Die Kreis-Klassiker

30 Jahre CAVALLO: Bahnbrechende Entwicklungen
Die Kreis-Klassiker

ArtikeldatumVeröffentlicht am 05.05.2026
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Equikinetic ist ein effektives Muskel-Aufbau-Programm
Foto: Rädlein

Die blau-gelben Dualgassen brachten Farbe in die Pferdewelt – und heute gehören sie in fast jedem Stall zum Inventar. Die Equikinetic in der Quadratvolte, die Michael Geitner und Alexandra Schmid 2013 vorstellten, ist ein Trainings-Klassiker geworden. Zu Recht: Dieses Intervall-Training macht Pferde am Boden in kurzer Zeit superfit und ist kinderleicht anzuwenden.

Wie funktioniert Equikinetic?

Equikinetic wirkt umso besser, je regelmäßiger du dein Pferd trainierst. Idealerweise baust du sie mindestens einmal pro Woche in den Trainingsalltag ein. Eine Grund-Fitness bekommt dein Pferd in zwei bis drei Monaten bei zwei- bis dreimal Training pro Woche. Nach der Equikinetic brauchen Muskeln einen Tag Ruhe, um zu wachsen (Spaziergang, Weide, lockeres Reiten). Beginne langsam: Equikinetic ist mental und körperlich sehr anstrengend.

So steuerst du dein Pferd durch die Gassen

Wärme dein Pferd zehn bis 15 Minuten im Schritt auf, bevor du dein Pferd durch die Gassen steuerst. Wichtig bei der Equikinetic sind die Pausen. In jeder Pause wird die Hand gewechselt. Bis zum Start der nächsten Arbeitsphase lässt du die Longe lang. Dein Pferd darf gehen, wie es möchte, solange es in den Gassen bleibt.

Stellung: Während der gesamten Arbeitsphase soll das Pferd die Stellung halten. Das fällt vielen Pferden schwer. Von vorne betrachtet sollte eine senkrechte Linie vom äußeren Pferdeauge aus vor der Brust verlaufen. Beim Pferd auf dem Foto links oben stimmt die Kopfposition. Es müsste sich aber besser im Genick runden, anstatt den in sich relativ geraden Hals am Widerrist abzuknicken. Verläuft die Linie vom äußeren Auge innen von der Pferdebrust zum Boden, ist das Pferd überstellt.

Biegung: Biegt sich ein Pferd in einer Wendung korrekt, tritt der äußere Hinterfuß auf dieselbe Linie wie der äußere Vorderhuf. Landet der Hinterhuf dagegen außen neben dem Abdruck des Vorderhufs, schert die Hinterhand aus. Das Pferd ist entweder zu schnell oder zu stark gestellt oder braucht noch Zeit, um geradegerichtet zu werden.

So führst du die Longe

Ausrüstung: Longe ohne schweren Haken, Gerte (ca. 1,40 bis 1,60 m), Kappzaum. Mit Halfter oder Knotenhalfter kannst du nicht korrekt stellen. Eine Trense mit Gebiss ist tabu.

Position: Du gehst mit, auf Schulterhöhe des Pferds oder etwas weiter hinten – im Schritt mit ca. 1 bis 2 m Abstand, im Trab weiter weg. Die Hand, die zum Pferdekopf zeigt, führt die Longe und stellt das Pferd, die andere hält Longenrest und Peitsche. Machst du betont große Schritte, verlängert oft auch das Pferd seine Schritte.

So baust du die Quadratvolte

Acht Schaumstoffstangen bilden eine Quadratvolte aus Gassen. Von der Mitte (Pylon) legst du vier Schaumstoffstangen als Kreuz aus, am Ende der Stangen je eine weitere Stange quer. Das sind die Innenkanten der Gassen. Die anderen Stangen legst du parallel zu einer etwa 1,5 Meter breiten Gasse. Die äußeren Stangen kannst du durch jeweils drei Pylonen ersetzen.

Equikinetic ist ein effektives Muskel-Aufbau-Programm
Rädlein

Das sind die Trainingszeiten

Die Intervalle sind der Clou der Equikinetic. Für optimale Trainingsreize müssen sie exakt eingehalten werden: Du trainierst 8 bis 12 Einheiten à jeweils eine Minute. Zwischen den Arbeitsphasen, also nach jeder Einheit, bekommt das Pferd 30 bis 45 Sekunden Pause, in denen es die Richtung wechselt und ansonsten Schritt geht. Wenn kein Helfer die Zeiten ansagt, kannst du einen Intervall-Timer oder eine entsprechende Smartphone-App nutzen, beispielsweise den "Men’s Health Fitness Timer".

So gestaltest du das Training

Start: Das Programm startet mit acht Runden Arbeitsphase, die jeweils eine Minute dauern. Zu Beginn longierst du dein Pferd 60 Sekunden auf einer Hand, danach folgt eine Pause von 30 bis 45 Sekunden. In der Pause lässt du dein Pferd im Schritt ohne Stellung und Biegung laufen oder stellst es außerhalb der Quadratvolte ab. Nach der Pause wechselst du die Hand und beginnst die nächste Arbeitsphase.

Schrittweise steigern: Du kannst das Training schrittweise auf bis zu 12 Arbeitseinheiten à jeweils 1 Minute steigern. Wann du in die nächste Stufe wechselst, hängt von deinem Pferd ab. Equikinetic ist anstrengend: Die ständige Konzentration und das Arbeiten der Muskulatur unter Spannung fordern dein Pferd enorm. Zeigt es Anzeichen von Überforderung (es fußt schlechter, verwirft sich, wird eilig oder träge, stolpert oder bockt), beendest du die Einheit. Beginne beim nächsten Mal mit weniger Einheiten. Wenn du unsicher bist, fordere lieber weniger als zuviel.

Als Aufbauphase hat sich ein 12-Wochen-Programm bewährt. In dieser Zeit kann dein Pferd ausreichend Muskulatur entwickeln. Dreimal pro Woche Equikinetic mit jeweils 48 Stunden Pause dazwischen ist ideal, um die Trage- muskulatur so zu stärken, dass dein Pferd einen Reiter problemlos tragen kann.

Tempo: Takt ist immer wichtiger als Tempo. Vor allem im Trab gilt: lieber langsam machen. Damit im Schritt die Muskeln gut arbeiten, ist ein klarer Viertakt nötig. Der liegt in der Regel etwas über dem vom Pferd selbst gewählten Komforttempo und kann sich bis zum starken Schritt steigern.

Im PDF liest du, wie Schiefen-Therapie und das Kreismeister-Konzept funktionieren: