stolpert häufig. Ich frage nach. "Seine Hufe sind zu lang. Er stolpert aber sowieso oft", sagt die Trainerin. Beim Leichttraben zieht mir der Wallach die Zügel aus der Hand. "Das macht er auch schon immer", sagt von Ungern-Sternbach und gibt einen Tipp: "Von hinten treiben, indem Sie das Kreuz anspannen und den Po zusammenkneifen beim Einsitzen."

Dieser Rat hilft wenig, der Schimmel legt sich weiter auf die Hand. Barbara von Ungern-Sternbach lässt etliche Bahnfiguren reiten und ist erst zufrieden, wenn sie korrekt sind. Das Vergrößern des Vierecks im Schenkelweichen klappt einwandfrei, das Verkleinern nicht. "Innen und außen parieren, inneren Schenkel deutlich nach innen drehen und anlegen", sagt sie.

Es folgen Schlangenlinien. Bei der einfachen Schlangenlinie bricht Cenbo aus, als es auf die Hindernisse in der Hallenmitte zugeht. "Er war immer sehr nervös bei Turnieren und hatte ständig Lampenfieber", sagt Barbara von Ungern-Sternbach. Das erklärt nicht, warum das ehemalige S-Springpferd ohne Turnierstress in der heimischen Halle vor Hindernissen ausweicht.


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Reiten am Bodensee: Reitzentrum Taubenberg

Cenbo ist anstrengend zu reiten, weil er sich auf den Zügel legt. Gegen Ende der Stunde geht er fleißig vorwärts, kommt aber fast ins Rennen. "Das ist zu eilig", meint die Reitlehrerin. "Treiben Sie von hinten und verkleinern so die Schritte." Seine Nervosität und Rittigkeitsmängel kosten den Holsteiner-Wallach zwei Hufeisen. Ich notiere ein Hufeisen.

Barbara von Ungern-Sternbach hat keine Reitlehrerausbildung. Ihr Unterricht ist anspruchsvoll und an das Niveau des Reiters angepasst. Fortgeschrittene Reiter können viel lernen. Sie korrigiert Fehler gründlich. Abzüge gibt‘s, weil sie Rittigkeitsmängel des Schulpferds damit begründet, dass dies schon immer so war. Zwei Hufeisen für die Reitlehrerin.

Cenbo steht in einer etwa 3 x 4 Meter großen Box mit Außenfenster. Sattel und Zaumzeug passen. Bei trockenem Wetter dürfen die Pferde auf Paddocks oder Weiden. Es gibt einen 25 x 50 Meter großen Außenplatz. Weil Cenbos Hufe zu lang sind und die Pferde nicht täglich raus können, bekommt der Betrieb eineinhalb Hufeisen.

Die Einzelstunde hat 45 Minuten gedauert und 25 Euro gekostet. Das ist für den intensiven Reitunterricht ein guter Preis, der mit zwei Hufeisen abschneidet. Gruppenstunden finden mit maximal zwei Reitern statt. Dann bezahlt man 25 Euro für 60 Minuten.

Bewertung

Schulpferd: ein von drei Hufeisen
Reitlehrer: zwei von drei Hufeisen
Reitbetrieb: eineinhalb von drei Hufeisen
Preis-Leistung: zwei von drei Hufeisen

Kontakt

Reitzentrum Taubenberg
88131 Bodolz
Tel. 08382-28771
www.reitzentrum-taubenberg.de

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