Gerade aus dem Sattel gestiegen, sagt Michael Jung: "Das war unglaublich. FischerChipmunk ist einfach eine Legende. Ich habe so einen Respekt vor diesem Pferd." Die beiden hatten ihren Weltmeistertitel mit einer fokussierten und harmonischen Runde im Springen fix gemacht. Es waren wohl nicht in erster Linie die zwei Stangen-Wackler, die das Publikum den Atem anhalten ließen, sondern die beeindruckende Harmonie von Reiter und Pferd. Im Hinblick auf das Alter des 18-jährigen Hannoveraner-Wallachs sagte Jung: "Der wird immer besser, der strotzt vor Kraft." Der Wallach habe gute Nerven gezeigt, obwohl er schon etwas aufgeregt gewesen sei. Ein sensibles Pferd, auf dem man "auch sein Enkelkind ausreiten lassen kann", wie Julia Krajewski sagte. Der Hannoveraner steht seit 2019 in Jungs Stall und feierte zuvor mit Teamkollegin Krajewski zahlreiche Erfolge.
Deutsche Vielseitigkeitsreiter von Anfang an auf Erfolgskurs
Die deutschen Vielseitigkeitsreiter waren in Aachen von Anfang an voll auf Medaillenkurs. Gut begonnen hatte die WM für das deutsche Team mit einem starken und harmonischen Auftritt von Julia Krajewski in der Dressur mit ihrem Holsteiner Uelzener’s Nickel. Mit 22,0 Minuspunkten übernahm sie die Führung des 87 Teilnehmer zählenden Starterfeldes und gab diese bis zuletzt nicht mehr ab. Mit 23,0 Minuspunkten erreichte Michael Jung mit fischerChipmunk FRH nach der Dressur Platz drei im Zwischenstand.
Michael Jung mit Chipmunk im Gelände fehlerfrei
Die anspruchsvolle Geländestrecke konnten am Tag darauf alle fünf deutschen Reiter meistern. "Fantastisch! Alle fünf deutschen Reiter gut im Ziel, das ist eine großartige Leistung", so Equipechefin Dr. Annette Wyrwoll. Keine Selbstverständlichkeit, denn knapp ein Viertel der Starterpaare beendete die Strecke nicht, etliche der 16 Mannschaften starteten im Springen nur noch zu dritt, auch die Goldmedaillengewinner aus Großbritannien. Mit fischerChipmunk FRH kam Michael Jung ohne Zeit- und Hindernisfehler ins Ziel. Damit übernahm Jung bereits nach der Geländeprüfung die Führung und verschaffte der deutschen Mannschaft eine gute Ausgangslage für die Silbermedaille, die sich das Team mit dem heutigen Springen sichern konnte. Er und sein Pferd seien im Gelände immer mehr in einen Rhythmus gekommen, beschreibt Jung: "Ich habe mich nur einmal aufrichten müssen, dann war er schon wieder gedanklich bei mir. Das ist gigantisch, dass er einfach immer wieder mehr noch dazulernt, immer noch mehr Routine kriegt. Wir kennen uns immer mehr in- und auswendig und das hilft natürlich am Ende, überall so einen Bruchteil von einer Sekunde zu sparen und auch, dass man am Schluss noch mal so für die Zeit fighten kann. Das ist schon ein unglaubliches Gefühl."





